Zum Tod eines Anti-Imperialisten

Hugo Chávez ist tot. Letztendlich hat der Krebs über den venezolanischen Präsident gesiegt. Chávez‘ Stellvertreter, Nicolas Maduro, hat dies am Dienstagabend bestätigt. Während Anhänger und Sympathisanten des Präsidenten weltweit trauern, kann man sich vorstellen, wer sich über dieses Ereignis heimlich freut.

Hugo Chavez und Muammar Gaddafi (Quelle: AP/ Ben Curtis)

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Reaktionen auf den Gaza-Konflikt

Der Gazastreifen wird von den israelischen Streitkräften weiterhin massivst bombardiert. Bis jetzt wurden anscheinend mehr als 40 Palästinenser getötet und über 400 verletzt. Man kann davon ausgehen, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Eine Deeskalation der Lage ist nicht in Sichtweite. Währenddessen wird der Konflikt, so wie es nun mal üblich ist, von verschiedenen Seiten missbraucht.

Ein Land, welches immer wieder auf die Unterdrückung der Palästinenser zurückgreift, ist der Iran. Das iranische Regime um Ayatollah Khamenei und Präsident Ahmadinejad verurteilt die israelischen Angriffe und will seine Solidarität mit dem palästinensischen Volk offen zur Schau stellen. Anscheinend haben sich 20.000 iranische Basiji-Soldaten bereit erklärt, im Falle einer Bodenoffensive gegen die Israels Soldaten zu kämpfen.

Ein Land, welches immer wieder auf die Unterdrückung der Palästinenser zurückgreift, ist der Iran. Das iranische Regime um Ayatollah Khamenei und Präsident Ahmadinejad verurteilt die israelischen Angriffe und will seine Solidarität mit dem palästinensischen Volk offen zur Schau stellen. Laut der Fars News Agency haben sich 20.000 iranische Basij-Soldaten bereit erklärt, im Falle einer Bodenoffensive gegen Israels Soldaten zu kämpfen.

Der Iran will hiermit wieder einmal von innenpolitischen Geschehnissen ablenken. Während man Sympathie und Anteilnahme für die Palästinenser demonstriert, unterdrückt das schiitische Ayatollah-Regime weiterhin vor allem sunnitische Minderheiten im eigenen Land. Betroffen sind hierbei hauptsächlich Afghanen, Belutschen und Kurden. Besonders bei den afghanischen Immigranten wird auf die Konfession gar keine Rücksicht mehr genommen. Egal ob schiitisch oder sunnitisch, Diskriminierung und Unterdrückung stehen auf der Tagesordnung. Man fragt sich, wie die radikalen Schiiten in Teheran und Qom mit den sunnitischen Palästinensern umgehen würden, wenn sie diese im eigenen Land hätten.

Währenddessen hat Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah alle arabischen Staaten dazu aufgerufen, ihr Öl nicht mehr in westliche Staaten zu exportieren. Damit würde man von der Waffe namens Öl Gebrauch machen und die Unterstützer von Netanjahu und Co. gegen die Wand drücken. Anscheinend hat sich der Irak dazu entschlossen bei der Aktion mitzumachen. Allerdings ist dies nicht von den anderen arabischen Staaten zu erwarten. Die Scheichs und Emire von Qatar, Bahrain, Kuwait und all den anderen absolutistischen Diktaturen sind allesamt die besten Freunde des Westens und unterstützen die Palästinenser allerhöchstens nur pro forma, also im Grunde genommen gar nicht.

Saudi-Arabien, das ölreichste Land der Welt, hat es bis jetzt nicht einmal zu Stande gebracht, sich über die gegenwärtige Lage in Palästina auch nur in irgendeiner Weise zu äußern. Kein Wunder, denn das Saud-Regime ist zur Zeit mit dem Kauf von deutschen Panzern, amerikanischen Waffen, der Zerstörung heiliger, islamischer Stätten sowie der Förderung des Kriegs in Syrien beschäftigt.

Den meisten Rückhalt erhält die israelische Regierung weiterhin von den USA. Zionistische Organisationen wie die ZOA (Zionist Organisation of America) verteidigen das Handeln der israelischen Streitkräfte. Bezüglich der zahlreichen zivilen Opfer unter den Palästinenser wurde schon des Öfteren gesagt, dass so etwas nun mal zum „Krieg“ dazu gehöre. Allerdings kann hier von Krieg keine Rede sein, denn der Gaza-Streifen verfügt über keinen einzigen Soldaten

Des Weiteren behaupten besagte Gruppierungen, dass es zur Belagerung Gazas und zu diesem Angriff nur gekommen ist, weil man mit der Hamas nicht verhandeln könne. Diese Begründung ist fragwürdig, denn Ahmad al-Jabari, jener Hamas-Chef, der am vergangenen Mittwoch getötet wurde, war jahrelang Israels „Statthalter“ im Gaza-Streifen. Die meisten Informationen erhielt man von al-Jabari und man wusste permanent, wo sich dieser aufhielt. Abgesehen davon werden die Palästinenser auch im Westjordanland vertrieben und unterdrückt, obwohl die dortigen Autonomiegebiete von der künstlichen Fatah-Regierung, die auf der Gehaltsliste Israels steht, geführt werden. Die israelische Regierung hat es bis heute nicht einmal geschafft, mit ihrem eigenen Marionettenregime Frieden zu schließen. Stattdessen werden weiterhin illegale Siedlungen errichtet und jegliche Friedensangebote ausgeschlagen.

Die europäische Medien- und Politiklandschaft hat sich großteils darauf geeinigt möglichst einseitig über den gegenwärtigen Konflikt zu berichten. So haben Merkel, Westerwelle und andere Politiker allein die Hamas die Schuld für die Eskalation gegeben und hervorgehoben, dass Israel das Recht habe sich zu verteidigen. Völlig außer Acht gelassen wurden jene Ereignisse, die vor den Raketenbeschuss der Hamas stattfanden. Das beste Beispiel hierfür ist das Schicksal des palästinensischen Jugendlichen, der während des Fußballspielens von einem israelischen Schützen erschossen wurde. Einige Tage später wurden während der Beerdigung des Jungens die trauernden Gäste von israelischen Kampfjets bombardiert.

Nun fragt man sich, ob es zu einer Bodenoffensive kommen wird oder nicht. Berichten zufolge mobilisiert Israel 75.000 Reservisten. Allerdings wird spekuliert, dass sich die Türkei und Ägypten einschalten werden. Erdogan und Morsi haben sich heute in Kairo getroffen und werden Obama wohl darauf drängen, eine Bodenoffensive zu verhindern. Die Türkei macht zur Zeit die Drecksarbeit der USA im Syrien-Krieg und hat bei den Imperialisten in Washington etwas gut. Abgesehen davon verhält sich Erdogan in den letzten Tagen merkwürdig still. Ägypten hätte im Falle einer Grenzöffnung nicht die Kapazitäten, um palästinensische Flüchtlinge aufzunehmen. Außerdem wird es von den westlichen Staaten stark unter Druck gesetzt, da Merkel und Co. von Morsi eine Schlichtung des Konflikts verlangen. Obwohl der ägyptische Präsident die israelischen Angriffe scharf kritisiert hat, liegt eine derartige Flüchtlingswelle sicherlich nicht in seinem Interesse.

Menschen zweiter Klasse – Afghanen im Iran

Im gegenwärtigen Konflikt in Syrien spielt der Iran eine wichtige Rolle. Während das Land von westlichen Ländern, allen voran Israel und den USA, als ernsthafte Bedrohung angesehen wird, feiern Anti-Zionisten und al-Assad-Anhänger Mahmoud Ahmadinejad. Für sie steht der Iran für Freiheit. Immerhin – so meint man – „verkauft sich nicht an den Westen“ und verteidigt die Freiheit der Muslime. Der Iran vertritt anti-amerikanische Werte und steht somit für die palästinensische Sache. In dieser Hinsicht wird nur auf die Außenpolitik des Landes geschaut, während das innenpolitische Geschehen völlig außer Acht gelassen wird. Vor allem Minderheiten werden im Land brutal unterdrückt.

Im Iran leben viele verschiedene Völker, insbesondere viele Afghanen. Offiziell sind es um die eine Million, wahrscheinlich sind es viel mehr. Afghanische Flüchtlinge haben es alles andere als einfach in ihrem Nachbarland. Während Präsident Mahmoud Ahmadinejad seinen Amtskollegen Karzai immer wieder freundlich empfängt in und dort „afghanisch-iranische Freundschaft“ hochleben lässt, indem sich beide fast schon übertrieben um den Hals fallen, werden die Afghanen in Teheran, Mashad, Schiraz und anderen Städten tagtäglich diskriminiert und drangsaliert.

Obwohl der Iran für den Westen als ein Land mit einem totalitären Regime, welches immer wieder gegen Israel wettert, bekannt ist, so war und ist er für viele Afghanen ein Ort der Freiheit. Als die Sowjets in Afghanistan an die Macht kamen, brach im Iran die islamische Revolution aus. Demnach zogen es viele Afghanen vor, in den Iran zu flüchten, als bei den „gottlosen Kommunisten“ zu bleiben. Als Mullah Omar und seine Taliban-Gefährten Kabul eroberten und damit begannen, jegliche Freiheiten zu verbieten, zog es abermals viele Afghanen in den Iran. Während die Iraner zu dieser Zeit in Massen vor dem schiitischen Mullah-Regime flohen, war das Land für viele Afghanen ein Ort der Freiheit und des Friedens.

Diese trügerische Freiheit und der sogenannte Frieden änderten jedoch nichts an der Diskriminierung, die den Afghanen seitdem widerfährt. Afghanen sind im Iran Menschen zweiter Klasse. Illegale afghanische Einwanderer bleiben von jeglicher Bildung und Arbeit fern, dennoch sind sie für die iranische Wirtschaft ein wichtiger Faktor und werden demnach ausgebeutet. Die meisten von ihnen arbeiten in den großen Städten des Landes auf Baustellen unter härtesten, teils lebensgefährlichen Bedingungen. Viele von ihnen sind Jugendliche, fast Kinder, die dreizehn bis vierzehn Jahre alt sind. Sie haben keine Sozialversicherung, bekommen einen Hungerlohn und hausen in ärmlichen Baracken. Sobald diese Arbeiter nicht mehr gebraucht werden, werden sie einfach abgeschoben. Großstädte wie Teheran wachsen täglich, neue Hochhäuser werden gebaut und das U-Bahnnetzwerk wird erweitert. Die meiste Arbeit wird von genau diesen Afghanen verrichtet. Kein Wunder, die gebildete iranische Jugend hat keinerlei Interesse an solch „niederen Tätigkeiten“.

Das größte Problem ist jedoch, dass auch Afghanen der zweiten Generation, sprich, Menschen die im Iran geboren sind, der gleichen Diskriminierung ausgesetzt sind. So werden junge Hazara-Frauen, die Hazara sind eine afghanische Minderheit, die man leicht an ihren monglolischen Gesichtszügen erkennen kann, auf der Straße bespuckt und beschimpft. „Afghani“ ist für einige Iraner zu einem Schimpfwort geworden, mit dem die „wilden, zurückgeblieben Afghanen“ in Verbindung gebracht werden.

Das iranische Bildungsministerium plant, manche Studiengänge für afghanische Migranten zu verbieten. Fächer wie Atomphysik, Nuklear- und Chemietechnik und Militärtechnologie wären somit für Afghanen tabu. Damit will man erreichen, dass die Afghanen im Iran niemals eine Anstellungsverpflichtung des Staates erlangen. Man will nicht, dass Afghanen zur gebildeten Elite des Landes gehören. Theoretisch dürfte ein Afghane diese Fächer nur studieren, wenn er oder sie eine iranische Staatsbürgerschaft hätte. Für die meisten Afghanen ist es aufgrund der im Iran herrschenden Bürokratie schon eine große Hürde, irgendwie an eine Arbeitserlaubnis zu kommen. Demnach ist es in der Praxis so gut wie unmöglich für einen Afghanen, einen iranischen Pass zu erhalten.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass diese gezielte Unterdrückung nicht nur sunnitsche Afghanen betrifft, sondern auch schiitische. In den Iran flüchteten vor allem viele Hazara, die dem schiitischen Islam angehören. Sie hatten es jedoch in keinster Weise besser als andere Afghanen und wurden nicht aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit bevorzugt. Viele männliche Afghanen heirateten im Laufe der Zeit iranische Frauen. Deren Kinder wurden aber aufgrund des afghanischen Vaters nicht als iranische Staatsbürger anerkannt, so sagt es das iranische Gesetz. Demnach sind sie der gleichen Diskriminierung ausgesetzt wie all die anderen Afghanen.

Im April dieses Jahres wurde Afghanen in einem öffentlichen Park in der Stadt Isfahan der Eintritt verboten. Man erklärte, dass dies aufgrund der Sicherheit von iranischen Parkbesuchern beschlossen wurde. Diese hatten sich angeblich von afghanischen Familien gestört gefühlt. Diese Prozedur erinnert an ähnliche Verbote im früheren Südafrika oder in den USA. Daraufhin protestierten einige Exil-Iraner gegen die Regierung in Teheran. Geändert hat sich an der Lage der Afghanen jedoch nichts. Jährlich werden hunderte von ihnen nach fadenscheinigen Gerichtsverfahren aufgrund von Schwarzarbeit oder Drogenhandels hingerichtet. Mehrere tausend Afghanen sitzen gegenwärtig in iranischen Gefängnissen, auf ihnen wartet das gleiche Schicksal. In der Zwischenzeit wurde viel gegen die illegale Einreise seitens der Regierung unternommen. So wurde eine große Mauer an der iranisch-afghanischen Grenze gebaut, die bestens überwacht wird. Scharfschützen halten ihre Stellung und zeigen keinerlei Scheu, auf Afghanen zu schießen.

Den Afghanen im Iran wird der soziale Aufstieg verwehrt. Trotzdem fliehen immer noch viele von ihnen in das Land, um dem gegenwärtigen Krieg zu entkommen. Der iranische Großayatollah Mohammad Fazel Lankarani, der 2007 verstarb, hatte eine afghanische Mutter. Er sprach die afghanische Sprache Paschtu sogar fließend. Zu seinen Lebzeiten setzte er sich nicht nur für die Freiheit Afghanistans ein, sondern auch für die Afghanen im Iran. Leider war er bis heute der einzige, der diesbezüglich den Mund aufmachte. Es gibt Gerüchte, dass die gegenwärtige iranische Regierung die UN-Gelder, die sie für die afghanischen Flüchtlinge erhält, lieber für sich behält, anstatt es für andere, humanitäre Zwecke zu benutzen.

Günter Grass – ein antisemitischer Nobelpreisträger?

Der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat vorgestern durch ein Gedicht, was gar nicht so lyrisch ist und sich auch nicht wirklich reimt, einen weltweiten Skandal ausgelöst.

GERMANY GUENTER GRASS POEM

In dem Gedicht namens „Was gesagt werden muss“ wollte der mittlerweile 89-jährige Künstler seine Meinung über die gegenwärtige Lage im Nahen Osten kundmachen und ging insbesondere auf die Spannung zwischen Israel und dem Iran ein. Grass nahm es sich nicht vor, die israelische Regierung deutlich zu kritisieren. Der besagte Text wurde von drei großen Tageszeitungen, darunter der Süddeutsche Zeitung, weltweit veröffentlicht.

Innerhalb von nur wenigen Stunden nach der Veröffentlichung wurde Günter Grass von den Medien regelrecht „zerfetzt“ und zahlreiche Kritiker fielen über ihn her. Die israelische Regierung um Benjamin Netanjahu war und ist immer noch wütend über die angeblich falsche Darstellung der Lage. Verschiedenste Historiker und Politiker sind der Meinung, dass Grass „die Tatsachen verdrehe“ und „keinerlei Ahnung von der politischen Lage im Nahen Osten habe“. Der stets meckernde Publizist Henryk M. Broder hat sich sofort wieder wichtig gemacht, indem er mit einem eigenen Gedicht geantwortet und behauptet hat, Grass „habe schon immer etwas gegen Juden gehabt“. Außerdem beschimpfte er Grass als „Prototyp eines gebildeten Antisemiten“. Andere wiederum bezichtigen Günter Grass ganz direkt des Antisemitismus und meinen, dass es gar nicht anders sein könne, da Grass als 18-jähriger der deutschen Waffen-SS diente.

Um genau zu sein, fällt im Gedicht Grass‘ keine einzige antisemitische Bemerkung. In meinen Augen kritisiert er nur zu Recht die zionistische Regierung des israelischen Staates. Demnach ist er kein Antisemit, sondern ein Antizionist. Leider gibt es immer noch genug Menschen, die denken, das sei ein und dasselbe, vor allem in Israel. Des Weiteren kritisiert Grass die Rolle Deutschlands im gegenwärtigen Konflikt und will damit an die umstrittenen U-Boot-Lieferungen an Israel aufmerksam machen. Außerdem betrachtet der Nobelpreisträger die israelische Regierung als Gefahr für den Weltfrieden.

Warum das so ist, dürfte wohl auf Hand liegen. Fakt ist nämlich, dass bis heute nicht bewiesen wurde, ob der Iran im Besitz von Atomwaffen ist oder nicht. Im „besten Fall“ hätte der Iran „nur“ eine Atombombe, was nichtsdestotrotz ziemlich unwahrscheinlich ist. Israel hingegen besitzt mehrere Dutzend atomare Sprengköpfe. Israel lässt sein Atomprogramm nicht bewachen. Der Iran verhält sich in dieser Hinsicht nicht anders, ist aber kompromissbereit. Israel droht immer wieder mit einem militärischen Angriff und würde dadurch die ohnehin schon schlechte Lage im Nahen Osten extrem destabilisieren. Es würde zu einem Chaos kommen und zu zahlreichen zivilen Opfern. Die iranische Regierung hingegen hat Israel kein einziges Mal mit einer Zerstörung oder Ähnlichem gedroht. Die meisten westlichen Politiker, Journalisten und Historiker behaupten dies immer wieder und berufen sich auf diversen Übersetzungen von Ahmadinejads Reden. Ich empfehle diesen Herrschaften, Persisch zu lernen, bevor sie solche Behauptungen aufstellen. Obwohl ich bei bestem Willen kein „Fan“ der iranischen Regierung bin, muss ich mich in dieser Hinsicht auf die Seite der Iraner schlagen, sprich, ich muss mich schlicht und einfach an die Fakten halten.

Die meisten Medien sind gar nicht wirklich auf den Inhalt des Gedichtes eingegangen, sie wollten Günter Grass sofort den Kopf einschlagen und ihn als Antisemiten darstellen. Die Antisemitismus-Keule ist mittlerweile Gang und Gebe, wenn es um israelkritische Aussagen geht. Tatsächlich hat Grass die jüdische Religion in keinster Weise herabgesetzt oder beleidigt. Er wollte nur auf gewisse Tatsachen aufmerksam machen und eine Debatte auslösen. Stattdessen wetterten die deutschen Medien gegen ihn.

Grass‘ einziger Fehler war es, von „Israel“ zu schreiben, obwohl er damit nur die israelische Regierung meinte. Das hat er auch gestern Abend in den Tagesthemen gegenüber Tom Buhrow zugegeben. Seine Worte will Günter Grass auf keinen Fall zurücknehmen. Dass er als „Antisemit“ beschimpft wird, sei mehr als „absurd“, so Grass.

Das Wort „absurd“ passt übrigens perfekt zu der medialen Hetzkampagne gegen einen Menschen, der nichts Weiteres tat, als von dem Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen, um gewisse Tatsachen und Fakten bei ihren Namen zu nennen.

Geheuchelte Freundschaft

In den nächsten Tagen wollen sich das afghanische Staatsoberhaupt Hamed Karzai, der iranische Präsident Mahmud Ahamdinejad und Pakistans Staatschef Asif Ali Zardari in Islamabad treffen. Ihr Ziel: Sie wollen allen anderen Staaten, insbesondere dem Westen und der USA ihre „tiefe und innige Freundschaft“ demonstrieren. Die werten Herren haben es sich vorgenommen, über die gegenwärtigen Probleme, sprich, Terrorismus, Krieg, Kriminalität und Drogenschmuggel, zu sprechen. Immerhin hat es höchste Priorität, die genannten Dinge schnell aus der Welt zu schaffen.

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Das eigentliche Ziel des verzweifelten Dreierpacks ist wohl eine Art Machtdemonstration gegenüber dem Westen. „Wir schaffen es auch leicht ohne euch!“, wollen sie sagen. Über wahre Probleme wird wahrscheinlich nicht gesprochen, Fakten und die „wahre“, also die aktuelle Situation in der Region wird unter dem Teppich gekehrt.

Fangen wir an mit Herrn Karzai, Staatspräsident Afghanistans, scherzhaft auch „Bürgermeister von Kabul“ genannt. Dass seine Macht mehr als nur begrenzt ist, weiß inzwischen jedes Kind in Afghanistan. Hamed Karzai ist auch Khan (= Oberhaupt) des paschtunischen Popalzai-Stammes. Die sturen Popalzai in Kandahar sind wohl die einzigen Unterstützer ihres Führers. Ob er falsch oder richtig handelt, ob er korrupt ist oder nicht, spielt keine Rolle. Hauptsache er ist einer von ihnen, ein Popalzai. Karzai will in Pakistan tatsächlich über Drogenschmuggel sprechen und diesen effektiv bekämpfen. Falls er es wirklich ernst meint, müsste er gegen seine eigenen Verwandten „kämpfen“, allen voran gegen seinen Bruder, der von Kandahar aus Drogengeschäfte im großen Stil macht.  Bekämpft hat Karzai seine Familie nie, ihnen Machtpositionen verschafft aber sehr wohl.

Des Weiteren weiß Herr Karzai sehr wohl über die gegenwärtige Lage der Afghanen in Pakistan und im Iran Bescheid. Er weiß, dass sich der pakistanische Staat jahrelang einen Dreck um die afghanischen Flüchtlinge im Lande scherte. Er weiß, dass tagtäglich unschuldige Paschtunen in Waziristan durch von Pakistan genehmigte Drohnenangriffe getötet werden.  Er weiß auch, dass andere Minderheiten wie die Belutschen auf das Extremste von Pakistan unterdrückt werden. Es ist Fakt, dass Pakistan seit seiner Entstehung eine anti-afghanische Haltung hat und mit Gewalt die illegale Durrand-Linie aufrecht hielt.

Auch der Iran ist alles andere als ein Freund der Afghanen. Abgesehen davon, dass es afghanische Flüchtlinge schon immer schwer hatten im benachbarten Land, sprich, sie wurden diskriminiert und in jeder Hinsicht benachteiligt, haben es gegenwärtig Afghanen der zweiten Generation, also jene, die dort geboren wurden, es ebenfalls nicht leicht. Während das iranische Volk immer mehr nach Freiheit lechzt, beraubt sie anderen Menschen im eigenen Land die Freiheit. Jedes Jahr werden hunderte Afghanen im Iran hingerichtet, viele von ihnen sitzen unschuldig im Gefängnis und warten auf den Henker, es wurde ihnen nie ein fairer Prozess gestattet. Der iranische Staat neigt gerne dazu, alle anderen Minderheiten, sprich, alles was nicht persisch und nicht schiitisch ist, zu diskriminieren und für kriminell zu erklären. Die schon erwähnten Belutschen, die schon seit eh und je im Iran ebenfalls angesiedelt sind, haben dort ähnliche Probleme.

Möchtegernpatriot Karzai will davon nichts wissen. Seine Vorfahren die in Kandahar ruhen, würden sich wohl vor Scham im Grabe umdrehen.
Pakistans Zardari, der die anderen Parteien nach Islamabad einlud, zeigt sich merkwürdigerweise plötzlich sehr freundschaftlich. Er hat wohl endlich gemerkt, dass sein Staat es mit dem doppelten Spiel gegenüber den USA zu weit getrieben hat. Neue Verbündete würden nicht schaden, also warum nicht gleich bei den Nachbarländern anfangen?
Zardari will „gegen den Terror und gegen die Taliban kämpfen“. Er hat aber vergessen, dass der pakistanische Staat, insbesondere der pakistanische Geheimdienst ISI für diesen Terror sowie für die Auswüchse von verschiedenen fanatischen Gruppen, die man großenteils auch „islamistisch“ nennen kann, verantwortlich zu machen ist. Pakistan bietet zahlreichen arabischen Unruhestiftern und Wahnsinnigen Unterschlupf. Der arabische Import versteht es mittlerweile sehr gut, in Afghanistan, Pakistan und anderen umliegenden Ländern für Chaos zu sorgen. Selbstmordattentate und andere Gräueltaten an Zivilisten sind zum traurigen Alltag geworden, Minderheiten werden gefoltert, getötet und diskriminiert. „Pak“ würde auf Urdu und Farsi übersetzt „rein“ oder „sauber“ bedeuten, doch wie die Ironie es will, hat sich der pakistanische Staat seit seiner Gründung nichts „Sauberes“ geleistet.

Mahmud Ahmadinejad, Marionette des Ayatollahs Ali Chamenei, wird natürlich ganz im Interesse der neuen, heran strebenden Großmacht des Nahen Ostens handeln. Der Iran versucht schon seit Langem durch die Unterstützung von persisch-sprachigen und schiitischen Warlords in Afghanistan seinen Einfluss zu erweitern. Während im Iran die Afghanen wie Dreck behandelt werden, umwirbt man sie im Ausland. Pakistan scheint dem Iran als Atommacht interessant zu sein, gute Beziehungen würden auf jeden Fall nicht schaden.

Im Großen und Ganzen ist es eine ziemlich schwache und durchschaubare Show, die sich in den nächsten Tagen in Islamabad abspielen wird.
Jene Staaten, die schon seit Jahrzehnten versuchen, Afghanistan ihres zu machen und ihren Einfluss zu erweitern, spielen nun den guten Freund, den freundlichen Nachbar und wollen mit Afghanistan „gemeinsame Sache machen“. Wie dies aber genau aussehen soll, ist unklar und wird es wohl auch weiterhin bleiben. Während Karzai, Ahmadinejad und Zardari beim Tee über Belanglosigkeiten und unlösbare Probleme plaudern werden, werden weiterhin unschuldige Menschen sterben.
Ich persönlich hoffe, dass diese geheuchelte Freundschaft schon bald wieder ihr Ende findet.