Ein Jahr Trauer – Das Massaker von Kandahar

Genau vor einem Jahr geschah eines der schrecklichsten Massaker seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes. Siebzehn Menschen wurden in einem Dorf in Kandahar kaltblütig ermordet. Bei ihnen handelte es sich überwiegend um Frauen, Kinder und Greise. Als Täter wurde den Medien ein US-Soldat namens Robert Bales vorgestellt. Diesem Mann wird bald sicherlich eine Strafe widerfahren, doch mit Gerechtigkeit wird sie nichts zu tun haben.

Opfer im Dorf Panjwai, Kandahar (Quelle: APP)

Opfer im Dorf Panjwai, Kandahar (Quelle: AP)

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Neue Märchen über Robert Bales

Mittlerweile wurde der Soldat, der angeblich für das Massaker von Kandahar verantwortlich ist, wegen 17-fachen Mordes angeklagt. Obwohl einige US-Politiker die Todesstrafe nicht ausschließen wollen, liegt es doch auf der Hand, dass Bales wahrscheinlich nicht eine Hinrichtung zu erwarten hat.

Währenddessen wollen die US-Ermittler in Afghanistan neue Tatsachen über das Massaker entdeckt haben. Sie sind zum Schluss gekommen, dass Robert Bales zuerst in ein Dorf ging, dort Menschen ermordete und danach wieder ins Hauptquartier zurück kehrte, bevor er ein anderes Dorf überfiel und dort sein Massaker fortsetzte. Deshalb sollen auch die Tatorte so weit voneinander entfernt sein.

Dass solche „Ermittlungen“ seitens der Amerikaner oft unglaubwürdig erscheinen, ist nichts Neues. Dieses Mal jedoch haben sie sich mal wieder selbst übertroffen! Anstatt nur einen einzigen afghanischen Zeugen anzuhören, bevorzugen es die US-Ermittler neue, krude Thesen zu verbreiten. Hauptsache Robert Bales bleibt weiterhin der Einzeltäter, der Sündenbock, der für alles verantwortlich zu machen ist.

Währenddessen wurden die Hinterbliebenen in Kandahar mit lächerlichen 50 000 Dollar von den USA „beschädigt“. Verletzte erhielten jeweils 11 000 Dollar. Man fragt sich, was dieses Geld den Menschen dort bringen soll. Sie haben während ihrer Anhörung (http://www.youtube.com/watch?v=SbueAcJYMZo / http://www.aljazeera.com/indepth/features/2012/03/201231862852921747.html) immer wieder gesagt, dass sie nichts anderes auf dieser Welt wollen, nichts Materielles, außer die gerechte Bestrafung der Täter. Weiterhin hat jeder von ihnen noch einmal deutlich wiederholt, dass es keineswegs eine einzelne Person war und dass mehrere Schüsse gleichzeitig abgefeuert wurden. Des Weiteren verstehen die Angehörigen der Opfer nicht, wie es sein kann, dass nun ein einzelner „Verrückter“ den Afghanen und den Menschen weltweit als Täter vorgeführt wird. Abgesehen davon, dass dies eine Lüge sei, ist es unverständlich, warum die US-Armee solche „Verrückten“ unter ihren Soldaten habe und wie es sein könne, dass ein „Verrückter“ mitten in der Nacht unbeaufsichtigt sein Quartier verlassen könne.

Die Amerikaner haben diese Anhörung ignoriert und bis jetzt kein Wort darüber verloren. Sie stehen weiterhin zu ihrer Version. Dass Robert Bales sich tatsächlich ein zweites Mal unbeaufsichtigt ins Hauptquartier begab und danach wieder zum Morden aufbrach, ist mehr als nur unwahrscheinlich.

Anstatt die Wahrheit einzugestehen, werden weiterhin Fakten vertuscht. Die Menschen in Kandahar lassen sich jedoch nicht mit Geld entschädigen. Was soll zum Beispiel Mohammad Wazir, der fünf Töchter und einen Sohn in dieser Nacht verlor, mit diesem Geld anfangen? Den anderen Hinterbliebenen geht es nicht anders. Wie sollen sie ihr Leben fortsetzen? Ihre Qualen müssen unvorstellbar sein.

Während in den meisten Medien nicht einmal die Namen der Ermordeten erwähnt werden, werden die Afghanen ihre Opfer niemals vergessen.

Deshalb sollte an Khudadad, Payenda, Robina, Schatarina, Zahra, Nazia, Masuma, Farida, Palwascha, Nazia, Esmatullah, Faisullah, Essa Mohammad, Akhtar Mohammad, Mohammad Daoud und Nazar Mohammad stets erinnert werden.

Sie alle verloren ihr Leben in jener Nacht und die Täter laufen immer noch frei und unbehelligt herum.

Mohammed Merah ist tot – Sarkozy will hart gegen „Hassprediger“ vorgehen

Nach dreißig Stunden Belagerung wurde die Wohnung des Mannes letztendlich gestürmt. Der Terrorist wurde getötet. Die Polizisten sahen keinen anderen Ausweg, da Mohammed Merah sie mit schweren Beschuss attackiert haben soll. Als er letztendlich über den Balkon fliehen wollte, wurde er per Kopfschuss getötet.

Obwohl die französische Polit-Elite angab, den Täter lebend fassen zu wollen, dürfen nun wohl manche insgeheim froh sein, dass der Amokläufer nicht lebend gefasst wurde. Viele Fragen sind immer noch ungeklärt. Wann sie geklärt werden, ist noch ungewiss. Mittlerweile sind auch die einige Bilder von Mohammed Merah von den Medien veröffentlicht wurden, doch was sagt das schon aus über die genauen Hintergründe? Mittlerweile ist jedoch klar, dass sich Mohammed Merah nicht in einem Gefängnis in Kandahar aufhielt. Seine ehemalige Anwältin hat bestätigt, dass er zu diesem Zeitpunkt eine Haftstrafe in Frankreich absaß. Allerdings war der Franzose in Afghanistan und Pakistan und besuchte angeblich Trainingscamps in Waziristan. Wie erwähnt, wurde Merah von französischen Agenten bewacht. Sie befragten ihn auch zu seiner Afghanistan-Reise. Mohammed Merah soll daraufhin gesagt haben, dass er „lediglich Urlaub in Afghanistan gemacht habe“. Die Agenten kauften ihm diese Geschichte tatsächlich ab, ohne sie zu hinterfragen. Niemand macht „Urlaub“ in Afghanistan, es sei denn, man ist Afghane und besucht dort Verwandte. Es ist mehr als fraglich, warum sich französische Geheimdienstagenten für derartig dumm verkaufen lassen können.

In Frankreich findet gegenwärtig Wahlkampf statt und der amtierende Präsident Nicolas Sarkozy dürfte aus dem ganzen Drama wohl den besten Profit ziehen. Noch vor einigen Tagen schnitt er bei den Umfragen alles andere als gut ab, nun zeigt er sich als „konsequenter und trauernder Staatsmann“, ein Mann der die Rechte des Menschen und die Rechte der Franzosen unter allen Umständen verteidigen will, angeblich. Wie es sich gehört, war er stets an den Tatorten präsent, sprach mit den Angehörigen der Opfer und war somit der „Mann in der ersten Reihe“. Durch seine ständige Präsenz in den Medien verdrängte er seine politischen Konkurrenten. Einfach gesagt: Für „Sarko“ geht es wieder bergauf.

Des Weiteren hat der werte Herr Präsident heute bekannt gegeben, in Zukunft streng gegen islamistisch-dschihadistische Internetseiten vorzugehen und jeden zu bestrafen, der diese auch nur aufruft. Propaganda die zum Terror aufruft, dürfe auf keinen Fall weiterhin hingenommen werden. Auch „Hassprediger“ in Moscheen sollen für das Verbreiten „terroristischer Propaganda“ in Zukunft hart bestraft werden. Das Ganze klingt ja schön und gut, nur fragt man sich, wie das im „freien“ Europa machbar sein soll. In ein Europa, in dem man auf gewisse Sachen wie Meinungsfreiheit Wert legt, würden solche „chinesischen“ Maßnahmen wohl kaum durchsetzbar sein.

Falls es trotzdem zu solchen Gesetzesänderungen kommen soll, hoffe ich, dass das Aufrufen rechtsextremer Blogs und Websites ebenfalls strafbar gemacht wird, denn diese verhalten sich in keinerlei Hinsicht besser als die ganzen Islamisten, Dschihadisten und wie sie alle genannt werden.

Der französische Staat versucht die Schuld nicht bei sich zu suchen. Tatsächlich wurde Mohammed Merah mehrere Jahre lang (!) von französischen Agenten bewacht. Es kann doch nicht sein, dass ihnen eine gewisse Radikalisierung Merahs nicht auffiel.

So wie in Deutschland die Anschläge der NSU vereitelt hätten werden können, hätte es auch in Frankreich der Fall sein können. In meinen Augen ließ eine gewisse Untätigkeit des Staates und vor allem des Geheimdienstes erst so eine Tat zu.

Der „Verrückte“ heißt Mohammed M. – „Al-Qaida-naher Islamist“

Das Worst-Case-Szenario schlechthin ist eingetreten. Als ich in meinem letzten Artikel schrieb, was wohl los wäre, wenn der Toulouse-Attentäter ein Moslem sei, hätte ich wirklich nicht im Traum daran gedacht, dass sich dies bewahrheiten könne.
Medienberichten nach soll es sich bei jener Person, die drei Schulkinder, einen Rabbi und drei französische Soldaten auf dem Gewissen hat, um einen Franzosen mit algerischer Mutter handeln.

Der Mann namens Mohammed Merah soll aus Rache gehandelt haben. Er tötete die jüdischen Schulkinder nur, weil tagtäglich palästinensische Kinder ebenfalls ermordet werden. Die dunkelhäutigen Soldaten, die im Prinzip die selben Wurzeln haben wie er, seien getötet worden, weil sie einst in Afghanistan stationiert waren.
Und wenn wir schon bei Afghanistan sind: In den letzten Tagen habe ich nahezu ausschließlich über das Massaker von Kandahar geschrieben. Wer hätte gedacht, dass ich bei diesem Thema hier noch einmal auf Kandahar kommen muss? Mohammed Merah befand sich nämlich französischen sowie afghanischen Quellen nach einst in einem Gefängnis in Kandahar. Er wurde in Afghanistan festgenommen, weil er in der Lage war Bomben zu bauen. Außerdem habe er in Trainingscamps entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze trainiert haben, von den westlichen Medien gerne „Terrorcamps“ genannt.
Merah gelang es allerdings bei einem Massenausbruch aus dem dem Gefängnis zu fliehen. Als ich das alles las, musste ich es erst einmal verarbeiten.

Gegenwärtig hat sich der mutmaßliche Täter in seinem Haus verschanzt. Die Polizei belagert ihn schon den ganzen Tag. Schüsse wurden abgefeuert. Dann hieß es, er sei gefangen worden. Nun wurde seine Gefangennahme dementiert und die Belagerung der Polizei wird fortgesetzt. Merahs Mutter, sein Bruder und dessen Freundin befinden sich in Polizeigewahrsam. Der Inlandsgeheimdienst soll Merah und dessen Bruder jahrelang bewacht haben. Dieser hat die zwei Brüder als „kriminell, aber harmlos“ eingestuft, sprich, der Geheimdienst hat sich nicht groß um sie gekümmert. Merah hat anscheinend selber seine Taten zugegeben, indem er mitten in der Nacht eine Journalisten von France 24 angerufen hat und ihr elf Minuten lang den genauen Tathergang beschrieb und behauptete, dass er der Gesuchte sei.

Egal aus welchen Motiven Merah gehandelt hat, seine Tat ist zu verurteilen. Wer Unschuldige ermordet, hat auch eine dementsprechende Strafe zu erwarten. Vor allem, wenn es sich bei den Opfern um Kinder handelt. Nichts und niemand kann solch eine Tat entschuldigen.

Trotzdem ist es schade, wie schnell solch eine Tat für politische Zwecke missbraucht wird. Die rechts-populistische Front National in Frankreich hat sofort mit ihren Finger auf alle Araber und Moslems gezeigt. Natürlich war nichts anderes zu erwarten. Merah hat den Ruf eines gesamten Kulturkreises geschadet. Für rechte Blogs etc. ist die ganze Geschichte ein gefundenes Fressen. Ein Mann namens Mohammed der jüdische Kinder ermordet hat, für die rechte Szene in Europa eine weitere Bestätigung für ihr Klischee gegenüber Moslems.
Die Massenmedien reagieren wie erwartet. Vor zwei Tagen wurde fast nur am Rand über die Tat berichtet. Nun liest man Schlagzeilen wie „Wer ist der Islamist?“ oder „Steckt Al-Qaida“ dahinter? Es werden wie am Laufband Artikel und Sondersendungen über den Täter, den Islam und dessen Beziehung zu Juden und über Dschihadisten-Netzwerke produziert. Nun ist sogar offiziell von einem „Terroristen“ die Rede.

Wir dürfen gespannt sein, wie dieses Geschehen, das mit solch einem traurigen Ereignis begann, weitergehen wird. Der Täter muss auf jeden Fall gerecht bestraft werden, doch kann es auch bei ihm der Fall sein, dass er als „geisteskrank“ abgestempelt werden kann?  Kann er in die Klapsmühle kommen, wie es bei Anders B. Breivik vielleicht der Fall sein wird oder wird bei Merah im vorhinein so etwas gar nicht in Frage gestellt, weil er ein „Islamist“ ist?

Die Medien sind ebenfalls alles andere als transparent. Wenn in Europa Kinder durch die Hand eines „Moslems“ getötet werden, ist es tagelang die Schlagzeile schlechthin. Es ist zwar vielleicht etwas überspitzt oder gar „böse“ ausgedrückt, doch im Nahen Osten werden jede Woche palästinensische Kinder von israelischen Raketen verletzt oder getötet. Solche Fälle liest man aber nur am Rand oder man erfährt gar nichts davon, obwohl „Juden“ unschuldige Kinder ermorden bzw. verletzen.

Und warum habe ich die Wörter „Moslems“ und „Juden“ unter Anführungszeichen gesetzt? Ganz einfach, weil beide Religionen solch eine grausame Tat verbieten. Weder ein gläubiger Jude noch ein gläubiger Moslem würde solch ein Massaker veranstalten. Und genau deshalb ist es keine religiös motivierte Tat, auch wenn es die meisten Medien gerne so hätten.

UPDATE: Mohammed Merah ist angeblich tot. Die Polizei hat sein Haus gestürmt. Wie er starb, ist noch nicht bekannt.
Außerdem hat sich herausgestellt, dass Merah nie in einem Gefängnis in Kandahar saß. Die afghanischen Behörden dementierten die Nachricht, die von westlichen Medien verbreitet wurde.