Muslime können doch nur Bomben bauen

Über den Fall des 14-jährigen Ahmed Mohamed.

Ahmed Mohamed (Foto: AP)

In den USA wird ein vierzehnjähriger Schüler in Handschellen abgeführt, nachdem er seiner Lehrerin eine selbstgebastelte Uhr präsentiert. Gewiss, wenn man Ahmed Mohamed heißt, gut in Naturwissenschaften ist und dann auch noch technisches Knowhow hat, kann das doch letztendlich nur zu einer Bombe führen.

In den Sozialen Netzwerken sorgte der Vorfall für eine Welle der Empörung. Mit dem Hashtag #IstandWithAhmed drückten Zehntausende von Menschen ihre Solidarität mit dem Jungen aus. Ahmeds Fall ist allerdings keine Ausnahme, sondern hat System. Der Mauretanier Mohamedou Ould Slahi, der seit dreizehn Jahren unschuldig im US-Folterlager auf Guantanamo ausharrt, schreibt in seinem »Guantanamo-Tagebuch«, dass Muslime, die etwas Technisches studieren, etwa Mechatronik oder Raumfahrtingenieurswesen, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf irgendwelchen Überwachungslisten von Geheimdiensten landen. Dies hat Slahi nicht einfach aus der Luft gegriffen. Viel mehr bestätigte es ihm einer seiner Peiniger, der ihm das – Slahi studierte in Duisburg und schloss dort als Ingenieur ab – zum Vorwurf machte.

Ein Muslim, der gut tüfteln kann, könnte einen Terroranschlag begehen und stellt deshalb eine Gefahr dar, so der Tenor. Dies lässt sich schlichtweg als institutionelle Islamfeindlichkeit bezeichnen. Bei Menschen anderer Herkunft oder Konfession lassen sich derartige Verdächtigungen nämlich nicht finden. Alle weißen Männer, vielleicht auch noch blond und blauäugig oder gar mit Glatze, die ähnliche Studiengänge absolvieren, könnten doch potentielle Nazi-Terroristen sein, die Nagelbomben in Döner-Buden hinterlassen, oder nicht? Vor allem in den USA ist diese Gefahr doch sehr ernstzunehmend, wenn man bedenkt wie dominant – und weiterhin unbeachtet – manche der sogenannten White-Power-Gruppen sind.

Die Unterdrückung des »muslimischen Erfindergeistes« findet allerdings nicht erst seit Ahmeds kurzzeitiger Festnahme statt, sondern seit dem Zeitalter der Kolonialisierung. Das »Reich der Mitte«, wie der afghanische Autor Tamim Ansary die islamisch geprägte Welt vom Nahen Osten bis Zentral- und Südostasien nannte, brachte einst große Tüftler hervor. Doch später, vor allem im Laufe der westlich-imperialistischen Eroberungen, fand ein Zerfall statt. Ähnlich wie in Amerika oder Australien meinte der Weiße Mann, dass die muslimischen Barbaren zu nichts fähig seien und unterdrückten jegliche Entwicklung in diese Richtung. Als Fortschritt galt nämlich nur, was in London, Paris und anderswo bestimmt wurde.

Nun hat Ahmed auch einige prominente Unterstützer auf seiner Seite. Unter anderem wurde er von Barack Obama via Twitter ins Weiße Haus eingeladen, während auch Hillary Clinton ihre Unterstützung verkündete. Diese Reaktionen sind mit Skepsis zu betrachten. Was soll man von einem Obama halten, der Ahmed zu sich einlädt, während er – vereinfacht ausgedrückt – andere Ahmeds mit seinen Drohnen tagtäglich in den Tod schickt? Allein im Jemen wurden in diesem Jahr mehr Menschen von US-Drohnen getötet als von Al-Qaida. Selbiges betrifft Hillary Clinton, die mit ihrer katastrophalen Nahostpolitik, allen voran in Libyen, in Erinnerung geblieben ist und nun, ihren kriegstreiberischen Unterstützern zuliebe, damit sogar auf Wählerfang gehen will.

Jene, die das System der US-Politik immer noch nicht verstanden haben, sind erfreut über Clintons und Obamas Aussagen. Sie sehen vermeintliche Zeichen dafür, dass derartige Politiker eben doch toll und sympathisch sein können. Dem ist aber nicht so. »Wen Amerika wählt, der ist so etwas wie eine Marke für den Verkauf der amerikanischen Politik, ohne dass sich die Politik selbst ändern würde«, meinte der US-Journalist Glenn Greenwald einst. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Obama und vielleicht bald auch Clinton sind Marken, die an der Spitze eines Staates stehen, der Muslime nicht nur aufgrund selbstgebastelter Uhren verhaftet, sondern diese auch willkürlich überwacht, mit Drohnen jagt und foltert – und das nur aufgrund ihres Muslimseins.

Erstveröffentlichung: neues deutschland

Ein Gedanke zu „Muslime können doch nur Bomben bauen

  1. In einem von Karl Mays Romanen Mit Kara Ben Nemsi macht er sich über die Rückständigkeit Muslime lustig, indem er im europäischen Teil des Osmanischen Reiches einen Mann erwähnt, der die (mechanische) Uhr neu erfunden hat, nachdem sie im christlichen Abendland längst seit Jahrhunderten verbreitet ist. Damals waren die Muslime noch Gegenstand romantischer Betrachtungen und des Spottes, doch wenn heute ein Muslim die Uhr neu erfindet, dann ist er ein gefährlicher Terrorist. Die pakistanische Atombombe wurde zur Zeit ihres Baus von den Medien als „islamische Bombe“ betitelt.
    Ebenso, wie die Muslime sich nicht über Obama und Clinton täuschen sollten, sollten die Muslime in Deutschland sich nicht über den Bundesgauckler und die Dauerkanzlerin täuschen, auch wenn diese – erst verhältnismäßig spät – sagen, daß der Islam zu Deutschland gehört. Sie sollten nicht vergessen, daß diese beiden dem dänischen Karikaturisten Westergaard für seine Muhammad-Schmäh-Karikatur mit einem bärtigen Mann und einer Bombe als Kopfbedeckung eine Auszeichnung verliehen haben. Aber der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland ist so naiv, sich bei einer „Je suis Charlie“ Veranstaltung zwischen die beiden zu setzen.
    Hat der Vorsitzende des ZMD denn nicht den Koran gelesen: „Er hat euch doch bereits im Buch geoffenbart: Wenn ihr hört, daß man Allahs Zeichen verleugnet und sich über sie lustig macht, dann sitzt nicht mit ihnen zusammen, bis sie auf ein anderes Gespräch eingehen. Sonst seid ihr ihnen gleich. Gewiß, Allah wird die Heuchler und die Glaubensverweigerer alle in der Hölle versammeln“? Oder möchte er gern am Tage des Jüngsten Gerichts zusammen mit dem Bundesgauckler und der Dauerkanzlerin und deren Wählern und Anhängern versammelt werden anstatt mit den Muslimen?

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