American Way of Torture

Über die amerikanische Parallelwelt von Bagram.

Afghanischer Gefangener in Bagram; Foto: dpa/ S. Sabawoon

Rund eine Stunde von Kabul entfernt liegt nahe der Stadt Bagram der gleichnamige Militärstützpunkt der Vereinigten Staaten. Bagram ist die größte Basis, welche die Amerikaner am Hindukusch errichtet haben. Hier lässt sich alles finden, was das amerikanische Herz begehrt – von Burger King bis zu Kentucky Fried Chicken. Vom »American Way of Life« könnte man schwärmen, würden hier nicht tagtäglich Menschenrechte verletzt werden. In den letzten Jahren wurde Bagram nicht nicht nur zur wichtigsten Schaltzentrale der US-Invasion in Afghanistan. Es ist auch ein Militärgefängnis, in dem tagtäglich gefoltert wurde – eine Art afghanisches Guantanamo, wahrscheinlich sogar um einiges schlimmer.

Die Grundsteine Bagrams wurden schon in den 1950er-Jahren von den Sowjets gelegt. Mit ihrer Hilfe errichteten die Afghanen damals den Militärflugplatz. Während der Sowjet-Besatzung, diente Bagram der Roten Armee als wichtigste Schaltzentrale. Zwanzig Jahre später wurde der Stützpunkt von den Amerikanern auf die Dimension einer Kleinstadt ausgebaut.

Der Kabuler Gemüsehändler Gul Mohammad kennt die Geschichten aus dieser amerikanischen Parallelwelt. Sein Cousin wurde vor Monaten nach Bagram verschleppt. Über eine besonders grausame Folterpraxis berichtet der deutsche Publizist Jürgen Todenhöfer in seinem aktuellen Buch »Du sollst nicht töten« berichtet: US-Soldaten ließen in Bagram Kampfhunde auf die Gefangenen los. Die Hunde sollen den Personen nicht nur Angst einjagen. Sie sollen sie vergewaltigen. Ja, in Bagram vergewaltigen Militärhunde »mutmaßliche Taliban-Kämpfer«. In den meisten deutschen Medien erfuhr man darüber nichts.

Auch andere Geschichten hört man aus Bagram nicht. Wie jene, über korrupte US-Soldaten, die wahllos Waffen verkaufen. In unregelmäßigen Abständen sollen Container des US-Militär versteigert werden. 10.000 US-Dollar soll einer in etwa kosten. Was sich darin befindet, weiß man vor dem Kauf nicht. Ein Zeuge berichtet über Container, die mit Energy-Drinks gefüllt sind. Ein anderer staunte nicht schlecht, als er die Einzelbauteile einer Drohne vor sich hatte.»Das Ganze ist eine Art Überraschungstüte. Nur, dass sie in diesem Fall Waffenbauteile oder Ähnliches bekommen«, sagt der Publizist und politische Analyst Waheed Mozhdah.

Doch verhasst sind unter der afghanischen Bevölkerung nicht nur die US-Soldaten, sondern auch Afghanen die als NATO-Übersetzer auf dem Stützpunkt tätig sind oder in anderer Art und Weise mit den Besatzern zusammenarbeiten. »Diese Menschen denken nur ans Geld und schauen nichts tuend zu, während ihre eigenen Landsmänner vor ihren Augen von Amerikanern gefoltert werden. Denken Sie wirklich, dass es nur die Taliban sind, die sie hassen?«, fragt mich Mohammad. Egal wie die Zukunft am Hindukusch aussehen wird, Bagram wird wahrscheinlich noch lange Anlass für diesen Hass geben.

Erstveröffentlichung: neues deutschland – Kabuler Eindrücke, 14.05.2014

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