Weiter in die Isolation

Viele Menschen meinen, dass nach den Wahlen in Israel mit dem Wahlsieger Yair Lapid ein frischer, neuer Wind weht, der vor allem den Friedensprozess im Nahen Osten in Gang bringen wird. Aufgrund einiger Tatsachen sollte man sich jedoch keine großen Hoffnungen machen.

Yair Lapid und Naftali Benett in einer illegalen Siedlung im Westjordanland
(Quelle: Roy Sharon/972mag.com)

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Auf Konfrontationskurs

Die Aufnahme Palästinas als Beobachterstaat in der UNO wurde von der breiten Masse der Weltöffentlichkeit gefeiert. Israel hat jedoch eine ganz andere Antwort parat. Anstatt das Recht Palästinas auf eine Mitgliedschaft anzuerkennen, wurde kurzerhand wieder einmal das Völkerrecht gebrochen, indem man den illegalen Siedlungsbau voran trieb.

Quelle: salem-news.com

Einen Tag nach der UN-Entscheidung hat die israelische Regierung den Bau von 3.000 neuen Wohnungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem bestätigt. Bereits Anfang November genehmigte die zuständige Behörde den Bau von über 1.200 Wohnungen im selben Gebiet. Damit hat Netanjahus Regierung wieder einmal gezeigt, wie sehr sie an einem Frieden im Nahen Osten interessiert ist.

Nun wurde auch noch bekannt, dass Israel Zahlungen an die palästinensische Autonomiebehörde einstellen will. Der israelische Finanzminister Steinitz bestätigte, dass palästinensische Steuergelder in Höhe von 100 Millionen einbehalten werden sollen, um damit Schulden bei israelischen Unternehmen zu bezahlen.

Des Weiteren ließ die israelische Regierung verlauten, dass die Entscheidung der UN nichts an den Friedensverhandlungen ändern werde und dass es einen palästinensischen Staat nur geben könne, wenn die Sicherheit Israels gesichert sei. Einfach gesagt: Israel erkennt den Staat Palästina, der von 138 Staaten dieser Erde anerkannt wurde, nicht an. Währenddessen verlangt es jedoch die Anerkennung Israels als „jüdischen Staat“. Man kann lange darüber streiten, was denn nun dieser „jüdische Staat“ sein soll, denn fünfundzwanzig Prozent der Israelis sind keine Juden.

Ein weiteres Problem ist, dass das Westjordanland weiterhin als israelisches Land beansprucht wird. Das israelische Kabinett ist nämlich der Meinung, dass Israel Ansprüche auf die umstrittenen Gebiete des „historischen Palästinas“ habe. Dass diese „Ansprüche“ gegen das Völkerrecht verstoßen, scheint sie nicht zu interessieren.

Viele Pessimisten sind der Meinung, dass sich durch die Anerkennung Palästinas nichts im Nahen Osten ändern wird. Zugegeben, Palästina hat als Beobachterstaat so gut wie gar nichts zu sagen, allerdings kann es in bestimmten Punkten handeln. Einer dieser Punkte wäre zum Beispiel, im Falle von Menschen- und Völkerrechtsverletzungen gegen Israel vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu klagen. Israel ist sich dies im Vorfeld durchaus bewusst gewesen. Deshalb hat es auch alles mögliche getan, um eine Anerkennung zu verhindern.

Nun wurde demokratisch vor der UNO entschieden und Israel ist nicht einverstanden. Die Reaktion darauf ist nicht nur die Erweiterung des Siedlungsbaus, sondern auch Unterdrückung und Terror. Auf der einen Seite soll Mahmoud Abbas für sein Handeln abgestraft werden, auf der anderen Seite geht man nun auch gezielter gegen die palästinensische Zivilbevölkerung vor.

Im Westjordanland wurden in den letzten Tagen zahlreiche Palästinenser vom israelischen Militär verhaftet. Israelischen Angaben zufolge soll es sich um „Terrorverdächtige“ handeln. Unter den Verhafteten sind immer wieder zahlreiche Minderjährige. Währenddessen wurde der sogenannte Waffenstillstand im Gaza-Streifen erneut gebrochen. Schon vergangene Woche kam es zu einigen Zwischenfällen, unter anderem wurde ein palästinensischer Bauer erschossen. Die israelische Marine verstoß ebenfalls gegen den Waffenstillstand, als sie gestern neun palästinensische Fischer aus dem Gaza-Streifen verhaftete.

Nichtsdestotrotz wird immer wieder auf die Hamas gezeigt, sobald man dieses Thema anspricht. Zur Erinnerung: Die Hamas hat seit dem Beginn der Waffenruhe keine einzige Rakete mehr auf Israel geschossen. Dies trifft sogar auf ihre radikalen Splittergruppen zu. Israel hingegen hat es wieder einmal geschafft, innerhalb dieser kurzen Zeit zahlreiche Menschen- und Völkerrechtsverbrechen zu begehen. Des Weiteren will die israelische Regierung die demokratische Entscheidung der UNO nicht anerkennen und stellt wieder einmal seine Narrenfreiheit zur Schau.

Israel-Palästina-Talk bei Jauch

Am Sonntagabend konnte man Zeuge einer relativ entspannten Nahost-Diskussionsrunde bei Günther Jauch werden. Es war schön, dass sich unter den Gästen weder Kriegstreiber noch fanatische Zionisten befanden. Das heißt jedoch nicht, dass hin und wieder ein fragwürdiges Statement fiel. 

Der berühmte Dirigent und Musiker Daniel Barenboim ist als Jude der einzige israelisch-palästinensische Staatsbürger der Welt. Seit Jahren setzt er sich für einen Frieden im Nahen Osten ein. Ein Zeichen setzte er, als er gemeinsam mit Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra gegründet hat. Barenboim sorgte in der Vergangenheit schon des Öfteren für Aufruhr in Israel. So wurde er zum Beispiel fast zur Persona non grata erklärt, weil er einen Auszug aus Wagners „Tristan und Isolde“ als Orchesterauszug brachte. Mit einen „Eklat“ sorgte er auch, als er einst öffentlich die Unterdrückung der Palästinenser mit dem einstigen Leid und der Verfolgung der Juden gleichsetzte.

Auch während Barenboim neben Günter Jauch saß, sprach er sehr klare Worte. So war er der Meinung, dass auf beiden Seiten Versöhnungen stattfinden müssen. Sowohl die Hamas und die Fatah müssen sich versöhnen, als auch die die orthodoxen und säkularen Politiker Israels. Des Weiteren erwähnte er, dass die Hamas schon 2011 für eine Lösung bereit war und dass es auf der Hand liege, dass Israel eine größere Verantwortung hat. Den illegalen Siedlungsbau kritisierte Barenboim scharf. „Die Juden haben ein Recht, in Israel zu leben. Aber nicht „exklusiv“, so Barenboim.

Ein weiterer Gast war der deutsche Außenminister Guido Westerwelle. Dieser wiederholte stets, dass das Existenzrecht Israels unantastbar sei. Des Weiteren ging er auf den Raketenbeschuss der Hamas ein und sah diesen als Hauptursache für den Konflikt. Dass der Gaza-Streifen ein Freiluftgefängnis sei, wollte Westerwelle nicht bestätigen. Während der Außenminister stets vom Raketenbeschuss der Hamas sprach, ließ er die Verbrechen der israelischen Armee in Gaza und im Westjordanland links liegen und ging in keinster Weise auf diese ein.

Fragwürdig war auch Westerwelles Meinung zur Führung der Hamas im Gaza-Streifen. Obwohl die 2006 Hamas tatsächlich demokratisch gewählt wurde, beharrte Westerwelle darauf, dass sie „geputscht“ habe. Des Weiteren sei es fürchterlich, dass durch die Raketen der Hamas stets Familien und Kinder in Südisrael bedroht werden. Diese hätten immerhin nur fünfzehn Sekunden Zeit um sich in ihre Bunker in Sicherheit zu bringen. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Westerwelle hierbei auch gesagt hätte, dass es im Gaza-Streifen gar keinen Alarm gibt, bevor die Israelis Wohnhäuser bombardieren, von Sicherheitsräumen ganz zu schweigen.

Die deutsch-palästinensische Politikwissenschaftlerin Sawsan Chebli war nicht nur die jüngste in der Runde, sondern auch die pessimistische. Gemeinsam mit ihrer Familie verbrachte sie mehrere Jahre in Flüchtlingslagern und war staatenlos. Chebli meinte, dass beide Konfliktparteien verschiedene politische Interessen verfolgen würden. Dass Deutschland eine große Verantwortung gegenüber Israel habe, sei klar. Allerdings müsse Deutschland genau deshalb Druck auf die israelische Regierung ausüben und dieser keine Narrenfreiheit mehr gestatten. Dies betrifft vor allem den Siedlungsbau. Chebli hat die Hoffnung für eine Lösung schon aufgegeben. In gewisser Weise kann man das nachvollziehen, der ein solcher Konflikt begleitet ein Flüchtlingskind ein Leben lang, egal ob man nun aus Palästina kommt oder aus Afghanistan. Der Pessimismus wird irgendwann zur Realität.

Der israelische Diplomat Avi Primor ist alles andere als ein überzeugter Zionist. Dies bestätigte sich wieder einmal während der Diskussion. Primor hat in der Vergangenheit schon des Öfteren die ultra-orthodoxen Kräfte Israels und die eigene Regierung kritisiert. Am Sonntagabend brachte der ehemalige Botschafter seine Meinung auf den Punkt, indem er sagte, dass man mit der Hamas verhandeln müsse. Des Weiteren kritisierte er US-Präsident Barack Obama. Dieser habe sich zum Beginn seiner ersten Amtszeit zu sehr auf den Siedlungsbau konzentriert, was sich als Fehler heraus gestellt hat. Obama hätte vielmehr beide Konfliktparteien dazu zwingen sollen, Staatsgrenzen zu finden. Damit wäre man der Zweistaatenlösung um einiges näher gekommen. Als Folge dessen hätten sich die Probleme um den illegalen Siedlungsbau von selbst gelöst.

Der Fatah-Botschafter Salah Abdel Shafi vertrat während der ganzen Sendung eine klare Meinung. So betonte er unter anderem, dass die Unterdrückung des palästinensischen Volkes aufhören müsse und dass sich der israelische Staat immer über das Gesetz stelle. Des Weiteren ging er darauf ein, dass die Existenz Israels schon lange anerkannt sei, während man das von der Eigenständigkeit der Palästinenser nicht behaupten könne. Shafi widersprach Primo zu Recht, als dieser behauptete, dass der Gaza-Streifen nicht mehr besetzt werde. Nach internationalem Recht herrscht in Gaza weiterhin ein Besatzungszustand. Dieser wird durch die Gaza-Blockade durch Israel herbeigeführt.

Im Laufe der Sendung wurden zwei Mütter vorgestellt, eine israelische und eine palästinensische. Die eine lebt gegenwärtig im Süden Israels und war Gast im Studio, während die andere im Gaza-Streifen verweilt und deshalb nicht kommen konnte. Hauptsächlich zeigte man Bilder von spielenden Kindern in Südisrael. Dort sei das Spielen schon gefährlich, denn es könnte plötzlich eine Qassam-Rakete einschlagen. Bilder der Kinder aus Gaza wurden vermieden. Die palästinensische Mutter brachte die Situation auf den Punkt, indem sie sagte, dass die Hamas zwar Raketen schieße aber nicht wisse, wen diese treffen werden. Die israelischen Soldaten hingegen wissen sehr genau, worauf sie zielen. In den letzten Tagen kamen durch israelische Bombardements nicht nur Zivilisten ums Leben, sondern auch Journalisten.

Günther Jauch irritierte seinerseits mit einigen Aussagen. So sprach er zum Beispiel immer wieder von den „Raketen der Palästinensern“, obwohl die militanten Kräfte im Gaza-Streifen nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. Abgesehen blieben viele wichtige Hintergrundinformationen weiterhin im Hintergrund. Dennoch war die Sendung sehenswert. Das hat man vor allem Menschen wie Daniel Barenboim zu verdanken. Vor allem in deutschsprachigen Medien wird viel zu selten deutlich gemacht, dass es zahlreiche Israelis und Juden gibt, die sich gegen den Zionismus einsetzen und gewisse Sachverhalte zu Recht nicht hinnehmen wollen.

Netanjahu lässt weiter bauen

Trotz aller Kritik geht der illegale Siedlungsbau im besetzen Westjordanland weiter. Die dafür zuständige israelische Verwaltungsbehörde genehmigte den Bau von 1200 Wohnungen zwischen den Ballungsräumen Pisgat Siw und Ramot. Außerdem wurden nochmals 72 Wohnungen für die Stadt Ariel ausgeschrieben, da sich für den ersten Versuch keine geeignete Baufirma finden gelassen hat. Der nahezu ununterbrochene Siedlungsbau der Israelis ist ein großer Stein, der dem Frieden im Nahen Osten im Weg liegt. Auf diesen Frieden muss man wohl noch lange warten, wenn man die gegenwärtige Politik der Netanjahu-Regierung in Betracht zieht.

Seit 1967, sprich, seit dem Sechstagekrieg wurden immer wieder zahlreiche Siedlungen auf annektiertem Land gebaut. Gegenwärtig befinden sich die meisten Siedlungen in Ost-Jerusalem, in den einst syrischen Golanhöhen, in Gaza und im Westjordanland. Die Siedlungen sind auch innerhalb der israelischen Gesellschaft ein heftig diskutiertes Thema. So gibt es Siedlungen, die nach israelischem Recht rechtmäßig erbaut wurden und jene, bei denen dies nicht der Fall ist. Nach internationalem Recht, also nach der Genfer Konvention, sind alle Aktivitäten, die den Siedlungsbau betreffen, illegal. Nichtsdestotrotz werden diese Aktivitäten von der israelischen Regierung ideologisch sowie finanziell unterstützt.

Die Bevölkerung in den Siedlungen stieg über die Jahrzehnte hinweg stark an. Im Westjordanland lebten im Jahr 1948 nur 480 jüdische Siedler. 1993 waren es schon über 111.000. Dreizehn Jahre später, im Jahr 2006, lebten in diesem Gebiet über 286.000 Siedler. In Ost-Jerusalem verhält es sich ähnlich. Dort lebten 1972 etwa 8.600 Juden. Im Jahr 2005 waren es über 185.000. Man kann davon ausgehen, dass gegenwärtig weit über 190.000 jüdische Siedler in Ost-Jerusalem verweilen. Obwohl die Anzahl der Palästinenser in diesen Gebieten immer noch hoch ist, wurden während der Besiedlung zahlreiche palästinensische Häuser willkürlich zerstört. Demnach wurde die Bevölkerung aus diesen Gebieten gezielt vertrieben.

Wie schon erwähnt verstößt der israelische Siedlungsbau gegen das internationale Recht. Deshalb fragt man sich, woher sich eigentlich diese Menschen das Recht nehmen, dieses Land zu enteignen und zu besiedeln. Zionistische Siedler sind der Meinung, dass es ihr Recht sei auf diesem Land zu leben. Sie rechtfertigen dies damit, dass Gott es den Juden in der Thora versprochen habe. Es sind vor allem diese radikalen Siedler, die immer wieder den Frieden gefährden, indem sie gewalttätig werden und die palästinensische Bevölkerung provozieren und teils auch terrorisieren. So kam es immer wieder zu provokanten Märschen durch Palästinenser-Viertel. Während diesen Märschen werden hauptsächlich Hass-Parolen gegen Araber geschrien oder Palästinenser bespuckt. Die zahlenmäßig unterlegenen Siedler werden während solchen Aktionen immer vom israelischem Militär eskortiert. So kann ihnen kein Palästinenser etwas anhaben.

Vor einiger Zeit wurden die erwähnten Siedler auch für die Schändung eines Klosters bei Jerusalem verantwortlich gemacht. Auf der Mauer des Klosters Latrun waren unter anderem Beschimpfungen gegen Jesus oder Maria zu lesen. Neben den Hass auf Muslime und Araber nimmt auch der Christenhass unter den jüdischen Siedlern zu. So werden in einigen Vierteln Ost-Jerusalems immer wieder christliche Würdenträger von Siedlern bespuckt oder beschimpft.

Jedoch muss man kein religiöser Fanatiker oder Nationalist sein, um in eine Siedlung zu ziehen. Es gibt auch finanzielle Vorteile. So ist meistens die Steuer niedrig und der große Wohnraum billig. Für palästinensische und internationale Organisationen ist der Siedlungsbau ungerechtfertigt. Dieser verhindere weiterhin einen Friedensvertrag und fördere den Diebstahl palästinensischen Landes. Dieser Meinung sind nicht nur NGOs sondern auch die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit.

Nun haben also Netanjahu und Co. den Bau von weiteren Siedlungen genehmigt. Viele Kritiker denken, dass sich Netanjahu absichtlich ein Datum ausgesucht hat, an dem die Wahlen in den USA im Fokus der Weltöffentlichkeit liegen. Für die Palästinenser ist diese Genehmigung eine weitere Provokation. PLO-Vertreterin Hanan Aschrawi bezeichnete die Entscheidung als eine organisierte Bemühung, um weiterhin internationales Recht zu brechen und jede Chance auf Frieden zu zerstören. Des Weiteren fügte sie hinzu, dass sich Israel wohl mehr dazu verpflichtet fühle, palästinensisches Land zu annektieren, anstatt Interesse an einer friedlichen Lösung des Nahost-Konflikts zu zeigen. Für Bibi Netanjahu hingegen scheint das ganze Siedlungsproblem einfach zu lösen zu sein. Vor Kurzem wurde bekannt, dass Netanjahu plane, die illegalen Siedlungen einfach zu legalisieren.

 

Nakba und 64 Jahre Israel

Am 14. Mai 1948, vor 64 Jahren, rief der Zionist David Ben-Gurion den Staat Israel aus. Dieser Nationalfeiertag wird bis heute in Israel groß gefeiert und ist auch den westlichen Partnern Israels von großer Bedeutung. Gleichzeitig, sprich, am Tag darauf, den 15. Mai, wird der Nakba, der Vertreibung des palästinensischen Volkes, gedacht. Mit diesem Tag begann eines der größten Verbrechen an die Menschlichheit. Obwohl es von großer Bedeutung ist, dass dieser Tag nicht in Vergessenheit geraten darf, ziehen es die westlichen Medien und Politiker vor, auf dieses Thema nur gemäßigt oder erst gar nicht einzugehen.

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Schon im Jahre 1947 begann die Vertreibung der Palästinenser aus ihren Gebieten. Radikale Terrororganisationen wie „Irgun“ oder „Lechi“, auch „Stern-Gruppe“ genannt, spielten hierbei eine wichtige, grausame Rolle. Bis zur Gründung im Mai 1948 waren schon zahlreiche palästinensische Dörfer dem Erdboden gleich gemacht. Die Namen der Dörfer kennt heute niemand mehr. Sämtliche Namen wurden damals auf die Schnelle durch hebräische Namen ersetzt. Die ursprünglichen Namen dieser Dörfer sind auf keiner Landkarte mehr zu finden. Sie wurden regelrecht aus der Geschichte getilgt. So wurde aus Jibta das Kibbutz Gvat oder aus Huneifis das Kibbutz Sarid. Die damaligen arabischen Einwohner wurden verjagt oder ermordet. Ihre Häuser wurden mit Planierraupen und Sprengsstoff „bearbeitet“. Bis zum Jahre 1950 wurden über 500 palästinensischer Dörfer auf diese Weise vernichtet. Der ehemalige israelische Außenminister Mosche Dajan behauptete einst, „dass es keinen einzigen Ort in ganz Israel gebe, welcher nicht zuvor von Arabern besiedelt gewesen war.“

Die schon erwähnten Terrorgruppen, die gegenwärtig immer noch von manchen Medien nur als „Kampfgruppen“ bezeichnet werden, führten aus dem Untergrund ethnische Säuberungen durch. Am 9. April 1948 sollte das arabische Dorf Deir Yassin aus strategischen Gründen seitens der Zionisten eingenommen werden. Der Angriff auf das Dorf wurde aber nicht von der Hagana, dem späteren israelischen Militär, sondern von den Untergrundorganisationen Irgun und Lechi durchgeführt. Deir Yassin hatte zirka 750 Einwohner, Historikern zufolge wurden 100 – 120 von ihnen systematisch von den terroristischen Streitkräften ermordet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Die restlichen Dorfbewohner wurden vertrieben. Einige Tage später berichtete die New York Times von 254 Leichen. Dieser mehr als nur umstrittene „Vorfall“ ging als „Massaker von Deir Yassin“ in die Geschichte ein. Mitglieder der Irgun waren unter anderem der Gründer und erste Premierminister Israels David Ben-Gurion sowie der später israelische Premierminister und Friedensnobelpreisträger Menachem Begin.

Das grausame Massaker in Deir Yassin wurde seitens der Zionisten weiterhin benutzt, um den restlichen Palästinensern Angst einzujagen. Diese Strategie ging auf, die meisten Menschen hatten Angst um ihr Leben und sahen die Flucht als ihren letzten Ausweg. Nichtsdestotrotz wurde das Massaker auch von gemäßigteren Zionisten verurteilt. Ben-Gurion entschuldigte sich per Brief an König Abdullah von Transjordanien. An den zionistischen Grundgedanken änderte diese Tatsache aber kaum etwas. So schrieb David Ben-Gurion folgendes am 18. Juli 1948 in sein Tagebuch : „Wir müssen alles tun, um sicher zu gehen, dass sie (die Palästinenser) niemals zurückkommen.“
Außerdem erwähnte Ben-Gurion im Mai 1948 in einer Rede an den Generalstab folgendes: „Wir müssen uns darauf vorbereiten, in die Offensive überzugehen. Unser Ziel ist Libanon, Transjordanien und Syrien zu zerschlagen. Der schwache Punkt ist Libanon, denn das Moslem-Regime ist künstlich und für uns leicht zu unterminieren. Wir werden dort einen christlichen Staat etablieren, dann werden wir die Arabische Legion zerschlagen, Transjordanien eliminieren und Syrien wird an uns fallen. Daraufhin werden wir bombardieren, weitergehen und Port Said, Alexandria und Sinai einnehmen.“

Man kann über David-Ben Gurion sagen was man will, Fakt ist jedoch, dass er schon immer ein leibhaftiger Zionist war, der sich um kein einziges arabisches Menschenleben kümmerte. Seine Zitate und seine Tätigkeit bei der Irgun machen das mehr als deutlich.

Seit der Gründung Israels kamen zirka drei Millionen neue Einwanderer ins Land. Gegenwärtig werden mehr als fünf Millionen Palästinenser als „Flüchtlinge“ bezeichnet. Sie wurden vertrieben und ihres Grundes enteignet, wann sie wieder in ihre Heimat dürfen, ist mehr als fragwürdig. Beobachtet man die gegenwärtige Politik Israels, kann man sich keine rosige Zukunft erhoffen. Die radikalen Zionisten genießen immer noch mehr als genug Macht in Israel. Viele von ihnen leugnen die Nakba auf dieselbe Art und Weise wie Nazis den Holocaust leugnen.
So behauptete die einstige israelische Premierministerin Golda Meir am 08. März 1969 folgendes:
„Wie sollen wir die besetzten Gebiete zurückgeben? Es gibt niemanden, dem man es zurückgeben könnte.“ Abgesehen davon stammt ein weiteres Zitat von ihr: „So etwas wie die Palästinenser gibt es nicht, sie existierten nie!“

Diese kranke Ideologie sitzt heute immer noch in den Köpfen von vielen Zionisten. So werden immer noch Palästinenser vertrieben und ihres Grundes enteignet. Ihre Häuser werden vor ihnen von Bulldozern überrollt, während sie von radikalen Siedlern angespuckt und diskriminiert werden. Wie lange will die Öffentlichkeit noch von diesen Taten, die gegen jegliche Menschenrechte verstoßen, wegsehen? In über sechs Jahrzehnten wurden permanent Kriege geführt, ethnische Säuberungen durchgeführt und die israelische Apartheid-Politik wurde gefördert. Der Gazastreifen darf zurecht als „größtes Ghetto“ der Welt bezeichnet werden, in dem die Menschen vor sich hin vegetieren und in Verzweiflung leben.

Die Weltöffentlichkeit will dagegen nichts machen. Stattdessen wird ein Krieg gegen den Iran vorbereitet, obwohl Israel schon lange Atomwaffen besitzt und mit diesen immer wieder droht. Es kann nicht sein, dass die Kritiker dieses Regimes immer wieder mundtot gemacht werden, während in Palästina jeden Tag Unrecht geschieht.

Man kann sagen was man will, die Zukunft schaut düster aus. Von Seiten der Amerikaner ist keine Hilfe zu erwarten. Sie werden immer auf die Seite der zionistischen Regierung Israels stehen. Das hat schon Ariel Sharon im Oktober 2001 während eines Gesprächs mit Shimon Peres in Radio Kol Yisrael deutlich gemacht, indem er sagte: „Jedes mal, wenn wir etwas tun, wird gesagt, Amerika wird dieses und jenes tun …. ich möchte Ihnen eines ganz klar sagen: Macht euch keine Sorgen um den amerikanischen Druck auf Israel. Wir, das jüdische Volk, kontrollieren Amerika und die Amerikaner wissen das auch!“

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Es mag zwar sein, dass die Amerikaner diesbezüglich wahrscheinlich niemals ihre Meinung ändern werden, trotzdem gibt es auf unserer Erde genug Menschen mit klarem Menschenverstand. Menschen, die noch auf eine gewisse Moral wertlegen und mit dem palästinensischen Volk Solidarität zeigen.

Genau aus diesem Grund darf die Nakba nicht vergessen werden.