Wehe dem, der mit Putin feiert

Altkanzler Gerhard Schröder hat seinen Geburtstag ausgerechnet mit jenem Mann gefeiert, den die deutsche Medien- und Polit-Elite schon seit Wochen tagtäglich aufs Neue verdammt – Wladimir Putin. Nun hat die mediale Schlammschlacht bezüglich der Krise im Osten einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Wladimir Putin – seit Wochen Hauptfeind der deutschen Medienlandschaft (Foto: Wikipedia)

Es ist allgemein bekannt, dass Putin und Schröder seit Jahren gut miteinander befreundet sind. Diese Freundschaft wurde durch die jüngsten Ereignisse keineswegs beschädigt. Stattdessen verteidigte Schröder seinen langjährigen Freund und kritisierte die Haltung des Westens in Bezug auf die Ukraine-Krise. Die Tatsache, dass der ehemalige Bundeskanzler mittlerweile zu den Gaslobbyisten Moskaus gehört, ist für diese Haltung wahrscheinlich nicht ganz unverantwortlich.

Nichtsdestotrotz ist es fragwürdig, wie schnell sich die deutschen Leitmedien auf Schröders Geburtsfeier stürzten, um lediglich ein weiteres Mal ihr Freund-Feind-Schema – Putin ist ja mittlerweile so etwas wie das abgrundtief Böse schlechthin – aufrechtzuerhalten. Vom Spiegel bis hin zur BILD, von nahezu allen Kommentatoren, die man wohl eher als PR-Journalisten bezeichnen könnte, wurde Schröder als Buhmann dargestellt. Man könnte meinen, dass er mit dem Teufel höchstpersönlich gespeist hat.

Es ist dieser Wladimir Putin, den die deutschen Medien schon seit Wochen und Monaten verteufeln. Sogenannte Qualitätsjournalisten zeigen sich von ihrer besten Seite, indem sie mit Schlagzeilen wie „Putins Mob marschiert“ oder „Putin provoziert“ umher schmeißen und von der „Putin-Jugend“ schwadronieren. Spiegel Online und Co. schreiben täglich von russischer Propaganda und sind allesamt der Meinung, dass Medien wie Russia Today und Konsorten nichts mit objektivem Journalismus zu tun haben. Dabei wird weitestgehend ignoriert, dass die Texte, die Roland Nelles (Der Spiegel), Josef Joffe (Die Zeit), Richard Herzinger (Die Welt) und wie sie alle heißen tagtäglich produzieren, ebenfalls als einseitige Propaganda zu bezeichnen sind. Demnach gilt immer noch: Wer mit ausgestrecktem Zeigefinger auf andere zeigt, deutet mit drei Finger seiner Hand auf sich selbst.

Zum gleichen Zeitpunkt sollte bedacht werden, wie selten aus solchen Banketts eine Schlagzeile gemacht wird. Wer mit Barack Obama, dem charmanten Drohnen-Mörder, das Brot bricht, mit Kriegsverbrechern wie Henry Kissinger Schampus schlürft oder sich mit afghanischen Kriegsfürsten, die Profis im Massenmorden sind, im Adlon trifft, ist uninteressant. Es ist nicht einmal eine Meldung wert. Doch wer mit Wladimir Putin feiert, ist ein Bösewicht.

Tendenziöse Berichterstattung

All diese einseitige Berichterstattung ist allerdings alles andere als überraschend. Viel mehr muss man sich nun regelmäßig darauf einstellen. Allem Anschein nach haben jene Journalisten, die für die meisten Leitartikel hierzulande verantwortlich sind, es sich zum Hobby gemacht, tendenziös einseitig und irreführend zu berichten. Vielleicht ist es auch gar kein Hobby, sondern viel mehr Kalkül. Dies wurde ein weiteres Mal deutlich, nachdem die Türkei-Rede des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck den Medien-Konsumenten als „mutig“, „mahnend“ und „offen“ verkauft wurde, während man es vorzog, die darauffolgende Antwort seines türkischen Kollegen als „aggressiv“, „wütend“ und „Lästerei“ zu betiteln.

Zugegeben, es gibt mehr als genug Gründe, um Tayyip Erdogan zu kritisieren. Die Haltung des deutschen Bundespräsidenten ist allerdings alles andere als glaubwürdig. Immerhin fehlten von Gaucks „offenen Worten“ jegliche Spur, nachdem bekannt wurde in was für einem Ausmaß die Bürger dieser Welt vom US-Geheimdienst NSA ausspioniert werden. Auch vom illegalen Drohnen-Krieg, an den sich Deutschland aktiv beteiligt, den Foltergefängnissen und den zahlreichen Kriegsverbrechen der USA will Gauck nicht wissen. Genauso wenig wie die hiesigen Medien, die abwechselnd ihre Feindbilder auf Putin, Erdogan, Kim Jong-un und sonst wen projizieren. Ausgeteilt wird nämlich nur dort, wo es interessenkonform ist.

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