Als Merkel und Obama meinen Cousin ermordeten

Wöchentlich sterben in Afghanistan unschuldige Menschen durch Drohnen-Beschuss. Selten wird darüber berichtet, noch seltener wird deutlich, um wen es sich bei den Opfern handeln. Wenn, dann ist in Medien oft nur von »Taliban-Kämpfern« oder »Aufständischen« die Rede. Einer von ihnen ist ein Verwandter von mir.

Amerikanische Reaper-Drohne auf dem Flugfeld von Fort Drum, New York. Die potenziellen Opfer nennen sie „Todesengel“. (Foto: Reuters)

Der 36-jährige Zahir A. stammte eigentlich aus Kabul. Vor rund zwei Jahren wollte er in Waziristan, der berüchtigten Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan, Freunde besuchen. Freunde, die weder mit Terroristen, noch mit irgendwelchen anderen Extremisten etwas zu tun hatten. Waziristan ist der Hauptschauplatz des Drohnen-Krieges der USA.

»Todesengel« nennen die Menschen die leblosen Mordmaschinen. Tagtäglich leben sie in Angst, getroffen zu werden. Die Raketen können überall einschlagen, gesteuert von einem Piloten, der meistens auf der anderen Seite der Welt in seinem »Büro« sitzt.

Für den Familienvater ist Töten zur Routine geworden

Mutter, Kinder und Ehefrau warteten in Kabul vergeblich auf Zahir bis das Telefon klingelte: Zahir und seiner Freunde seien getötet worden.Warum, das weiß niemand. Sie saßen nur da, tranken Tee und erzählten sich alte Geschichten. Im nächsten Moment riss sie der »Todesengel« in Stücke. Per Knopfdruck. Auf Befehl eines Friedensnobelpreisträgers.

Für den Familienvater Barack Obama ist es zur wöchentlichen Routine geworden: Jeden Dienstag unterschreibt er die Drohnen-Mordbefehle. Auch Zahir ist durch die Unterschrift Obamas getötet worden, so wie tausende andere namenlose Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort lebten.

Wer die Verantwortlichen als Kriminelle bezeichnet, wird schnell des »Anti-Amerikanismus« bezichtigt. An den Tatsachen ändert dies nichts: Obama und Co. sind Anzug tragende Massenmörder. Sie ermorden die einen Massen mit Kalkül, während sie andere Massen vor den Kameras belügen und betrügen. »Ich bin echt gut darin, Menschen zu töten«, hat Obama einmal gesagt. Was für ein Mensch muss das sein? Wie kann man damit prahlen, anderen Menschen ihre Kinder und Eltern zu entreißen, während man selbst Frau und Kinder hat.

DIe Bundesregierung mordet mit

Der Mörder Zahirs sitzt im Weißen Haus. Man kann sich sicher sein, dass er niemals für seine Taten bestraft wird. Genauso wie Bush, Blair und andere Kriminelle, die nie einen Richter sehen werden, weil sie sie nicht aus Afrika oder Asien stammen, sondern aus dem Westen. Jeder weiß, dass vor dem Kriegstribunal in Den Haag niemals ein westlicher Politiker landen wird. Egal, wie viel Menschen er auf dem Gewissen hat. Man bringt es ja nicht einmal zustande, mordende und folternde US-Soldaten auf die Anklagebank zu bringen. Dasselbe gilt für General Klein (früher Oberst). Für seinen 150-fachen Mord im nordafghanischen Kunduz wurde er nicht verurteilt, sondern befördert.

Die USA sind hauptverantwortlich für den Drohnen-Krieg, andere helfen mit. Die deutsche Bundesregierung gestattet den Amerikanern nicht nur, von deutschen Städten wie Stuttgart aus zu töten. Sie tolerieren die Lieferung wichtiger Bauteile aus Deutschland, die das Töten erst möglich machen. Der BND liefert die Ortungsdaten. Auch Deutschland, Merkel und Co. sind für den Tod Zahirs verantwortlich. Doch wie töricht könnte man sein, um in diesen Fall nach Gerechtigkeit oder Aufklärung zu lechzen?

In Waziristan sind Menschen vogelfrei

Als bekannt wurde, dass der deutsche Konvertit Patrick K. im vergangenen Jahr ebenfalls von einer Drohne in Waziristan getötet wurde, hieß es seitens der Bundesregierung lediglich, dass jeder, der in diese Region geht und getötet wird, »selbst schuld« sei. Ein deutscher Staatsbürger wurde außergerichtlich per Knopfdruck hingerichtet und der deutschen Regierung ist das schlichtweg egal. Sie erklärt Menschen für vogelfrei. Jegliche Rechte, die ein Mensch hat gelten in den Bergen Waziristans oder der Wüste Jemens nicht mehr. Rechte hatte auch Zahir nicht. Er wurde ermordet und vergessen. Niemand kümmerte sich um seinen Fall. Vielleicht tauchte er in irgendeiner abstrakten Statistik auf, die ihn als »Aufständischen« betitelt.

Der transatlantischen, politisch korrekten Öffentlichkeit, die zu diesen Verbrechen schweigt, sie toleriert oder sogar rechtfertigt, sei an dieser Stelle gesagt: Ihr mögt nicht die Gefühle jener nachvollziehen, die aus solchen Regionen stammen. Ihr mögt niemals verstehen, wie wütend es macht, wenn die eigenen Landsmänner und -frauen tagtäglich auf diese Art und Weise ihren Tod finden; wenn die eigene Familie in einem Land lebt, welches von fremden Mächten besetzt wird. Aber dann wundert euch auch nicht, wenn es immer mehr Aufständische gibt, die ihre Verwandten rächen und die Unterdrückung nicht länger hinnehmen.

Erstveröffentlichung: neues deutschland – Kabuler Eindrücke, 22.03.2014

3 Gedanken zu „Als Merkel und Obama meinen Cousin ermordeten

  1. Es tut mir sehr leid, dass dein Cousin ermordet wurde. Und auch um deine anderen Landsleute, es ist eine große Schande, welchen Terror der Westen heute in der Welt verbreitet. Drohnen sind die schlimmste Waffe, die jemals entwickelt wurde und sie gehören sofort geächtet genauso wie Giftgas und Folter.

    In den Geschichtsbüchern der Zukunft wird der Westen moralisch sehr, sehr schlecht wegkommen. Zu viele Unschuldige wurden schon geopfert, dafür, dass die gewinnträchtige Militärindustrie ihre regelmäßigen Kriege bekommt.

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