Niemand will Snowden

Mehrere europäische Staaten, unter anderem auch Deutschland und Österreich, wollen Edward Snowden kein Asyl gewähren. Bürokratische Ausreden sollen dafür herhalten. Währenddessen wurde der bolivianische Präsident Evo Morales in Wien regelrecht gedemütigt. Auf Verdacht, dass sich der Whistleblower eventuell an Bord seines Flugzeugs befinden könnte, verweigerten ihm eine Reihe von europäischen Staaten den Überflug.

Evo Morales am Wiener Flughafen (Foto: kurier.at)


Edward Snowden hatte in mehreren europäischen Staaten einen Asylantrag gestellt. Bis jetzt haben die meisten von ihnen abgelehnt oder erst gar nicht darauf reagiert. Deutschland und Österreich sind der Meinung, dass Snowden erst um Asyl bitten könne, wenn er sich innerhalb der Landesgrenzen befindet. Dies mag zwar stimmen, Solidaritätsbekundungen für den politisch Verfolgten gab es trotzdem keine. Abgesehen davon muss man sich die Frage stellen, was mit Snowden geschehen würde, wenn er sich plötzlich am Berliner oder Wiener Flughafen befinden würde.

Die offene Drohung der Vereinigten Staaten ist immer noch in aller Munde. Wer dem „Verräter“ Unterschlupf gewährt, hat mit Konsequenzen zu rechnen. Diese Worte kamen aus den Mund eines Friedensnobelpreisträgers. Edward Snowden hat keinem einzigen Menschen jemals Schaden zugefügt. Er ist weder ein Wallstreet-Spekulant, noch ein Mörder, noch ein Kriegsverbrecher. Trotzdem wird er gejagt, als wäre er etwas Schlimmeres. Etwas Böses.

Dies hat sich nun am Flughafen Wien-Schwechat bestätigt. Dort wurde der bolivianische Staatschef Evo Morales zur Zwischenlandung gezwungen. Der Verdacht: Morales, der gerade aus Russland zurückflog, könnte Snowden an Bord haben. Daraufhin verweigerten ihm Frankreich, Italien, Spanien und Portugal den Überflug. In Südamerika brach eine Welle der Empörung aus, die man auf zahlreichen sozialen Netzwerken gut verfolgen konnte. Unter anderem sprach man von „neo-kolonialistischen Verhalten“.

Diese Empörung ist mehr als berechtigt. Man stelle sich einmal vor, der Air Force One wären die Überflugrechte über einem südamerikanischen Land verwehrt worden und dies hätte zu einem außerplanmäßigen Zwischenstopp des Präsidenten geführt. Abgesehen davon wurde ein weiteres Mal deutlich, nach wessen Pfeife hier getanzt wird. Wenn sich nämlich so viele EU-Staaten derartig von den USA unter Druck nehmen lassen und die Immunität eines Staatsoberhauptes auf solch eine Art und Weise mit Füßen treten, läuft eindeutig etwas falsch.

Medienberichten zufolge wurde Morales‘ Maschine nicht durchsucht. Es kam lediglich zu Passkontrollen. Das Verhalten der erwähnten Staaten lässt sich dadurch trotzdem nicht entschuldigen. Seit Jahren werden geheime CIA-Folterflüge von europäischen Regierungen stillschweigend toleriert. Noch kein einziges Mal wurden Überflüge nicht genehmigt, auch seitens Deutschlands nicht. Kein Wunder, beim „Kampf gegen den Terror“ ist schon seit langem alles erlaubt. Da kümmert sich kein Mensch mehr um Menschen- und Völkerrechte. Beim „Verräter“ Snowden ist das anders.

Die jüngsten Ereignisse in Wien sind ein Armutszeugnis und haben bewiesen, dass Edward Snowden mehr als nur ein politisch Verfolgter ist. Er ist der „Staatsfeind Nr. 1“. Umso erbärmlicher ist es, dass Regierungen wie jene Deutschlands dem Mann kein Asyl gewähren wollen, während Warlords und anderweitige Kriminelle in Luxushotels empfangen und auf Staatskosten ärztlich behandelt werden.

22 Gedanken zu „Niemand will Snowden

  1. Hat dies auf Freidenkerin's Weblog rebloggt und kommentierte:
    Europa’s – und auch Deutschland’s – Scheinheiligkeit ist schier atemberaubend! Zudem macht der Fall Snowden überdeutlich, nach wessen Pfeife unsere Volks(ver)treter eigentlich tanzen. Und daß ein Friedensnobelpreisträger jenem Lande, das Snowden aufnehmen sollte, mit Konsequenzen droht, haut dem Faß schlicht und ergreifend den Boden aus…

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  2. Lieber Emran, ich habe mich mit deinem Artikel, ja mit jedem deiner Worte wie mit einer meine unaussprechliche Wut kühlenden Salbe eingerieben! DANKE! Du wirst dir vorstellen können, wie es mir als Lateinamerikanerin heute gegangen ist.
    Wer nun immer noch Illusionen darüber hat, wie die Dinge auf diesem Globus funktionieren, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen!
    Und diese dreckige, verlotterte, den USA in den Arsch kriechende Imperialistenjournaille hierzulande schreibt über diesen Skandal, als wäre eigentlich nix gewesen. Pfui Deibel!
    Sorry für diesen heute leider (warum eigentlich leider?) sehr emotional aufgeladene Kommentar.
    Und nochmals: DANKE! Deine Worte klingen in diesen Stunden wie Harfenklänge!

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  3. s muss noch viel mehr hochbrisantes in der hand haben , anders kann ich mir dieses paranoide verhalten der usa nicht erklären . ich denke, er ist gut vorbereitet und weiß auch sehr wohl, dass er in keinem westlichen staat unterkommen kann . was da in den medien zu lesen ist , ist wie immer mit vorsicht zu genießen ( 4 laptops ? in x staaten asyl beantragt ? ect. ) und oft nicht logisch.

    wichtig ist , dass alles an die öffentlichkeit kommt . damit viel mehr aufwachen in europa, da braucht es schon einen richtigen paukenschlag.

    Grüße

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      • ja , denke ich wirklich
        Wir haben unseren schwarzen Filz abgeschafft ,
        sogar mein Steuerberater war damals bei S21 …
        Man müßte den Menschen nur mehr Gelegenheit geben ,
        Missstände/Zusammenhänge leichter durchschauen zu können.
        Das wäre die eigentliche Aufgabe der Medien , aber da
        sehe ich nur noch Profilsucht und Gier nach Auflagen/Einschaltquoten

        Grüße

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  4. Es ist unglaublich, wie der Rest der Welt, sich von der US Regierung erpressen lässt.
    Lieber Emran, Du sprichst mir voll aus dem Herzen. Tausend Dank dafür!

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  5. Praktisch müssten alle Europäer ihre Regierungen entlassen. Dies alles ist entsetzlich. Ein Mensch opfert sich, um uns aufzuklären und wir können ihm nicht helfen, weil die von uns gewählten sich hinter Gesetzen und Verordnungen verstecken. Weil sie zu feige sind den USA pari zu bieten. Vor Jahren habe ich den Song Mr. Iron Wheel , mit dem Kernsatz: Every law can house the good and evil geschrieben. Wie wahr.

    Jürgen Keim

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    • Ich denke eher, solche geistigen Stromsparleuchten wie dich sollten wir nicht in Deutschland haben wollen! Aber gut, ich bin ja tolerant. Du hast ganz offensichtlich gar nichts begriffen. In dem Artikel über dir steht alles, was es dazu zu sagen gibt.

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  6. Auch meine Arbeit an der Kölner Klagemauer, wird in den Medien verzerrt und falsch dar gestellt.
    Hier nun eine sehr objektive Darstellung unserer Arbeit. Hier wurde nicht geschnitten.

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  7. 19.5.2012 – Die Brandstifter fahren ihre „Ernte“ ein.

    Am 17.5.2012 wurde Walter Herrmann an der Kölner Klagemauer mit einem Messer angegriffen, und an der linken Innenhand erheblich verletzt!

    Tja, Mausi, mit Deiner Meinung, zählst auch Du, ebenso zu den Brandstiftern.

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  8. Pingback: Lebenslang für die Wahrheit | Emran Feroz's Blog

  9. Pingback: Die Unwissenheit der Mehrheit | Emran Feroz's Blog

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