Irak 2.0

Ohne wirklichen Beleg sind sich die USA plötzlich sicher. In Syrien soll die „rote Linie“ überschritten worden sein. Das Assad-Regime soll vor Kurzem Chemiewaffen, unter anderem das Nervengas Sarin, gegen die Rebellen eingesetzt haben. Laut US-Medien stehen die Waffenlieferungen allerdings schon seit Wochen fest.

Foto: AFP

Seit Monaten wird versucht, der Regierung von Baschar al-Assad einen Giftgas-Angriff ans Bein zu hängen. Nun scheint es, als ob dies endlich gelungen wäre. US-Präsident Barack Obama hat nach langem Zögern offiziell bestätigt, dass die „rote Linie“ in Syrien überschritten worden sei. Als Folge dessen erhalten die Rebellen-Gruppierungen massive Waffenunterstützung aus den Vereinigten Staaten.

Es ist offensichtlich, dass dieser Zeitpunkt kein Zufall ist. Vor Kurzem wurde die syrische Grenzstadt Qusair von der syrischen Armee mit Hilfe der libanesischen Hisbollah zurück erobert. Die sogenannte „Freie Syrische Armee“ und ihre Helfer im Ausland erkannten, dass al-Assad auf Siegeszug ist. Dass Aleppo und anderen Städten bald das gleiche Schicksal widerfahren könnte, war fast schon vorhersehbar.

Deshalb musste nun ein Vorwand her. Das Chemiewaffen-Thema erwies sich diesbezüglich am Geschicktesten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in Syrien Chemiewaffen eingesetzt worden sind. Regime und Rebellen haben sich das regelmäßig gegenseitig in die Schuhe geschoben. Aufseiten des Regimes wäre ein solcher Einsatz jedoch unnütz, zumindest militärisch gesehen. Die syrische Armee ist in ihrem Kampf gegen die Rebellen, die mittlerweile alles andere als eine rein homogene Gruppe von Syrern ist, mit konventionellen Waffen äußerst erfolgreich.

Abgesehen davon weiß das Regime um Baschar al-Assad ganz genau, dass gewisse Kriegsparteien nur auf einen solchen Einsatz warten, um möglichst schnell intervenieren zu können und die eigenen Interessen weiterhin durchzusetzen. Genau das ist nun geschehen. Die USA haben Klartext gesprochen, während sie Frankreich und Großbritannien im Rücken haben. Alte Erinnerungen am Massenvernichtungswaffen-Märchen im Irak werden wach.

Vor allem Frankreich stützte sich auf diese Vorwürfe, nachdem Journalisten der Zeitung Le Monde im April einen Giftgas-Angriff in Syrien vor Ort miterlebt haben. Auch damals zeigte man mit dem Finger schnell in Richtung Assad. Tatsächlich ist aber bis heute nicht geklärt, wer für den Einsatz verantwortlich gewesen ist. In diesem Kontext wird jedoch oft außer gelassen, dass das Assad-Regime immer wieder internationale Beobachter dazu aufgerufen hat, nach Syrien zu kommen und die Umstände zu prüfen.

Der Bundestagsabgeordnete Jan van Aken (DIE LINKE) steht dem gegenwärtigen Szenario sehr skeptisch gegenüber. Van Aken, der von 2004 – 2006 als Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen tätig gewesen ist, ist der Meinung, dass die Beweislage sehr dünn sei. „Selbst wenn tatsächlich Giftgas in Syrien eingesetzt wurde, bleibt völlig offen, wer es eingesetzt hat. Die Behauptung, nur Assad kontrolliere diese Waffen, ist sehr weit hergeholt. Seit der Warnung Obamas von der „roten Linie“ müssen wir doch damit rechnen, dass Rebellen alles daran setzen, einen Chemiewaffenangriff vorzutäuschen oder gar selbst auszulösen, um damit einen Kriegseintritt der USA zu provozieren“, so Van Aken.

Auch der Politiker ist der Meinung, dass ein solcher Schritt des Assad-Regimes wenig bis gar keinen Sinn ergeben würde. Abgesehen davon erinnert das gegenwärtige Geschehen stark an die Biowaffenlüge von 2003. Damals wurde im Irak ähnlich gehandhabt. Nachdem der unliebsame Diktator weg vom Fenster war, fehlte von Massenvernichtungswaffen jegliche Spur. Während man im Rebellenlager schon jubelt und sogar auf eine Flugverbotszone spekuliert, nimmt der russische Politiker Alexej Puschkow kein Blatt vor den Mund und wirft den USA Lügen vor.

Die gleichen Kreise, die einst behaupteten, Saddam Hussein sei im Besitz von Massenvernichtungswaffen, wollen sich nun auch im Fall von Syrien sicher sein. Genau so wie damals fehlen auch heute die Beweise. Diese Tatsache wird jedoch nicht hinterfragt, sondern bedingungslos hingenommen.

5 Gedanken zu „Irak 2.0

  1. Wir haben im Deutschen das Sprichwort: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er auch die Wahrheit spricht“. Die Vertreter verschiedener US-Regierungen haben in der Vergangenheit nicht nur einmal derart offensichtliche und dreiste Lügen als Wahrheit darzustellen versucht, daß jeder vernünftige Mensch es ablehnen sollte, ihnen noch jemals eine solche derartiger Lügen abzunehmen. Leider jedoch scheinen die meisten Menschen so dumm zu sein, ihnen dennoch immer wieder zu glauben, wenn es vielleicht nicht die Masse der einfachen Menschen tut, so doch ihre Politiker und Medienvertreter. Aber die meisten Politiker der anderen Länder sind selbst auch verlogene Menschen und tragen aus politischem Kalkül diese US-Lügen mit, auch wenn sie selbst vielleicht nicht daran glauben. Sollte die Menschheit eines Tages einmal zur Vernunft kommen, dann wird vielleicht die Bezeichnung „(US-)Amerikaner“ ein Synonym für „Lügner“ geworden sein.

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  2. Die USA blähen sich auf, keiner glaubt ihnen mehr und das hier ist eine deutlche Ansage:

    Der C-Waffen-Einsatz in Syrien? „US-Belege“ haben Moskau nicht überzeugt

    http://marialourdesblog.com/c-waffen-einsatz-in-syrien-us-belege-haben-moskau-nicht-uberzeugt/

    Die USA können nicht mehr, wie sie wollen. Wenn sie DIESEN Krieg beginnen, sind sie im Krieg auch mit Russland, Iran, China und Indien.

    Ob sie DAS riskieren? Feiglinge überfallen und terrorisieren immer nur Schwächere!

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