Vergessene Malalas

Die Freude über den Friedensnobelpreis für die Kinderrechtlerin Malala ist riesig – doch die vielen anderen Aktivisten kennt kaum jemand. Abgesehen davon fragt man sich, ob man im Westen Malala überhaupt kennen würde, wenn sie nicht von einem Talib, sondern von einer Drohne angegriffen worden wäre.

Nabila (Foto: Reuters)

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Wer war Tariq Aziz?

Der Friedensnobelpreis wurde verliehen. Es ging nicht an Malala, sondern an Chemiewaffeninspekteure. Mein persönlicher Favorit war allerdings jemand anders. Seinen Namen kennt fast niemand, geschweige denn, dass man ihn auf irgendeiner Liste von Nobelpreisanwärtern finden konnte.

Tariq Aziz während einer Versammlung in Islamabad (Foto: Pratap Chatterjee, Bureau of Investigative Journalism)

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Die vergessenen Malalas

Am vergangenen Freitag hielt Malala Yousafzai, jenes Mädchen, welches im vergangenen Jahr von einem Extremisten in den Kopf geschossen wurde, ihre Rede vor der UNO. Der sogenannte „Malala Day“ wurde seitens der Medien ausgiebig gefeiert. Dabei setzte man ein weiteres Mal auf eine oberflächliche Berichterstattung und drängte Hintergrundfakten beiseite.

Malala Yousafzai vor der UN (Foto: EPA)

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Wochenrückblick (22.10 – 27.10.2012)

Pakistans Imran Khan ist der Meinung, dass die Taliban in Afghanistan einen „Heiligen Krieg“ führen und dass das in Ordnung sei. Gleichzeitig vergisst er zu erwähnen, dass gerade diese Taliban in Pakistan als „Terroristen“ abgestempelt werden, während der gleiche Staat sie in Afghanistan fördert. Khans Aussagen kamen zu einem unpassenden Zeitpunkt und wurden von der afghanischen Regierung stark kritisiert.

Wir können gleich in Pakistan bleiben, denn dort wird der Fall um das paschtunische Schulmädchen Malala Yousafzai weiter zugespitzt. Yousafzai wurde auf dem Schulweg von einem angeblichen Taliban in den Kopf geschossen und überlebte schwer verletzt. Der Fall wurde sofort von Politik und Medien aufgegriffen und missbraucht. Plötzlich zeigt die ganze Welt Interesse am Schicksal eines paschtunischen Mädchens aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, während verschwiegen wird, dass am selben Ort zahlreiche Unschuldige durch die Drohnen von Friedensnobelpreisträger Obama ermordet werden. Wäre Malala Yousafzai eines dieser Drohnen-Opfer gewesen, würden sich allen voran die westlichen Medien wohl einen Dreck um sie scheren.

Der US-Wahlkampf zwischen Barack Obama und Mitt Romney befindet sich in seiner Endphase. Romney bewies vergangene Woche seine geografischen Kenntnisse, indem er vor laufender Kamera behauptete, Syrien sei aufgrund seiner Meeresverbindung der wichtigste Verbündete des Irans in der arabischen Welt. Nichtsdestotrotz spielt es keine große Rolle, wer der neue Kriegsherr der Vereinigen Staaten werden wird. An der katastrophalen US-Außenpolitik wird sich ohnehin nichts ändern.

Im Libanon scheint die Situation aus dem Ruder zu laufen. Nach der Ermordung von Wissam al-Hassan sind die alten Feindschaften zwischen Sunniten und Schiiten wieder zum Leben erwacht. Kein Wunder, denn die Drahtzieher des Anschlags zielten genau darauf ab. Nun erwägt Staatspräsident Suleiman die Bildung eines neuen Kabinetts. Dies würde vor allem die prosyrische, schiitische Hisbollah schwächen. Ein weiterer Grund, warum das Assad-Regime nicht hinter dem Attentat auf al-Hassan stecken kann.

Am Freitag begann das islamische Opferfest Eid al-Adha. Leider blieb der Großteil der islamischen Welt auch während dieser Feiertage nicht von Blutvergießen verschont. Im Norden Afghanistans riss ein Selbstmordattentäter über vierzig Unschuldige in einer Moschee in den Tod. Im Irak gab es ebenfalls zahlreiche Autobombenanschläge und viele tote Zivilisten. Die muslimischen Rohingya in Burma werden weiterhin verjagt und massakriert. In den letzten Tagen wurde ein ganzes von Muslimen bewohntes Stadtviertel im Westen des Landes niedergebrannt. Der Dalai Lama und Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi schweigen immer noch zu diesen ethnischen Säuberungen und auch die Weltöffentlichkeit zeigt kein großes Interesse daran. Währenddessen tobt der Stellvertreterkrieg in Syrien weiter. Der Waffenstillstand zum Opferfest wurde schon längst gebrochen und täglich hört man zahlreiche Explosionen in Damaskus und anderen Städten des Landes.

Ein Rückblick: 

Imran Khan und der „Heilige Krieg“

Der pakistanische Politiker Imran Khan will den Taliban-Terror in Afghanistan rechtfertigen, indem er ihn als “Heiligen Krieg” bezeichnet. Khan ist der Meinung, dass es richtig sei, die fremden Besatzer im Nachbarland zu bekämpfen. Seine Aussagen fielen nicht nur zu einem falschen Zeitpunkt, sondern sind auch heuchlerisch und falsch. Von der afghanischen Regierung wurde Khan für seine Aussagen bereits auf das Schärfste kritisiert.

Malala Yousafzai – der politische Missbrauch eines Kindes 

Der tragische Fall des paschtunischen Schulmädchens Malala Yousafzai sorgt immer noch weltweit für Schlagzeilen. Das junge Mädchen aus Pakistan wurde auf dem Schulweg von einem angeblichen Mitglied der Taliban in den Kopf und in den Nacken geschossen. Schwer verletzt überlebte sie den Anschlag und befindet sich gegenwärtig in Birmingham. Malala stammt aus dem Swat-Tal, einer Provinz, die einst ein Teil Afghanistans war und gegenwärtig zu den gefährlichsten Gegenden der Welt gehört. Dies ist nicht ohne Grund der Fall, denn Swat steht großteils unter „Taliban-Kontrolle“, wie es die meisten Medien ausdrücken wurden. Den Mädchen wird dort der Schulbesuch untersagt. Die fünfzehnjährige Malala besuchte allerdings aus Protest weiterhin den Unterricht, bis es zu jenem schicksalhaften Tag kam. 

Hussein und Willard

Sehr bald ist es wieder so weit. In den USA wird wieder ein neuer Kriegsherr gewählt und zur Wahl stehen zwei Personen, von denen die Welt denkt, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Fakt ist jedoch, dass es völlig egal ist, wer von den beiden gewählt wird und in den nächsten vier Jahren die Vereinigten Staaten offiziell führen wird. 

Machtspiele im Libanon

Nach dem Tod des libanesischen Geheimdienstgenerals Wissam Al-Hassan in Beirut werden weiterhin Syrien und pro-syrische Kräfte für das Bombenattentat verantwortlich gemacht. Die Opposition um Exregierungschef Saad Al-Hariri, Sohn des 2005 ermordeten Expremiers Rafik Al-Hariri, forderte den Rücktritt der Regierung, der sie vorwirft, die Verantwortlichen des Anschlags zu decken. Tatsächlich erwägt Staatspräsident Michel Suleiman nun die Bildung eines neuen Kabinetts. Der Staatschef habe dazu Beratungen mit den wichtigsten Persönlichkeiten des Landes aufgenommen, verlautete am Mittwoch aus dem Präsidentenpalast.

Terror zum Opferfest

Der Terror und die Unterdrückung sucht die muslimische Bevölkerung dieser Welt auch während des islamischen Opferfestes heim. Im Norden Afghanistans explodierte ein Sprengsatz nach dem Gebet. Im Irak gingen mehrere Sprengsätze auf Märkten und belebten Plätzen hoch. In Syrien herrscht kein Waffenstillstand und es wird weiter gemordet, während in Burma weiterhin die muslimische Minderheit massakriert und vertrieben wird.

Malala Yousafzai – der politische Missbrauch eines Kindes

Der tragische Fall des paschtunischen Schulmädchens Malala Yousafzai sorgt immer noch weltweit für Schlagzeilen. Das junge Mädchen aus Pakistan wurde auf dem Schulweg von einem angeblichen Mitglied der Taliban in den Kopf und in den Nacken geschossen. Schwer verletzt überlebte sie den Anschlag und befindet sich gegenwärtig in Birmingham. Malala stammt aus dem Swat-Tal, einer Provinz, die einst ein Teil Afghanistans war und gegenwärtig zu den gefährlichsten Gegenden der Welt gehört. Dies ist nicht ohne Grund der Fall, denn Swat steht großteils unter „Taliban-Kontrolle“, wie es die meisten Medien ausdrücken wurden. Den Mädchen wird dort der Schulbesuch untersagt. Die fünfzehnjährige Malala besuchte allerdings aus Protest weiterhin den Unterricht, bis es zu jenem schicksalhaften Tag kam. 

Zum Begriff „Taliban“ sollte man immer wieder ausdrücklich sagen, dass es innerhalb Afghanistans und Pakistans mehrere Taliban-Gruppierungen gibt, die unterschiedliche Ziele verfolgen und für verschiedenste Zwecke missbraucht werden. Die westlichen Medien ziehen es vor, alle möglichen Mörder und Verbrecher in Zentralasien als „Taliban“ zu bezeichnen. Deshalb haben vor allem in Europa und in den USA viele Menschen ein falsches Bild von der Lage am Hindukusch. Dies ist auch beim Anschlag auf Malala der Fall.

Dieser wurde nicht nur sofort von der pakistanischen Regierung aufgenommen, sondern auch vom Westen. Die Regierung in Islamabad verurteilte den Mordversuch und wiederholte ein weiteres Mal, die „Taliban-Terroristen“ bekämpfen zu wollen. Was sie allerdings nicht erwähnt hat, ist das Faktum, dass sie die gleiche Gruppierung weiterhin im Nachbarland Afghanistan unterstützen wird, so wie es die vergangenen Jahre der Fall war.

Wenn die pakistanische Regierung schon über das Schicksal von Malala und anderen paschtunischen Mädchen an der afghanisch-pakistanischen Grenze spricht, muss sie auch über den dort stattfindenden Drohnen-Krieg Barack Obamas sprechen. Durch den täglichen Drohnen-Beschuss sterben zahlreiche Paschtunen, vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen sind davon betroffen. Die überlebenden Männer schwören auf Rache. Sie schließen sich Widerstandsbewegungen an oder lassen sich von Extremisten für deren politische Ziele missbrauchen. In den Medien werden uns dann all diese Gruppierungen als „Taliban“ verkauft. Aus einem neuen Bericht ging hervor, dass achtzig Prozent der Drohnen-Opfer Zivilisten sind. Des Weiteren stufen die Anzug- und Ordensträger in Washington jede männliche Person, die über achtzehn Jahre alt ist, als „bewaffneten Kämpfer“ ein. Demnach tötet Obama per Unterschrift jeden Tag Unschuldige.

Das ist aber nicht die einzige Tatsache, die von der pakistanischen Regierung gerne verschwiegen wird. Man darf nicht vergessen, dass Pakistan von Anfang an auf der Seite von George W. Bush stand, sprich, gegen die „Achse des Bösen“. Pakistan ebnete den USA und ihren Verbündeten den Weg nach Afghanistan, damit diese dort die „westliche Freiheit“ verteidigen. Des Weiteren ist es heuchlerisch von Pakistan, die Verbrechen der Taliban in Swat an den Pranger zu stellen, während das pakistanische Militär ebenfalls für zahlreiche Verbrechen in Malalas Heimatort verantwortlich ist. Diese Verbrechen an die Zivilbevölkerung fanden hauptsächlich während der Intervention gegen die Taliban statt.

Eine weitere Sache über die Zardari und seine Kollegen schweigen, ist der pakistanische Raketen-Beschuss auf die afghanische Provinz Kunar, der sich vor einigen Wochen ereignete. Auch dort kamen Zivilisten ums Leben. Pakistan verbreitet und fördert den Terrorismus in Afghanistan und in der Grenzregion, trotzdem spricht es immer wieder von einem „Kampf gegen den Terror“.

In dieser Hinsicht verhält sich der Westen ähnlich wie Pakistan. Der „Fall Malala“ wurde sehr schnell von Politik und Medien aufgegriffen. Das Schicksal des Mädchens ist in aller Munde, gleichzeitig werden junge, unschuldige Mädchen in Afghanistan und Pakistan von US-Drohnen getötet oder nachts aus dem Schlaf gerissen, von US-Soldaten missbraucht und getötet. Über all diese Fälle spricht niemand. Stattdessen zeigt man permanent auf einen Feind, den man sich selbst erschaffen hat.