Kriegsgeschrei

Nun ist es beschlossene Sache. Nachdem man in Afghanistan und im Irak kläglich gescheitert ist, will der Westen nun in Syrien intervenieren. Während einer aggressiven Rede sprach US-Außenminister von Moral und Menschenrechten. Auch die „rote Linie“ war wieder einmal ein Thema. Wobei es sich dabei handelt, wurde jedoch mehr als deutlich.

Foto: Getty Images

Vergangene Woche machte erneut eine Gräuelmeldung aus Syrien die Runde. In Vororten von Damaskus sollen zahlreiche Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, durch einen Giftgasangriff zu Tode gekommen sein. Die sogenannten Rebellen, die unter anderem diese Vororte kontrollieren, machten das Regime Baschar al-Assads dafür verantwortlich und berichteten von über 1.000 Toten.

Wie gewohnt bestritt die Regierung in Damaskus jede Beteiligung. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA machte „Terroristen“ für den Anschlag verantwortlich. Währenddessen machten die schockierenden Bilder toter Kinder weltweit die Runde. Auch westliche Medien, die sonst die Ausstrahlung derartiger Bilder vermeiden, schreckten dieses Mal nicht davor ab.

Für die Verbündeten Staaten gegen Syrien war der Täter schnell gefunden. Das Assad-Regime soll es gewesen sein. Zu dieser Behauptung kamen führende Politiker der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs. Von Beweisen fehlt allerdings immer noch jegliche Spur. Während des Giftgasangriffes befanden sich unter anderem Biowaffeninspekteure der UN in Damaskus. Das Massaker geschah quasi vor ihrer Hotelloge.

Diese Tatsache hielt nicht nur der schwedische Ex-Diplomat Rolf Ekeus im Standard für „sehr seltsam“. Schon bei den letzten Giftgas-Vorwürfen im Juni 2013 war die Skepsis stark. Man war sich nicht sicher, ob das Assad-Regime oder die „Rebellen“ für den Einsatz verantwortlich waren. Aus Sicht des Regimes würde es weder heute, noch damals einen wirklichen Sinn ergeben.

Auf den Grund hierfür bin ich schon im Juni eingegangen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Fakt ist, dass ein Massaker geschehen ist und dass hunderte von Zivilisten getötet wurden. Welche Seite jedoch dafür verantwortlich ist, wird man nicht erfahren. Daran werden auch die UN-Inspekteure nichts ändern können, da dies gar nicht in ihren Aufgabenbereich liegt.

Die „rote Linie“

Der LINKE-Bundestagsabgeordnete und ehemalige UN-Biowaffeninspekteur Jan Van Aken hat kurz nach dem Massaker ausdrücklich betont, dass anhand von Videos „gar nichts“ gesagt, geschweige denn eine ausführliche Analyse gemacht werden könne. Zu einem ähnlichen Schluss kam Gwyn Winfield, Chemiewaffenexpertin von CBRNeWorld gegenüber der „Presse“. Die israelisch-linksliberale Haaretz wurde deutlicher und vermutet die „Rebellen“ hinter den C-Waffen-Einsatz.

Auf Expertenmeinungen scheinen Obama, Cameron und Co. allerdings keinen Wert zu legen. Ihrer Meinung nach wurde die „rote Linie“ nun endgültig überschritten. Durch die jüngsten Ereignisse wurde jedoch deutlich, dass diese „rote Linie“ nichts mit den Einsatz von Chemiewaffen oder den Tod zahlreicher Zivilisten zu tun hat, sondern lediglich erst ins Spiel kommt, wenn in Syrien nicht nach der Pfeife der westlichen Kriegstreiber getanzt wird.

Um diese Tatsache festzustellen, muss man keineswegs Anhänger des Assad-Regimes, des Kremls oder der iranischen Ayatollahs sein. Genauso wie der Westen und dessen Verbündete, sprich, die Türkei und die arabisch-absolutistischen Monarchien haben auch diese sich nicht schlichtend verhalten. Während der Iran schiitische Söldner en masse zwangsrekrutierte und nach Syrien als Kanonenfutter einschleuste, ließ Russland (k)alte Feindschaften mit den USA aufleben. Auch die Rolle der libanesischen Hisbollah darf in diesem Kontext nicht außer Acht gelassen werden, denn während man oft und zurecht auf sunnitische Extremisten unter der „Freien Syrischen Armee“ aufmerksam macht, werden schiitisch-extremistische Freischärler immer wieder unterschätzt.

Kriegstrommeln, Menschenrechte und das Irak-Szenario

Nichtsdestotrotz ist es die westliche Kriegsrhetorik, die wieder einmal am meisten hervorsticht. Anscheinend hat man nach Afghanistan, Irak und Libyen immer noch nicht eingesehen, dass jegliche Interventionen im Nahen Osten zum Scheitern verurteilt sind. Überraschenderweise warnte der ehemalige US-Außenminister Colin Powell, der einst der Welt die Irak-Krieg-Lüge aufgetischt, vor den möglichen Folgen einer solchen Intervention.

Doch der gegenwärtige US-Außenminister, John Kerry, wollte davon anscheinend nichts wissen. Genauso wie seine französischen und britischen Kollegen ist sich Kerry sicher, dass Assad für den Chemiewaffeneinsatz verantwortlich gewesen ist. Die Ergebnisse der UN-Inspekteure will man anscheinend gar nicht abwarten. Wie gewohnt will man sich auf eigene Faust ins nächste Kriegsabenteuer stürzen. Deshalb wird auch auf den UN-Sicherheitsrat gepfiffen.

Stattdessen predigte Kerry von Moral und Menschenrechten, die in Syrien unbedingt geachtet werden müssen. Dass der Außenminister jenes Staates, der permanent den ganzen Globus überwacht und tagtäglich Menschen- und Freiheitsrechte bricht – ob nun in Guantanamo oder durch illegale Drohnen-Angriffe – eine solche Aussage von sich gibt, macht sie nicht unbedingt glaubwürdiger.

Doch darum kümmert sich niemand mehr. Dank Mainstream-Medien und beugsamer Politiker werden die Kriegstrommeln schon geschlagen. Der Angriff auf Syrien wird regelrecht herbeigesehnt. Diese Tatsache wurde unter anderem auch vom Nahost-Experten Michael Lüders während eines Interviews mit dem ZDF heute journal, am 27.08. festgestellt. Lüders warnte ebenfalls vor einem Irak- oder Afghanistan-Szenario in Syrien.

Auf Experten hört allerdings niemand. Es sind die Politiker, die über Krieg und Frieden entscheiden. Nun haben sie sich ein weiteres Mal für den Krieg entschieden. Syrien braucht sicherlich vieles. Man braucht Ärzte, Helfer und Vermittler aber sicherlich nicht noch mehr Krieg, noch mehr Bomben und noch mehr Waffen. Doch dafür ist es nun zu spät. Der Flächenbrand, der wohl die nächsten Jahrzehnte beeinflussen wird, wurde gelegt.

7 Gedanken zu „Kriegsgeschrei

  1. Diejenigen Mitglieder des Nobelpreiskomitees, die Barak Obama den Friedensnobelpreis verliehen haben, gehören bestraft! Hoffentlich werden sie wenigstens von Gewissensbissen geplagt.
    Bereits die alten Römer bezeichneten die militärische Eroberung von Ländern, das Niederschlagen von Aufständen gegen ihre Herrschaft und das Brechen von Widerstand gegen ihre kulturelle und wirtschaftliche Vorherrschaft als „Befrieden“.
    Tatsächlich scheint jetzt der Funke für den Flächenbrand gezündet worden zu sein. Auf einer mittelalterlichen Darstellung der Belagerung von Damaskus während eines der Kreuzzüge hat jeder der ausländischen Heerführer das Wappen seines Landes auf dem Rücken. Darunter ist auch der schwarze Adler auf ockergelbem Grund, der zum Vorbild des bundesdeutschen Wappens geworden ist. Das läßt nichts Gutes ahnen. Damals, bei den Kreuzzügen, war Frankreich die treibende und führende Macht, und die Deutschen waren nur Mitläufer. Heute sind sie Mitläufer bei den militärischen Unternehmungen der USA und tragen die von diesen begangenen Kriegsverbrechen mit.
    Bei einem Flächenbrand weiß man allerdings meistens nicht, ob der Wind umschlägt und die Flammen dann in eine andere Richtung getrieben werden. Bereits vor einiger Zeit meinte irgendein Kommentator: „Kriege entwickeln ihre eigene Dynamik, wenn sie lange genug dauern.“
    Als Muslim mag man in dem Dilemma sein, nicht zu wissen, für welche Seite man Partei ergreifen soll, da in diesem Krieg Muslime gegen Muslime kämpfen und überwiegend Muslime die Opfer sind. Vielleicht erst einmal abwarten und sich erst später entscheiden. Auf jeden Fall aber sollte man im Hinterkopf behalten, daß die USA, Israel und GB die Achse des Bösen sind und den Muslimen nichts Gutes wollen, auch wenn sie sich verstellen und ein freundliches Gesicht und Versprechungen machen.

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  2. Jetzt ist also Kriegsgeschrei und vorher erklang dort die Friedensharfe ? Europa sollte sich komplett raushalten, aus sämtlichen Belangen des Orients, am besten alle Beziehungen abbrechen.

    Denn, so viel ist sicher, auch wenn ich natürlich weiß, dass es um Machtpolitik geht, gedankt würde es einem von „denen da unten“ sowieso nicht und von den Muslimen, die irgendwann hierher gekommen, erst recht nicht. Denn es geht nicht darum, was Nichtmuslime tun, oder lassen, es geht darum, dass es sie gibt. DAS ist eine Beleidigung und daher ist soweiso alles falsch, was „der Westen“ (die Nichtmuslime) macht.

    Hält er sich raus, dann ist er unmenschlich. Greift er ein, ist er Kriegstreiber. Nein, nach Öl-Alternativen forschen und Beziehungen kompeltt abbrechen, anders wird es gar nicht gehen. Und das wird schon ausgehandelt, hundertprozentig. China, Russland und Indien werden ähnlich vorgehen, ist diese Energie-Alternative einmal da.

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  3. Was mögen John Kerry und sein israelischer Amtskollege zuletzt noch ausgeheckt haben,
    als sie kürzlich über die Vorbereitungen der sog. Friedensverhandlungen gesprochen haben?
    Denn auch Israel schlägt zeitgleich mit den USA die Kriegstrommel.
    Wer da an einem Zufall glaubt?

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  4. Die Kriegsvorbereitung und die Kriegsindustrie haben sich schon lange digitalisiert und optimiert. Wobei die „Mainstream-Medien“ und den „Guten“ leisten schon die größte Arbeit im voraus und ebenen den Weg für die Hetzer zum Hass und Gewaltaufruf! Den Rest kommt von sich selbst.

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    • Obama der Kriegstreiber kann nun keinen Rückzieher mehr machen.
      Er hat sich in dieser unheilvollen Lage hinein manövriert.
      Nachdem das englische Parlament ihm die Gefolgschaft verweigert, der russische Präsident ihm gedroht hat, Syrien bei zu stehen, er die Beschlüsse der UNO sabotiert,
      da er genau weiß, das der Giftgas Anschlag von den syrischen Rebellen mit Hilfe der westlichen Geheimdienste inszeniert wurde, Bleibt Obama nichts anderes übrig als Syrien an zu greifen.
      Obama ist am Ende .Er wird die Welt in den Abgrund stürzen.

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  5. Pingback: Alle Jahre wieder und nichts daraus gelernt | Emran Feroz's Blog

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