Ariel Scharon – Ein anderer Nachruf

Vergangenen Samstag ist Israels früherer Ministerpräsident Ariel Scharon nach jahrelangem Koma verstorben. Die Medienhäuser dieser Welt hatten ihre Nachrufe wahrscheinlich seit langem vorbereitet. Schon  einige Wochen vor Scharons Tod brachten einzelne Nachrichtenseiten Fotoserien heraus, die unter anderem mit „Ariel Scharon – Fotos einer Karriere“ betitelt wurden. Aus den Bildern ging natürlich nicht hervor, dass der ehemalige israelische Premierminister de facto ein Kriegsverbrecher war.

Leichenzählung nach dem Massaker (Sabra und Schatila, 1982, Foto: AP)

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Kriegsgeschrei

Nun ist es beschlossene Sache. Nachdem man in Afghanistan und im Irak kläglich gescheitert ist, will der Westen nun in Syrien intervenieren. Während einer aggressiven Rede sprach US-Außenminister von Moral und Menschenrechten. Auch die „rote Linie“ war wieder einmal ein Thema. Wobei es sich dabei handelt, wurde jedoch mehr als deutlich.

Foto: Getty Images

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Wochenrückblick (22.10 – 27.10.2012)

Pakistans Imran Khan ist der Meinung, dass die Taliban in Afghanistan einen „Heiligen Krieg“ führen und dass das in Ordnung sei. Gleichzeitig vergisst er zu erwähnen, dass gerade diese Taliban in Pakistan als „Terroristen“ abgestempelt werden, während der gleiche Staat sie in Afghanistan fördert. Khans Aussagen kamen zu einem unpassenden Zeitpunkt und wurden von der afghanischen Regierung stark kritisiert.

Wir können gleich in Pakistan bleiben, denn dort wird der Fall um das paschtunische Schulmädchen Malala Yousafzai weiter zugespitzt. Yousafzai wurde auf dem Schulweg von einem angeblichen Taliban in den Kopf geschossen und überlebte schwer verletzt. Der Fall wurde sofort von Politik und Medien aufgegriffen und missbraucht. Plötzlich zeigt die ganze Welt Interesse am Schicksal eines paschtunischen Mädchens aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, während verschwiegen wird, dass am selben Ort zahlreiche Unschuldige durch die Drohnen von Friedensnobelpreisträger Obama ermordet werden. Wäre Malala Yousafzai eines dieser Drohnen-Opfer gewesen, würden sich allen voran die westlichen Medien wohl einen Dreck um sie scheren.

Der US-Wahlkampf zwischen Barack Obama und Mitt Romney befindet sich in seiner Endphase. Romney bewies vergangene Woche seine geografischen Kenntnisse, indem er vor laufender Kamera behauptete, Syrien sei aufgrund seiner Meeresverbindung der wichtigste Verbündete des Irans in der arabischen Welt. Nichtsdestotrotz spielt es keine große Rolle, wer der neue Kriegsherr der Vereinigen Staaten werden wird. An der katastrophalen US-Außenpolitik wird sich ohnehin nichts ändern.

Im Libanon scheint die Situation aus dem Ruder zu laufen. Nach der Ermordung von Wissam al-Hassan sind die alten Feindschaften zwischen Sunniten und Schiiten wieder zum Leben erwacht. Kein Wunder, denn die Drahtzieher des Anschlags zielten genau darauf ab. Nun erwägt Staatspräsident Suleiman die Bildung eines neuen Kabinetts. Dies würde vor allem die prosyrische, schiitische Hisbollah schwächen. Ein weiterer Grund, warum das Assad-Regime nicht hinter dem Attentat auf al-Hassan stecken kann.

Am Freitag begann das islamische Opferfest Eid al-Adha. Leider blieb der Großteil der islamischen Welt auch während dieser Feiertage nicht von Blutvergießen verschont. Im Norden Afghanistans riss ein Selbstmordattentäter über vierzig Unschuldige in einer Moschee in den Tod. Im Irak gab es ebenfalls zahlreiche Autobombenanschläge und viele tote Zivilisten. Die muslimischen Rohingya in Burma werden weiterhin verjagt und massakriert. In den letzten Tagen wurde ein ganzes von Muslimen bewohntes Stadtviertel im Westen des Landes niedergebrannt. Der Dalai Lama und Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi schweigen immer noch zu diesen ethnischen Säuberungen und auch die Weltöffentlichkeit zeigt kein großes Interesse daran. Währenddessen tobt der Stellvertreterkrieg in Syrien weiter. Der Waffenstillstand zum Opferfest wurde schon längst gebrochen und täglich hört man zahlreiche Explosionen in Damaskus und anderen Städten des Landes.

Ein Rückblick: 

Imran Khan und der „Heilige Krieg“

Der pakistanische Politiker Imran Khan will den Taliban-Terror in Afghanistan rechtfertigen, indem er ihn als “Heiligen Krieg” bezeichnet. Khan ist der Meinung, dass es richtig sei, die fremden Besatzer im Nachbarland zu bekämpfen. Seine Aussagen fielen nicht nur zu einem falschen Zeitpunkt, sondern sind auch heuchlerisch und falsch. Von der afghanischen Regierung wurde Khan für seine Aussagen bereits auf das Schärfste kritisiert.

Malala Yousafzai – der politische Missbrauch eines Kindes 

Der tragische Fall des paschtunischen Schulmädchens Malala Yousafzai sorgt immer noch weltweit für Schlagzeilen. Das junge Mädchen aus Pakistan wurde auf dem Schulweg von einem angeblichen Mitglied der Taliban in den Kopf und in den Nacken geschossen. Schwer verletzt überlebte sie den Anschlag und befindet sich gegenwärtig in Birmingham. Malala stammt aus dem Swat-Tal, einer Provinz, die einst ein Teil Afghanistans war und gegenwärtig zu den gefährlichsten Gegenden der Welt gehört. Dies ist nicht ohne Grund der Fall, denn Swat steht großteils unter „Taliban-Kontrolle“, wie es die meisten Medien ausdrücken wurden. Den Mädchen wird dort der Schulbesuch untersagt. Die fünfzehnjährige Malala besuchte allerdings aus Protest weiterhin den Unterricht, bis es zu jenem schicksalhaften Tag kam. 

Hussein und Willard

Sehr bald ist es wieder so weit. In den USA wird wieder ein neuer Kriegsherr gewählt und zur Wahl stehen zwei Personen, von denen die Welt denkt, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Fakt ist jedoch, dass es völlig egal ist, wer von den beiden gewählt wird und in den nächsten vier Jahren die Vereinigten Staaten offiziell führen wird. 

Machtspiele im Libanon

Nach dem Tod des libanesischen Geheimdienstgenerals Wissam Al-Hassan in Beirut werden weiterhin Syrien und pro-syrische Kräfte für das Bombenattentat verantwortlich gemacht. Die Opposition um Exregierungschef Saad Al-Hariri, Sohn des 2005 ermordeten Expremiers Rafik Al-Hariri, forderte den Rücktritt der Regierung, der sie vorwirft, die Verantwortlichen des Anschlags zu decken. Tatsächlich erwägt Staatspräsident Michel Suleiman nun die Bildung eines neuen Kabinetts. Der Staatschef habe dazu Beratungen mit den wichtigsten Persönlichkeiten des Landes aufgenommen, verlautete am Mittwoch aus dem Präsidentenpalast.

Terror zum Opferfest

Der Terror und die Unterdrückung sucht die muslimische Bevölkerung dieser Welt auch während des islamischen Opferfestes heim. Im Norden Afghanistans explodierte ein Sprengsatz nach dem Gebet. Im Irak gingen mehrere Sprengsätze auf Märkten und belebten Plätzen hoch. In Syrien herrscht kein Waffenstillstand und es wird weiter gemordet, während in Burma weiterhin die muslimische Minderheit massakriert und vertrieben wird.

Machtspiele im Libanon

aus:  http://www.jungewelt.de/2012/10-26/032.php bzw. Printausgabe vom 26.10.2012

Machtspiele im Libanon

von Emran Feroz
Nach dem Tod des libanesischen Geheimdienstgenerals Wissam Al-Hassan in Beirut werden weiterhin Syrien und pro-syrische Kräfte für das Bombenattentat verantwortlich gemacht. Die Opposition um Exregierungschef Saad Al-Hariri, Sohn des 2005 ermordeten Expremiers Rafik Al-Hariri, forderte den Rücktritt der Regierung, der sie vorwirft, die Verantwortlichen des Anschlags zu decken. Tatsächlich erwägt Staatspräsident Michel Suleiman nun die Bildung eines neuen Kabinetts. Der Staatschef habe dazu Beratungen mit den wichtigsten Persönlichkeiten des Landes aufgenommen, verlautete am Mittwoch aus dem Präsidentenpalast.
Der sunnitische Al-Hassan hatte beste Kontakte nach Saudi-Arabien. Ein Großteil seiner Familie besitzt neben der libanesischen Staatsbürgerschaft auch die saudiarabische. Es ist bekannt, daß er kein Freund des Assad-Regimes war, und auch bei der schiitischen Hisbollah war er ein verhaßter Mann. Zu dem Attentat hat sich bisher niemand bekannt. Es ist deshalb keine Überraschung, wenn all jene, denen das syrische Regime ein Dorn im Auge ist, Damaskus als Drahtzieher verdächtigen.Es stellt sich jedoch die Frage, welche Kräfte aus dem Attentat politischen Nutzen ziehen können. Syrien und die schiitische prosyrische Hisbollah sind es sicherlich nicht. Im Falle einer Kabinettsauflösung würde vor allem die Hisbollah erheblich an Macht verlieren. Warum sollten pro-syrische Kräfte mit einer solchen Aktion einen der wichtigsten Verbündeten im Libanon schwächen?Die Ermordung Al-Hassans nutzt dagegen jenen, die auf eine Destabilisierung des Libanon und des gesamten Nahen Ostens aus sind. Durch das Attentat auf den sunnitischen General werden die alten Feindschaften zwischen libanesischen Schiiten und Sunniten wiederbelebt. In der Vergangenheit war der Libanon oft Schauplatz solcher blutigen Auseinandersetzungen. Nun hat ein weiterer Konflikt, der Syrien-Krieg, den Libanon erreicht. Eine Krise der Hisbollah spielte vor allem den wahhabitischen Saudis, die seit Beginn des Krieges die Drecksarbeit für den Westen leisten, und anderen antisyrischen Kräften in die Karten.

Nutznießer der entstandenen Lage sind so auch der Westen und Israel. Um zur Isolierung des Iran die »schiitische Achse« zu brechen, müssen zuerst das Assad-Regime in Syrien und die Hisbollah im Libanon aus dem Weg geräumt werden. Wobei die israelische Regierung um Benjamin Netanjahu auch in anderer Weise von der chaotischen Lage in Syrien und Libanon profitiert. Während sich die Muslime in den arabischen Staaten gegenseitig massakrieren, kann man weiterhin ungestraft Menschenrechte verletzen und die Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch Luftangriffe in Gaza, den illegalen Siedlungsausbau im Westjordanland und andere Maßnahmen weiter verschärfen.

Schachfigur Libanon

Noch bis vor Kurzem war der Libanon eines der wenigen Länder im Nahen Osten, das von Chaos und Bürgerkrieg verschont blieb. Dies änderte sich schlagartig mit dem Attentat auf General Wissam al-Hassan am vergangenen Freitag in Beirut. Nach dem Vorfall an der türkisch-syrischen Grenze soll auch dieses Mal Syrien für den Anschlag verantwortlich gemacht werden. Als ob die Syrer nicht schon genug Probleme im eigenen Land hätten, um dann auch noch die Nachbarstaaten anzugreifen. 

Al-Hassan war ein wichtiger Mann im libanesischen Sicherheitsapparat. Demnach wusste er sich zu schützen und war stets sehr wachsam. Auf Reisen durch das Land wechselte er oft das Fahrzeug. Die ganze Zeit war er von Sicherheitsmännern umgeben. Dennoch gelang der Anschlag am Freitag. Al-Hassan und sieben weitere Menschen starben in einem christlichen Viertel in Beirut. Der sunnitische General, der unter Rafik al-Hariri Sicherheitschef war, war bei der schiitischen Hisbollah verhasst und ein erklärter Gegner des Assad-Regimes. Libanons Ministerpräsident Najib Mikati machte Syrien für den Anschlag verantwortlich. Wie erwartet nutzte die Opposition die Lage aus und schloss sich der Meinung Mikatis an.

Eine Logik kann man hier jedoch nicht erkennen. Man konnte sie auch nicht erkennen, als vor knapp zwei Wochen Syrien für einen Granaten-Anschlag auf ein türkisches Dorf verantwortlich gemacht wurde. In Syrien herrscht ein Bürgerkrieg, der sich zu einem Stellvertreterkrieg ausgeartet hat. Warum in aller Welt sollte das syrische Regime plötzlich anfangen, die Nachbarländer anzugreifen? Im Falle der Türkei hat sich schon erwiesen, dass die Kämpfer der sogenannten „Freien Syrischen Armee“ für den Anschlag verantwortlich waren. Das aktuelle Attentat ist jedoch zwei, drei Klassen höher und wurde sicherlich nicht von Amateuren ausgeführt.

Die Situation im Libanon stand schon immer auf der Kippe. Obwohl dort Christen und Muslime hauptsächlich friedlich miteinander leben, flammen immer wieder alte Feindschaften auf. Vor allem Sunniten und Schiiten ließen sich immer wieder instrumentalisieren und für die Zwecke anderer missbrauchen. Seit Beginn des Syrien-Kriegs flammten diese Rivalitäten wieder auf und wurden teilweise auch blutig ausgetragen.

Hauptsächlich profitieren von diesem Attentat nur jene Akteure, die schon 2005 vom Hariri-Attentat profitiert haben. Diese Akteure werden weiterhin alles versuchen, um all die arabischen Staaten im Nahen Osten zu zerschlagen und für ihre Zwecke zu missbrauchen. Der sunnitisch-schiitische Zwist eignet sich da immer wieder als geeignetes Hilfsmittel. Dieser Zerstörungsplan wird schon seit über sechzig Jahren verfolgt. Man darf nicht vergessen, dass es David Ben-Gurion höchstpersönlich war, der von der „Zerschlagung Libanons, Transjordaniens und Syriens“ gesprochen hat. Dennoch gibt es immer noch genug Menschen, die denken, dass eine solch zerstörerische Politik nicht im Interesse der israelischen Regierung liegt. Premierminister Netanjahu ist nicht nur auf einen Iran-Krieg scharf, Bürgerkriege in Syrien und im Libanon würden ihm ebenfalls gut ins Geschäft passen. Nebenbei will er noch illegale Siedlungen im Westjordanland legalisieren lassen. Seine Regierung fördert weiterhin die Apartheid und hat gerade erst wieder einen Hilfsfrachter gestoppt und nach Ashdod umgeleitet.

Wie dem auch sei, der Syrien-Krieg hat nun offiziell den Libanon erreicht. Im Christen-Viertel von Damaskus explodierte heute eine Autobombe und tötete mehrere Menschen. Die Christen Syriens sind großteils dem Regime gegenüber treu. Der Westen beschwert sich immer wieder über die „katastrophale Lage“ der Christen im Nahen Osten. Im Fall Syrien scheint das Wohl dieser Christen unwichtig zu sein. Währenddessen werden auch sunnitische Geistliche in Syrien und im Libanon ermordet. Im Anbetracht der gegenwärtigen Umstände kann man nur noch feststellen, dass man der Zerschlagung Syriens und des Libanons einige Schritte näher gekommen ist. Genau das liegt im Interesse der Imperialisten in Washington und London. Es liegt auch im Interesse eines Benjamin Netanjahu oder eines Avigdor Lieberman. Die Staaten im Nahen Osten sind allesamt Schachfiguren der Supermächte und die Schachfigur namens Libanon wurde gerade in Bewegung gesetzt.