Wo staatliche Strukturen versagen, herrscht nicht nur „islamischer“ Terror

Wo staatliche Strukturen versagen, herrschen Chaos und exzessive Gewalt. Das ist nicht nur im Irak der Fall, sondern auch – abseits der Mainstream-Berichterstattung – in Uganda und Mexiko.

Ausschnitt aus einem Video der „Los Zetas“

Der jordanische Pilot Moaz al Kassasbeh wurde bei lebendigem Leib verbrannt. Widerwärtiger und abscheulicher kann ein Verbrechen kaum sein. Doch der IS ist längst nicht die einzige Terrorgruppe, die auf solche Weise mit ihren Opfern umgeht. Auch christliche Milizen foltern und ermorden ihre Geiseln. Nur schaffen es diese selten in die Schlagzeilen.

So gut wie nie liest man in westlichen Medien etwas über die christlich-extremistische LRA (Lord’s Resistance Army), die in Uganda seit Jahren Kindersoldaten rekrutiert, plündert, mordet und vergewaltigt und einen Gottesstaat auf Basis der Zehn Gebote errichten will.

Der kurze Medienhype um KONY 2012 – eine gegen LRA-Chef Joseph Kony gerichtete Öffentlichkeitskampagne, ist schon längst vergessen. Dass Dominic Ongwen, eine ehemalige LRA-Führungsfigur, vergangene Woche dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vorgeführt wurde, ging im Nachrichtensumpf unter.

Ähnliches gilt für mexikanische Drogenkartelle, die seit Jahren im Land wüten: Die Los Zetas gehört zu den brutalsten dieser Vereinigungen. Da die ersten Zetas Elitesoldaten des Militärs waren, gilt die Gruppierung als sehr professionell – auch professionell im Töten. Die Opfer der Zetas, ob nun Männer, Frauen oder Kinder, werden oftmals mit Macheten zerstückelt – vor laufender Kamera. Auch über deren Exekutionsvideos berichten Medien kaum.

Und noch etwas haben Gruppen wie der Islamische Staat, Los Zetas und die Lord’s Resistance Army gemeinsam: Sie tauchen nicht mir nichts, dir nichts auf, sondern sind oftmals das Resultat der politischen Situation in den jeweiligen Ländern. Ob nun in Uganda, im Irak oder in Mexiko – überall herrschte ein politisches Vakuum, welches von diesen Gruppierungen gefüllt werden konnte. Die staatlichen Strukturen haben versagt und sind oftmals selbst kriminell verseucht.

Dass sich nun die – gelinde gesagt – autoritäre jordanische Regierung als humaner und menschenrechtsfreundlicher Counterpart zum IS präsentieren will, ist ein absoluter Witz. Seit Jahren arbeitet Jordanien Hand in Hand mit den USA im »Krieg gegen den Terror« zusammen. Das Land gehört zu den bekanntesten Folterhöllen der Welt. In den jordanischen Kerkern wurden tagtäglich Extremisten gezüchtet, die das Regime abgrundtief hassen.

Als der Irak-Kreuzzug des streng gläubigen Christen George W. Bushs losging, wurde er vom jordanischen König Abdullah voll und ganz unterstützt und leistete damit seinen Beitrag zum Aufstieg des IS. Es sind all diese Dinge die dazu beitragen, dass solch abscheuliche Verbrechen geschehen. Ob durch (vermeintlich) islamische oder christliche Milizen.

Erstveröffentlichung: neues deutschland 

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