Allianz gegen den Iran

Die Jerusalemer Rede Barack Obamas ist noch in aller Munde. Allerdings steckt geschicktes Kalkül dahinter. Langsam aber sicher wird ein Angriff auf den Iran vorbereitet. Vor allem die Versöhnung zwischen Erdogan und Netanjahu hat dies bewiesen.

Tehran (Quelle: Mohammad Khairkhah)

Als Barack Obama in Jerusalem vor zahlreichen Israelis über die Rechte der Palästinenser sprach, wurde manch einem Araber sicher warm ums Herz. Da stand er, der Präsident, der die Rechte der Unterdrückten forderte. So kannte die islamische Welt Obama seit seiner historischen Kairoer Rede.

Damit hat der eloquente US-Präsident ein weiteres Mal bewiesen, dass er ohne Zweifel zu den besten Rednern des 21. Jahrhunderts gehört. Der äußerliche Schein trügt allerdings. Der Friedensnobelpreisträger und „Drohnen-König“ hat schon längst seine Glaubwürdigkeit verspielt. Es ist eine Tatsache, dass hinter Obamas euphorischen Worten eiskaltes Kalkül steckt.

Obama hat mit seiner Rede vor allem eines erreichen wollen: Er will die Araber auf seine Seite bringen. Er weiß, wie wichtig die Palästina-Frage für die arabische Welt ist. Man kann im Nahen Osten gar keine Politik machen, bevor man diesen Umstand nicht auf irgendeine Art und Weise missbraucht. Genau das hat nun Obama gemacht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass vor allem den arabisch-absolutistischen Monarchien das schiitische Mullah-Regime im Iran ein Dorn im Auge ist. Diese Kräfte unterstützen den Westen schon im gegenwärtigen Syrien-Konflikt. Deshalb wird es im Falle eines Iran-Kriegs nicht anders sein.

Aufgrund eines wichtigen Ereignisses liegt es nahe, dass diese Vermutungen stimmen könnten. Israels Benjamin Netanjahu hat sich wegen des Einsatzes gegen die türkische Gaza-Flottille, der im Jahr 2010 stattfand und das Leben von neun türkischen Aktivisten kostete, bei seinem Amtskollegen Tayyip Erdogan entschuldigt. Diese Tatsache muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Der israelische Ministerpräsident hat sich bei jenem Mann entschuldigt, der in der Vergangenheit gerne über Israels Politik schimpfte und den Zionismus als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnete.

Es ist kein Zufall, dass dies während Obamas Nahost-Reise geschehen ist. Seit sich die Türkei im Syrien-Krieg auf die Seite des Westens und somit auch auf die Seite Israels stellte, war es offensichtlich, dass Erdogans Israelkritik nur einen wahlkampftaktischen Hintergrund hatte. Nun wurde die ganze Sache offiziell bereinigt. Obama hat kurz vor seiner Abreise sogar höchstpersönlich dafür gesorgt, dass das versöhnliche Telefongespräch arrangiert wird.

Demnach hat sich der US-Präsident nicht nur die arabische Unterstützung in einem Krieg gegen den Iran versichert, sondern auch die türkische. Der Grund hierfür ist klar: So wie die geografische Lage der Türkei im Syrien-Konflikt eine wichtige, wenn nicht sogar essenzielle Rolle spielt, so tut sie es auch im Falle des Irans.

Vor den Kameras setzt Barack Obama weiterhin auf Diplomatie. Das letzte „Angebot“ auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat jedoch bewiesen, dass derartig einseitige Bekundungen nicht ernst zunehmen sind. Die USA haben sich schon seit geraumer Zeit auf ihr nächstes Ziel im Nahen Osten eingestellt. Jetzt geht es vor allem darum, Verbündete zu sammeln und den Krieg zu legitimieren. Genau aus diesem Grund hat Obama auch vorgegeben, den Israelis in Bezug auf den Iran die Verantwortung zu überlassen. Obama weiß, dass sich Netanjahus Kriegskabinett ohne die Unterstützung der USA nicht rühren kann. Israel wird sich genau dann in Bewegung setzen, wenn es im Interesse des Weißen Hauses liegt. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Der Friedensnobelpreisträger bereitet schon den nächsten Krieg vor und ein weiteres Mal wird die Weltöffentlichkeit nur ohnmächtig dabei zusehen können.

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5 Gedanken zu „Allianz gegen den Iran

  1. Ja, Emran, genau so sehe ich das auch. Alles andere wäre undenkbar. Es ist verdammt wichtig, das zu wissen, um jeden weiteren Schritt in Richtung dieser Katastrophe richtig bewerten zu können.
    Vielen Dank für diesen zum gegenwärtigen Zeitpunkt besonders wichtigen Artikel!

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  2. Ich wiederhole. Die Türkei verfolgt eine eigene Politik. Diese Politik bedeutet, sich nicht zum Spielball machen zu lassen, respektive dies möglichst auszuschließen und aber nicht die eigene außenpolitische Ausrichtung zu vernachlässigen. Die türkische Regierung ist nicht auf Eskalation aus, aber biedert sich ebensowenig an.

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    • Das darf man aber getrost ganz, ganz anders sehen! Emran hat völlig Recht, denn seine Analyse ist konsequent logisch und fügt sich wie ein Mosaik zusammen.

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  3. Pingback: Franziskus und Obama | MondoPrinte

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