Lebenslang für die Wahrheit

Am vergangenen Montag wurde deutlich, was für eine Strafe der ehemalige US-Soldat und Whisteblower Bradley Manning zu erwarten hat. Das Ausmaß dieser Strafe sagt mehr als genug über jenes Land aus, welches immer wieder vorgibt, auf Menschenrechte und Demokratie zu setzen.

Demonstranten zeigen sich solidarisch mit Bradley Manning (Foto: occupytampa.org)

Während Edward Snowden nun offiziell Asyl in Russland gewährt wurde, sehen die nächsten Jahre für Bradley Manning düster aus. Der Wikileaks-Informant wurde von einem Militärgericht in den meisten der 21 Anklagepunkte für schuldig gesprochen. Lediglich für den Vorwurf der Unterstützung des Feindes wurde Manning freigesprochen. Obwohl ihm dadurch eine Todesstrafe erspart bleibt, ist dies alles andere als ein Grund zum Feiern.

Denn obwohl Manning mit seinem „Vergehen“ keinem einzigen Menschen geschadet hat, wird er wahrscheinlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen müssen. Man geht von einer Strafe von 136 Jahren aus. Abgesehen davon darf man nicht vergessen, dass Manning schon im Vorfeld der Verhandlung permanent in Einzelhaft gehalten und unter anderem auch gefoltert wurde.

Zum gleichen Zeitpunkt genießen geldgierige Wallstreet-Bankster, die für die Pleite des ein oder anderen Staates verantwortlich sind, ihr luxuriöses Jet-Set-Leben, während Politiker, die illegale Kriege angezettelt haben, weiterhin als Ikonen gefeiert werden. Nicht zu vergessen sind jene US-Soldaten, die für zahlreiche Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan verantwortlich sind und im Nachhinein nicht etwa ihr Leben lang eingesperrt wurden, sondern lediglich „unehrenhaft“ aus der Armee entlassen.

Manning hingegen hat keine Kriegsverbrechen begangen, sondern welche aufgedeckt. Prägend war hierfür vor allem der kurze Film, der unter dem Namen Collateral Murder weltweit bekannt wurde. In dem Video sieht man, wie ein amerikanischer Kampfhubschrauber auf Journalisten und Zivilisten feuert.

Nicht nur diese Enthüllung hat man Bradley Manning zu verdanken. Dank ihm erfuhr man erst das vollständige Ausmaß der Korruption, durch die sich die nordafrikanischen Ex-Diktatoren Ben-Ali und Mubarak ihre Macht sicherten. An den korrupten Geschäften der Despoten waren unter anderem auch die USA beteiligt.

Dank Manning gelangten die Details des geheimen Drohnen-Kriegs der USA, der gegen jegliche Menschen- und Völkerrechte bricht, an die Öffentlichkeit. Und dank dem Whistleblower weiß man, dass es die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton höchstpersönlich war, die den Lauschangriff auf befreundete UN-Mitgliedsstaaten, zu denen unter anderem auch Deutschland gehört, anordnete.

Aufgrund solcher Enthüllungen wird der ehemalige Soldat als „Vaterlandsverräter“ und „Spion“ betrachtet und erhält seitens der US-Politik keinerlei Unterstützung. Während US-Präsident Obama in der Vergangenheit schon des Öfteren die Straffreiheit seiner Soldaten in Afghanistan forderte und sich damit auch hinter jenen Soldaten gestellt hat, die für Kriegsverbrechen verantwortlich sind, gab es für Whistleblower wie Manning und Snowden kein Verständnis.

Man macht weiterhin Jagd auf sie und wenn es sein muss, tritt man auch die Souveränität anderer Staaten mit Füßen, wie es vor einigen Wochen in Wien der Fall war, als das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten einen unfreiwilligen Zwischenstopp einlegen musste. Zum gleichen Zeitpunkt versucht man sich vor der Presse zu schmücken, indem man allen Ernstes behauptet, dass Snowden keine Todesstrafe zu befürchten habe.

Auch Manning wird der Todesstrafe entgehen, doch was sagt ein solches Statement über die USA aus? Beweist es nicht ein weiteres Mal, dass die Vereinigen Staaten immer mehr die Form jener Staaten annehmen, die sie seit eh und je verteufeln? So wie George Orwell einst behauptet hat, ist in Zeiten der Lüge und Täuschung das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt. Die gegenwärtigen Ereignisse haben dies ohne Zweifel bestätigt.

2 Gedanken zu „Lebenslang für die Wahrheit

  1. 136 Jahre Haft unter unmenschlichen Bedingungen sind schlimmer als Todesstrafe. Was können wir für Bradley tun? Vielleicht dafür beten, daß die USA möglichst bald zerbrechen, das dort herrschende Regime untergeht und Bradley dann freikommt.

    Gefällt mir

  2. Es bereitet mir schlaflose naechte zu wissen, dass ein junger mensch, der nur das tat, was wir alle unseren kindern beibringen, naemlich die wahrheit zu sagen und es zu erzaehlen, wenn sie zeugen einer ungerechtigkeit werden, dass genau so ein mensch bestraft wird. Bestraft auf solch unmenschliche und grausame art. Verteufelt und verurteilt als ob er es gewesen waere, der die greueltaten begangen hat. Ja, ich habe schlaflose naechte deswegen, nicht nur weil es mir unsagbar leid tut, dass einem unschuldigen sein ganzen leben zerstoert wird, sondern auch, dass ich in diesem moment jener verurteilung stets und fuer immer meinen glauben in demokratie, rechtsstaat und freie meinungsaeusserung verloren habe.

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s