Die Trump-Hysterie

Hat sich der Präsidentschaftskandidat mit der Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime wirklich disquaifiziert?

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Donald Trump mag keine Muslime. (Foto: Reuters)

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat in den letzten Wochen und Monaten immer wieder für Furore gesorgt. Dank der skurrilen Äußerungen des einstigen Immobilien-Tycoons überschlug eine Schlagzeile die nächste. Für Trump war das die beste Kampagne überhaupt, denn aufgrund seiner Inszenierung – für die Medien stets ein gefundenes Fressen – investierte Trump bis dato sehr viel weniger Geld in den Wahlkampf als seine Kontrahenten.

Doch nun, so meinen viele, scheint der Zenit überschritten worden zu sein. Trump schoss den Vogel ab, indem er seiner ohnehin schon anti-muslimischen Rhetorik einen drauf setzte und ein totales Einreiseverbot für Muslime forderte (Trump fordert „totales Einreiseverbot“ für Muslime). Die Reaktionen und Empörungen seitens Politik und Medien ließen nicht lange auf sich warten. Jeb Bush, Hillary Clinton und andere Präsidentschaftskandidaten gingen Trump scharf an. Immer wieder hieß es, dass seine Weltanschauung mit den Idealen der Vereinigten Staaten nichts zu tun habe. Sogar das Weiße Hause meldete sich zu Wort und meinte, dass Trump sich als möglicher Präsident „disqualifiziere“.

Währenddessen wurde in den Medien immer wieder klar gestellt, dass muslimische Rapper, Sportler und anderweitige Persönlichkeiten große Beiträge in den USA geleistet hätten. Abgesehen davon wurden Trumps zahlreiche Geschäftskontakte in der muslimisch geprägten Welt in den Vordergrund gestellt. Im Großen und Ganzen ist der Tenor eindeutig: Donald Trump ist ein dummer Rassist, der mittlerweile größenwahnsinnige und faschistische Züge angenommen hat. Sogar Spiegel Online meint, dass Trump sich den Mechanismen des Faschismus bediene. So betreibe er doch unter anderem Personenkult, pflege eine plumpe Sprache – hier bezieht man sich sogar auf das Orwellsche Neusprech – und entmenschliche seine Gegner.

Kurz gesagt, Amerika hat seinen Sündenbock – und alles, was er sagt oder macht, ja, alles was er schlichtweg verkörpert, hat nichts mit dem glorreichen Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu tun. Das Problem ist nur, dass dem nicht so ist.

Um eines vorweg klarzustellen: Donald Trump ist sicherlich ein menschenverachtender Rassist und größenwahnsinniger Selbstinszenierer. Er und seine jubelnden Anhänger, die zahlreich vorhanden sind, können gefährlich werden. Deshalb ist es auch wichtig, das Trumpsche Theater nicht einfach kritiklos hinzunehmen. Ein Mann wie Trump hat es auch verdient, immer und immer wieder anhand von Tatsachen und Fakten bloßgestellt zu werden.

Doch um all das geht es gar nicht, denn mit der US-amerikanischen Politik der letzten Jahre hat Trump nichts zu tun. Islamfeindlichkeit und die Entmenschlichung des Gegners und aller anderen Menschen, die etwa im Irak, in Afghanistan, im Jemen oder in Somalia leben, sind trotzdem zahlreich vorhanden. Und auch das erwähnte Neusprech ist stets präsent, wenn es um den „Krieg gegen den Terror“ geht, sowohl auf republikanischer Seite als auch im demokratischen Spektrum, wie zum Beispiel die jüngsten Reden von Hillary Clinton deutlich machen.

Es war nicht Trump, der eine Millionen Menschen im Irak den Tod brachte, sondern George W. Bush und sein „Kreuzzug gegen das Böse“. Es waren nicht Trumps Schergen, die in Bagram oder Guantanamo Menschen nur aufgrund ihrer muslimischen Herkunft zu Tode folterten, sondern jene von Bush oder Obama. Unter Letzterem wurden sogar US-amerikanische Staatsbürger im Jemen, darunter auch ein Kind, per Knopfdruck außergerichtlich exekutiert, sprich, ermordet.

Mit seinen Drohnen tötet der US-Präsident regelmäßig auch in anderen muslimisch geprägten Ländern, in denen dystopische Zustände herrschen. Mindestens 6.000 Menschen wurden bis jetzt Opfer dieses Krieges, den der Linguist und Philosoph Noam Chomsky als die „mörderischste Terrorkampagne der Gegenwart“ bezeichnete.

In Afghanistan wurden am vergangenen Dienstag wieder einmal mindestens elf Menschen Opfer eines Drohnen-Angriffs. Medial werden sie nur als „Terrorverdächtige“ wahrgenommen, wenn überhaupt. Sie haben kein Gesicht, sind namenlos. All das ist Entmenschlichung auf höchster Stufe. „Ich bin wirklich gut im Töten“, waren Obamas Worte dazu. Warum er sich im Gegensatz zu Trump noch nicht als Präsident „disqualifiziert“ hat, bleibt allerdings weiterhin offen.

*Erstveröffentlichung: Telepolis

Ein Gedanke zu „Die Trump-Hysterie

  1. Naja, der disqualifiziert sich ja außerdem noch dadurch, dass er einfach absolut keinen Anstand besitzt. Er macht sich über Behinderte lustig und klopft sexistische Sprüche. In Deutschland oder in der Schweiz hätte er schon längstens seine Kandidatur zurückziehen müssen.

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