Chaos und Eskalation

Das Chaos in Syrien scheint kein Ende zu finden. Während gerade erst vor Kurzem bewaffnete Assad-Gegner des Einsatzes von Giftgas beschuldigt wurden, wurden nun mehrere Dutzend Menschen in einer türkischen Grenzstadt durch Autobomben getötet. Die türkische Regierung will ein weiteres Mal das Assad-Regime als Sündenbock proklamieren. Dabei wird gut und gerne vergessen, dass während der letzten Vorfälle an der türkisch-syrischen Grenze NATO-Granaten im Spiel waren.

Homs, Syrien (Foto: Reuters)

Giftgasangriff

Seit Monaten wird schon versucht, der Regierung von Baschar al-Assad einen Giftgaseinsatz ans Bein zu hängen. Dies liegt vor allem in Interesse jener Kriegstreiber, die derartige Spielchen schon aus Zeiten des Irak-Kriegs gewohnt sind. Jegliche Versuche scheiterten bis jetzt. Tatsächlich ist eher das Gegenteil geschehen. Vor einiger Zeit sollen die vom Westen unterstützen Rebellen-Gruppierungen das Nervengas Sarin gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt haben. Dies ging aus Aussagen von Zeugen, Ärzten und Mitarbeitern des Krankenhauses vor Ort hervor.

Wie üblich schieben sich Regime und Rebellen die Tat gegenseitig in die Schuhe. Allerdings wird oftmals außer Acht gelassen, dass die Assad-Regierung internationale Beobachter dazu aufgerufen hat, nach Syrien zu kommen und die Umstände zu überprüfen. Laut US-Präsident Obama wäre die „rote Linie“ überschritten, sobald in Syrien chemische Waffen zum Einsatz kommen. Die Frage ist jedoch, ob diese rote Linie auch für die bewaffneten Freischärler aus aller Welt gilt.

Strategisch gesehen würde sich der Einsatz derartiger Waffen für das syrische Regime negativ auswirken. Es ist nur allzu offensichtlich, dass gewisse Kriegsparteien auf einen solchen Einsatz warten, um möglichst schnell intervenieren zu können und die eigenen Interessen weiterhin durchzusetzen. Von einem Giftgasangriff würden auch die Rebellen profitieren, denn dann würde es endlich einen Grund geben, um weitere Waffen von den Helfern aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei zu erhalten.

Autobombenanschläge

Fast parallel dazu fand ein weiteres prägendes Ereignis statt. In der türkischen Kleinstadt Reyhanli nahe der syrischen Grenze starben durch mehrere Autobombenanschläge Berichten zufolge über 40 Menschen. Hunderte wurden verletzt. Die Regierung in Ankara macht die Assad-Regierung für dieses Massaker verantwortlich. Allerdings wird auch in diesem Fall außer Acht gelassen, wer die Nutznießer der Anschläge sind. In Syrien tobt ein blutiger Krieg. Dieser hält die innerstaatlichen, militärischen Kräfte auf Trab. Warum diese nun plötzlich in einer türkischen Kleinstadt Autobomben gezündet haben sollen, ist mehr als fragwürdig. Ein Krieg mit der Türkei, dessen Militär um einiges stärker ist als das syrische, liegt sicherlich nicht im Interesse von Damaskus.

Abgesehen davon assoziiert man mit den jüngsten Anschlägen jenen Vorfall, der sich im Oktober des vergangenen Jahres abgespielt hat. Damals wurde ein türkisches Dorf nahe der syrischen Grenze mit Artilleriegranaten beschossen. Fünf Zivilisten wurden dabei getötet. Erdogan machte die Assad-Regierung für den Anschlag verantwortlich. Kurz darauf wurden Ziele in Syrien seitens der Türkei bombardiert.

Die Zeitschrift Der Soldat, welche vom österreichischen Bundeswehr herausgegeben wird, stellte im Januar fest, dass die genannten Granaten eindeutig aus NATO-Beständen stammten. Diese Tatsache wurden seitens Medien und Politik nahezu vollständig verdrängt.

Einseitige Medien und Provokationen

Auf Frieden wird jedoch in Syrien nicht gesetzt. Dies hat vor Kurzem wieder einmal Israel bewiesen, als es jegliche Kriegs- und Völkerrechte brach und syrische Ziele bombardierte. Als Vorwand dienten hierfür angebliche Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah-Miliz. Der Angriff, welchen man eigentlich als ernsten Verstoß gegen die Souveränität eines Staates betrachten sollte, wurde seitens der USA toleriert. Getroffen wurde nicht nur jene militärische Forschungsanlage, die schon Ende Januar von den Israelis angegriffen wurde, sondern auch Wohnhäuser. Damit wurde ein weiteres Mal deutlich, dass Israels Narrenfreiheit kein Stück abgenommen hat. Man stelle sich vor was los gewesen wäre, wenn Syrien plötzlich bei Nacht und Nebel israelische Stützpunkte bombardiert hätte.

All diese Geschehnisse werden von einer einseitigen Berichterstattung begleitet. Vor allem die Schlagzeilen von Spiegel Online und anderen Medien tragen maßgeblich dazu bei, dass im Falle des Syrien-Kriegs eine „schwarz-weiße Meinung“ der Leser gefördert wird. So schrieb zum Beispiel der Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary jüngstens von „alawitischen Säuberungsaktionen“ und unterstützte damit die Behauptung, dass sich in Syrien ein Glaubenskrieg abspiele.

Zeuge von Propaganda kann man auch beim Durchstöbern von arabischen Medien werden. Al Jazeera ist nur die Krönung des Ganzen. Journalisten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und anderswo nehmen sich die Freiheit über ihren Twitter-Accounts permanent das Regime zu verteufeln, während man die Gräueltaten der Rebellen oftmals völlig außer Acht lässt. Diese benutzen mittlerweile schon Kinder, wie der britische Telegraph vor Kurzem ausführlich berichtete. Kinder mit US-amerikanischen Waffen.

6 Gedanken zu „Chaos und Eskalation

  1. Pingback: Syrien: Chaos und Eskalation | Schnanky

  2. Lieber Emran, vielen Dank, dass du meiner in Paralyse erstarrten Sprachlosigkeit ob der unsäglichen Propagandaschlacht um Syrien deine Stimme leihst! Dieser sich nun zum x-ten Male wiederholende Prä-Kriegs-Propagandazirkus macht mich regelrecht krank.
    Liebe Leute, verinnerlicht euch Emrans Artikel, spritzt ihn euch meinetwegen auch intravenös! Damit der Kopf und die Sinne immer schön klar bleiben, wenn denn – wohl bald – die USA und andere NATO-Staaten in Syrien einmarschieren! Und schreibt euch all diesen Irrsinn auf den Zettel, den sich dieser Staat Israel mit seiner faschistoiden Regierung unter dem Schutz der USA erlauben darf, abseits jeglichen Rechts und Konsequenzen!

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    • Reyes Carillo
      ich teile Deine Meinung zu 100%. Natürlich hatten die westlichen Geheimdienste bei den letzten Bomben Anschlägen in dem türkischen Grenzort Reyhandi,
      ihre schmutzigen Hände mit im Spiel. Besonders das Militärregime u. Erfüllungsgehilfe der USA, Israel, hat besonderes Interesse,, Syrien und dessen Partner Iran zu provozieren, um endlich den lang ersehnten Wunsch, über Syrien, den Erzfeind Iran, an zu greifen. Aber solange Syrien u. der Iran sich von dem Schurken Staat Israel nicht provozieren lassen,
      werden es noch einige Luftangriffe auf Syrien und Bombenanschläge an der türkisch/syrischen Grenzregion geben.
      In den letzten 200 Jahren hat der Iran noch nie, ein anderes Land an gegriffen,
      was man von Israel nun wirklich nicht behaupten kann!
      Aber wie lange noch, hält der Iran die Provokationen Israels aus?

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