Wo war die Meinungsfreiheit bei Günter Grass?

Die Thematik um den Anti-Islam-Film und den Abdruck der französischen Karikaturen spitzt sich zu. Es gibt anscheinend genug Menschen, die derartige Aktionen verteidigen, indem sie sie in „Kunst- und Meinungsfreiheit“ verpacken. Ich frage mich, wo diese Freiheit war, als ein gewisser Literaturnobelpreisträger sein Gedicht veröffentlichte und dann als „Nazi“ und „Antisemit“ abgestempelt wurde. Letzten Endes durfte er nie wieder nach Israel reisen und man wollte sogar versuchen, ihm den Nobelpreis abzuerkennen.

Foto: cicero.de

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Die Ansichten des Herrn Gauck

Vor einigen Tagen trat der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck seinen ersten Auslandsbesuch an. Da die Reise nach Israel ging, waren Medien und Politik sehr gespannt, wie Gauck zu der gegenwärtigen Lage im Nahen Osten Stellung nehmen wird. Die Antizionisten Evelyn Hecht-Galinski hatte schon während der „Grass-Problematik“ vor einigen Wochen ihre Prognose abgegeben und meinte, dass man von Gauck wahrscheinlich das hören werde, was die meisten deutschen Politiker schon in der Vergangenheit in Israel gesagt haben.

Bezüglich des umstrittenen Gedichtes von Günter Grass nahm Gauck in Israel Stellung, indem er sagte, dass es sich um die verfassten Zeilen um Grass‘ persönliche Meinung handelt, damit spreche er „nur“ für sich selbst und keinesfalls für die deutsche Nation. Gauck hat aber leider vergessen, dass sehr viele Menschen und eben auch sehr viele deutsche Staatsbürger die Meinung des Literaturnobelpreisträgers teilen. Siebzig Prozent der Deutschen sehen keine Verantwortung ihres Staates für Israel. Warum sollten sie auch? Joachim Gauck zeigte sich trotzdem besorgt darüber.

Abgesehen davon setzte sich Gauck für eine Zweistaatenlösung ein und sagte, dass man die Rechte der Palästinenser berücksichtigen muss, vor allem die israelische Siedlungspolitik müsse sich ändern. Über diese Themen sprach er auch mit dem rechtsextremen, israelischen Außenminister Avigdor Lieberman. Medienberichten zufolge, „werden die beiden in diesem Leben keine Freunde mehr“. Es war zu erwarten, dass der zionistische Hardliner Lieberman seine extremen Ansichten aufgrund der weichen Worte eines deutschen Bundespräsidenten ändern werde. Anstatt über den Rassismus innerhalb Israels zu sprechen, war Lieberman entzürnt über das Urteil eines türkischen Gerichtes. Vor einigen Tagen verurteilte jenes Gericht in Istanbul vier israelische Offiziere, die im Jahre 2010 maßgeblich an der Erstürmung der Mavi Marmara beteiligt waren und sich damit an der Ermordung von neun Friedensaktivisten schuldig machten, zu insgesamt 18.000 Jahren Haft. Lieberman bezeichnete dieses Urteil als „türkische Provokation“ und hofft, dass die anderen europäischen Staaten bezüglich dieses Themas weiterhin auf der Seite Israels sein werden.

Der israelischen Zeitung Haaretz sagte Gauck, dass der Iran im Falle einer atomaren nicht nur Israel bedrohen würde, sondern auch Europa. Andererseits glaubt er an eine diplomatische Lösung des Problems. Im Gegensatz zum israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu will Gauck nicht über eine militärische Lösung des Problems nachdenken. Dass die Sicherheit und das Existenzrecht „deutsches Staatsräson“ seien, wie es Kanzlerin Merkel einst ausdrücklich betonte, wollte Gauck nicht wiederholen. Viel mehr rückte er von der „Staatsräson-Formel“ ab und meinte, dass der Begriff an sich sehr vielschichtig sei. Leider verlor Gauck kein Wort über das mit Atomwaffen gerüstete Israel, welches nicht nur eine Gefahr für den ohnehin schon instabilen Nahen Osten darstellt, sondern auch für den Rest der Welt.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Reise war ein Besuch in die palästinensischen Autonomiegebiete. Dort besuchte Gauck unter anderem eine Mädchenschule in Nablus und sprach sich noch einmal für die Rechte der Palästinenser aus. Zum berühmten Satz seines Vorgängers Christian Wulff nahm der amtierende Bundespräsident auch Stellung. Diese Stellungnahme sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. „Der Islam gehört zu Deutschland“, sagte einst Wulff. Gauck hätte es anders formuliert:“Die Muslime gehören zu Deutschland.“ Des Weiteren versteht er jene, die die Aussage Wulffs nicht akzeptieren wollen. „Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?“, so Gauck. Herr Gauck hat wohl vergessen, dass eben dieser Islam die Religion der Muslime in Deutschland ist und damit genauso dazugehört. Dieser Islam war auch die Religion der Araber, die vor einigen hundert Jahren den Europäern wissenschaftlich gesehen weit voraus waren und diesen Fortschritt nach Europa exportierten.

Nun sind viele Muslime nicht zufrieden mit dem deutschen Bundespräsidenten. Manche werfen Gauck Geschichtsfälschung vor, obwohl er es meiner Meinung nach sicher nicht böse gemeint hat mit seiner Aussage. Grünen-Chef Cem Özdemir wiederholte, dass der Islam zu Deutschland gehöre, weil er eben die Religion von mittlerweile fast zwei Millionen deutschen Muslimen sei.

CDU-Politiker Volker Kauder ist da anderer Meinung. Der Islam gehört seiner Meinung nach eindeutig nicht zu Deutschland, die Muslime aber schon. Außerdem sollte etwas gegen dein Einfluss radikaler Islamisten auf Jugendliche getan werden. Kauder sollte sich lieber um den mittlerweile immer größer werdenden Einfluss von Neonazis an deutschen Schulen kümmern. Dort wird nämlich immer noch rechtes Gedankengut erfolgreich in Form von Musik, T-Shirts und anderen Produkten verbreitet. Dass der rechtsradikale Terror eine viel größere Gefahr ist als einige kleine, islamistische Gruppierungen, haben die jüngsten Ereignisse der Vergangenheit schon bewiesen. Dass diesem Terror leider viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, leider auch.

Während Joachim Gauck im Großen und Ganzen während seines Nahost-Besuches keinen all zu schlechten Eindruck hinterließ und auch von Merkels „Staatsräson-Formel“ abwich, hat er trotzdem mit seinen Aussagen zum Thema „Islam und Deutschland“ irritiert. Wie er wirklich dazu steht, ist immer noch nicht wirklich klar.

Zu diesem Thema werden wir bald sicherlich noch einmal Genaueres von Gauck hören, deshalb bleibt es weiterhin angespannt und spannend.

Grass darf nicht mehr nach Israel

Literaturnobelpreisträger Günter Grass darf aufgrund seines Gedichtes tatsächlich nicht mehr nach Israel reisen. Grass wurde vom israelischen Innenministerium zur Persona non grata erklärt.

Wer hätte gedacht, dass die israelische Regierung so weit gehen würde?
Eli Jischai, Israels Innenminister, ist der Meinung, dass Grass seine absurden Thesen weiterhin gerne vom Iran aus verbreiten dürfe. In Israel sei er aber unerwünscht.

Israel erklärte in der Vergangenheit schon einige Kritiker zur Persona non grata. Manche zu Recht, manche wiederum nicht. So war unter anderem auch der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider bis zu seinem Tod unerwünscht. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die israelische Regierung auch nicht davon absieht, gegen jüdische Kritiker wie Norman Finkelstein ein solches Einreiseverbot zu verhängen.

Günter Grass ist sicherlich nicht mit Jörg Haider gleich zu stellen. Während der eine mehr oder weniger in aller Öffentlichkeit über Juden schimpfte, lässt sich im Gedicht des anderen keine einzige antisemitische Passage finden. Auch in der Vergangenheit hat sich Grass kein einziges Mal antisemitisch geäußert. Die einzige Tatsache, die ihm stets zur Last gelegt wird, ist seine SS-Vergangenheit. Grass selber beteuerte immer wieder, dass er sich damals nicht freiwillig zu diesen Dienst gemeldet hat und von keiner einzigen Waffe Gebrauch gemacht hat. Seine Kritiker sind da anderer Meinung. Sie sind fest davon überzeugt, dass der damals 17-jährige Günter Grass sich freiwillig für die Waffen-SS zur Verfügung stellte und aus antisemitischen Gründen handelte. Dieser angebliche Antisemitismus soll ihm anscheinend bis heute erhalten geblieben sein, weshalb er letztendlich sein umstrittenes Gedicht schrieb. „Der Antisemitismus wollte einfach raus!“, schrieben manche Journalisten als Reaktion darauf.

Ich verstehe immer noch nicht, welcher Teil von „Was gesagt werden muss“ in auch nur irgendeiner Weise antisemitisch sein soll.

Rechtsgerichtete, israelische Politiker wie Außenminister Avigdor Lieberman sind erfreut über das Einreiseverbot. Es ist eine Schande, dass Menschen wie Lieberman, die sich öffentlich rassistisch und herabwürdigend gegenüber Arabern und Moslems äußern, von den westlichen Medien so gut wie nie kritisiert werden, während der Realist Grass regelrecht von allen Seiten zermürbt wird.

Zur Erinnerung: Avigdor Lieberman und seine ultra-orthodoxe Partei Yisrael Beiteinu sind regelrecht „scharf“ auf einen Krieg mit dem Iran. In der Vergangenheit ließ Lieberman oft rassistische Bemerkungen fallen. So stellt er die Glaubwürdigkeit jedes arabischstämmigen Israelis in Frage und würde sie im Falle eines Falles auch ausbürgern und abschieben lassen. Sogar einige israelische Medien bezeichnen Lieberman als rassistisch und faschistisch und vergleichen ihn mit europäischen Rechtspopulisten wie Haider oder Le Pen.

Den palästinensischen Staat würden Lieberman und seine Kollegen sowieso nicht anerkennen. Da soll noch einmal jemand behaupten, solche Kriegstreiber seien keine Gefahr für den Weltfrieden.

Es ist unfassbar, dass ein Land wie Israel, in dem angeblich Demokratie und Meinungsfreiheit so groß geschrieben werden, derart handelt. Dieses Vorgehen gegen Grass bestätigt wieder einmal, dass die israelische Regierung keine andere Meinung hören will. Man macht es sich einfacher, indem man den Kritiker einfach nicht mehr ins Land lässt und als Nazi und Antisemiten abstempelt.

Der Westen will uns immer wieder weismachen, dass Israel die einzig wahre Demokratie im Nahen Osten sei. Der heutige Tag hat uns eines Besseren gelehrt und gezeigt, dass im ach so liberalen Israel keine realistischen und kritischen Meinungen erwünscht sind.

UPDATE: Israels Innenminister Jischai setzt noch einen drauf und will Günter Grass den Literaturnobelpreis aberkennen lassen, als ob er dazu in der Lage wäre. Der ganze „Skandal“ wird von Tag zu Tag abstruser. Mittlerweile zeigen sich auch einige deutsche Politiker kritisch gegenüber Israels Maßnahmen.

Der neue Antisemitismus

Die gegenwärtige Kampagne gegen Literaturnobelpreisträger Günter Grass zeigt, wie schnell die Medien eine Person als „Antisemit“ abstempeln, ohne dies in irgendeiner Weise zu hinterfragen.

Die meisten Menschen, egal ob Araber, Europäer oder sogar Israelis, die gegen die israelische Regierung und deren Politik sind, werden per Schnellverfahren als Antisemit abgestempelt oder als „Feind des jüdischen Volkes“ diffamiert. Viele Medien beteiligen sich gerne an derartigen Hetzkampagnen. Hauptsache der Kritiker, in diesem Fall Grass, wird so schnell wie möglich mundtot gemacht und nicht mehr ernst genommen. Günter Grass hat sich jedoch gestern Abend noch einmal verteidigt und meinte, dass viele Menschen ihm E-Mails schreiben und der gleichen Meinung sind. Die Medien berichten nur nicht darüber.

Nun fällt auch mir auf, dass in den meisten Internet-Foren tatsächlich viele Menschen auf der Seite des Nobelpreisträgers stehen und dessen Meinung ausdrücklich teilen.

Trotzdem wollen einige Menschen das nicht einsehen. So schreibt Josef Joffe von „Der Zeit“, dass Grass ein „unterbewusster Antisemit“ sei und dass „einfach alles raus will“. „Sigmund Freud würde sich freuen, denn Grass‘ Gedicht liefere Einblicke in dessen Unterbewusstsein“. Auf so etwas Lächerliches muss man erst kommen. Was sich der Zeit-Herausgeber hierbei gedacht hat, ist mir ein Rätsel.
Die deutsch-französische Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld vergleicht das Gedicht Grass‘ sogar mit einer Rede von Adolf Hitler. Man darf nicht vergessen, dass diese Frau gerade erst vor kurzem noch vor hatte, deutsche Bundespräsidentin zu werden. Obwohl sich Die Linke als eine der wenigen Parteien teilweise auf der Seite von Grass stellt, zeigt sich ihre ehemalige Spitzenkandidatin dermaßen unverschämt und respektlos.
Anshel Pfeffer, der für die israelische Zeitung „Haaretz“ schreibt, ist der Meinung, dass Grass im Prinzip über „so etwas“ gar nicht schreiben dürfe und blickt auf dessen SS-Vergangenheit zurück. Des Weiteren unterstützt er die Aussagen von Broder und anderen Kritikern, die Grass ebenfalls als Antisemiten beschimpften.

Für all diese Kritiker und vor allem für die israelische Regierung ist Günter Grass ein „neuer Antisemit“. Der „neue Antisemit“ ist nicht jemand, der gegen den einzelnen Juden ist, wie es vor und während des Zweiten Weltkriegs der Fall war. Nein, der „neue Antisemit“ ist jemand, der angeblich alte Vorurteile mit neuen vermischt und gegen die jüdische Gesellschaft im Ganzen ist, sprich, gegen Israel.

In meinen Augen ist der „neue Antisemitismus“ nichts weiter, als eine Erfindung der israelisch-zionistischen Regierung. „Neue Antisemiten“ werden demnach schnell in ein „rechtes Eck“ gedrängt, um möglichst mundtot gemacht zu werden. Dies zeigt sich sehr gut in der Dokumentation „Defamation – Spurensuche einer Verleumdung“ des israelischen Regisseurs Yoav Shamir, die ich nur weiter empfehlen kann. In der Doku kann man unter anderem sehen, wie der Filmemacher eine Gruppe von israelischen Schulkindern nach Ausschwitz begleitet. Diese israelischen Jugendlichen trauen während ihres Aufenthaltes in Polen nachts nicht auf die Straße, weil ihnen gesagt wurde, dass die meisten Menschen dort Nazis seien, stets Juden diskriminieren und Jagd auf sie machen. Als ein polnischer Herr auf der Straße einem israelischen Mädchen sagt, dass er kein Englisch könne, meint ihr männlicher Klassenkamerad, dass er sicher „Scheißjude“ gesagt habe. Die Klasse wird von einem ehemaligen Mossad-Agent begleitet, dessen Meinung klar und deutlich im Film hervorgeht.
Im Film sieht man auch, wie jüdische Kritiker von israelischen Politikern und anderen „Würdenträgern“ schnell mundtot gemacht werden. So verlor der bekannte Antizionist Norman Finkelstein, Autor des Buches „The Holocaust Industry“, seinen Job an der Universität. Außerdem darf er nie wieder nach Israel reisen und sieht während des Interviews mit Shamir sichtlich angeschlagen aus, nahezu am Rande des Wahnsinns. Man erkennt, dass diese Person tatsächlich erfolgreich „geschlagen“ gemacht wurde. Finkelstein wurde zum „verrückten Antisemiten“ degradiert, obwohl er selber Verwandte während des Holocausts verlor. Abgesehen davon war seine Kritik, die insbesondere durch seine Bücher hervor ging, mehr als berechtigt.
Auf der anderen Seite sieht man die zionistischen Fanatiker der Anti-Defamation League unter Abraham Foxman. Diese Leute machen deutlich, dass sie gegen alles vorgehen werden, was auch nur in geringster Weise gegen Israel sein könne. Auch gegen die eigenen Leute.

Die Paranoia der Menschen, die Grass als „neuen Antisemiten“ darstellen oder ihn sogar mit Adolf Hitler vergleichen, ist mehr als beängstigend. Fakt ist, dass Grass weder ein Antisemit noch ein Faschist ist, sondern nur ein Realist, der auf die nukleare Gefährlichkeit des israelischen Staates aufmerksam machen will.

Mittlerweile merkt man jedoch, dass sehr viele Menschen hinter Günter Grass stehen, auch wenn die meisten Medien das nicht wahrhaben wollen. Diese Menge wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, damit es letztendlich zu einer Debatte kommt.

Günter Grass – ein antisemitischer Nobelpreisträger?

Der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat vorgestern durch ein Gedicht, was gar nicht so lyrisch ist und sich auch nicht wirklich reimt, einen weltweiten Skandal ausgelöst.

GERMANY GUENTER GRASS POEM

In dem Gedicht namens „Was gesagt werden muss“ wollte der mittlerweile 89-jährige Künstler seine Meinung über die gegenwärtige Lage im Nahen Osten kundmachen und ging insbesondere auf die Spannung zwischen Israel und dem Iran ein. Grass nahm es sich nicht vor, die israelische Regierung deutlich zu kritisieren. Der besagte Text wurde von drei großen Tageszeitungen, darunter der Süddeutsche Zeitung, weltweit veröffentlicht.

Innerhalb von nur wenigen Stunden nach der Veröffentlichung wurde Günter Grass von den Medien regelrecht „zerfetzt“ und zahlreiche Kritiker fielen über ihn her. Die israelische Regierung um Benjamin Netanjahu war und ist immer noch wütend über die angeblich falsche Darstellung der Lage. Verschiedenste Historiker und Politiker sind der Meinung, dass Grass „die Tatsachen verdrehe“ und „keinerlei Ahnung von der politischen Lage im Nahen Osten habe“. Der stets meckernde Publizist Henryk M. Broder hat sich sofort wieder wichtig gemacht, indem er mit einem eigenen Gedicht geantwortet und behauptet hat, Grass „habe schon immer etwas gegen Juden gehabt“. Außerdem beschimpfte er Grass als „Prototyp eines gebildeten Antisemiten“. Andere wiederum bezichtigen Günter Grass ganz direkt des Antisemitismus und meinen, dass es gar nicht anders sein könne, da Grass als 18-jähriger der deutschen Waffen-SS diente.

Um genau zu sein, fällt im Gedicht Grass‘ keine einzige antisemitische Bemerkung. In meinen Augen kritisiert er nur zu Recht die zionistische Regierung des israelischen Staates. Demnach ist er kein Antisemit, sondern ein Antizionist. Leider gibt es immer noch genug Menschen, die denken, das sei ein und dasselbe, vor allem in Israel. Des Weiteren kritisiert Grass die Rolle Deutschlands im gegenwärtigen Konflikt und will damit an die umstrittenen U-Boot-Lieferungen an Israel aufmerksam machen. Außerdem betrachtet der Nobelpreisträger die israelische Regierung als Gefahr für den Weltfrieden.

Warum das so ist, dürfte wohl auf Hand liegen. Fakt ist nämlich, dass bis heute nicht bewiesen wurde, ob der Iran im Besitz von Atomwaffen ist oder nicht. Im „besten Fall“ hätte der Iran „nur“ eine Atombombe, was nichtsdestotrotz ziemlich unwahrscheinlich ist. Israel hingegen besitzt mehrere Dutzend atomare Sprengköpfe. Israel lässt sein Atomprogramm nicht bewachen. Der Iran verhält sich in dieser Hinsicht nicht anders, ist aber kompromissbereit. Israel droht immer wieder mit einem militärischen Angriff und würde dadurch die ohnehin schon schlechte Lage im Nahen Osten extrem destabilisieren. Es würde zu einem Chaos kommen und zu zahlreichen zivilen Opfern. Die iranische Regierung hingegen hat Israel kein einziges Mal mit einer Zerstörung oder Ähnlichem gedroht. Die meisten westlichen Politiker, Journalisten und Historiker behaupten dies immer wieder und berufen sich auf diversen Übersetzungen von Ahmadinejads Reden. Ich empfehle diesen Herrschaften, Persisch zu lernen, bevor sie solche Behauptungen aufstellen. Obwohl ich bei bestem Willen kein „Fan“ der iranischen Regierung bin, muss ich mich in dieser Hinsicht auf die Seite der Iraner schlagen, sprich, ich muss mich schlicht und einfach an die Fakten halten.

Die meisten Medien sind gar nicht wirklich auf den Inhalt des Gedichtes eingegangen, sie wollten Günter Grass sofort den Kopf einschlagen und ihn als Antisemiten darstellen. Die Antisemitismus-Keule ist mittlerweile Gang und Gebe, wenn es um israelkritische Aussagen geht. Tatsächlich hat Grass die jüdische Religion in keinster Weise herabgesetzt oder beleidigt. Er wollte nur auf gewisse Tatsachen aufmerksam machen und eine Debatte auslösen. Stattdessen wetterten die deutschen Medien gegen ihn.

Grass‘ einziger Fehler war es, von „Israel“ zu schreiben, obwohl er damit nur die israelische Regierung meinte. Das hat er auch gestern Abend in den Tagesthemen gegenüber Tom Buhrow zugegeben. Seine Worte will Günter Grass auf keinen Fall zurücknehmen. Dass er als „Antisemit“ beschimpft wird, sei mehr als „absurd“, so Grass.

Das Wort „absurd“ passt übrigens perfekt zu der medialen Hetzkampagne gegen einen Menschen, der nichts Weiteres tat, als von dem Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen, um gewisse Tatsachen und Fakten bei ihren Namen zu nennen.