Bomben als einzige „Alternative“

Die Intervention des Westens in Syrien ist fast schon beschlossene Sache. Wieder einmal sind viele der Meinung, dass es „keine Alternative“ gäbe. Dies ist beunruhigend, denn wer „militärisch nicht intervenieren“ mit „nichts tun“ gleichsetzt, hat weder aus der Vergangenheit gelernt, noch etwas verstanden. Anstatt dieser falschen Einstellung entgegenzutreten, wird sie jedoch gefördert. Vor allem die hiesigen Medien sehnen den Angriff auf Syrien regelrecht herbei.

Syrische Flüchtlinge in Jordanien (Foto: commissionstories.com)

Die Zeit schreibt, dass die Bundesregierung im „Krieg gegen Assad“ viel beisteuern könnte, aber anscheinend nicht entschlossen genug ist. Ein anderer Artikel im gleichen Blatt hebt hervor, dass Deutschland aufgrund seiner unwilligen Haltung von der Weltgemeinschaft, sprich, von den USA, Großbritannien und Frankreich, nicht mehr ernst genommen werde. Einfach ausgedrückt: Wer mitballert, wird anerkannt.

Eine ähnliche Meinung vertritt die Süddeutsche Zeitung. Dort schreibt man unter anderem von „beschränkter Solidarität“. Tagtäglich erscheinen neue Artikel, in denen Redakteure sich als erbarmungslose Kriegstreiber entpuppen und die Bundesregierung regelrecht zum Handeln, sprich, zum Kriegsspiel zwingen möchten. Doch das ist nicht alles, denn dieses kriegstreiberische Spiel kann man mittlerweile auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter beobachten.

Dort freuen sich manche, die man als „Personen des öffentlichen Lebens“ bezeichnen kann, regelrecht auf den kommenden Angriff auf das Regime in Damaskus. Die Folgen des Irak- und Afghanistan-Krieges blendet man dabei gerne aus. Auch die chaotische Intervention in Libyen, die mit der unmenschlichen Pfählung Muammar Gaddafis endete, drängt man diesbezüglich gerne beiseite.

Wer darauf aufmerksam machen will, wird als Schwarzmaler kritisiert. Immer wieder taucht die Frage auf, ob es denn überhaupt eine andere Alternative gäbe. Mit Verlaub, aber wenn die einzige Alternative immer Krieg, Bomben und Zerstörung bedeutet, dann frage ich mich, was sich eigentlich in den Köpfen einiger, die sich selbst für aufgeklärt und fortgeschritten halten, abspielt.

Es ist zutiefst beunruhigend, wenn in der heutigen Zeit eine Meinung vorherrscht, die einen unnötigen Krieg und die darauffolgende Zerstörung befürwortet. Abgesehen davon, dass die Hauptakteure wieder einmal kurz davor sind, jegliche Spielregeln, sprich, jegliche Menschen- und Völkerrechte zu brechen, um einen illegalen Krieg anzuzetteln, scheint auch der gesunde Menschenverstand bei teils uninformierten Beobachtern in Medien und Politik ausgesetzt zu haben.

Alternativen zur Intervention gibt es in Syrien sehr wohl. Die Wichtigste wäre es, sich ernsthaft um die zahlreichen Flüchtlinge zu kümmern, anstatt noch mehr Bomben abzuwerfen. Die humanitäre Hilfe in Syrien wurde seitens des Westens sicherlich nicht maximal gewährt. Man kann vieles für die Millionen von Flüchtlingen innerhalb und außerhalb des Landes tun, ohne auch nur eine einzige Waffe zu zücken.

Dies passiert jedoch weder in Jordanien oder in der Türkei, noch im Libanon oder im kurdischen Teil des Iraks. Stattdessen konzentriert man sich auf die Bewaffnung und Finanzierung der „Rebellen“, die alles andere als eine homogene Gruppierung sind. Man überschüttet sie regelrecht mit Waffen und Geld, obwohl es offensichtlich ist, dass diese sich nach dem Sturz Assads gegenseitig bekriegen und das Land in ein neues Chaos stürzen werden, wie es einst in Afghanistan der Fall war. Tatsächlich bekämpfen sich einzelne Warlords schon jetzt.

Währenddessen geht den Hilfsorganisationen das Geld aus. Spendenaufrufe in Europa finden zu wenig Beachtung. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass der durchschnittliche Otto-Normal-Wähler kein großes Interesse an „muslimischem Leid im fernen Syrien“ hat. Handlungsbedarf besteht hier auch seitens der deutschen Bundesregierung, vor allem in Hinsicht auf die zahlreichen Flüchtlinge.

Diesen werden nämlich immer noch bürokratische Hürden in den Weg gelegt, die man schlichtweg als Skandal bezeichnen kann. So ist es unter anderem Syrern, die es bereits nach Deutschland geschafft haben oder eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, nicht erlaubt, enge Verwandte in die Bundesrepublik zu holen. Auch der positive Asylbescheid für den „einfachen“ Syrer ist an strenge Bedingungen geknüpft.

Anstatt dies zu ändern, wird auf noch mehr Krieg gesetzt. Anstatt zu sagen, dass man militärisch nichts tun und stattdessen auf das Menschliche setzen werde, wird weiterhin Zerstörung und Tod gefördert. Der Grund ist ersichtlich, denn jede Kriegspartei denkt hier an die eigenen Interessen. Es geht um Macht und natürlich geht wie bei jedem Krieg um finanzielle Interessen. Aus diesem Grund wird die Tragödie in Syrien sicherlich kein schnelles Ende finden. Ein Blick nach Irak, Afghanistan und Libyen reicht, um dies zu bestätigen. Auch dort wurde nicht auf das Humane gesetzt, sondern auf den Krieg. Man setzte nicht auf Diplomaten und Ärzte, sondern auf Kriegstreiber und Soldaten. Dass man durch Bomben jedoch keinen Frieden erreichen kann, hat man anscheinend immer noch nicht gelernt.

9 Gedanken zu „Bomben als einzige „Alternative“

  1. Pingback: Syrien! | MondoPrinte

  2. Tja, ein wenig Provozieren hier, ein wenig Tricksen dort, etwas Medienrummel und Aufbauschen fürs Volk und wenn man dann seine angebliche „Berechtigung“ fürs Bekriegen erhalten hat, folgt der eigentliche Plan: Ausbeutung und Schwächung, Abhängigkeit schaffen und irgendwann sich selbst überlassen. Wir kennen das Spiel und verhintert wird wieder mal nichts. Lebt es sich doch ganz gemütlich, so aus der Ferne.
    Ich schäme mich.

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  3. usw… usw..?

    die hvietnam – iran – kossowo – palästina – irak – afghanistan – libyen -ungernden kinder im irak
    die palästinensische mutter deren 12 jähriges kind und mann von israelis erschossen
    (das kind trug ein gewehr aus holz)
    dem iraker dessen bruder im libanon unter dem beschuss der israelis verwundet
    (er wollte dort nur arbeiten)
    das israelische kind das seinen vater verlor weil einer sich selber töten wollte
    (mit ihm starben die kinder die er nie haben würde)

    amerikaner stumm voller entsetzen, türme stürzen ein, der turmbau zu babel?
    neue dimensionen der gewalt?
    fast wie von actionfilmer vorgedacht
    kommen nun neue tricks der computerindustrie?
    wer setzt sie um in die grausammen wirklichkeit

    wie werden sie jetzt antworten
    wieder mit der fahne der freiheit in der hand
    zerschlagen sie das wofür sie vorgeben zu kämpfen
    wie viele müssen noch sterben
    warum???

    nicht die machthaber tötet man
    sondern das wofür wir stehen wollten
    wir „gewinnen“ kriege und verlieren unsere menschlichkeit

    ihr tötet menschen
    frauen, kinder, väter
    unsere brüder, schwestern
    und ihre hoffnung
    mitmenschen auf diesem planeten
    die euch freundlich begegneten

    ich höre ihre stimmen nicht mehr,
    das lachen, weinen ist verstummt
    ich höre nicht mehr
    ihre hoffnung und wünsche

    ich weine mit denen
    die immer verlieren
    egal wer der sieger ist
    DIE VERLIERER SIND WIR

    wann sind die tage, wochen , jahre des blutes
    vergangenheit

    die welt erstickt an denen
    die leiden lassen
    erstickt an ihrer gier
    das vergossene blut überflutet schon lange
    das fassungsvermögen der erde
    unserer herzen
    die luft ist vergiftet von eurem hass
    eure gier lähmt die schritte

    wie konnten sie so groß werden
    und dabei so klein bleiben

    schatten der schatten
    vom dem was der mensch sein könnte
    von dem was wir scheinbar nicht sein können
    und uns doch alle wünschen

    so wollen wir nicht sein
    und sind es immer wieder
    währen doch lieber nur das licht
    so will ich nicht sein und leben

    sie waren immer schon da
    wachsen immer wieder auf
    verdrängen was sein könnte
    mit ihrem hass

    buchstabieren können wir die worte frieden + nächstenliebe
    schon lange
    lange schon stehen sie (kleinedruckt)
    im tagebuch des alltags und werden überlesen
    wann werden wir sie leben?

    übermal nicht länger die farben mit schwarz + weiß
    lösch nicht die zwischentöne
    in den übergängen
    ist für platz für uns alle

    nicht „entweder-oder“
    sondern „sowohl-als-auch“

    erhard arendt – August 2013

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  4. Nun will Erdogan Assad ganz wegbomben. Verständlich, hat er sich und sein Land doch mit seiner „neo-osmanischen“ Machtpolitik völlig überschätzt und verspekuliert. Die Türkei ist komplett isoliert, hat sich mit Europa, Russland, Iran, Israel, Irak, Ägypten und Syrien gleichzeitig überworfen, also praktisch mit ALLEN Nachbarn, die Kurden eingeschlossen. Und innenpolitisch wächst der Zorn, die Konjunktur stottert. Die Kacke ist also gewaltig am Dampfen.

    Aktionismus muss her, es muss krachen, am besten, um einen der jetzt vielen Feinde zu entfernen. Und wenn die Amis nicht mitmachen, dann… ja was eigentlich ? Trauriger Despot ^^

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  5. Europäischer Bericht: Israel setzte in Gaza chemische Waffen ein

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    25. Januar 2010 – כ״ד בתשרי תשע״ד

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    Nach dem Goldstone-Bericht, der Israel Kriegsverbrechen in Gaza vorwarf, wird morgen voraussichtlich noch ein Bericht einer bekannten internationalen Instanz veröffentlicht – nämlich des Europarats. Die Verfasser des Berichts üben scharfe Kritik an Israel und der Hamas und behaupten, beide Seiten hätten Maßnahmen ergriffen, die entsprechend des internationalen Rechts als Kriegsverbrechen bezeichnet werden können…

    In “Israel haJom” weist Shlomo Zessna auf einen zu erwartenden Bericht des Europarats hin, der diese Woche vorgelegt werden soll. Der Bericht wirft Israel und der Hamas Verstöße gegen das Völkerrecht vor.

    Der Europarat, der 47 europäische Parlamente unter sich vereinigt, wird am Dienstag in Strassburg zu einer Debatte zusammentreffen, die sich mit der Situation im Nahen Osten befasst. Bei der Sitzung wird ein Bericht veröffentlicht, der sich mit dem derzeitigen Stand der Kontakte zwischen Israel und den Palästinensern befasst, und der Lösungen für ein endgültiges Abkommen zwischen den verfeindeten Seiten vorschlägt. In Jerusalem ist man jedoch vor allem über einen Paragraphen des Berichts beunruhigt, der sich mit der Aktion in Gaza vor einem Jahr befasst.

    Und in der Tat, Israel erwarten im Zusammenhang mit dem Bericht einige Unannehmlichkeiten. Hier nur ein Beispiel: Die Türkei ist diensthabender Präsident des Europarats, und der israelische Gesandte zur Sitzung ist kein anderer als der stellvertretende Außenminister Dani Ayalon.

    Der Bericht kommt zum Schluss, Israel habe in Gaza, im Rahmen der Aktion “Gegossenes Blei”, chemische Waffen gegen die Palästinenser eingesetzt. “Die israelische Seite gab sogar zu, chemische Waffen und Phosphor eingesetzt zu haben,“ so der Bericht. „Dem Recht auf Selbstverteidigung steht das Verbot gegenüber, gegen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu verstoßen“, heißt es in dem Bericht weiter. „Der Einsatz chemischer Waffen… ist inakzeptabel“.

    Der Europarat ruft zu „gründlichen Untersuchungen auf, um die Verantwortung der IDF für Verstöße gegen die Menschenrechte zu klären, für überflüssige und ungerechtfertigte Anwendung von Gewalt und den Einsatz chemischer Waffen“, heißt es in dem Bericht.

    „Viele Stellen in der internationalen Gemeinschaft werten die israelische Aktion als Verstoß gegen erlaubte Prinzipien. Auf jeden getöteten Israeli kommen 400 getötete Palästinenser, die Hälfte davon Frauen, Kinder und alte Menschen. Weiterhin wurden Schulen und Krankenhäuser zerstört.“

    Die Verfasser rufen auch auf, die Übergänge nach Gaza zu öffnen. Von der Hamas fordern sie, den Terror einzustellen, Gilad Shalit freizulassen und den Waffenschmuggel zu stoppen.

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