Die Rückkehr der Warlords

Während die Nato mit ihrem Abzug beginnt, bereitet sich Afghanistan auf die Präsidentenwahl vor. Auf der Kandidatenliste tummeln sich Kriegsverbrecher und Drogenbarone.

Abdul Rasul Sayyaf (mitte) hat Osama bin Laden einst nach Afghanistan eingeladen. Nun will er Karzai ablösen. (Foto: Reuters)

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Alle Jahre wieder und nichts daraus gelernt

Am vergangenen Montag jährten sich zum zwölften Mal die Anschläge des 11.Septembers. Das darauffolgende Jahrzehnt war geprägt von Krieg und Gewalt. Jene Gewalt, die die Türme des World Trade Centers einstürzen ließ, erzeugte eine Gegengewalt, deren Ende bis heute nicht in Sicht ist.

Unter den 9/11-Opfern befand sich auch der Neffe der muslimischen US-Amerikanerin Khudeza Begum. (Foto: Getty Images)

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#SchauHin: Alltag nach 9/11

Nun liegen die Anschläge vom 11. September 2001 zwölf Jahre zurück. Abgesehen davon, dass dieses Ereignis die Kriege im vergangenen Jahrzehnt gerechtfertigt hat, hat es auch in den Köpfen vieler Muslime ein Trauma bewirkt, welches Außenstehende nur schwer nachvollziehen können.

Foto: Adam McLean

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Hollywood-Propaganda 2013

Die amerikanische Filmindustrie produziert jährlich zahlreiche Filme. Obwohl man weiß, dass die meisten davon geschmacklos und unrealistisch sind, schaut man sie sich trotzdem an. Der Grund dafür ist simpel: Man will unterhalten werden. Zugegeben, die meisten Hollywood-Filme sind sehr wohl unterhaltsam. Natürlich gibt es auch Schauspieler, die einem ans Herz gewachsen sind. Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass einige Filme nicht nur einen extrem einseitigen politischen Hintergrund haben, sondern auch gezielt falsche Informationen verbreiten.

Ein Ausschnitt aus dem Film "Zero Dark Thirty"

Ein Ausschnitt aus dem Film „Zero Dark Thirty“

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Der „Verrückte“ heißt Mohammed M. – „Al-Qaida-naher Islamist“

Das Worst-Case-Szenario schlechthin ist eingetreten. Als ich in meinem letzten Artikel schrieb, was wohl los wäre, wenn der Toulouse-Attentäter ein Moslem sei, hätte ich wirklich nicht im Traum daran gedacht, dass sich dies bewahrheiten könne.
Medienberichten nach soll es sich bei jener Person, die drei Schulkinder, einen Rabbi und drei französische Soldaten auf dem Gewissen hat, um einen Franzosen mit algerischer Mutter handeln.

Der Mann namens Mohammed Merah soll aus Rache gehandelt haben. Er tötete die jüdischen Schulkinder nur, weil tagtäglich palästinensische Kinder ebenfalls ermordet werden. Die dunkelhäutigen Soldaten, die im Prinzip die selben Wurzeln haben wie er, seien getötet worden, weil sie einst in Afghanistan stationiert waren.
Und wenn wir schon bei Afghanistan sind: In den letzten Tagen habe ich nahezu ausschließlich über das Massaker von Kandahar geschrieben. Wer hätte gedacht, dass ich bei diesem Thema hier noch einmal auf Kandahar kommen muss? Mohammed Merah befand sich nämlich französischen sowie afghanischen Quellen nach einst in einem Gefängnis in Kandahar. Er wurde in Afghanistan festgenommen, weil er in der Lage war Bomben zu bauen. Außerdem habe er in Trainingscamps entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze trainiert haben, von den westlichen Medien gerne „Terrorcamps“ genannt.
Merah gelang es allerdings bei einem Massenausbruch aus dem dem Gefängnis zu fliehen. Als ich das alles las, musste ich es erst einmal verarbeiten.

Gegenwärtig hat sich der mutmaßliche Täter in seinem Haus verschanzt. Die Polizei belagert ihn schon den ganzen Tag. Schüsse wurden abgefeuert. Dann hieß es, er sei gefangen worden. Nun wurde seine Gefangennahme dementiert und die Belagerung der Polizei wird fortgesetzt. Merahs Mutter, sein Bruder und dessen Freundin befinden sich in Polizeigewahrsam. Der Inlandsgeheimdienst soll Merah und dessen Bruder jahrelang bewacht haben. Dieser hat die zwei Brüder als „kriminell, aber harmlos“ eingestuft, sprich, der Geheimdienst hat sich nicht groß um sie gekümmert. Merah hat anscheinend selber seine Taten zugegeben, indem er mitten in der Nacht eine Journalisten von France 24 angerufen hat und ihr elf Minuten lang den genauen Tathergang beschrieb und behauptete, dass er der Gesuchte sei.

Egal aus welchen Motiven Merah gehandelt hat, seine Tat ist zu verurteilen. Wer Unschuldige ermordet, hat auch eine dementsprechende Strafe zu erwarten. Vor allem, wenn es sich bei den Opfern um Kinder handelt. Nichts und niemand kann solch eine Tat entschuldigen.

Trotzdem ist es schade, wie schnell solch eine Tat für politische Zwecke missbraucht wird. Die rechts-populistische Front National in Frankreich hat sofort mit ihren Finger auf alle Araber und Moslems gezeigt. Natürlich war nichts anderes zu erwarten. Merah hat den Ruf eines gesamten Kulturkreises geschadet. Für rechte Blogs etc. ist die ganze Geschichte ein gefundenes Fressen. Ein Mann namens Mohammed der jüdische Kinder ermordet hat, für die rechte Szene in Europa eine weitere Bestätigung für ihr Klischee gegenüber Moslems.
Die Massenmedien reagieren wie erwartet. Vor zwei Tagen wurde fast nur am Rand über die Tat berichtet. Nun liest man Schlagzeilen wie „Wer ist der Islamist?“ oder „Steckt Al-Qaida“ dahinter? Es werden wie am Laufband Artikel und Sondersendungen über den Täter, den Islam und dessen Beziehung zu Juden und über Dschihadisten-Netzwerke produziert. Nun ist sogar offiziell von einem „Terroristen“ die Rede.

Wir dürfen gespannt sein, wie dieses Geschehen, das mit solch einem traurigen Ereignis begann, weitergehen wird. Der Täter muss auf jeden Fall gerecht bestraft werden, doch kann es auch bei ihm der Fall sein, dass er als „geisteskrank“ abgestempelt werden kann?  Kann er in die Klapsmühle kommen, wie es bei Anders B. Breivik vielleicht der Fall sein wird oder wird bei Merah im vorhinein so etwas gar nicht in Frage gestellt, weil er ein „Islamist“ ist?

Die Medien sind ebenfalls alles andere als transparent. Wenn in Europa Kinder durch die Hand eines „Moslems“ getötet werden, ist es tagelang die Schlagzeile schlechthin. Es ist zwar vielleicht etwas überspitzt oder gar „böse“ ausgedrückt, doch im Nahen Osten werden jede Woche palästinensische Kinder von israelischen Raketen verletzt oder getötet. Solche Fälle liest man aber nur am Rand oder man erfährt gar nichts davon, obwohl „Juden“ unschuldige Kinder ermorden bzw. verletzen.

Und warum habe ich die Wörter „Moslems“ und „Juden“ unter Anführungszeichen gesetzt? Ganz einfach, weil beide Religionen solch eine grausame Tat verbieten. Weder ein gläubiger Jude noch ein gläubiger Moslem würde solch ein Massaker veranstalten. Und genau deshalb ist es keine religiös motivierte Tat, auch wenn es die meisten Medien gerne so hätten.

UPDATE: Mohammed Merah ist angeblich tot. Die Polizei hat sein Haus gestürmt. Wie er starb, ist noch nicht bekannt.
Außerdem hat sich herausgestellt, dass Merah nie in einem Gefängnis in Kandahar saß. Die afghanischen Behörden dementierten die Nachricht, die von westlichen Medien verbreitet wurde.