Festung Europa

Vor Lampedusa fanden erneut zahlreiche Flüchtlinge aus Afrika einen grausamen Tod im Meer. Ein weiteres Mal erkennt man, dass all die Werte, welche die Europäische Union vorgibt zu präsentieren, spätestens vor den Toren Europas enden.

Foto: dpa

Vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ist ein Schiff mit mehr als 500 Flüchtlingen an Bord gesunken. Mindestens 133 Passagiere ertranken im Meer, unter ihnen mehrere Kinder. Die meisten Flüchtlinge stammten aus dem kriegsgeschundenen und verarmten Somalia. Der Vorfall, der schon der zweite innerhalb einer Woche ist – am Montag starben vor Sizilien mindestens dreizehn Flüchtlinge – macht ein weiteres Mal die bittere Realität von Flüchtlingen deutlich, die immer wieder auf dem Weg nach Europa scheitern und im schlimmsten Fall den Tod finden.

Die Verantwortlichen hierfür lassen sich vor allem im sicheren Brüssel finden. Allerdings herrscht nur geringes Interesse. Der Friedensnobelpreisträger – die Europäische Union – will vom Leid der Flüchtlinge nichts wissen. Jene Werte, auf die man anscheinend immer wieder Wert legen will, sprich, Freiheit, Menschlichkeit und Solidarität, scheinen an den Grenzen der europäischen Festung tagtäglich ihr Ende zu finden.

Kein Wunder, denn die EU-Grenzen werden seit Jahren streng überwacht. Dies liegt vor allem an der „Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen“, kurz, Frontex. Diese Organisation, die vorgibt, für „Sicherheit“ zu sorgen, hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie auf Menschenrechte keinen Wert legt. Stattdessen wird eiskalt Jagd auf Flüchtlinge gemacht.

Ein Beispiel hierfür ist ein Fall aus dem Jahr 2009. Damals hat Frontex ein senegalesisches Flüchtlingsschiff auf hoher See aufgebracht. An Bord waren nicht nur Menschen, die dem Verdursten nahe waren, sondern auch Leichen. Dies berührte die Flüchtlingsjäger – anders kann man die Mitglieder von Frontex gar nicht bezeichnen – in keinster Weise. Stattdessen wollte man den Flüchtlingen kein Wasser geben, drohte, ihr Schiff zu zerstören und schickte sie zurück in den Senegal.

Dieses Ereignis ist kein Einzelfall. Auf diese Art und Weise wurden schon Tausende von Flüchtlingen zurück nach Afrika getrieben. Zahlreiche Zeugenaussagen und Berichte bestätigen die gewalttätige und skrupellose Vorgehensweise der Organisation immer wieder. Obwohl Frontex des Öfteren von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert wurde, gab es bis zum heutigen Tag keine Konsequenzen seitens der EU. Stattdessen wird erbarmungslos weitergemacht.

Um die Belange von Flüchtlingen will man sich ohnehin nicht kümmern. Diese erleiden nicht nur auf hoher See derartige Schicksale. In Griechenland werden Flüchtlinge auf den Straßen von Neonazis gejagt. Die Polizei schreitet nicht ein, sondern unterstützt derartige Hetzjagden. Dass Flüchtlinge – unter ihnen auch Minderjährige – in griechischen Gefängnissen oftmals schwerst misshandelt werden, interessiert in Brüssel niemanden.

Ähnliche Zustände herrschen in Ungarn. Dort nimmt sich die extremistische Regierung Viktor Orbáns kein Blatt vor dem Mund. Flüchtlinge enden oftmals auf der Straße. Von Unterstützung fehlt jede Spur. Nun – zur „Krönung“ des Ganzen – entschloss sich die Regierung, Obdachlosen das Übernachten im Freien zu verbieten. Ein Protest seitens der EU war praktisch nicht vorhanden. Obendrein darf man nicht vergessen, dass man den Herrschaften von Frontex auch an den Landesgrenzen dieser Staaten begegnet. Diese gehen auch zu Lande alles andere als zimperlich mit den Flüchtlingen um.

In Staaten wie Deutschland und Österreich kann man solche Zustände nicht vorfinden. Stattdessen hat man sich entschlossen, Flüchtlingen auf bürokratischer Ebene Steine in den Weg zu legen. Aufgrund dieser Tatsache wissen syrische Flüchtlinge in Deutschland immer noch nicht, wie sie ihre Familien aus dem Krieg in der Heimat herausholen können. Das Gleiche gilt für Syrer mit deutscher Staatsbürgerschaft. Auch dieses Verhalten bringt die Doppelmoral sowie die Scheinheiligkeit der Politik in diesen Fragen zum Vorschein. Während man nur begrenzt Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen will, schreckt man vor Kriegsrhetorik, der Bewaffnung Aufständischer in fernen Ländern und der darauffolgenden Aufheizung des Krieges nicht zurück.

Diese Praxis kann man nicht nur im Hinblick auf Syrien beobachten. Man bombardiert Länder wie Afghanistan, den Irak, Libyen oder Mali, man lässt den afrikanischen Kontinent aushungern und man lechzt nach Flächenbränden in Krisenregionen. Nur die Flüchtlingswellen aus diesen Ländern sind nicht erwünscht, denn die Festung muss „sicher“ bleiben. So will es der Friedensnobelpreisträger.

*aktualisiert am 04.10.2013, 15:55h

13 Gedanken zu „Festung Europa

  1. Diejenigen Politiker, die das Asylrecht in ihren Verfassungen mit bloßen Worten verteidigen, haben dabei vermutlich eine kleine Anzahl von hellhäutigen, christlich oder jüdisch geprägten abendländischen Menschen im Sinn. Wenn dagegen dann eine große Zahl von dunkelhäutigen, islamisch geprägten afrikanischer oder asiatischer Flüchtlinge kommt, paßt ihnen dies überhaupt nicht, und ihre Heuchelei tritt zutage.

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  3. Gestern feierte das offizielle Deutschland den Tag der Deutschen Einheit.
    Gleichzeitig starben mindesten 133 Menschen vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa .
    Was hat die Deutsche Einheit mit dieser Tragödie zu tun? Ganz einfach,
    die Werte , die wie ein Mantra dort in den offiziellen Reden beschworen werden, nämlich die Werte des Westen, die vor allem abstrakte Freiheit in den Worten des Bundespräsidenten, sind nur hohle Worte, die vor der brutalen europäischen Süd-Grenze enden.

    Der Artikel 3 der Menschenrechte lautet: “Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Aber nur , wenn diese Menschen solvent und und meisten hellhäutig sind.

    Barbarische Zeiten erwarten uns…

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  4. @lynx
    Was schlagen Sie vor? Somalia hat zwischen 10 bis 13 Mio. Einwohner. In Europa leben 8 bis 15 Mio. Roma. Was passiert, wenn jeder zweite Somali und jeder zweite Roma nach Deutschland kommt? Kann sein, dass Sie das möchten. Ich nicht, denn ich möchte keinen ökonomischen und kulturellen Selbstmord begehen. Es gäbe natürlich noch folgende Variante: wir lassen 80 Mio. Afrikaner und Roma nach Deutschland einwandern, dafür gehen 80 Mio. Deutsche in die leeren afrikanischen Länder. Dann hätten Sie das, was Sie schon immer wollten, unser Land, und wir, die Deutschen, hätten eine einmalige historische und ökonomische Aufgabe, ähnlich der Urbarmachung der Wüste durch die Israelis, jedoch in einer viel größeren Dimension. Aber ich merke gerade, das Projekt hat einen Fehler: ist dann Afrika ein blühender Kontinent, gehen die Asylantenschiffe in umgekehrte Richtung zurück, von Europa nach Afrika. Also bleiben wir doch lieber bei Frontex.

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    • Ihr Standpunkt ist ein realpolitischer, den man subsumieren kann unter keine Experimente.,Besitzstand wahren, Angst.
      Meine Maxime jedoch heißt: „Wir pfeifen auf die Realität,wenn sie sich so benimmt wie die Gegenwart,“ um ein Zitat von Alexander Kluge zu benutzen.

      Wir brauchen Visionen und zwar nicht nur für Afrika, um ein menschenwürdiges Dasein für die Weltbevölkerung zu schaffen.

      Das jetzige Modell geht von der Herrschaft der Reichen und Mächtige aus, die alles kontrollieren und die mithilfe von Terror und Angst die Masse unterworfen haben.

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    • Tja-so denken auch viele und Sie sind immerin ehrlich! Wo ich herkomme sagen sogar eher linke Personen: NIcht gegen Einwanderung, ABER nicht 1. In Massen und 2. Ohne „Multikulti“Style-wer sich nicht anpassen will der soll abhauen.In unserem nat. Parlament sitzen übrigens gebildete und integrierte Einwanderer aus u.a Afrika-und das ganz ohne schamlose Toleranzindustrie! Persönlich lache ich mich schlapp-Die Deutschen, die auf z.B Ukrainer,Balten ect herunterblicken als ob. das Weiss Gott was für Barbaren sind küssen der kulturellen Bereicherung made in Lampedusa die Füsse. In 1-3 Generationen werden die Deutschen neidisch auf jene blicken, die sie vorher verachtet haben-und wohlmöglich bei ihnen um Aufnahme bitten, zusammen mit Franzosen, Schweden und Niederländern.

      Eine Sache noch- Wer ein Flüchtling nach der UN Carta ist flieht vor unmittelbarer Gefahr/Diskriminierung und verdient unseren Schutz. Wem aber z.B Rumänien dann zu arm ist (als Somalier) und auf Aufnahme in z.B Norwegen besteht, ist einfach nur ein Wirtschaftsmigant, oder vielleicht nicht einmal das.

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  5. @Johann Hartmann

    Ach wie süß, da hat sich ja mal wieder ein tumber, chauvinistischer Herrenmensch-Stammtischler in dieses Blog verirrt und rülpst uns seinen wohlstandsbäuchigen, armselig dämlichen Sozial-Darwinismus entgegen! Oh Johann, du Hartmann, deine fauligen Eruktationen riechen so übel, dass einem richtig schlecht wird! Wiewohl freilich dein dumpfes Gesabbel viele Anhänger hie und da hat – wie die Wahlen in Deutschland und vor allem in Österreich zeigen. Aber was soll’s: Fenster auf, gut durchlüften und weiter machen. Diese Hartmännchen müssen halt auch immer wieder mal ihr Bäuerchen machen.

    @Emran Feroz

    Sehr guter und wichtiger Artikel! Ich danke dir ausdrücklich dafür, wie für jeden weiteren Artikel, den du diesem „Friedens“nobelpreisträger Europa bisher gewidmet hast! Europa mit Frontex stehen geradezu klassisch exemplarisch im realen wie im figurativen Sinne für die brutalen, mörderischen Folgen der bewusst organisierten Verteilungsungerechtigkeit und der ebenso bewusst organisierten Ausbeutung von Mensch und Natur auf diesem Globus.

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  6. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Schießbefehl, und wir sind genau da, womit 16 Mio. Ostdeutsche 1989 Schluß machten. Okay, mit dem kleinen Unterschied, daß an der innnerdeutschen Grenze weit weniger Menschen starben, als an den EU-Außengrenzen…

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  7. Pingback: Festung Europa | WIR Der ZeitBote Saarland

  8. Der ursächliche Grund für immer mehr Flüchtlingswellen und das Elend dieser Menschen ist die weltweit exponentiell ansteigende Überbevölkerung. Es werden zu viele Menschen geboren, denen dann die Lebensgrundlagen für ein menschenwürdiges Leben fehlen. Wir sollten daher endlich nachdenken und nicht noch mehr Kinder in die Welt setzen, die dann hungern oder aus ihren Heimatländern flüchten müssen, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Der Mensch sollte endlich vernünftig genug sein, sein Bevölkerungswachstum einzudämmen, sonst wird er die Natur und sich selbst zerstören.
    Bitte unterschreiben Sie unsere Petition unter der weltgrössten Plattform change.org:
    http://www.change.org/de/Petitionen/weltweite-geburtenregelungen-verbindlich-einf%C3%BChren-introduce-obligatory-worldwide-birth-controls

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  9. Pingback: Residenzpflicht bei El Pepe | Emran Feroz's Blog

  10. Pingback: José Mujica - Ärmster Präsident der Welt nimmt 100 syrische Waisen in sein Haus auf - MiGAZIN

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