Vollverschleiert in die Selbstbestimmung

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Regierung, die Frauen zwingt, ein Stück anzuziehen und einer, die verlangt es auszuziehen? Und wer unterdrückt hier eigentlich Frauen unterdrückt: der Islam oder europäische Gerichte?

Foto: AP/Adil Shakur

Foto: AP/Adil Shakur

Weiterlesen

Residenzpflicht bei El Pepe

Während man sich in Europa und anderswo darüber streitet, wie viele Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen werden sollen, hat der Präsident Uruguays die Pforten seines eigenen Heims für einhundert syrische Waisenkinder geöffnet. Damit hat José Mujica, der gerne als „ärmster Präsident der Welt“ betitelt wird, gezeigt, wie reich er wirklich ist.

José Mujica (Foto: occupy.com)

Weiterlesen

Die Logik der Flüchtlingspolitik

Innerhalb weniger Tage sanken vor Lampedusa zwei Schiffe mit Flüchtlingen an Bord. Möglicherweise gab es noch ein drittes Schiffsunglück vor der Küste Maltas. Nicht zu vergessen ist der Gedanke, wie viele dieser Tragödien bis jetzt vor den Medien verborgen blieben. Nichtsdestotrotz wollen die meisten Deutschen keine zusätzlichen Flüchtlinge in die Bundesrepublik lassen. Man hat Angst vor der „Überfremdung“. Innenminister Friedrich meinte sogar, dass das „Boot“ voll sei. Die einzigen Boote, die jedoch wirklich überfüllt sind, sind jene vor Lampedusa.

Foto: Facebook

Weiterlesen

„Jüdisch-christliche Wurzeln in Deutschland“ … aber der Islam gehört „doch“ dazu!

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute ihre konservativen Parteikollegen widersprochen, indem sie behauptete, ihrer Meinung nach gehöre der Islam sehr wohl zu Deutschland. „Viele Muslime seien Deutsche, deshalb gehört der Islam eben dazu“, so Merkel.

Des Weiteren ist Frau Merkel der Meinung, dass „vieles durch den Islam nach Europa gekommen sei“. Trotz dieser erfreulichen Feststellung der deutschen Bundeskanzlerin ist diese aber auch der Meinung, dass „die jüdisch-christlichen Traditionen über die Jahrhunderte hingweg stärker gewesen sind“.

Ihre Parteikollegen wie Innenminister Hans-Peter Friedrich und Volker Kauder waren da anderer Meinung. Sie sind davon überzeugt, dass der Islam nicht dazu gehöre und die Leitkultur in Deutschland die christlich-jüdisch-abendländische Kultur sei.

Dass das Christentum ein wichtiger Bestandteil der europäischen Kultur ist und schon immer war, ist keine Frage. Logischerweise war auch dessen Einfluss stärker als jeder andere Einfluss. Warum sich manche Politiker aber immer heuchlerisch auf das Judentum berufen, erscheint mir fragwürdig. Bis zum Zweiten Weltkrieg bestand diese „europäische Kultur“ nämlich nur darin, Juden zu diskriminieren, zu verfolgen und sie als Sündenbock für ihre Missstände darzustellen. Im Grunde genommen, das Gleiche, was gegenwärtig mit den muslimischen Europäern passiert.

Die damaligen Juden Europas verstanden, dass sie unerwünscht waren. Theodor Herzl schrieb sein Buch „Der Judenstaat“ und daraus entwickelte sich dann der Zionismus.

Schon im Jahre 2010 schrieb ich über dieses Thema. Da sich bis heute so gut wie nichts verändert hat, ist es interessant, einen Rückblick darauf zu werfen:

“Jüdisch-Christliche Wurzeln in Europa”

Veröffentlicht am Oktober 24, 2010 von

Seit einigen Wochen, um genauer zu sein, seit der Rede des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, in der er betonte, dass “der Islam zu Deutschland gehöre”, was jedem klar denkenden Menschen eigentlich klar sein müsse, wehren sich immer mehr Menschen gegen diese Aussage. Plötzlich berufen sich viele Menschen, wie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer oder der Holocaust-Überlebende und “Islamkritiker” Ralph Giordano, auf “jüdisch-christliche Wurzeln des Abendlandes”, die mit dem Islam nicht vereinbar seien.

Dass Menschen mit “jüdische Wurzeln” bis zum Jahr 1945 verfolgt und ermordet wurden und dass man sonst auch nicht “groß auf jüdische Kultur in Europa” trifft, ist kein Geheimnis und muss erwähnt werden. So werden orthodoxe Juden mit Hut, Bart und Anzug auf dieselbe “seltsame Art und Weise” angestarrt, wie Frauen mit Kopftuch oder Sikhs mit Turban. Es ist eine Heuchelei, wie man sie nur selten erlebt, wenn man sich plötzlich auf “jüdische Wurzeln” besinnt. Das erinnert an die Zeit der Aufklärung, in der die meisten Philosophen und Freidenker nur aufgrund des rationalen Denkens jüdische Mitbürger, die sonst verhasst waren, als “gleichwertig” anerkannten, auch wenn sie dies nicht wollten, sie mussten es tun, denn sonst widerspreche es der “aufklärerischen und rationalen Gesinnung”.

Dass auch Juden wie Ralph Giordano darauf hereinfallen ist verwundernswert. Trotzdem stellt sich die Mehrheit der jüdischen Bürger gegen solche Aussagen, so sagte der Publizist Henryk M. Broder, dass es “der Heuchelei ähnle, sich auf eine jüdisch-christliche Kultur zu besinnen, denn diese Kultur bestand bis zum 2.Weltkrieg nur darin, Juden zu verfolgen und zu ermorden”, worin ich ihm nur voll und ganz zustimmen kann, ausnahmsweise. Die “Rechten und Islamophoben Europas” haben erkannt, dass sie, wie einst die Aufklärer, die Juden einfach akzeptieren müssen, weil ihnen keine andere Wahl bleibt.

Mich würde interessieren, ob sie sich nochmals auf diese “Wurzeln” besinnen würden, wenn sie hören würden, was der 90-jährige Rabbi Ovadia Yosef, einer der höchsten Würdenträger Israels, der enorm viel Macht inne hat und dessen ultra-orthodoxe Schas-Partei auch in der Knesset vertreten ist, am vergangenen Samstag, den 16.10.2010, von sich gegeben hat. Vorerst muss gesagt werden, dass Yosef schon in der Vergangenheit mit diversen Aussagen für Unmut gesorgt hat. So wünschte er sich im vergangenen August, dass “die Palästinenser und deren Führer der Pest erliegen sollten”. Doch die aktuellste Aussage übertraf wieder einmal alles. Der religiöse Gelehrte, der in jüdischen Kreisen höchste Anerkennung genießt und verehrt wird und dessen Stellung mit der des Ayatollah im Iran gleichgestellt werden kann, wenn nicht sogar um vieles höher, sagte, dass “Gojim (Nichtjuden), nur dazu da seien, um den Juden zu dienen, sie (ihr Leben) werden dazu benötigt, weil sie wie Esel gebraucht werden, das heißt um Arbeit für Juden zu verrichten, würden sie nicht da sein, würde das finanziellen Verlust für Juden bedeuten.”

Ich bedanke mich hiermit bei der liberalen, israelischen Zeitung “Haaretz”, die sich kein Vorbild an anderen westlichen Printmedien genommen hat und darüber berichtet hat. Viele Medien im Westen haben darüber nicht berichtet, vielleicht haben sie sich wieder einmal auf ihre “jüdisch-christlichen Wurzeln” berufen und lieber Stillschweigen bewahrt. Man stelle sich vor, ein islamischer oder christlicher Geistlicher hätte sowas von sich gegeben und alle Nichtchristen bzw. Nichtmuslime zu “unteren Lebewesen” degradiert, es wäre wahrscheinlich DIE Schlagzeile des Tages gewesen und alle mögliche Personen hätten sich wieder das Recht genommen, gegen alles Mögliche zu hetzen.

Ich kann mir schon die Artikel und Blogs auf spiegel.online.de, standard.at usw. vorstellen. Mich würde auch interessieren, was hetzerische Seiten wie “politicallyincorrect” von den Meinungen des Rabbis halten. Dieser hat im gewissen Maße ja auch “Recht”, so stellen sich genug Nichtjuden auf die Seite der israelischen Innen-und Außenpolitik, es gibt genug rechte Hetzer, die gegen Roma, Sinti, Moslems, Türken, Ausländer im Allgemeinen usw. sind, aber nicht gegen die Politik Israels, vielleicht sind das ja die “Esel, ohne die es dem Juden schlecht gehen würde”.

Der Witz an der ganzen Sache ist, dass jene, über die Ovadia Yosef so abwertend gesprochen hat, nicht einmal aufschreien, sondern nur zwei israelische Zeitungen darüber berichteten.

Hier noch der Link zum Thema:

http://www.haaretz.com/jewish-world/adl-slams-shas-spiritual-leader-for-saying-non-jews-were-born-to-serve-jews-1.320235

Von Kabul nach Innsbruck

Über den Krieg in Afghanistan erfahren wir gegenwärtig tagtäglich in den Nachrichten. Was man dort so hört, ist alles andere als schön. Gerade erst hat man vom grausamen Massaker in der Provinz Kandahar erfahren. Viele afghanische Schicksale gehen an den Menschen in Europa und somit auch in Österreich einfach vorbei, obwohl es sogar in unserem Innsbruck Geschichten gibt, über die man Bücher schreiben könnte. Geschichten, die man nicht an jeder Straßenecke hört und über die man auch nichts in den Nachrichten hört.

Salim* ist gerade neunzehn Jahre alt geworden. Er arbeitet in einem Restaurant in Innsbruck, dort ist er in der Küche „Männchen für alles“. Trotzdem ist er glücklich, denn noch vor ein paar Jahren war er ganz wo anders. Der junge Salim stammt ursprünglich aus Afghanistan und gehört zur Minderheit der Hazara, die durch ihre mongolischen Gesichtszüge leicht erkennbar sind. Er stammt aus der Provinz Bamiyan, jenes Bamiyan, in dem sich die von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen befinden. Als der afghanische Bürgerkrieg in den 90er-Jahren ausbrach, flüchtete Salims Familie wie viele andere Hazara in den Iran. Die Hazara bekennen sich zum schiitischen Islam. Da dieser im Iran Staatsreligion ist, erhofften sich viele Hazara dort eine bessere Zukunft. 

Obwohl der Iran für westliche Verhältnisse alles andere als ein ruhiges und friedliches Land ist, sah sich Salims Familie dort in Sicherheit, weit weg vom blutigen Bürgerkrieg der afghanischen Warlords. Gleichzeitig begegneten sie den Hass der iranischen Bürger, die in den afghanischen Flüchtlingen den perfekten Sündenbock fanden. In iranischen Gefängnissen kann man bis heute noch einige tausend Afghanen finden, die von fadenscheinigen Gerichten zum Tode durch den Strang verurteilt wurden. Was sie getan haben sollen und ob ihre Schuld überhaupt bewiesen ist, das ist unklar und wird wohl auch so bleiben. Afghanischen Kindern und Jugendlichen ist der Schulbesuch in iranischen Schulen untersagt, es sei denn, sie besitzen eine sogenannte „Identitätskarte“, also eine Art Ausweis. Selbst dann müssen afghanische Kinder der zweiten Generation für den Besuch einer staatlichen Schule Geld zahlen. Geld, welches für viele Afghanen nicht zu beschaffen ist. Salim stammt aus einer Arbeiterfamilie. In seinem Dorf in Bamiyan gab es keine Schule, im Iran gab es viele, diese blieben aber für ihn und für seine Geschwistern tabu. Während die jungen Menschen im Iran nach „Freiheit“ lechzen, unterdrücken sie gleichzeitig Minderheiten wie die Afghanen und diskriminieren diese tagtäglich. Salim und seine Familie lebte in bitterer Armut bis sich Salim eines Tages dazu entschloss, nach Europa zu gehen. Der Weg war alles andere als ungefährlich. Vom Iran über die Türkei bis nach Griechenland verschlug es ihn . Auf den Weg sah er viele andere Flüchtlinge, viele zerbrochene Menschen, die all ihr Hab und Gut verloren, ihre Verwandten verloren und drogensüchtig oder verrückt wurden. Insbesondere in Griechenland hatte Salim eine schwere Zeit. Dort wurden er und andere afghanische Flüchtlige immer wieder von Polizisten verprügelt und schikaniert. Asylanten erhalten in Griechenland ein einmonatiges Bleiberecht, wenn sie danach das Land nicht verlassen, werden sie ins Gefängnis gesteckt. Die Zustände in den griechischen Gefängnissen sind so katastrophal und sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Menschenrechtsorganisationen haben schon Beschwerden beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingelegt.

Salim fand in Athen viele Freunde, die er später nie wieder sah. Sie lebten auf der Straße oder zwischen Müllbergen und ernährten sich von dem was fanden. Zwiebeln, Kartoffeln, mehr gab es nicht und Geld für Lebensmittel hatte auch niemand. In solchen Momenten wünschten sie sich die ihre Heimat zurück. Viele Afghanen geben ihren „Traum von Europa“ in Griechenland auf und kehren nach Afghanistan zurück. In den Straßen des bankrotten Athens bemerken sie, dass ihre Wunschvorstellung von Europa nie wirklich existiert hat.
Salim hat es aber trotzdem irgendwie geschafft, dass europäische Festland zu erreichen. Es verschlug ihn nach Österreich und er hatte das Glück, noch minderjährig zu sein. Die österreichischen Polizisten waren nett zu ihm, brachten ihm warmes Essen, was gut schmeckte und gingen alles andere als schlecht mit ihm um. Immerhin war er zu diesem Zeitpunkt ja noch ein Kind. Erwachsene Flüchtlinge werden nicht so zimperlich behandelt, das hat Salim selber erlebt. Schnell bekam er eine Aufenthaltsgenehmigung und besuchte kurzzeitig einen Deutschkurs. Die Stelle in dem Restaurant fand er durch Zufall. Für ihn ist sie nur eine kurzfristige Lösung, um seiner Familie im Iran Geld zu schicken. Bald will er einen Hauptschulabschluss nachholen. Dann hätte er auch die Chance, eine Lehrstelle in einem Betrieb zu bekommen.

Abbas* ist dreiundzwanzig Jahre alt und stammt ebenfalls aus der Ethnie der Hazara. Er besucht die Abendschule und trägt ein Kreuz um seinen Hals. Schon seit zwei Jahren hat er eine Aufenthaltsgenehmigung und arbeitet gelegentlich neben seinem Schulbesuch. Abbas war nicht minderjährig als er in Österreich ankam. Er schlug einen anderen Weg ein, um in Österreich bleiben zu dürfen. Er konvertierte zum Christentum und meinte, dass die fanatischen Moslems in Afghanistan ihn töten würden, falls er abgeschoben werde. Er suchte Kontakte zur ortsnahen Kirche und zu anderen christlichen Organisationen, die sich für ihn einsetzten. Letztendlich klappte es. Gegenwärtig hat Abbas wenig mit Afghanen zu tun. Er trifft sich oft mit Freunden aus „seiner christlichen Gruppe“, besucht oft Discos und Bars und will von Afghanistan und dem Islam nichts mehr wissen.
Mit der Zeit fiel „der Konvertierungstrend“ auch den österreichischen Behören auf. Die Praxis bestätigt, dass Hazara-Flüchtlige aus Afghanistan eher dazu neigen, ihren Glauben abzulegen als andere. Deshalb ist es nun auch für Konvertiten schwieriger geworden, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Zalmay* ist ein Paschtune aus Baghlan. Das Volk der Paschtunen, der ethnischen Afghanen, stellt die Mehrheit der Bevölkerung Afghanistans dar. Vor drei Jahren verschlug es ihn nach Österreich. Seine Zukunft steht noch offen. Schon zum zweiten Mal bekam er einen negativen Bescheid, sprich, keine Aufenthalts -oder Arbeitsgenehmigung, bald könnte er abgeschoben werden. Der Grund: Zalmays Geschichte scheint erfunden zu sein, so die österreichischen Behörden. Diese haben ihren afghanischen Gutachter, der in Wien sitzt, damit beauftragt, Zalmays lange und komplizierte Geschichte zu prüfen. In dieser behauptet der junge Paschtune, sich aus Versehen in ein Mädchen verliebt zu haben, dessen Vater ein hoher Taliban-Funktionär sei. Als dieser von der Romanze seiner Tochter erfuhr und der Meinung war, dass Zalmay nicht sein Schwiegersohn werden sollte, beschloss er, diesen zu töten. Zalmay musste anfangs nur sein Dorf verlassen, einige Zeit später bemerkte er aber, dass in ganz Afghanistan sein Leben nicht sicher war.
Der afghanische Gutachter schickte seine in Afghanistan lebenden Vertrauten in Zalmays Dorf. Dort wusste anscheinend niemand von einem Talib, in dessen Tochter sich einst Zalmay verliebt hatte. Für die österreichischen Behörden war seine Lüge entlarvt. Sie fanden keinen Grund, Zalmay Asyl zu gewähren, deshalb muss er nun abgeschoben werden. Zalmay aber beharrt auf die Wahrhaftigkeit seiner Geschichte und fühlt sich missverstanden. „Andere kommen hier her und lügen das Blaue vom Himmel herunter! Am nächsten Tag bekommen sie eine Wohnung und du siehst sie arbeiten! Ich, der hier nichts anderes tat, als die Wahrheit zu sagen, soll abgeschoben werden? Bei Gottes Größe, das kann es doch nun wirklich nicht sein!“, sagt Zalmay immer wieder. Gegen das Urteil will er ankämpfen. Er vermutet, dass der afghanische Gutachter, der der usbekischen Minderheit angehört, etwas gegen Paschtunen habe und wahrscheinlich niemanden in sein Dorf geschickt hat, um seine Geschichte zu überprüfen. Des Weiteren meint Zalmay, dass es für ihn sicherlich nicht in Frage käme, seine Religion oder seine Herkunft für ein Stück Papier zu verleugnen. „Lieber würde ich sterben!“, so Zalmay.

Viele Flüchtlige wie Zalmay haben es nicht leicht. Jahrelang warten sie auf eine positive oder negative Aufenthaltsgenehmigung. Währenddessen leben sie in Flüchtlingsheimen und haben praktisch nichts zu tun, denn arbeiten dürfen sie ja nicht. Einige verleitet das dazu, kriminell aktiv zu werden, wobei man sagen muss, dass dies bei afghanischen Asylwerbern eher selten der Fall ist.

Für viele Afghanen ist die Lage im Heim bedrückend. In Flüchtlingsheimen treffen gleichzeitig mehrere verschiedene Kulturen und Völker aufeinander. Da sind Probleme, Streitereien und ähnliches vorprogrammiert. Auch Auseinandersetzungen mit der Heimleitung stehen auf dem Tagesprogramm. Da geht es immer wieder um das angebliche Schweinefleisch, welches der Koch als Rindfleisch proklamiert hat oder um den kleinen Kühlschrank, den man im Zimmer nicht haben darf. Die afghanischen Heimbewohner streiten auch gerne untereinander, doch sobald sie einen gemeinsamen Feind haben, verbünden sie sich und greifen diesen erbarmungslos an. So wie es eben auch in Afghanistan ist, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat.

Zalmay hofft weiterhin, dass er in Österreich bleiben darf. Sein Herz bleibt trotzdem in Afghanistan.

Abbas sieht seine Zukunft nur mehr in Österreich, er blickt nicht mehr nach Afghanistan zurück. Er will sich nicht nur integrieren, sondern assimilieren.

Salim denkt oft an seine Familie. Er vermisst seine Eltern, seine Geschwister und sein Land. Er will sich eine sichere Existenz aufbauen, damit er sowohl seine Familie, als auch seine Heimat in naher Zukunft unterstützen kann.

Das Schicksal von Exilafghanen ist generell nicht einfach. Während in Afghanistan schon seit Jahrzehnten Krieg herrscht, hat der Afghane, obwohl er sich schnell integrieren kann, es nicht einfach im industrialisierten Westen, sprich, in Europa.
Auch die österreichische Politik macht es afghanischen Flüchtlingen und anderen Asylanten nicht einfach. Der Begriff „Asylant“ wird in unserer Umgebung schon mit etwas schlechtem assoziiert. Viele Menschen haben die Bedeutung des Wortes schon vergessen, viele wissen es aber auch schlicht und einfach nicht. Ein Asylant ist im Grunde genommen ein Mensch, der aus verschiedenen Beweggründen einen sicheren Zufluchtsort sucht, ein Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist.
Viele Asylanten in Österreich würden gerne einer Beschäftigung nachgehen. Für viele muss es auch kein ach so toller Job sein, sondern einfach nur eine Arbeit, mit der sie etwas Geld verdienen können, bis sich ihr Aufenthaltsstatus geklärt hat. Die Klärung dieses Statuses kann, wie ich schon erwähnt habe, Jahre lang dauern. Die österreichische Politik und Bürokratie verwehrt diesen Menschen, diesen Flüchtligen, einer Beschäftigung nachzugehen. Stattdessen fordern manche PolitikerInnen noch härtere und strengere Maßnahmen für Asylanten. Die einen würden sie am liebsten sofort abschieben, die anderen verlangen eine 24-Stunden-Anwesenheitspflicht im Flüchtlingsheim. Damit wären die Männer, Frauen und Kinder quasi den ganzen Tag über eingesperrt, auch wenn manche PolitikerInnen dies nicht wahrhaben wollen. „Damit wären die Anwohner sicherer!“, hat zuletzt einer dieser Herrschaften behauptet.
Wenn sich diese Einstellung auf diese Art und Weise weiterverbreitet, sehe ich schwarz für die österreichische Asylpolitik und für die Zukunft eines jeden einzelnen Flüchtlings.

Dann würde ich keinem einzigen Flüchtling ein „Leben“ in solch einem Österreich wünschen!

*Namen geändert

Gekürzte Version hier nachzulesen: http://www.unipress.at/pdf/UP412.pdf