Die Unwissenheit der Mehrheit

Laut einer Umfrage fühlen sich drei Viertel der Deutschen von Geheimdiensten nicht bedroht und halten die NSA-Debatte für übertrieben. Damit hat die Mehrheit anscheinend nicht verstanden, worum es geht. Auf diese naive Unwissenheit haben die Verantwortlichen von Anfang an gesetzt und nun gewonnen.

Foto: KPA

Als Edward Snowden alle möglichen Risiken auf sich nahm und sich gezwungen sah, die Weltöffentlichkeit über jene Massenüberwachung zu informieren, die bis dahin nur von einigen Personen – unter ihnen nicht wenige, die man oft und gerne als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnete – gemutmaßt wurde, hat er womöglich nicht damit gerechnet, dass ein Großteil der Gesellschaft seine Warnungen, sein Handeln und die darauffolgende, dringend notwendige Diskussion als „übertrieben“ und „überbewertet“ betrachten wird.

Nun – nachdem bekannt wurde, dass die Amerikaner nicht nur jeden einzelnen Bürger ausspähen, sondern unter anderem auch das Handy der Kanzlerin abhörten – sind laut einer Umfrage drei Viertel, sprich, 76 Prozent, der Deutschen genau dieser Meinung. Sie fühlen sich weder von Geheimdiensten bedroht, noch denken sie, dass durch die NSA persönliche Nachteile entstehen könnten. Lediglich 24 Prozent der Befragen seien „sehr besorgt“ über die Überwachung, während 44 Prozent die gegenwärtige Debatte für überbewertet hält.

Damit weiß die Mehrheit der Befragten nicht nur das Engagement Snowdens nicht zu schätzen, sondern hat anscheinend auch nicht verstanden, wie ernst die NSA-Debatte ist und warum man sie führen muss. Der Grund hierfür kann offensichtlicher nicht sein: Es geht um die Grundrechte eines jeden Einzelnen. Hierbei spielt es gar keine Rolle, ob man etwas zu verheimlichen hat oder nicht. Es geht schlichtweg darum, dass jede Bewegung, jeder Schritt, jede Handlung und irgendwann womöglich sogar jeder Gedanke erfasst und beobachtet wird.

Jede Person, die sich dieser Tatsache bewusst ist, wird erkennen, dass sie nicht mehr frei und unbesorgt handeln kann. Smartphones, Tablets, Laptops und andere technologische Errungenschaften sind nicht nur zu wichtigen Begleitern geworden, sondern ermöglichen auch unsere permanente Überwachung. Alle integrierten Kameras sind auf uns gerichtet, während jedes Mikrofon unseren Worten lauscht.

Wer sich den Folgen dieser Überwachung nicht bewusst ist, sollte sich so schnell wie möglich weiterbilden. Anfangen könnte man zum Beispiel mit einem Klassiker wie George Orwells „1984“. Obwohl dieser Roman vor mehr als einem halben Jahrhundert geschrieben wurde, ist er heute aktueller denn je. Darin kann man unter anderem folgende Passage lesen: Wie oft oder nach welchem System sich die Gedankenpolizei in jede Privatleitung einschaltete, darüber ließ sich bloß spekulieren. Es war sogar denkbar, dass sie ständig alle beobachtete.“

Wie allseits bekannt ist, ist die erwähnte Gedankenpolizei so etwas wie das Herz jenes totalitären Regimes, welches in Orwells Roman einen Teil der Welt beherrscht. Theoretisch könnte man das Wort „Gedankenpolizei“ auch durch „NSA“ ersetzen. Das Ergebnis wäre dasselbe. Wir leben allerdings weder in 1984, noch in einem Roman, sondern in der Realität von 2013. Die Macht der Geheimdienste hat zwar noch nicht den Totalitarismus erreicht, erschreckend ist sie jedoch allemal.

Immerhin reicht die Macht der NSA aus, um fremde Regierungen unter Druck zu setzen und um Flugzeuge eines Staatsoberhauptes, wie jenes von Evo Morales, zur Landung zu zwingen und zu durchsuchen. Nicht zuallerletzt war es auch diese Macht, die es möglich machte, dass Edward Snowden in keinem jener westlichen Länder, sprich, in den EU-Staaten, aufgenommen wurde, die sonst immer wieder von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten schwadnorieren.

All dieser Ereignisse und Tatsachen werden anscheinend von der Masse ignoriert. Man fühlt sich sicher und pfeift auf seine eigenen Grundrechte. Dies ist die Folge einer jahrzehntelangen Indoktrination, wonach der Westen per se „gut“ und Rest, ob nun der Osten, China oder die islamische Welt, „schlecht“ ist. Die Ausspäher, jene, die jegliche Rechte und Freiheiten mit Füßen treten, sind keine Chinesen, Russen, Araber oder Iraner, sondern Amerikaner. Aus diesem Grund vertraut man ihnen auf eine extrem naive Art und Weise und fühlt sich nicht bedroht.

Die Verantwortlichen, sprich, NSA und Co., wissen dieses Kalkül geschickt für sich auszunutzen. Sie haben von Anfang an gewusst, dass die Unwissenheit und Naivität der Mehrheit ihr Vorteil sein wird, um erbarmunglos weiterzumachen. Genau das wird nun auch der Fall der sein.

8 Gedanken zu „Die Unwissenheit der Mehrheit

  1. Das Mobil-Telephon (vulgo: Hendi) ist für mich als Telephonmuffel immer noch keine Selbstverständlichkeit, und ich trage es meistens nicht mit mir. Vorsichtshalber schließe ich meine Webcam nur dann an, wenn jemand mit mir bspw. über Skype ein Gespräch führt und der wirkliche Wunsch besteht, sich zu sehen. Ich kann mich nur über die Leichtsinnigkeit all der Facebook-Nutzer wundern, mit der sie Informationen über die persönlichsten Dinge veröffentlichen. Und überall begegnet man diesem f mit „gefällt mir“ zum Anklicken. Einfach leichtsinnig irgendein „gefällt mir“ anklicken und noch ein paar weitere, und schon kann sich der große Bruder NSA ausrechnen, welche politische Einstellung man hat und ob man ihm gefährlich werden könnte oder nicht, und womit er einen ködern und von wirklich wichtigen Dingen ablenken kann.
    Man fühlt sich nicht bedroht, aber vielleicht kommt auch in der BRD einmal eine solch korrupte Regierung wie in Pakistan, die es hinnimmt, daß ihre Bürger von US-Drohnen auf bloßen Verdacht hin abgeschossen werden. Und wenn dann der US-Präsident auf Grund von NSA-Informationen der Ansicht ist, daß der Bundesbürger Soundso eine „terroristische“ Gefahr darstellt – vielleicht weil er erfolgreich die anderen über die Gefahren durch die NSA-Überwachung aufklärt und dazu anhält, dem „transatlantischen Partner“ zu mißtrauen –, dann wird er zum Abschuß freigegeben.

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  2. Deutschland spioniert seit Jahren gemeinsam mit seinen engsten Verbündeten den USA
    und den meisten EU Staaten seine Bürger aus. Wenn das die USA verlangen, kuscht Deutschland und der Rest der westlichen Welt.
    Um ein Ausspionieren zu verhindern, müsste die digitale Kommunikation sofort abgeschafft werden. Dies wird nie geschehen. Das Zurück ins neunzehnte Jahrhundert,
    wird es nicht geben. Der unaufhaltsame und rasante Anstieg der digitalen Kommunikation,
    wird uns eines Tages ins Chaos stürzen. Aus diesem Teufelskreis ist kein Entrinnen mehr möglich. Der Geist der sich aus der Flasche befreite, gebiert seine Jungen. das Glas ist zerbrochen.
    Es bedeutet Krieg der anderen Art. Das Medium Digitale Information ist eine sehr effektive und präzise Waffe, deren Dimensionen wir nicht noch erfassen und erahnen können.

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  3. Lieber Klaus Franke, da sprechen Sie mir voll aus dem Herzen!

    Ich sehe es wie Sie: Der Geist der digitalen Revolution ist aus der Flasche und wird niemals mehr in diese zurückzudrängen sein. Oder, wie Sie sagen, das Glas ist zerbrochen. Und wir ahnen nicht ansatzweise, was da noch auf uns zukommt.

    Ich füge zu Ihren Gedanken noch ein paar grundsätzliche Aspekte hinzu:

    Ich weiß, dass ich mir hier mit meinem Standpunkt vielleicht ein gewaltiges Stück Infantilität gönne – na, dann sei es eben so, denn man gönnt sich ja bekanntlich sonst nichts. Ihnen wird man wahrscheinlich dasselbe vorwerfen.

    Ich hielt das Internet seit seinen Anfängen immer für Segen und Fluch gleichzeitig. Doch die Ansicht, dass es ein Fluch ist, stieg im Laufe der Jahre kontinuierlich. Eine die Menschen und Natur derart ausbeutende Globalisierung wäre ohne das Internet nie möglich gewesen. Ein Hochfrequenzhandel an den Börsen, der ganze Länder, sogar Kontinente mit virtuellem Geld ins Chaos treiben kann, wäre ohne das Internet nicht möglich gewesen. Und eine globale Ausspähung der Menschen natürlich ebenso wenig. Und so weiter und sofort auf weiteren 1001 Seiten…

    Ich halte auch den stets beschworenen Demokratie-Zuwachs durch das Internet für völlig überschätzt. Da spricht man dann z.B. ständig vom „Tahir-Platz-Twitter-Phänomen“, des „arabischen Frühlings“ und überhaupt der Chancen einer demokratischen Gegenöffentlichkeit. Freilich, das ist alles richtig, aber letztlich fast ohne jede Konsequenz. Im Gegenteil, auch im Internet setzen selbstverständlich die Begüterten und Mächtigen ihre Meinungen durch und es ist dadurch zur größten, monströsesten Propaganda- und Manipulationsmaschine des weltweiten Kapitalismus innerhalb der letzten zweieinhalb, drei Jahrzehnten geworden. Mit den USA als Vorstandsvorsitzenden sozusagen. Die Hinweise auf den demokratischen Segen des Internets kommen mir immer wie die selektiven Wahrnehmungen eines Spielers vor, der nach 1000 Euro Verlust die 10 Euro Gewinn zwischendurch als klaren Hinweis auf seine im Augenblick stattfindende Glückssträhne betrachtet.

    Freilich: Ohne Internet kein Wikileaks, ohne Internet keine Bauchlandung eines hochwohlgeborenen Freiherrn zu Guttenberg – und das Aufdecken so vieler anderen kleinen und großen Sauereien.

    Aber mal Hand aufs Herz: Ist die Welt besser geworden mit/seit/durch das Internet? Haben sich Armut, Ungerechtigkeit, Umverteilung von Unten nach Oben gemildert und sich etwas zum Positiven verändert, haben sich Kriege, ethnische Konflikte, der Rüstungswahnsinn verringert? Oder in naher Umgebung: Haben die ungezählten Blogger (inklusive unseres lieben Hausherrn und Freunds Emran), eben all die große Gegenöffentlichkeit des Internets irgendetwas in Deutschland oder Österreich verändern helfen können? Nein, alles ist schlimmer geworden (natürlich nicht durch, sondern trotz der Blogger!), wie die letzten Wahlen in diesen beiden Ländern zeigen.

    Anhand all dieser zugegebenermaßen sehr dürftigen und wohl naiven (wirklich nur naiv?) Beispiele ist für mich völlig klar: Das Internet ist in der Summe ein Fluch!

    Wie bitte? Ach so, das Internet gibt es schlicht und einfach und es ist Quatsch, über seine Existenz zu jammern.

    Stimmt!

    Nochmals, lieber Herr Franke, schön, dass Sie sich getraut haben, diese Ihre ja oft belächelte Meinung hier zu posten!

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  4. Ich glaube nicht, daß der gemeine Deutsche für die Geheimdienste mehr ist, als ein störendes Grundrauschen im Informationsfluß, daß eher ignoriert und wegfiltert.

    Amazon, ebay, Google und Facebook

    Sprich die kommerzielle Schiene, sieht da schon anders aus, die amazon-spider (sprich der Datensammler der deine Profile erstellt) ist zur Zeit noch mit Mehrfachbestellern überfordert, im Klartext, deine Freundin bestellt Parfüm und Hygieneartikel für den weiblichen Intimbereich, dein kleiner Bruder ordert Ballerspiele (ab 18) und die Oma …

    Ansonsten seh ich die Lage auch eher kritisch, was „Skynet“ (Ihr erinnert euch, Wohnt hier Sarah Connor ? – die Menschheit hat die Sicherheit an die NSA übertragen und diese den Menschen als Feind erkannt, der vernichtet werden muß, so ein Quatsch) und die Matrix angeht. Trinity ist ganz nett, Orpheus sowieso …😉

    Noch lässt sie sich leicht für dumm verkaufen, aber die meisten Deutschen erkennen es ja eh nicht, wenn sie manipuliert werden.

    Zur Zeit empfehle ich Euch schizophrene Einkaufsgemeinschaften auf den gängigen Plattformen zu verwenden, damit kommt „die Maschine“ zur Zeit (noch ) nicht klar.

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  5. Was soll man machen. Immerhin ist die BILD die mit Abstand meistverkaufte Tageszeitung. Und die wurde ja während der Besatzungszeit von der CIA mitbegründet… wessen Interessen sie wiederspiegelt ist dann nicht schwer auszumachen.

    Das Problem ist nur, dass die meisten das Gesamtbild nicht erkennen und langsame Veränderungen nicht wirklich bemerken. Dadurch erkennen wir nicht wozu das alles letztlich hinführt. Den Roman den du erwähnst, sollte aber klar zeigen in welche Richtung das eventuell führen kann.

    Ich warte nur auf den Tag, an dem Snowden uns was zum 11. September präsentiert. Schließlich war die NSA auch zu der Zeit schon aktiv. Dann können einige Politiker ihre Koffer packen. Und da ists mir lieber, dass Snowden in Russland bleibt und nicht wie der SPIEGEL auf einmal fordert, nach Deutschland kommt. Hier wäre sein Leben eher in Gefahr. Hat mich daher auch sehr gefreut, dass die Merkel strikt dagegen war. Aber Snowden scheint unglaublich intelligent zu sein und passt schon auf sich auf. Allein die Tatsache dass er ursprünglich gerade zum Guardian in Hong Kong ging und nicht irgendwo anders, um über die NSA zu plaudern, bezeugt dies.

    Und Emran : Die Geschichte lehrt uns, dass immer nur eine einzelne Personen/kleine Gruppen Veränderungen brachten. Also mach du einfach weiter das was du für richtig hältst😉

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  6. @Guy Suhaib
    auch ich hoffe sehnlichst das Mr. Snowdon etwas über 9/11 im Gepäck hat. Doch selbst wenn diese Unternehmung als das geoutet wird, was es tatsächlich war (false flag) wird sich wahrscheinlich an der klebrigen Behäbigkeit der meißten Untertanen nichts ändern. Die jahrzehntelange Verblödung trägt eben Früchte.

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