Obamas Ramadanwünsche

Zu Beginn des Fastenmonats Ramadan wünschte unter anderem auch der US-Präsident den Muslimen weltweit einen segensreichen Monat. An sich ist das nichts Schlechtes, allerdings muss man sich die Frage stellen, wen Obama denn damit meint. Die Opfer seines Drohnen-Krieges, jene, die den US-Invasionen seit 2001 zum Opfer gefallen sind oder die Guantánamo-Häftlinge, die gefoltert und zwangsernährt werden?

Szene aus dem Video mit Rapper Mos Def

Seit Beginn seiner Amtszeit zeigt sich Barack Hussein Obama als „Freund der Muslime“. Begonnen hat damals das Ganze mit seiner berühmten Kairoer-Rede. Als Obama 2008 gewählt wurde, war es vor allem die islamische Welt, die sich große Hoffnungen machte. Man dachte damals, dass nichts und niemand schlimmer an der Spitze der USA sein könnte, als ein George W. Bush. Die Hoffnungen wurden allerdings schnell zerstört. Der charismatische Obama trat seine Amtszeit an, indem er sein wichtigstes Wahlversprechen – die Schließung Guantánamos – brach. Dies war jedoch erst der Beginn der Misere.

Das Gefangenenlager auf Kuba ist mittlerweile zum Symbol der Unterdrückung geworden. Eine Unterdrückung, die von einem Staat ausgeführt wird, der immer wieder vorgibt, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen. Unter Obama wurde die fragwürdige Gefangennahme zahlreicher Männer aus aller Welt nicht nur weitergeführt, sondern erreichte einen neuen Höhepunkt. Die Zustände im Lager haben sich in den letzten Monaten derartig verschlechtert, dass sich 106 der 166 Gefangenen seit Beginn des Jahres im Hungerstreik befinden.

Aufgrund dessen werden die „Terrorverdächtigen“ nun von den Wärtern nicht nur gefoltert, sondern auch zwangsernährt. Die Praxis der Zwangsernährung wird von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen ebenfalls als eine Form von Folter betrachtet. Einen Eindruck dieser unmenschlichen Prozedur hat der US-Rapper Yassin Bey, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mos Def, mittels eines Videos vermittelt, welches im Internet schon eine große Runde gemacht hat.

Verteidiger der Häftlinge hatten schon vor Beginn des Ramadans Anträge gestellt und baten um eine Aussetzung der Zwangsernährung während des Fastenmonats. Derartige Forderungen wurden jedoch seitens der US-Behörden abgelehnt. Stattdessen entschied man sich, die Prozedur nur noch zwischen Sonnenuntergang und Tagesanbruch vorzunehmen. Einfach ausgedrückt: Gefoltert wird nur noch nachts.

Obamas Wünsche gehen allerdings nicht nur an die Guantánamo-Häftlinge. Die afghanisch-pakistanische Grenzregion Waziristan gehört zu den Hauptschauplätzen des US-amerikanischen Drohnen-Terrors. In der paschtunischen Stammesregion, die seit Jahrhunderten zu den Unruheherden Zentralasiens gehört, werden nahezu wöchentlich per Knopfdruck Menschen getötet. Während Washington weiterhin vorgibt, auf diese Art und Weise erfolgreich Taliban, Extremisten und Al-Kaida-Mitglieder zu bekämpfen, sieht die Realität anders aus.

Berichten zufolge sind achtzig Prozent der Opfer ausschließlich Zivilisten, unter ihnen sind zahlreiche Frauen und Kinder. Das Weiße Haus will davon nichts wissen. Laut einem Dekret, welches von Obama persönlich unterzeichnet wurde, wird jedes männliche Opfer, das mindestens achtzehn Jahre alt ist, als „feindlicher Kämpfer“ eingestuft. Drohnen-Angriffe gehören nicht nur in Zentralasien zum Alltag, sondern unter anderem auch im Jemen. Dass diese Killerkommandos während des Ramadans zurückgehen werden, ist zu bezweifeln.

Dies gilt im Übrigen für all jene islamischen Länder, die sich dank US-Invasionen und Einmischungen im Zustand permanenter Gewalt befinden. In Afghanistan hat man sich mit Kriegsverbrecher und Drogenbarone verbündet und ihnen politische Machtpositionen überlassen. Zum gleichen Zeitpunkt bombardiert man Hochzeitsgesellschaften, massakriert ganze Dorfgemeinschaften und fördert damit den Anstieg von Gegengewalt und Extremismus.

Ähnliche Zustände herrschen im Irak. Während man die Bodenschätze des Landes ausbeutete, wurden die religiösen und ethnischen Gruppierungen gegeneinander aufgehetzt. Als die tägliche Gewalt – geprägt von Massakern in Moscheen und Bombenanschlägen auf Marktplätzen – ihren Höhepunkt erreicht hatte, zog man es vor, abzuziehen.

In Libyen ist es nicht anders. Seit der NATO-Intervention und der brutalen Hinrichtung Gaddafis droht dem Land der Zerfall. Diese Tatsache ging es vor Kurzem wieder aus Berichten hervor, die seitens der Verantwortlichen weitestgehend ignoriert werden. Stattdessen setzt man darauf, die gleichen Kräfte in Syrien zu unterstützen, indem man sie mit Waffen beliefert.

Die muslimische Welt befindet sich im Chaos. Von Kairo bis nach Kabul hat die Supermacht ihre Finger im Spiel. Wer meint, dies leugnen zu können, sollte sich fragen, wer der wichtigste Waffenlieferant der ägyptischen Armee ist und warum sich die Namen afghanischer Drogenbosse auf den Gehaltslisten des CIA finden lassen.

Der Häftling in Guantánamo ist weiterhin der Folter ausgesetzt, während die Bauernfamilie in Waziristan während ihres Fastenbrechens jeden Moment von einer Drohne getötet werden könnte. An dieser Realität wird sich auch im Ramadan nichts ändern.

4 Gedanken zu „Obamas Ramadanwünsche

  1. Als deutscher Muslim empfinde ich selbst die Glückwünsche des Bundespräsidenten Joachim Gauck zu den islamischen Festen noch als Verhöhnung (wenn er bezüglich der Worte seines Vorgängers Christian Wulff hinsichtlich der Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland zurückrudert) – wieviel mehr erst diejenigen des US-Präsidenten Barak Obama! Diejenigen Leute, die ihm den Friedensnobelpreis verliehen haben, betrachte ich als Vollidioten. Wie kann man jemandem diesen Preis im voraus verleihen, bevor er sich bewährt und seine Würdigkeit unter Beweis gestellt hat – nur auf Grund leerer Worte, bloßer Versprechungen und guter Hoffnungen? Solche Glückwünsche sind noch gar nichts im Vergleich zu den Brechreiz erregenden Lobhudeleien, die von den arabischen Medien, wie Staatsfernsehsendern, an ihre jeweiligen Herrscher und Präsidenten gerichtet werden. Vom Präsidenten eines Landes, das sich die Verbreitung der Demokratie und Menschenrechte auf die Fahne geschrieben hat, hätte man jedoch etwas anderes erwarten dürfen. Barak Obama führt unter einer freundlicheren Maske nur das fort, was sein Vorgänger George W. Bush angefangen hat.

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  2. Sehen Sie, lieber Lynx, Sie koennen sogar Kommentare verfassen, an denen ich nichts zu kritisieren habe, sondern mit Ihnen, im Gegenteil, voellig d’accord gehe.🙂

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