Fastenbrechen bei Obama

Jährlich wünscht Barack Obama den Muslimen einen gesegneten Ramadan-Monat. Immer wieder fragt man sich, welche Muslime er hier meint. Jene, die er bombardiert, foltern lässt oder mit Drohnen jagt? Obendrein gibt es dann noch ein Fastenbrechen im Weißen Haus.

Foto: Getty Images

Das sogenannte „White House Iftar“ hat Tradition im Weißen Haus. Jedes Jahr – während des islamischen Fastenmonats Ramadan – werden ausgewählte Vertreter der US-amerikanischen Muslime ins Weiße Haus eingeladen, um mit dem US-Präsidenten das Brot und ihr Fasten zu brechen. Und jedes Jahr fragt man sich – vor allem als Muslim – was dieses Mahl eigentlich soll.

Während Obama nämlich in Washington mit seinen Gästen speist, löschen seine Killer-Drohnen ganze Familien aus, die wahrscheinlich ebenfalls ihr Fasten brechen wollten. Egal ob im Jemen, in Afghanistan oder in Somalia – vor den unbemannten Fluggeräten ist man nicht sicher. Vor allem im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet können die Menschen aufgrund der alltäglichen Angst kaum noch schlafen. Vergangene Woche fanden dort wieder einmal fünfzig Menschen den Tod. Wer sie waren, interessiert niemanden. Stattdessen wurden die namenlosen Toten vom US-Außenministerium wieder einmal allesamt als „Terroristen“ betitelt.

Zynisch erscheint das Fastenbrechen im Weißen Haus auch, wenn man es mit den Zuständen im Folterlager Guantanamo vergleicht. Dort werden die Gefangenen nämlich nicht nur tagtäglich gefoltert und drangsaliert, sondern auch zwangsernährt. Laut Menschenrechtsorganisationen ist die Praxis der Zwangsernährung eine Form der Folter. Wie dem auch sei, schon im vergangenen Jahr hat die US-Regierung eine Lösung hierfür gefunden. Im Ramadan werden die Gefangenen nämlich nicht tagsüber, sondern einfach nachts mit dem Schlauch im Mund penetriert

Abgesehen von all dem Chaos im Nahen Osten, all den Kriegen und all der Zerstörung, die ebenfalls auf die Initiativen der US-Regierung zurückzuführen sind, wurde vor Kurzem bekannt, dass selbst handausgelesene Muslime keinerlei Vertrauen genießen. Dank aufwändiger Recherchen der Intercept-Journalisten Glenn Greenwald und Murtaza Hussain wurde nämlich deutlich, dass führende muslimische Persönlichkeiten der US-Politik von der NSA permanent überwacht wurden. Einer von ihnen war selbst in der Bush-Regierung aktiv und ein enger Vertrauter des Ex-Präsidenten.

Die Gäste scheint dies ohnehin nicht zu interessieren. Das diesjährige „White House Iftar“ war ohnehin schon pikant. Unter anderem waren auch einschlägig bekannte Neo-Cons sowie der israelische Botschafter anwesend. Vor versammelter Runde unterstützte Barack Obama das „Verteidigungsrecht Israels“ und die gegenwärtigen Angriffe auf den Gaza-Streifen. Bei Halal-Essen natürlich.

Allerdings folgt nicht jeder eingeladene Gast den Ruf ins Weiße Haus. Omid Safi, ein ursprünglich aus dem Iran stammender US-Professor, erhielt einst eine Einladung per Anruf. „Herr Safi, wir möchten Sie gerne zum Fastenbrechen ins Weiße Haus einladen“, hieß es am anderen Ende der Leitung. „Und ich möchte, dass Sie aufhören, den Irak zu bombardieren“, entgegnete Safi. Die Stimme verstummte kurz. Dann wurde aufgelegt.

Ein Gedanke zu „Fastenbrechen bei Obama

  1. Vergangenes Jahr war auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, der Einladung zum Iftar ins Weiße Haus gefolgt und anscheinend noch stolz darauf gewesen. Zu kritisieren ist auch der Schulterschluß, den er mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland gemacht hat, jener Organisation, die sich mehr als inoffizieller Vertreter des zionistischen Regimes und als Verteidiger der von diesem begangenen Verbrechen zu verstehen scheint, denn als Vertreter der Interessen der in Deutschland lebenden Juden. Der ZMD hätte besser daran getan, sich stattdessen mit nichtzionistischen jüdischen Organisationen zu befreunden. Was Wunder also, wenn einige deutsche Muslime den ZMD als den „Zentralverrat der Muslime in Deutschland“ bezeichnen.

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