Freiheit statt Gerechtigkeit

Im vergangenen Jahr erschoss der weiße Hobby-Wachmann George Zimmerman den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin. Nun wurde der Todesschütze freigesprochen. Die Empörung ist groß, zu Recht.

Trayvon Martin

Im Februar 2012 wurde der siebzehnjährige Trayvon Martin – nachdem er eine Dose Eistee und Süßigkeiten in einer nahegelegenen Tankstelle gekauft hatte – erschossen. Der Täter, George Zimmerman, war Mitglied einer privaten Nachbarschaftswache und meinte, sich lediglich verteidigt zu haben. Der Fall sorgte international für Schlagzeilen und spaltete die USA. Während die einen Zimmerman als Held feierten, war er für die andere Seite ein blutiger Mörder, der wahrscheinlich von rassistischen Vorurteilen angetrieben wurde.

Schon kurz nach der Tat traten die ersten Ungereimtheiten auf. Vor allem Zimmermans Telefonat mit der Polizei belastete den Schützen. Aus diesem ging unter anderem hervor, nach welchen Kriterien der Mann über andere Personen ein Urteil fällt. Dass der afroamerikanische Martin zum damaligen Zeitpunkt einen „Hoody“ (Kapuzenpullover) trug, war für den Hobby-Wachmann wohl Grund genug, ihn als drogensüchtigen Kriminellen einzustufen.

Nachdem Zimmerman den unbewaffneten Jungen getötet hatte, berief er sich auf das sogenannte Stand-your-ground-Gesetz. Laut diesem im Bundesstaat Florida geltenden Gesetz hat jeder Bürger das Recht sich zu verteidigen, sofern er sich bedroht fühlt. Ab wann man sich bedroht fühlt, ist in vielen Fällen unklar und beweist ein weiteres Mal, was für Lücken sich im US-amerikanischen Rechtssystem finden lassen.

Abgesehen davon hätte dies im Fall von Zimmerman gar keine Rolle spielen dürfen, da dieser Martin auf eigene Faust verfolgt hat. Dieser Meinung sind unter anderem auch jene republikanischen Politiker, die mehr oder weniger für dieses Gesetz verantwortlich sind. Laut diesen verlor Zimmerman sein Recht auf Selbstverteidigung in jenem Moment, indem er beschloss, Martin zu verfolgen. Dadurch habe er die Konfrontation mit diesem provokativ herbeigeführt.

Nichtsdestotrotz ist Zimmerman nun ein freier Mann. Die Geschworenen waren sich – warum auch immer – einig, dass der Mann kein Mörder sei. In sozialen Netzwerken brach eine Welle der Empörung aus. Viele sind sich sicher, dass ein solches Urteil unmöglich gewesen wäre, wenn der Täter schwarz und das Opfer weiß gewesen wäre. Währenddessen feierten die Unterstützer Zimmermans die „Unschuld“ ihres Helden auf diversen Facebook-Seiten.

Das Urteil erscheint umso absurder, wenn man es mit einem anderen Fall aus dem vergangenen Jahr vergleicht. Im Mai 2012 wurde die afroamerikanische Marissa Alexander ebenfalls im Bundesstaat Florida zu einer zwanzigjährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem sie gegen ihren gewalttätigen Ehemann Warnschüsse abfeuerte. Merkwürdigerweise durfte sie im Gegensatz zu Zimmerman nicht vom Stand-your-ground-Gesetz Gebrauch machen.

US-Präsident Obama, der nach dem Tod Martins diesen noch mit seinen eigenen Kindern verglich, rief nun zur Besonnenheit auf und meinte, dass man das Gesetz und das Urteil der Geschworenen zu respektieren habe. In Anbetracht des jüngsten Überwachungsskandals, des rechtsfreien Raums namens Guantánamo und des illegalen Drohnen-Kriegs sind derartige Äußerungen seitens Obamas jedoch alles andere als akzeptabel.

Der Mordfall Trayvon Martin – ja, Mordfall – hat ein weiteres Mal bewiesen, was im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ möglich ist. Der US-amerikanische Bürgerrechtler und Prediger Al Sharpton, der auf das Urteil fassungslos reagierte, traf den Nagel mit folgenden Worten auf den Kopf: „Wir können einen schwarzen Mann ins Weiße Haus setzen, aber wir können ein schwarzes Kind nicht durch eine geschützte Wohnsiedlung laufen lassen.“ Die jüngsten Ereignisse lassen sich auch Jahrzehnte nach dem Tod von Malcolm X mit seinen Worten bestätigen: „Der Täter beschuldigt das Opfer, ihn angegriffen zu haben. Das ist US-amerikanische Gerechtigkeit.“

3 Gedanken zu „Freiheit statt Gerechtigkeit

  1. Zimmerman ist kein Weißer, um diesen schönen Rassentraum erstmal wieder zerplatzen zu lassen. Zweitens ist der Tathergang keineswegs unumstritten, was auch Zimmermans Verletzung beweist. Aber was sind schon Fakten ? „Hang´em high !“

    Die Leute merken gar nicht, wie (umgedreht) rassistisch der Lärm um dieses Urteil ist.. Menschen eben.

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  2. Pingback: Die Logik des Systems | Emran Feroz's Blog

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