Tote Afghanen und die Sorgen der Elite

Vor einigen Tagen kam es im Kabuler Stadtteil Wazir Akbar Khan – der wohlhabendsten Gegend der Stadt, in der sich unter anderem auch mehrere westliche Botschaften befinden – zu einem verheerenden Selbstmordattentat. Unter denen Opfern befanden sich zahlreiche Ausländer, allerdings auch Afghanen. Der Anschlag – zu dem sich kurz darauf die radikalislamischen Taliban bekannten – traf das Herz Kabuls. Die Anschlagsszene – ein libanesisches Restaurant – war vor allem Treffpunkt wohlhabender Bürger sowie ausländischer Arbeitnehmer.

Afghanische Spezialeinsatzkräfte nach dem Anschlag in der „Taverna Du Libane“ in Kabul. (Foto: Reuters)

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Die Rückkehr der Warlords

Während die Nato mit ihrem Abzug beginnt, bereitet sich Afghanistan auf die Präsidentenwahl vor. Auf der Kandidatenliste tummeln sich Kriegsverbrecher und Drogenbarone.

Abdul Rasul Sayyaf (mitte) hat Osama bin Laden einst nach Afghanistan eingeladen. Nun will er Karzai ablösen. (Foto: Reuters)

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Exportschlager Opium – Afghanistan vor neuer Rekordernte

Seit Ende 2001 ist der Drogenanbau am Hindukusch enorm gestiegen. Kurz vor dem Einmarsch der westlichen Soldaten, sprich, während des Höhepunkts der Taliban-Herrschaft stammten fünf bis zehn Prozent des weltweiten Schlafmohns aus Afghanistan. Mittlerweile sind es mehr als neunzig Prozent, für dieses Jahr erwartet ein Bericht der UN eine Rekordernte. Während man sich hauptsächlich auf Taliban, Warlords und korrupte Politiker konzentriert, wird gerne außen vor gelassen, dass der Westen beim Anstieg der afghanischen Drogenproduktion eine maßgebliche Rolle spielt.

Foto: Getty Images

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Früchte der Demokratisierung

Dass die NATO mit ihren Einmarsch in Afghanistan gescheitert ist, ist mittlerweile nichts Neues. Was jedoch oft unter den Tisch gekehrt wird, ist die Tatsache, dass unter dem Deckmantel der westlichen Streitkräfte die sexuelle Ausbeutung der afghanischen Bürger seit 2001 massiv zugenommen hat. 

Ein besonders schockierendes Beispiel hierfür ist die Kinderprostitution in Kabul. Während die Medien jeden Tag über Anschläge und Militäroperationen berichten, werden Schicksale wie jenes der zwölfjährigen Ara Atta völlig außer Acht gelassen. Attas Vater wurde an einem Checkpoint von US-Soldaten getötet. Er war gerade auf den Weg ins Krankenhaus, da bei seiner schwangeren Ehefrau die Wehen einsetzen. Da er aus Eile seinen Wagen nicht anhielt, wurde er einfach erschossen.

Attas Mutter erlitt keinen Schaden und konnte ihr Kind ohne Probleme gebären. Der ermordete Vater arbeitete einst im Landwirtschaftsministerium. Demnach hätten seine Frau und seine Kinder Anspruch auf die Rente. Die korrupte Polizei war jedoch anderer Meinung. Sie würde der Witwe erst das Geld auszahlen, nachdem diese ihre Tochter als Sexsklavin freigibt. Die Mutter des Mädchens war anfangs nicht einverstanden, jedoch versicherten die Polizisten, dass sie sechzig Prozent des „erarbeiteten“ Geldes behalten dürfe. Damit könne sie ihre Familie zusätzlich unterstützen.

Demnach hatte Ara Atta keine andere Wahl. Wäre sie weglaufen, hätten die Polizisten die Rente ihres Vaters nicht ausgezahlt und ihre Mutter sowie ihre sechs Geschwister wären auf auf der Straße gelandet. Das gleiche Schicksal erlitt die fünfzehnjährige Badria Durrani. Die örtliche Polizei hat ihren Vater mit Haft gedroht, falls dieser seine Tochter nicht zur Prostitution freigibt.

Derartige Vergehen der afghanischen Polizei sind keine Seltenheit. In allen Fällen werden die jungen Mädchen ausschließlich an ausländische Kunden vermittelt, damit diese sich an ihnen vergehen können. Damit bleibt auch der Ruf innerhalb der Gesellschaft bewahrt, denn die afghanischen Bekannten und Verwandten bekommen von der sexuellen Ausbeutung der Mädchen nichts mit. Die Polizei, die von westlichen Helfern ausgebildet wird, bereichert sich damit enorm.

Polizeichefs und hohe Militärbeamte sind noch in zahlreiche ähnliche Handlungen verstrickt. Eines dieser Perversitäten nennt sich „Bacha Baazi“, was wörtlich übersetzt „Knabenspiel“ bedeutet. In diesem Fall werden Jungen ab dem Kindesalter hauptsächlich von älteren Männern sexuell missbraucht und ausgebeutet. Die Jungen tragen meistens Frauenkleidung und tanzen auf Feiern, während sie beklatscht werden und ihnen Geld zugesteckt wird. Aufgrund der strengen Geschlechtertrennung sind auf solchen Feiern ausschließlich Männer anwesend. Es ist keine Seltenheit, dass diese Jungen am Ende solcher Feierlichkeiten von den anwesenden Männern der Reihe nach vergewaltigt werden.

So grausam und abartig das klingen mag, ist es trotzdem die Realität in Afghanistan. Die meisten dieser Männer bekleiden hohe Posten, die sich bis in Regierungskreise ziehen. Viele von ihnen haben einen „Bacha“, einen Jungen, der ihnen als Sexsklave dient. Auch in diesem Fall stammen die meisten Kinder und Jugendlichen aus sehr ärmlichen Kreisen. Ihre Familien werden von Polizeikommandanten, Militärchefs oder Warlords unter Druck gesetzt und haben keine andere Wahl, als ihre Kinder zu verkaufen. Viele Jungen halten ihr Leben unter diesen Umständen nicht aus. Sie betäuben sich mit Drogen oder begehen Selbstmord.

„Bacha Baazi“ ist ein gesellschaftliches Problem Afghanistans. All diese verabscheuungswürdigen Praktiken, deren Opfer hauptsächlich Kinder sind, gehen durch alle Ethnien und Schichten. Vor allem Militär, Polizei und Warlords erhalten starke Unterstützung vom Westen. Damit wird nicht nur der Drogenanbau und die Bereicherung von Kriminellen mit westlichen Hilfsgeldern gefördert, sondern auch die sexuelle Misshandlung von Minderjährigen.

Viele Menschen in Afghanistan sind der Meinung, dass erst die ISAF-Intervention die Pforten für diese Verbrechen geöffnet hat. Umso wütender ist die Bevölkerung, wenn man in den Medien von den Vergehen der US-Soldaten in Afghanistan hört. So haben zum Beispiel vor einigen Tagen amerikanische Soldaten in der Provinz Balkh mehrere Häuser „durchsucht“. Angeblich haben diese Durchsuchungen mit der Vergewaltigung von mehreren Frauen geendet.

Wie dem auch sei, die zahlreichen Verbrechen der ausländischen Soldaten in Afghanistan sind ohnehin ein anderes Kapitel. Seit nun über zehn Jahren wird das Land von fremden Soldaten besetzt, doch die „Früchte der Demokratie“ sind nichts weiteres als die korrupteste Regierung der Welt, tyrannische Warlords, die über ihre Provinzen herrschen und den Drogenanbau vorantreiben und eine verarmte, kriegsmüde Bevölkerung, die weiterhin pessimistisch in die Zukunft blickt.

Barack Obama – Der Technokrat des Todes

Barack Hussein Obama ist 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Friedensnobelpreisträger des Jahres 2009. Vielleicht wird der Demokrat und Afroamerikaner noch einmal der Präsident seines Landes, nichtsdestotrotz ist er für den Tod von vielen Tausenden von Menschen verantwortlich. Der „Spiegel“ nennt ihn den „Schattenkrieger“. Meiner Meinung nach ist das eine sehr beschönigende Bezeichnung für einen Massenmörder.

Als Barack Obama das Amt seines Vorgängers George W. Bush übernahm, übernahm er gleichzeitig zwei Kriege, den Irak- und den Afghanistan-Krieg. Den Irak verließen die US-Truppen im Dezember 2011. Nachdem das Land in jederlei Hinsicht ausgebeutet wurde und der Krieg vielen unschuldigen Menschen das Leben kostete, wurde der Einsatz von Obama offiziell beendet. Gegenwärtig bekriegen sich verschiedene Parteien im Irak immer noch. Die Medien berichten aber nicht darüber, weil der Irak uninteressant geworden ist. Jährlich begehen Tausende von traumatisierten Irak-Kriegsveteranen in den USA Selbstmord. Die Folgen dieses Krieges sind immer noch spürbar und werden lang erhalten bleiben.

Obama und seine Regierung interessiert das aber nicht, denn sie machen weiter Krieg. 2011 wurde in Libyen Muammar Gaddafi gestürzt und eiskalt von „Rebellen“ ermordet. Jener Gaddafi, mit dem die westlichen Staaten sonst Hand in Hand gingen, wurde ohne jegliches gerichtliches Verfahren auf der Straße eliminiert. Gaddafi galt als größenwahnsinnig und verrückt. Dieser Größenwahn wurde in den vielen Jahren vor seiner Ermordung von vielen westlichen Staaten einschließlich den USA gefördert. Nichtsdestotrotz hatte er ein Libyen aufgebaut, was im Gegensatz zu all den anderen afrikanischen Staaten einen einmaligen, lobenswerten Wohlstand an den Tag brachte, der einen Großteil der Bevölkerung zu Gute kam. Gegenwärtig beobachten wir ein Libyen, das sich durch den NATO-Eingriff, der hauptsächlich von den USA und Frankreich initiiert wurde, im Chaos befindet.

Das Hauptaugenmerk der Obama-Regierung ist aber natürlich weiterhin Afghanistan. Die USA hätten zwar einen Grund zum Verlassen des Landes, da Osama Bin Laden angeblich im Mai 2011 getötet wurde, allerdings wurde vor Kurzem ein strategisches Partnerschaftsabkommen unterzeichnet, welches vom Großteil der Wolesi Jirga (Unterhaus des afghanischen Parlaments) unterstützt wurde. Die USA wollen „Operation Enduring Freedom“ im Jahre 2014 offiziell beenden. Die erwähnte strategische Partnerschaft soll noch weitere zehn Jahre, sprich bis 2024, aufrechterhalten bleiben. Demnach werden bis zu diesem Zeitpunkt US-Soldaten in Afghanistan präsent sein. Falls es zu einem Krieg mit dem Iran kommen sollte, hätten die USA damit kein Problem mehr, von ihren Militärstützpunkten in Afghanistan aus den Iran anzugreifen. Mit ihrer Entscheidung hat die Wolesi Jirga gezeigt, dass sie nicht das afghanische Volk repräsentiert.

Obama hat seit dem Beginn seiner Amtszeit den sogenannten „Kampf gegen den Terror“ drastisch verschärft. Alles begann, als er eines seiner wichtigsten Wahlversprechen, die Schließung des Foltergefängnisses in der Guantánamo-Bucht, brach. Erfolge bracht Obama jedoch keine an den Tag, bis die Nachricht vom Tod Bin Ladens die Welt erreichte. Vor einem Monat erinnerte er seine Wähler nochmals an dieses mehr als nur zweifelhafte Ereignis.

Der Präsident der Vereinigten Staaten ist der oberste Befehlshaber des Militärs. Er entscheidet ob Atomwaffen, Drohnen oder andere Waffen in bestimmten Situationen benutzt werden sollen oder nicht. Damit entscheidet er auch quasi über Leben und Tod, er wird zum Richter und zum Henker. Da in so gut wie allen Fällen auch Zivilsten getötet werden, macht er sich auch zum Mörder. Demnach ist auch Barack Obama ein Mörder. Ein Mensch, der jeden Tag entscheidet, ob diese oder jene Drohne auf dieses oder jenes Gebiet geschossen werden soll oder nicht. Jeden Tag werden diese Drohnen vor allem im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet abgeschossen. Das hauptsächlich von Afghanen bevölkerte Gebiet gilt als Rückzugsort arabisch-wahhabitischer Extremisten. Jene Extremisten, die von den Medien als „Al-Qaida-Kämpfer“ bezeichnet werden. Natürlich wird gerne oftmals vergessen, dass diese Gruppe von Terroristen von der US-Regierung und den Saudis regelrecht gezüchtet wurde.

Dieser Kampf wird vor allem auf Kosten der unschuldigen, afghanischen Zivilbevölkerung geführt. Jeden Tag sterben in Waziristan unschuldige Afghanen. Ihre Tötung wird von der heuchlerischen pakistanischen Regierung in Kauf genommen. Obama ist derjenige, der sie auf dem Gewissen hat und sich und seiner Regierung damit tagtäglich neue Feinde schafft. Vor einigen Tagen wurde im genannten Gebiet der „Al-Qaida-Vize“ Abu Jahja al-Libi, ein gebürtiger Libyer, angeblich durch einen Drohnenangriff getötet, ganz einfach per Knopfdruck. Ein weiterer Erfolg für Obama. Dass durch seine Befehle auch jeden Tag Unschuldige getötet werden, kümmert ihn nicht. Warum auch?

Obama beruft sich immer wieder auf „minimale Kollateralschäden“. Viele Menschen denken tatsächlich, dass durch solche Angriffe nahezu keine Zivilisten zu Tode kommen. Laut einem Bericht der „New York Times“ ist dies aber alles andere als wahr. Obama und seine Leute sind nämlich der Auffassung, dass jeder Mann, der mindestens achtzehn Jahre alt ist, als „militant“, also als feindlicher Kämpfer einzustufen ist. Demnach werden alle Opfer, die sich in diesem „wehrfähigen Alter“ befinden nicht zu den getöteten Zivilisten eines Drohnenangriffs gezählt. Die Obama-Regierung will aber nicht all zu unmenschlich sein, deshalb gibt es die Möglichkeit, dass ein Getöteter nachträglich zum Zivilisten erklärt werden darf. Dies geht aus einem veröffentlichten Bericht über Obamas Anti-Terror-Politik hervor.

In Afghanistan hingegen werden immer noch Zivilisten bombardiert. Am Mittwoch wurden in der Provinz Logar mindestens achtzehn Zivilisten durch einen ISAF-Luftangriff ermordet. Bei den Getöteten handelte es sich um die Familienmitglieder des dortigen Stammesältesten, der ebenfalls ums Leben kam. Des Weiteren wurden angeblich sechs Taliban-Kämpfer sowie ein Taliban-Kommandant getötet. Die NATO berief sich nur auf die getöteten Aufständischen und verlor kein Wort über die zivilen Opfer.

Obama und der Westen repräsentieren sich immer noch als jene, die den Frieden und die Demokratie nach Afghanistan und andere Länder bringen wollen, obwohl sie die Werte, die ihnen angeblich soviel bedeuten, selbst mit Füßen treten.

Die USA sind nach dem 11. September 2001 nach Afghanistan einmarschiert. Die angeblichen Täter stammen alle aus Saudi-Arabien und die Familie des angeblichen Drahtziehers wurde noch am gleichen Tag aus den USA ausgeflogen. Der Militärschlag erfolgte aber nicht gegen das reiche Saudi-Arabien, ein Land, welches keinen Wert auf Menschenrechte legt, die eigene Bevölkerung diskriminiert, extremistisches Gedankengut fördert und nebenbei noch ein wichtiger Verbündeter der USA ist, sondern gegen das arme, vom Krieg geplagte Afghanistan. Die USA und der Westen haben kein Interesse an Frieden und Demokratie. Sie verkaufen den Saudis Panzer und beschmücken israelische U-Boote mit Atomwaffen. Gleichzeitig fordern sie einen weiteren Krieg in Syrien, um die Lage komplett deeskalieren zu lassen.

Als Vorwand werden dann immer jene Menschenrechte benutzt, auf die man selber keinen Wert legt. Barack Obama macht es vor. Während andere Diktatoren auf der Welt das Gleiche machen und gestürzt werden, bekommt Barack Obama einen Friedensnobelpreis und wird als Held gefeiert. Seine Taten werden weder als Verbrechen angesehen, noch in Frage gestellt.
Es ist wirklich traurig, in welch einer verdorbenen und falschen Welt wir mittlerweile leben.