Islamkritik – getarnter Fremdenhass, Doppelmoral und Pauschalisierungen

Die sogenannte Islam-Debatte scheint eine unendliche Geschichte zu sein. Nachdem vergangene Woche wieder Razzien gegen „Salafisten“ stattgefunden haben und mehrere Personen verhaftet wurden, haben die deutschen Medien ein weiteres Mal ihr Fressen gefunden. Von objektiven und seriösen Diskussionen kann keine Rede sein. Zeuge eines neuen Tiefpunkts konnte man unter anderem bei Günther Jauch werden.

„Islamkritik“ ist ein merkwürdiges Wort. Der Begriff „Christentumskritik“ existiert gar nicht. Etwas derartiges in Bezug auf das Judentum würde man wohl zu Recht als Antisemitismus bezeichnen. Beim Islam ist das anders, es ist alles erlaubt. In Deutschland gehen selbst die krudesten Hasstiraden, wie man sie in zahlreichen fremdenfeindlichen und anti-islamischen Blogs lesen kann, als „Islamkritik“ durch. Auf die Betreiber solcher Seiten konzentrieren sich politische Organe wie der Verfassungsschutz oder das Innenministerium so gut wie gar nicht. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall: Die Betreiber der islamfeindlichen Webseite PI-News bezeichnen sich sogar als „verlängerter Arm des Verfassungsschutzes“, da sie vor einer „realen Bedrohung“ warnen.

Ein Handeln seitens der Politik gegen derartige Blogs und Webseiten gab es bis jetzt nicht. Die Bundesregierung meinte nach einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke im Jahr 2011, dass PI, eigentlich „Politically Incorrect“, nicht rechtsextremistisch sei, sondern lediglich „islamkritisch“. Des Weiteren war man der Meinung, dass ausschließlich im Kommentar-Bereich des Internetportals hetzerische und fremdenfeindliche Passagen zu finden seien. Ein Blick in PI-News beweist jedoch das Gegenteil. Auf der Seite wird nicht der Islam kritisiert, sondern ausschließlich Hass geschürt. Die dortigen Autoren werfen nur mit Pauschalisierungen und Ressentiments gegen „das Fremde“ und gegen Muslime um sich.

Man stelle sich vor, PI-News würde vorgeben sich mit dem Judentum zu beschäftigen, anstatt mit dem Islam. Man würde nicht mehr über fanatische Mullahs und Ehrenmorde berichten, sondern über homophobe Rabbis und den Burka-Frauen von Jerusalem. Der Aufschrei wäre wahrhaftig groß. Die Bundesregierung würde nicht kleinlich nach „Salafisten“ suchen, sondern PI den Garaus machen. Stattdessen wird gegenwärtig nicht gehandelt. PI-News hat in diesem Fall eine Ausrede, die leider von der breiten Masse akzeptiert wird. „Wir haben nichts gegen die Muslime in unserem Land, sondern sind ausschließlich gegen den Islam, den wir als totalitäre und faschistische Ideologie betrachten.“ Es ist schwer vorstellbar, dass diese Aussage akzeptabel wäre, wenn es sich um Juden oder eine andere Religionsgemeinschaft handeln würde.

Islamfeindliche Blogs haben auch ihre „Helden“, die sie immer wieder hochleben. Unter ihnen sind Henryk M. Broder, auf den sich sogar der Terrorist Anders B. Breivik bezog, aber auch Personen wie Necla Kelek oder Güner Balci. Auch über sogenannte „Islamaussteiger“ wie Barino Barsoum oder Sabatina James wird gerne berichtet. Barsoum und Balci waren auch bei Günther Jauch* eingeladen. Während Barsoum unter anderem von geköpften Küken sprach, zog es Balci vor, permanent zu pauschalisieren und griff den anwesenden Imam, der im Laufe der Sendung zum Sündenbock wurde, immer wieder verbal an.

Ein weiterer Gast, der ebenfalls von der genannten Szene gefeiert wird, ist der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Dieser beschwert sich immer wieder über die Situation von Christen in Saudi-Arabien. Zum gleichen Zeitpunkt verliert er kein Wort über die Panzerlieferungen seiner Regierung dorthin. Selbiges kann man übrigens auch in Bezug auf den Syrien-Konflikt beobachten. Die „syrische Opposition“, in der man zahlreiche Fanatiker und Radikale findet, wird unter anderem auch von Deutschland unterstützt. Zum gleichen Zeitpunkt beschwert man sich hierzulande über die „Salafisten“. Diese sind – einfach ausgedrückt – in Syrien hui und in Deutschland pfui.

Tatsächlich ist der Ablauf in allen Talkshows, bei denen es um den Islam geht, gleich. Es sind immer wieder dieselben Gäste, sei es nun bei Maischberger oder Jauch, die eine objektive Diskussion vermeiden, indem sie die anderen Anwesenden permanent unterbrechen und diffamieren. Die Moderatoren verlieren meistens nicht nur die Kontrolle, sondern zeigen sich ebenfalls uninformiert und pauschalisierend. Dies war auch bei Jauch der Fall, als er unter anderem feststellte, dass Barsoum nun „für Muslime todeswürdig sei“.

Derartige Sendungen leisten absolut keinen produktiven Beitrag. Obwohl immer wieder einige Personen wie Yassin Musharbash und andere Kenner des Nahen Ostens versuchen, die Debatte zu ihrem ursprünglichen Thema zu führen, gewinnen die „Islam-Basher“ meistens die Überhand. Dies führt nur dazu, dass sich die zahlreichen integrierten Muslime entfremden, denn sie werden mit einer radikalen Minderheit, mit der sie nichts zu tun haben möchten, in einem Topf geworfen.

Die Profiteure sind hauptsächlich jene „Islamkritiker“, die ihren Fremdenhass als seriöse Religionswissenschaft tarnen. Andere wie Kelek und Balci wollen damit ihre eigene Person ins Rampenlicht rücken und so auf sich aufmerksam machen. Das Ganze ist jedoch von einer objektiven Kritik an einer Weltreligion weit entfernt.

*Vollständige Sendung hier

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46 Gedanken zu „Islamkritik – getarnter Fremdenhass, Doppelmoral und Pauschalisierungen

  1. Danke für den Artikel, Emran!

    Ich hab‘ diese Bashing-Show leider auch gesehen. Aber wie so oft, wenn man geradezu Widerwärtiges sieht, ist man manchmal wie vor der Schlange gebannt und wie paralysiert – und muss einfach hinsehen. Das war ganz armseliges Theater nach immer demselben Strickmuster, wie du ja feststellst. Um eine Mehrung von Wissen, um eine Ausgewogenheit zwischen den Diskutanten geht es freilich bei keiner einzigen dieser Fernseh-Palaver. Das hat zum einen natürlich dramaturgische Gründe, Ausgewogenheit ist langweilig, und soll zum anderen selbstverständlich glasklare ideologische Interessen bedienen. Eine Chance hat der Islam in keiner dieser Diskussionen – und es ist immer wieder erstaunlich, dass sich trotzdem Gläubige, ob Funktionäre oder schlichte Bürger finden, die in diesen Circus Maximus treten, um sich vor aller Öffentlichkeit von geifernden Phobikern niederbashen lassen zu müssen. Respekt!
    Und richtig: Güner Balci ist wirklich eine besonders nervende Vertreterin der Gruppe von Migranten, die sich im tiefen Assimilationskotau vor der sog. deutschen Leitkultur – psychologisch nachvollziehbar – zur obsessiven Antagonistin ihrer eigenen Wurzeln transformiert hat. Dieses Phänomen findet man natürlich auch hier: Ehemalige Linke konvertieren zu Rechtsaußen (wird in der Fachliteratur auch „Broderlinesyndrom“ genannt), so wie ehemalige Raucher zu besonders radikalen Nikotin-Gegner werden. Allen „Aussteigern“ ist stets gemein, dass sie das Objekt ihres Ausstiegs nicht mehr auch nur ansatzweise objektiv beurteilen können noch wollen, sondern ihnen, der Logik folgend, zum Hass-Objekt wird. Schon aus diesem Grund folgt die Einladung von Aussteigern gleich welchen Hintergrunds natürlich immer dem kühlen Kalkül, dass es kaum jemand Besseren für den Job des hasserfüllten Scharfrichters gibt als den Aussteiger des Objekts selbst, das in der Quasselrunde hingerichtet werden soll. Funktioniert so gut wie immer. Ach ja, und Herr Bosbach… Dieser Mann ist schwer krank, da tue ich mich schwer mit Dresche. Er ist halt ein narzisstischer konservativer Dampfplauderer in allen Gassen.

    Und die PI? Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Nach zehn Minuten Lektüre musste ich plötzlich ganz schnell aufs Klo und meinen Kopf in die Schüssel stecken. Obschon: Eigentlich ist das ein Witz und man müsste nur noch lauthals lachen! Fantastisch, was sich da für Irre tummeln! Und das Beste: Diese – gefährlichen! – Dünnbrettbohrer halten die deutsche Medienlandschaft für – jetzt kommt’s: für „versifft LINKS“!!!! Hahaha! Der ist doch richtig gut, oder? Wunderbar, sowas kann man gar nicht erfinden! Man sieht also, des Menschen – pathologische – Wahrnehmungsentgleisungen sind unendlich.

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  2. Die Islam Kritik soll von den NSU Morden ablenken um das Versagen der Behörden weiterhin zu vertuschen. Es wurde Beweis Material vernichtet um eine Verwicklung mit den
    deutschen Sicherheits Behörden aus zu schließen.
    Was den Hass Blogs im Internet an geht, möchte ich besonders „Tapfer im Nirgendwo“ mit dem Betreiber Gerd Buurmann hervor heben.
    Er hetzt regelmäßig zur Gewalt gegen die Kölner Klagemauer für den Frieden auf.
    Er schüchtert Gewalttäter, die schwere Körperverletzung an den Betreiber der Kölner Klagemauer und Aachener Friedenspreis Träger Walter Herrmann begangen haben,vor Gericht zu einer Falschaussage aus zu sagen, wie erst vor kurzem geschehen.
    ( ich bin seit seit über acht Jahren aktiver Mitstreiter der KölnerKlagemauer.)
    Er beschimpft all die jenigen als Antisemiten und Nazis die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen.Jeder der gegen Israels Politik ist, ist ein Antisemit.
    Er macht dabei nicht einmal halt vor seinen jüdischen Mitbürgern.
    Er zensiert kritische Meinungen und stellt sie in seinen Komentaren falsch dar.
    Besonders sein Freund Robert Cohn alias“ Aristobulus“ tut sich hier besonders mit seinen
    Hass Komentaren gegen den Islam hervor!
    in Ihren Foren dürfen sich die wahren Brandstifter, gegen den Islam austoben.
    Buurmann & Co. sind nicht´s weiteres als gefährliche Rechts-Radikale Meinungs Macher.
    Sie scheuen nicht davor zurück, meinen Vater der ein Holocaust Überlebender war,
    als “ KZ Aufseher zu beschimpfen!
    „Das tut sehr weh!“
    Darum bin ich froh hier in diesem Blog, Annerkennung und Gehöhr gefunden zu haben!

    DANKE ! ! ! Emran Feroz

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  3. Ich finde diesen Barino fast noch am schlimmsten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er das alles aus Unbedarftheit macht, dass er sich wirklich so einseitig informieren konnte und keinerlei realitätsgemäße, in Jahrhunderten praktizierte islamische Lebenswelt -und Weltsicht in Erfahrung brachte. Ich finde es überdies ausnehmend komisch, dass sein Vater gern gesehener Gast bei Pro-NRW-Versammlungen war. Ich habe da sogar mal ein Video bei YT gesehen. Auch seine ganze Hin -und Abwendung zum/vom „Islam“, die von einem Fernsehteam begleitet wurde, ist mir äußerst suspekt.

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  4. Diese Talkshow war wirklich die reinste Katastrophe. Ich wusste gar nicht ob ich weg schalten sollte, oder das Elend bist zum Ende angucken sollte – habe es dann aber doch getan. Am meisten hat mich der Bosbach aufgeregt – der als überzeugter Katholik oftmals mit seinen Überzeugungen gar nicht so weit weg ist von „Scharia-Gesetzen“ wie er scheinbar denkt. Homophobie und Muslimen bedeutet, sie können sich nicht in die hiesige Gesellschaft integrieren – Homophobie unter Katholiken – ganz normal. Anstatt sich mich den innermuslimischen Problemen zu beschäftigen, sollte er erstmal bei den Problemen seinen Glaubensgemeinschaft anfangen.
    Zumal finde ich es schrecklich bedenklich, das – wie oben schon angeschnitten – die NSU Morde bei weitem nicht so eine Beachtung finden wie die Salafisten, die, eine deutlich(!) geringere Anzahl ausmachen als gewaltbereite Rechtsradikale (zumal ja auch erst kürzlich festgestellt wurde, dass radikale Salafisten doppelt für die Statistiken gezählt wurden).
    Und zu den Halunken von PI: die hetzten wirklich gegen alles und jeden. Das ist schon weit mehr als die Verhetzung eines Volkes oder einer Religion. Ich wurde einmal von Spiegel Online mit drei anderen Studenten wegen unserem Studienfach Islamwissenschaft interviewt. Durch Zufall bin ich dann auf nunmehr drei Blog gestoßen, deren Autoren alle auch auf PI bloggen, die uns Studenten diffamierten aufgrund unserer Studienwahl. Ich weiß gar nicht ob es überhaupt möglich ist, rechtlich gegen diese Blogs was zu tun, denn scheinbar haben die alle absichtlich ihre Server im Ausland (einer den ich anschrieb, um mein Foto von seinem Blog zu nehmen, weiß mich darauf hin, dass ich – vermutllich – rechtlich eigentlich keine Chance hätte, er es aber aus persönlichem Wohlwollen von der Seite nimmt.

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    • Wer bitte traut denn noch dem Verfassungsschutz?
      Die NSU – Affäre hat die Stellung des Verfassungsschutzes in Bezug auf die Rechte der Minderheiten in Deutschland doch klar gezeigt.

      So wie ich das sehe möchte der Verfassungsschutz, dass die Türken in Sachen Drogenkriminalität und Co weiter an der Spitze bleiben. Wer ehrenvoll ist wir mit dem Leichensack in die Türkei gebracht. Wer es nicht ist, kommt höchstens mal paar Jahre in den Knast, wenn er keine Beziehungen in die oberen Etagen der Verfassungsschutzes hat.

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  5. Wer das System nicht ausnutzt ist selber schuld!

    Ich z.B. arbeite an einem Buch, welches durchgehend den Islam kritisiert und z.T. auch beleidigt, natürlich so formuliert, dass man es als Meinungsfreiheit verkaufen kann. Das was die Deutschen über die „Musselmänner“ hören und lesen wollen, dass z.B. die Moslems einen Hang für Sodomie und Pädophilie haben sollen, usw. werde ich in dem Buch thematisieren und versuchen mit Erkenntnissen der Rassenideologie der Nazis zu belegen.

    Radikaler als Sarrazin und authentischer als alles Andere, da ich selber ein relativ gläubiger Moslem bin.

    Natürlich unter einem falschen deutschen Namen, sodass die doofe Masse den Trick nicht versteht. Ich werde nie in der Öffentlichkeit zu sehen sein und erst in meinem zweiten Buch zeigen, dass ich alle nur verarscht habe. Die Medien werden natürlich das Buch pushen, da die allgemeine Haltung derzeit so ist und die nächste Zeit auch bleiben wird.

    Am Ende lache ich mir in die Fäuste und verrichte mit dem Haufen Geld auch Gemeinnützige Hilfe innerhalb meiner Wohnregion, da mir der Islam verbietet satt ins Bett zu gehen, während mein Nachbar hunger hat!

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  6. @ Gaga-Artikel und auch Gaga-Kommentare.
    Wo Schreiben Sie Herr Feroz, irgednwo in ihrem Artikel was über die jauchsche Talkshow?
    Christentumkritik gibt es übrigens in Europa seit dem 17. Jahrhudnert in allen Variationen.
    Wieso soll es dann keine Islamkritik geben?
    Und wieso soll es keine Razzien gegen Salafisten geben?

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  7. Es ist eigentlich sehr schade, das bei einem solch ernstem Thema gegenseizige Beschimpfungen statt finden.
    Leute besinnt euch wieder auf das Wesentliche.
    Laßt euch von den Hassbloggern nicht vom Thema ablenken und aufs´s Glatteis führen!
    Das gute Nivou dieses Blos´s darf daudrch nicht verloren gehen!

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    • Ein guter Schuss Polemik hat noch nichts mit einer Senkung des Niveaus zu tun – und vor allem: Störer gibt’s immer, und es wäre sogar seltsam, wenn Emrans Blog davon ausgenommen wäre. Ich denke, „wir“ können sehr gelassen bleiben.

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  8. Ich bin als deutscher Staatsbürger mit deutschen Eltern deutscher Herkunft geboren, in der BRD aufgewachsen und vor 40 Jahren zum Islam konvertiert. Die derzeitige Entwicklung empfinde ich jedoch als schockierend und die Politik des heutigen Gebildes BRD als eine Verhöhnung fast aller Werte, zu denen sich die „Väter des Grundgesetzes“ damals vor über 60 Jahren bekannt hatten. Martin Luther King hatte gesagt: „Ich habe einen Traum …“, und ich sage: „Ich hatte einen Traum, … aber der ist wie eine Seifenblase zerplatzt“, nämlich den Traum, daß ich als „deutscher“ Muslim mit einer zur Tätigkeit als Imam (Vorbeter und Prediger) qualifizierenden Ausbildung ebenso geachtet in der deutschen Mehrheitsgesellschaft leben kann, wie nichtmuslimische christliche oder jüdische Staatsbürger mit einer entsprechenden Ausbildung oder Tätigkeit. Aber nun muß ich mein Heimatland leider als „sehr islamfeindlich“ einstufen und ertappe mich bisweilen bei der Frage, ob die Deutschen allgemein bösartiger sind als andere Völker. In der Debatte werden nicht mehr qualifizierte gemäßigte Islamwissenschaftler herangezogen oder zitiert – wie dies früher einmal der Fall war –, sondern Islamhasser, wie Tilman Nagel, oder als „Islamexperten“ Leute, die nur dem Namen nach Muslime sind und ihre Wissen über diese Religion aus den hetzerischen Massenmedien und dem Fehlverhalten von Muslimen beziehen. Frau Balci sagt, in der BRD dürfe man auch über den Islam reden, wenn man nicht den Islam studiert hat. Das mag sein, was aber dabei herauskommt, ist die Zementierung von Vorurteilen und unqualifizierten Äußerungen, die sich in den Köpfen der Zuhörer festsetzen.
    Heute hilft auch Auswandern in ein islamisch geprägtes Land nicht mehr, da einem dank Globalisierung solche Bashing-Shows per Internet dorthin nachgetragen werden. Herr Heider hat in dieser aggressiven Runde viel zu freundlich und leise gewirkt. Erschreckend, welchen Unsinn Herr Bosbach von sich gibt: auch das Haschemitische Königreich Jordanien hat den Islam offiziell als „Staatsreligion“, aber dort gibt es christliche Kirchen mit weithin sichtbaren Kreuzen, deren Glocken geläutet werden, ein Ministerposten ist stets einem Christen vorbehalten, es gibt christliche Buchhandlungen, in denen Bibeln verteilt werden usw. Warum ist er so einfältig, den Islam und die Muslime weltweit nur an Saudi Arabien zu messen? Und wie einfältig und ignorant müssen diejenigen bundesdeutschen Staatsbürger sein, die ihm als Wähler ihre Stimme geben, nur weil er auf sie sympathisch wirkt? Die Zeiten, in denen die Deutschen einmal „das Volk der Dichter und Denker“ waren, sind längst vorbei. Nicht weniger unsinnig ist Frau Balcis Auffassung, Geschlechtermischung mit Demokratie gleichzusetzen. Eigentlich möchte ich mich nicht dazu hinreißen lassen, die Deutschen zu „dämonisieren“, aber diese Bashing-Show hat bei mir den Eindruck erweckt, als wäre auf den armen Ferid Heider plötzlich eine Schar von Dämonen – mit Ausnahme von Herrn Musharbash – losgelassen worden, um ihn fertig zu machen. Was das „Dämonische“ an der ganzen Show noch verstärkt, ist der laute Beifall, der den islamfeindlichen – nicht „islamkritischen“ – Äußerungen der Gesprächsteilnehmer vom Publikum zuteil geworden ist.
    Wie soll ich mich als „praktizierender“ Muslim in einem Land wohl und sicher fühlen, von dem ich weiß, daß seine Bürger wegen meiner Religion mehrheitlich gegen mich sind? Laut Umfrage ist eine Mehrheit für ein Beschneidungsverbot von minderjährigen Jungen und für die weitere Einschränkung der ohnehin eingeschränkten Religionsfreiheit für Muslime.

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    • Ich bin zwar Ausländerin, schäme mich aber trotzdem für das Land, in dem ich lebe. Sie haben in allem, was Sie schreiben, vollkommen Recht! Stellte ich mir vor, Ihrer Religion anzugehören, so würde ich in diesem Land schier verzweifeln!

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  9. Eine Bemerkung zur Beschuldigung des Gesprächsteilnehmers Barsin Barsoum des Propheten des Islams – Friede sei auf ihm – als „Meuchelmörder“, auf die in der Diskussion nicht eingangen wurde:
    Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie Halbwahrheiten zur Verbreitung eines hetzerischen Zerrbildes eingesetzt werden. Der Prophet Muhammad ließ durch seine Gefährten einige wenige Personen auf eine Weise töten, bei der keine Unbeteiligten zu Schaden kamen. Auch wenn er dies in einem Fall mit den Worten begründete: „Ka´b ibn al-Aschraf hat Allah und Seinen Gesandten beleidigt“, so hatte dieser Ka´b ibn al-Aschraf, der Sohn eines arabischen Polytheisten und einer Jüdin, sich mit den anderen feindlichen Polytheisten gegen die Muslime verschworen und damit Hochverrat begangen und den ersten islamischen Staat und das Leben seiner Bürger gefährdet. Ähnlich verhielt es sich mit dem Juden Abū Rāfi´ in Khaibar. Was Herr Barsoum hier als „Meuchelmord“ bezeichnet, waren präventive Tötungen, um den Tod und den Schaden von zahlreichen Unschuldigen abzuwenden, ohne Gerichtsverhandlung deshalb, weil dem Propheten die Schuld der betreffenden Personen offensichtlich war.
    Vielleicht sollte man Leute wie Herrn Barsoum einmal fragen, was sie von dem Meuchelmörder Barak Obama halten, der ohne Gerichtsverhandlungen und ohne jegliche Rücksicht auf Unbeteiligte vermutliche „Terroristen“ von US-Drohnen abschießen läßt, ganz zu schweigen davon, daß Osama bin Laden – sofern er überhaupt die im pakistanischen Abbottabad getötete Person war – auch lebend hätte gefangen genommen und vor Gericht gestellt werden können.

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    • Diesen Kommentar habe ich mit einigem Befremden zur Kenntnis genommen. Was soll dieses Geschwurbel? Mord ist niemals zu rechtfertigen! Egal aus welchen Gründen. Blöderweise auch zur Verhinderung von (angeblich) noch wesentlich Schlimmeren. Mit dieser – natürlich verlogenen – Begründung geht jeder Krieg durch.
      Allerdings ist bzw. sollte dieser Pazifismus ein Ergebnis der Aufklärung sein und ist selbstverständlich nicht in jene Zeiten transportierbar, in denen das passierte, was du verteidigst. Hättest du in der Art „Andere Zeiten, andere Sitten“ geschrieben – dann wäre das völlig klar. Aber deine Rechtfertigungslinie hat mich befremdet.

      Bei Obama und seinem Drohnenkrieg sind wir uns wieder einig: In keinster Weise hinzunehmen! Obama ist ein Serienkiller. Punkt. Auch bei Bin Laden gehe ich mit Ihnen konform. Ohne Gerichtsverhandlung = Mord. Basta.

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  10. Dieser Blogeintrag ist an Heuchelei nicht zu überbieten. Ich wette auf diesem Blog gibt es nicht einen einzigen kritischen Blogeintrag der sich mit radikalen Moslems, Islamisten, Islamfaschisten etc. beschäftigt. Und auch dieser Blogeintrag tut das nicht. Jauchs Sendung wird lediglich missbraucht um mal wieder von einem großen gesellschaftlichen Problem, nämlich radikale Moslems, abzulenken und im Gegenzug gegen Islamkritiker zu Felde zu ziehen.
    Was würdet ihr eigentlich über einen Deutschen schreiben, der eine Jauch Sendung zum Thema Rechtsextremismus und NSU-Morde lediglich dazu nutzt um in Anschluss an die Sendung in seinem Blog Hetze gegen Deutsche, Aufbauschen des Naziproblems, deutschenfeindliche Gäste etc zu beklagen?
    Solche Leute wären für euch vermutlich Verharmloser und selbst potentielle Nazis. Vermutlich wäre dieses Urteil sogar zutreffend, aber ihr, vorellm der Autor dieses Blogs, sollte begreifen dass er umgekehrt genau das gleiche tut. Er verharmlost ein Problem und beklagt lediglich das es Kritik am Islam und radikalen Moslems gibt. Sehr bedenklich ist das.

    Auch die hier freigeschalteten Kommentare sind so weit weg von einer objektiven Betrachtung, teilweise sind sie sogar Gewalt und Mord legitimierend wie der Kommentar von Lynx, es ist erschreckend. Und ihr wundert euch das Moslems und der Islam ein schlechtes Bild in der Gesellschaft haben? Blogs wie dieser tragen dazu bei!

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    • Ben,
      Du trägst mit Deiner einseitigen Meinung dazu bei, das gegen dem Islam eine schlechte Meinung entsteht!
      Aus Deinen Worten entnehme ich eine gewisse Abneigung gegeüber dem Islam.
      Es ist einfach Unwissenheit Deiner Seits!

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    • Hi Ben,
      kannst du mal erklären, warum ausgerechnet Emran Feroz die Rolle derer einnehmen sollte, deren einseitige Meinung in diesem Land eh schon aus allen Kanälen tönt? Feroz kümmert sich halt um die andere Seite der Medaille und versucht, der selbstverständlich existierenden Islamophobie in Deutschland den Spiegel vorzuhalten. Das ist sein gutes Recht. Diese Position zu vertreten heißt doch noch lange nicht, die Fakten islamistischer Gewalt zu ignorieren. Wie kommst du darauf? Belege bitte!
      Außerdem: Die Stelle im Gesamtwerk dieses Bloggers musst du mir schon mal zeigen, wo Feroz auch nur ansatzweise islamistischen Terror nicht scharf verurteilt hätte! Also bitte, zitiere mal so eine Stelle!
      Ich fühle mich von Feroz stets bestens informiert über das Wesentliche, was zu seinem Themenkreis gehörend eben NICHT im Medien-Mainstream zu lesen, zu sehen und zu hören ist.
      Nochmals: Wieso sollte er die Seite derer bedienen, die sich eh von früh bis abends den Untaten islamistischer Terroristen widmen? In diesem Land herrscht wohl garantiert kein Informationsdefizit darüber, was dieses Thema betrifft. Ein gewaltiges Informationsdefizit dagegen herrscht genau darüber, über das Feroz schreibt. So einfach ist das.
      Falls du dir wirklich schon fast pathologische Einseitigkeiten reinziehen willst, sei dir Ken Jebsen wärmstens empfohlen. Dieses Blog jedenfalls kannst du mit deiner Kritik nicht meinen.
      Und last not least wäre mir ganz neu, dass die Aufgabe von politischen Blogs darin bestünde, „neutrale, objektive“ Positionen einzunehmen.

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  11. Pingback: Literaturliste Islamophobie/Islamfeindlichkeit/Islamkritik | Serdargunes' Blog

  12. Es wäre wohl besser gewesen, dieses Thema nicht anzusprechen, aber Leute wie dieser Barsoum tun es bewußt, und diese Geschehnisse werden in von den islamischen Gelehrten als authentisch eingestuften Überlieferungen berichtet, weswegen sie nicht einfach abgestritten werden können.
    Wir müssen uns die damaligen Verhältnisse vor Augen halten, nämlich, daß die Muslime keinen Staat mit Polizei, Spezialkräften, Gefängnis u. dergl. hatten. Ka´b ibn al-Aschraf hätte sich nicht einfach so vor Gericht stellen lassen, sondern die Krieger seines Familienverbandes mobilisiert, die ihn verteidigt hätten, womit seine Verhaftung für die Muslime unmöglich oder nur unter großem Blutvergießen durchführbar geworden wäre. Das gilt es zu bedenken.
    Weiterhin war der Prophet des Islams nicht so dumm wie die Muslime von heute, zu warten, bis ihre Feinde sich gesammelt, einen Angriffsplan ausgearbeitet und schließlich durchgeführt hatten, sondern suchte ihnen dabei zuvor zu kommen, bevor sie gegen die Muslime zuschlagen konnten, wie bspw. bei der Eroberung Mekkas. Andernfalls hätten die Gemeinschaft und der Staat der Muslime die ersten Jahre nicht überlebt.
    Außerdem gilt im Islam der Grundsatz: Fitna (Aufruhr, Zwietracht, Bürgerkrieg) ist schwerwiegender – oder: härter, drückender – als Töten – oder getötet werden –, was bedeutet, daß es besser ist, eine einzige, den Frieden gefährdende Person rechtzeitig zu töten, bevor um ihretwillen viele Menschen in den folgenden gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet werden.
    Hatten wir gehofft, die Menschen würden vernünftiger und die Welt friedlicher werden, so sind wir insbesondere von den USA bitter enttäuscht worden, die mit ihrer Kriegslüsternheit und brutalen Kriegsführung bewiesen haben, daß heutige angeblich zivilisierte Nationen nicht besser sind als die Völker vor Tausenden und Hunderten von Jahren, die aus Gründen Krieg gegeneinander geführt haben, die für uns heute unverständlich sein mögen. Daher kann man den Muslimen keinen Vorwurf machen, daß sie sich mit militärischer Gewalt gegen militärische Gewalt zur Wehr gesetzt haben, um nicht ausgelöscht zu werden.

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    • Schade. Sie haben meine Kritik leider nicht einmal im Ansatz begriffen. Muss ich es nochmal wiederholen? Für mich gibt es keine Rechtfertigung für Gewalt und Tötung. Punkt. Da können Sie schreiben, was Sie wollen. Genauso wie Sie, versucht jeder Mensch, Staat, Macht, Religion, ihre Art der Gewalt zu rechtfertigen. Mich interessiert auch überhaupt nicht, wer der erste ist, der Gewalt ausübt und was verhindert werden soll, wenn getötet wird. Auf diese Weise wird es nie eine Welt ohne Krieg geben. Das mögen Sie naiv finden. Sehr gern.

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      • Tut mir leid, dann verstehen wir uns eben nicht, weil wir in verschiedenen Welten leben und in verschiedenen Kategorien denken. Ich halte diese Humanitätsduselei für unrealistisch, wie ich es mit der Erwähnung der US-Kriegspolitik und -Führung bereits anzudeuten versucht habe. Niemand von der Friedensbewegung hat die völkerrechtswidrigen Angriffskriege der USA und ihrer Verbündeten auf Afghanistan und den Irak verhindern können. Wer sich bei Gewaltanwendung nicht mit Gegengewalt zur Wehr setzt, wird ausgelöscht, wie die Albigenser im Mittelalter in Südfrankreich, gegen die die katholische Kirche einen Kreuzzug führte, und die Gewaltlosigkeit predigten und praktizierten, was ihnen letztlich zum Überleben jedoch überhaupt nichts nützte. Nur wer erfolgreich zurückschlägt, wenn er geschlagen wird, wird von den anderen geachtet und ernstgenommen.
        Ich glaube nicht, daß es eine Welt ohne Krieg geben wird; das wäre gegen die menschliche Natur, so schön und wünschenswert es auch wäre.

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      • „Humanitätsduselei“ – für dieses milde Belächeln des Pazifismus bedanke ich mich ausdrücklich! Üblicherweise sind „wir“ andere Diffamierungen gewohnt.
        Wissen Sie, wer der Letzte war, den ich in der Öffentlichkeit GENAU DASSELBE über die Natur der Gewalt im Menschen referieren hörte? Ich sag’s Ihnen: Das war ein „Django“, seines Zeichens der Pressesprecher der deutschen „Hells Angels“, als er in „Menschen bei Maischberger“ in ruhigen, gediegenen Worten über die gewalttätige Natur des Menschen philosophierte. Das könnte Ihnen zu denken geben, denn, wie ich sagte: JEDER, ob Hells Angel oder Moslem schwimmt mit seiner Gewaltakzeptanz im selben Teich. Und ich mache da nicht den geringsten Unterschied, ob das nun Sie oder Django rechtfertigt. Das hättet „ihr“ (diejenigen, die Gewalt akzeptieren) natürlich gerne, dass man zwischen „guter“ und „böser“ Gewalt unterscheiden würde. Kann ich verstehen. Doch leider, leider gibt es keinen Unterschied, gar keinen, außer in eurem jeweiligen Kopf unter der jeweiligen Ideologie.

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      • Wie Sie hier die „Philosophie“ eines Hells Angels, der sein Leben mit und durch Gewalt führt und dies als Legitim erachtet, und die islamische Ultimo Ratio gleichsetzen können, bleibt mir ein Rätsel. Ich erachte, wie Lynx, die Gewaltanwendung zur Verteidigung von Haus, Hof und Leben als probates Mittel, um sich seiner Haut effektiv – ohne als Aggressor aufzutreten – zu erwehren. Das von ihm genannte Beispiel aus der islamischen Frühgeschichte spielt sich im weitesten Sinne genau in diesem Rahmen ab. Sein Beispiel aus Frankreich unterstreicht, welch Irrationalität in absolutem Pazifismus steckt, da er doch ganz und gar die Realität missachtet. Ich kann nicht Ghandis Erfolg hernehmen und behaupten, dass dies ein Modell von Widerstand sei. Das ist einfach nicht machbar. Die Geschichte spricht eine gänzlich andere Sprache.

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  13. Noch ein Beispiel für die Irreführung und Desinformation der Zuschauer, bzw. Medienkonsumenten, in Sachen Islam durch die Massenmedien: In der hier besprochenen Sendung wurde ein Video eingeblendet, in dem es heißt, die „Salafisten“ benützen nach dem Vorbild des Propheten Muhammad – Friede sei auf ihm – und der rechtschaffenen Altvorderen zum Reinigen der Zähne ein Zahnputzhölzchen. Dadurch wird einerseits der falsche Eindruck erweckt, nur die „Salafisten“ unter den Muslimen würden dies tun und es sei eines ihrer Kennzeichen, während verschwiegen wird, daß auch andere Muslime, wie z. B. Sufis – das genaue Gegenteil der „Salafisten“ –, dieses Zahnputzhölzchen benützen. Andererseits wird auch verschwiegen, welchen von der modernen Wissenschaft nachgewiesenen Nutzen und welche medizinischen Vorteile dieses aus den Wurzeln des Arak-Strauches gewonnene Zahnputzhölzchen besitzt, so daß beim Zuschauer der Eindruck erweckt wird, es handele sich hier nur um einen alten Brauch, dem die „Salafisten“ (und anderen Muslime) blind folgen, während sie „moderne“ Errungenschaften, wie die Zahnbürste ablehnen. Würden sie diese Erkenntnisse der modernen Wissenschaften erwähnen, so müßten sich die Zuschauer fragen, wie der angeblich „falsche“ Prophet Muhammad seinen Anhängern den Gebrauch gerade dieses Zahnputzhölzchens nahelegen konnte, wo er als gewöhnlicher Mensch des 7. Jhs. von den genannten medizinischen Vorteilen noch gar nichts wissen konnte. Vielleicht sollen gerade dieser Denkanstoß verhindert und die Muslime mit der Befolgung eines „bloßen“ alten Brauches lächerlich gemacht werden.

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    • Langsam beginnen sich aber in Ihnen die objektiv konstatierbare Islamophobie, die diese Sendung durchdrungen hat, mit einer persönlichen „Paranoia“ zu vermischen! (Ich verwende diesen Begriff Ihnen gegenüber ausdrücklich nicht im klinischen, sondern im umgangssprachlichen Sinne.)

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  14. Nur gut, dass Sie sie (die Wahrheit) sehen – zumindest suggeriert Ihnen das Ihre subjektive Wahrnehmung. Sie sollten sich etwas mit dem Sufismus beschäftigen, denn dort könnten Sie einige Entdeckungen zum Thema Wahrheit machen, die Ihnen sicher nicht gerade schmeicheln würden.
    Falls Sie sich aber nicht die Mühe machen wollen, reicht auch dieses kleine Beispiel: Das von Idries Shah schön nacherzählte „Gleichnis vom Elefanten im Dunkeln“, das Sie möglicherweise kennen. Steht bestimmt auch irgendwo im Netz. Soviel also dann zur „Wahrheit“…

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  15. Sehen Sie, wie Sie im Dunkeln tappen: eigentlich wollte ich mich hier nicht outen, aber anscheinend bleibt mir keine andere Wahl, um Ihnen zu antworten. Ich selbst gehöre einem Sufi-Orden an. Allerdings habe ich nichts mit Idries Shah am Hut, der den Sufismus in eine für christlich geprägte Abendländer leichter verständliche und akzeptable Form gebracht hat. Für uns sind der Koran und die Sunna des Propheten der Elefant, und deren verschiedene Auslegungen das, was die Blinden an jeweiligen Formen wahrnehmen. Aber trotz allem wird dabei aus dem Elefanten kein Nashorn oder eine Giraffe. Die Wahrheit ist, daß der Elefant ein solcher bleibt und aus ihm kein anderes Tier wird.
    Wenn Allah im Koran sagt: „Vorgeschrieben ist euch zu kämpfen, obwohl es euch zuwider ist. Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist, und viel¬leicht ist euch etwas lieb, während es schlecht für euch ist. Allah weiß, ihr aber wißt nicht“ (2, 216), dann steht es uns nicht zu, uns selbst für klüger als Allah zu halten und den Kampf zu verweigern, wenn es uns vorgeschrieben ist. Wir können diese Anweisung allenfalls (auf der Grundlage anderer Quellentexte) deuten und sagen: die Art des Kampfes richtet sich in Verhältnismäßigkeit nach den Mitteln; kämpft man gegen uns nur mit Worten, dann dürfen auch wir uns nur mit Worten zur Wehr setzen, und kämpft man gegen uns mit kommerziellen Mitteln, dann dürfen auch wir solche einsetzen usw. – am Ende jedoch unter Ausschluß des Einsatzes unsererseits von Massenvernichtungswaffen, selbst wenn die andere Seite solche einsetzen sollte.
    Wenn die westlichen Massenmedien solche Dinge, wie moderne wissenschaftliche Erkenntnisse über Aussagen im Koran oder Anweisungen in der Sunna des Propheten nicht erwähnen, die diese bestätigen, kann das zwei Gründe haben: entweder besitzen die Reporter selbst kein Wissen darüber und sind zu faul oder zu unfähig, um zu recherchieren, oder sie wissen darum, verschweigen diese Erkenntnisse jedoch, damit die Medienkonsumenten nicht zu der Überzeugung kommen könnten, daß der Prophet des Islams die Wahrheit verkündet hat und Teile seines Wissens nicht von sich selbst oder seinen Zeitgenossen bezog, sondern von einem höheren Wesen. Das als „Paranoia“ zu bezeichnen, ist im Grunde eine irrationale Reaktion, ähnlich wie Muhammads ungläubige Zeitgenossen ihn als besessen, Geschichtenerzähler oder Zauberer diffamierten, um der inneren gedanklichen Auseinandersetzung zu entfliehen, daß er die Wahrheit gesagt haben könnte.

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  16. Wissen Sie, verehrter Lynx, Sie scheinen wirklich ein kluger Mann zu sein, deshalb auch ist es umso trauriger, zu erleben, wie Sie sich Post für Post zunehmend um Kopf und Kragen reden. Es wird nämlich immer offenbarer, welch fundamentalistische Dimension Ihr Glauben in Ihrem Leben einnimmt! Nicht missverstehen: Mit fundamentalistisch rücke ich Sie keineswegs in die Nähe eines Islamismus, da Sie ja nicht politisch argumentieren. Ich meine nur, dass Ihre am Koran ausgerichtete Argumentationslinie mit dem entsprechenden – eben fundamentalistischen – Wahrheitsanspruch dahinter schrecklich eindimensional ist. Der letzte Papst Ratzinger z.B. war so ein Fundamentalist auf Seite der christlich katholischen Kirche. Aber Sie können natürlich glauben und denken, was Sie wollen; eine Diskussion allerdings verengt sich ganz automatisch durch einen solchen Fundamentalismus.
    Viel erschreckender aber finde ich, was Sie zum Sufismus schreiben! Verzeihen Sie, dass Sie sich das Folgende von einer älteren (noch dazu) Frau aus dem fernen Argentinien sagen lassen müssen: In meinen Augen haben Sie, verehrter Lynx, vom Sufismus nicht einmal die philosophischen Grundpfeiler verstanden! Ihre Sprache, Ihre Inhalte, nichts davon drückte die glasklare, zutiefst weise und vor allem gelassene und von Fundamentalismen völlig freie Grundhaltung (reifer) Sufis aus. Ihr Gejammer über die in der Tat grottenschlechte Jauch-Show bis hin zu den Zahnhölzchen ist – pardòn! – eines Sufis einfach nicht würdig. Sufis beteiligen an solchen Diskussionen nicht, wie Sie eigentlich wissen sollten. Nicht in der von Ihnen präferierten Art jedenfalls. Ich halte die grundsätzliche Kritik an der Show, wie Sie wissen, für absolut richtig. Dessen ungeachtet ist sie völlig untypisch für einen Sufi. Vor allem halte ich Ihre bisherigen Ausführungen zum Thema Gewalt für gänzlich unvereinbar mit der sufistischen Mystik! Und und und… Sie sind mir der (virtuell) seltsamste Sufi, den ich jemals „kennen gelernt“ habe! Ich beschäftige mich bald 20 Jahre mit dem Sufismus, da müssen ausgerechnet Sie mir nun wirklich nichts erzählen.

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    • Ich befürchte, Sie haben eine leicht esoterisch verbrämte Sicht auf den Sufismus. Sufismus ist in erste Linie nicht das, was Sie hier als solchen verkaufen. Ein Sufi steht sehr wohl mit beiden Beinen im Leben und natürlich beteiligt er sich auch am gesellschaftlichen Leben – was natürlich auch eine Interaktion und Positionierung auf einem Blog miteinschließt. Ich finde, Sie werden sehr gern persönlich und beleidigend und ich muss mich, ob Ihrer anderen Postings, doch sehr, sehr wundern.

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      • Lieber Herr AliBarbar, ich denke, das entscheidende Verb Ihrer Replik ist das Wort „verkaufen“. Auch Sie wollen mir hier ja was verkaufen, nicht wahr? Ebenso wie @Lynx – und selbstverständlich ebenso wie auch ich. Diesen gemeinsamen Konsens, ob er nun erwünscht ist von uns oder nicht, eint uns alle, und auch Sie müssen das aushalten.
        Eigentlich sollte es ja jedem gewahr sein: Es gibt innerhalb des Christentums (Bibel) und des Islams (Koran) weltweit keine anderen Religionen oder Weltanschauungen, die eine solch riesige, ja geradezu unerschöpfliche Interpretationsbreite aufweisen. Das Dumme daran: Jeder Interpret meint, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. So auch Lynx, so auch Sie und so auch ich. Und wie Sie wiederum wissen, gibt es nur eine Wahrheit – und diese ist stets die Summe aller (Teil-)Wahrheiten. Darauf könnte ich mich einlassen, niemals jedoch darauf, dass irgendeine Version eine allgemeine Gültigkeit hätte. Was die „esoterische Verbrämung“ angeht, die Sie mir unterstellen, sind Sie auf der falschen Fährte. Denn wie Sie aus meinen Zeilen an @Lynx herauslesen können, galt mein Augenmerk dem mystischen Sufismus. Darum stehe ich auch zu jedem einzelnen Wort, das ich geschrieben habe. Aber es wird selbstverständlich auch die Sufis geben, von denen Sie hier sprechen, die eine andere Fixierung als die mystische leben. Aber: Diese „Gruppe“ gehört dann nicht zu den Sufis, deren einzigartige religionsmystische Traditionen in ihrer inneren und äußeren Haltung sie religionsübergreifend berühmt gemacht hat. Und die für einen völligen Gewaltverzicht eintritt. Verneinen Sie dies, dann haben auch Sie keine Ahnung vom Sufismus und dessen Mystik. Tut mir leid. Ich weiß, das klingt unglaublich arrogant aus dem Munde einer Frau, die dem Islam nicht angehört und auch nicht aus dessen genuinen Kulturkreis stammt. Deshalb dürfen Sie sicher sein, dass ich meine Worte wohl wäge, bevor ich sie hier in die Öffentlichkeit stelle.
        Zum Schluss noch dies: Ich schreibe polemisch und nicht beleidigend, lieber AliBarbar. Das ist ein Unterschied, den Sie als Blog-Kommentator unbedingt kennen sollten. Im Übrigen sollten Sie auch nicht nur das lesen, was Ihre Vorurteile bestätigt, sondern auch die anderen Stellen, in denen ich mich zunächst mit @Lynx solidarisiert hatte und in der Sache auch weiter solidarisiere und weiters jeden von mir evtl. missverständlichen Begriff zurecht gerückt habe.

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  17. @ Reyes Carrillo

    Warum sollte ich mich um Kopf und Kragen reden?
    Wenn ich von Sufismus spreche, dann meine ich islamischen Sufismus und nicht das, was in westlichen Ländern unter der Bezeichnung „Sufismus“ häufig angeboten wird.
    Sufismus und Dschihād: es gibt zahlreiche Beispiele dafür, wie Angehörige von Sufi-Orden in den verschiedensten Ländern der Islamischen Welt mit der Waffe gegen die europäischen Kolonialisten und westlichen Imperialisten kämpften.
    Die Sufi-Scheichs, mit denen ich zu tun habe, sind sich darüber einig, daß jemand, der meint, eine angebliche spirituelle Stufe „Gewißheit“ (yaqīn) erreicht zu haben, in der er davon entbunden ist, gottesdienstliche Handlungen, wie Gebet, Fasten, wohltätige Leistung, Pilgerfahrt usw. als pflichtmäßige Taten zu verrichten, außerhalb des Islams steht, und wenn er irgendwo „angekommen“ sein sollte, nicht bei Gott angekommen ist, sondern in der Hölle. Sind das die Ihrer Meinung nach „reifen“ Sufis? Ich habe selbst einen Mann erlebt, der vom Anhänger eines bekannten Salafi-Scheichs zum Verehrer des „größten“ Sufi-Scheichs Muhyi d-Din ibn ´Arabi wurde, dabei aber nicht Halt machte, bis er schließlich Bahai geworden ist. Die Bahai-Religion ist aber kein Islam mehr.
    Nachdem ich in Deutschland an der Sitzung eines deutschen Sufi-Scheichs teilgenommen hatte, der seine Dialogarbeit mit seiner Tätigkeit als Sufi-Scheich vermischt und Christen und Juden, die an den Sitzungen teilnehmen, Beiträge aus ihren jeweils eigenen Religionen darin mit einbringen läßt, und dies einem meiner Scheichs der syrischen Sufi-Tradition schilderte, meinte er, was jener deutsche Scheich mache, sei Kufr, also Unglaube.
    Für die Muslime ist der Prophet Muhammad – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – das Vorbild, das in der Mitte steht, und nach ihm seine Gefährten und deren rechtschaffene Nachfolger. Je weiter sich ein Muslim von dieser Mitte entfernt, desto mehr läuft er Gefahr, aus dem Islam herauszukommen und schließlich von dessen Rand abzustürzen.
    Der Unbegriff „Islamismus“ usw. wird von den Feinden des Islams in den Medien und der allgemeinen Debatte dazu mißbraucht, Muslime, die ihre Religion richtig verstehen und praktizieren, zu diffamieren und in die Nähe von Gewaltbereitschaft und Terrorismus zu rücken.
    Um auf das Zahnputzhölzchen u. ä. Äußerlichkeiten zurückzukommen, so werden diese von den Medienvertretern dazu mißbraucht, um praktizierende Muslime als „Salafisten“ abzustempeln, und „Salafisten“ wiederum werden meistens mit den Adjektiven „gewaltbereit“, „fundamentalistisch“, „verfassungsfeindlich“ usw. belegt. Es läuft darauf hinaus, den Medienkonsumenten diese Gleichung einzutrichtern:
    Praktizierender Muslim = Fundamentalist = Salafist = (gewaltbereiter) Islamist = Terrorist. Was bedeutet „fundamentalistisch“ überhaupt? Ein „Fundamentalist“ ist jemand, der an den Grundlagen seiner Religion festhält; wäre ich kein „Fundamentalist“, dann wäre ich auch kein Muslim mehr, da der Islam nach Eigendefinition nicht ohne seine Grundlagen besteht. Und wäre ich kein Muslim mehr, dann bräuchte ich mich auch nicht mehr als „Sufi“ zu bezeichnen, da dieser Begriff mit dem Islam verbunden ist, und ein nichtmuslimischer „Sufi“ sich besser als irgendetwas anderes bezeichnen sollte.
    Der in Jordanien lebende und aus den USA stammende Sufi-Scheich Nuh Ha Mim Keller meinte einmal über einen sudanesischen Scheich, der sich den Bart abrasiert hat: „Der hat die muhammadanische Wirklichkeit nicht verstanden.“ Bei ihm herrscht strikte Geschlechtertrennung, und die Frauen sollen sich nicht nur das Haupthaar, sondern auch das Gesicht bedecken, und er hält sich streng an das islamische Bilder- und Musikverbot – wie auch die „Salafisten“. Nichtmuslime und muslimische Zuschauer, die nicht selbst mitmachen, sind bei seinen Dhikr-Sitzungen nicht zugelassen. Als erstes verlangt er von seinen Schülern, alle fünf täglichen Pflichtgebete zur vorgesehenen Zeit zu verrichten, und erst dann, die Regeln zum Hüten der Zunge und die anderen Regeln des Sufismus zu befolgen. Trotzdem bekennt er sich zu Ibn ´Arabi und den anderen traditionellen Sufi-Scheichs und deren Lehren.
    Wenn Sie einen deutschen Sufi kennenlernen möchten, der Ihren Vorstellungen von Sufismus eher entspricht, sei ihnen Abdullah Rust (fernsehfeind@Gmail.com oder: fernwehfreund@Gmail.com) empfohlen, der Ihnen vielleicht sagen wird: „Auch du kannst Gott sein“ oder: „Es gibt keinen Gott außer mir.“ 🙂

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  18. Lieber Lynx,

    sehen Sie, nachdem ich mit Ihnen in der Tat auch nicht ganz fair war, was meine Hypothesen über Ihr „Sufi-Sein“ anbelangt, will ich mal all meine Milde walten lassen und Ihnen nicht böse sein für nun Ihre hypothetischen Verortungen, wo Sie meinen, mich „sufi-technisch“ einordnen zu müssen. Mit Ihrer konsequenten Einschätzung, ich orientiere mich an einem „westlichen“ Lifestyle-Sufismus, liegen Sie selbstverständlich falsch, sonst hätte ich mich doch niemals so weit aus dem Fenster gelehnt. Nein, nein, Sie dürfen schon annehmen, dass ich von persönlichem Erleben mit Sufis spreche, die den Westen nur vom Hörensagen kennen. Und diese waren/sind Mystiker in uralter Tradition, deren spirituelle Praxis vor allem in der temporären Auflösung der Ich-Identifikation als Weg zur Symbiose mit Allah besteht. Und genau diese lehnen jede Form der Gewalt ab. Ich habe solche überaus beeindruckenden Menschen innerhalb verschiedener Türkei-Reisen (vornehmlich im Osten des Landes) kennen gelernt.

    Alles das, was Sie weiters schreiben, glaube ich Ihnen selbstverständlich, sicher aber nicht in dem Wahrheitsanspruch, den Sie wahrscheinlich für sich reklamieren wollen, sondern ich subsumiere Ihre „Geschichten“ unter die @AliBarbar gegenüber schon angesprochene Interpretationsvielfalt Ihrer Religion.

    Ich darf Ihnen zum Schluss (ich glaube, dass wir nicht mehr viel Mehrwert generieren können) nochmals versichern, dass ich Ihre Beobachtungen zur grassierenden Islamophobie in diesem Land teile wie auch Ihre Sicht auf jene unsägliche Jauch-Show. Ich darf Ihnen ebenso versichern, dass ich immer und überall in meinem persönlichen Umfeld gegen diese Islamophobie kämpfen werde, so ich sie irgendwo erlebe. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Ich darf aber auch nochmals wiederholen, dass mich einige Ihrer Äußerungen nachhaltig irritiert haben und ich Ihnen dieses, ein Christ würde sagen alttestamentarisches Verhältnis zur Gewalt nicht durchgehen lassen kann als Pazifistin. Alles andere, was Sie hier über Ihren – persönlichen – Glauben verbreitet haben ist Ihre Privatsache, die man nicht mögen muss und die man durchaus sehr kritisch rezipieren kann. So wie ja umgekehrt genau so. Ich wünsche Ihnen persönlich und diesem Land, dass diese unerträgliche Islamophobie endlich erkannt und konsequent bekämpft wird!

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    • Ich halte es in meinem Verhältnis zur Gewalt im übrigen mit dem islamischen Gelehrten und vielfach verehrten Lehrmeister „Said Nursi“, der im ersten Weltkrieg kämpfte, der in russische Gefangenschaft geriet und nach den Kriegswirren sinngemäß predigte, dass die Umma in ihrem Umgang mit anderen Gemeinschaften und Systemen den Weg der Verhandlung – weil dies die Zeit dafür sei – zur Maxime erklären müsse. Das ist der Realismus, den ich mir von einem Muslim erwarte. Wenn du einem Barbaren gegenübertrittst, wirst du deinen Untergang besiegeln, wenn du mit ihm zu argumentieren suchst. Die Weltgemeinschaft eröffnet aber die Möglichkeit, sich von der kriegerischen Epoche abzuwenden – was leider auch hierzulande noch nicht alle Verstanden zu haben scheinen. Wie dem auch sei, ich halte die Scharia für eine Humanismuskompatible, den Menschenrechten entsprechende Werteordnung. Die vier Rechtsschulen (denen auch der entrückteste und entwordenste Sufi, sofern er denn gottesfürchtig ist, angehört) haben sich immer diesbezüglich bewiesen, haben aber leider heutzutage eine Informationshoheit und eine desolate Situation in der „islamischen Welt“ gegen sich, die es mehr als schwer erscheinen lässt, die Probleme der Umma innerhalb der Gemeinschaft und auch gegenüber anderen Gemeinschaften anzugehen und zu lösen.

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      • Wenn ich das Wort „Weltgemeinschaft“ lese oder höre, muß ich beinahe lachen, wegen der Unverschämtheit, mit der dieser Begriff von der transatlantischen Supermacht und ihren Vasallen (auch der EU) mißbraucht wird, um im „Krieg gegen den Terror“ die Ressourcen der muslimischen Länder zu plündern und einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Iran zu planen.
        Allah sagt im Koran: „Nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte Tat. Wehre mit einer Tat, die besser ist, (die schlechte) ab, dann wird derje¬nige, zwischen dem und dir Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund. Aber dies (d. h.: diese Haltung, oder dieses Ergebnis) wird nur denjenigen dargeboten, die standhaft sind, ja es wird nur demjeni¬gen dargeboten, der ge¬waltiges Glück hat“ (41, 34 f.)
        Die von den Christen (theoretisch) propagierte Haltung, auch die andere Backe hinzuhalten, wenn man auf die eine geschlagen wird, ist zu unrealistisch, um von der Mehrheit praktiziert zu werden. Das haben die Christen in den zweitausend Jahren ihrer Geschichte bewiesen: Kreuzzüge anstatt friedlicher Verhandlungen, Zwangstaufen und anschließende Unterstellung unter die „heilige“ Inquisition anstatt religiöser Toleranz. Daher verlangt der Islam von seinen Anhängern nur, ohne Überschreitung des Maßes, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, aber wenn jemand darüber hinaus imstande ist, auf Wiedervergeltung zu verzichten, dann ist das empfohlen und besser für ihn: „Und wenn ihr vergeltet, so vergeltet im gleichen Maße des gegen euch gerichteten Angriffs. Wenn ihr aber ge¬duldig (auch: standhaft) seid, so ist das wahrlich besser für die Geduldi¬gen (auch: für die Standhaften)“ (Koran, 16, 126).
        Sultan Saladin hatte nach der Rückeroberung Jerusalems die besiegten Christen aus der Stadt abziehen lassen und verhielt sich ritterlich gegenüber seinem Gegenspieler Richard Löwenherz, während dieser danach in Akkon 2700 gefangene Muslime, Männer, Frauen und Kinder hinrichten ließ. Auch das Leben der Gefangenen nach der Schlacht von Hittin hatte Saladin verschont, außer demjenigen des Erzbösewichts Rainald von Chatillon, den er eigenhändig enthauptete. Aus dieser Verhaltensweise läßt sich einiges über die muslimische Ethik im Fall von bewaffneten Konflikten erkennen: bewaffneter Widerstand gegen Unrecht und Besetzung des Landes und der heiligen Stätten: ja; nach dem Sieg: keine Rache für früher von der Gegenseite verübtes Unrecht (Massaker an der muslimischen Bevölkerung durch die Kreuzfahrer bei deren Eroberung Jerusalems); harte Bestrafung nur der wirklichen Schwerverbrecher. Auch Sultan Saladin war Sufi – oder hatte zumindest eine Erziehung in dieser Richtung genossen.
        Völliger Pazifismus und gänzliche Gewaltlosigkeit sind in dieser Welt unrealistisch. Wenn irgendein Derwisch sich der Gewaltlosigkeit verschreibt und an ihm verübtes Unrecht ohne Widerstand über sich ergehen läßt, wird man ihn deshalb vielleicht als Narren belächeln und unbehelligt lassen, ein Volk oder eine Gemeinschaft, die sich nicht zur Wehr setzt, wird man jedoch auszulöschen suchen, und die obige koranische Anweisung, eine schlechte Tat mit einer guten zu vergelten, mag wohl eher für persönliche Feindschaften unter Einzelpersonen gedacht sein als für Konflikte zwischen ganzen Gemeinschaften, Völkern oder Staaten.
        Derzeit wird die muslimische und ethnische Minderheit der Rohingya in Myanmar (Birma) von der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit verfolgt, ihre Dörfer niedergebrannt, ihre Männer, Frauen und Kinder abgeschlachtet. Gäbe es auf der Erde eine muslimische Macht wie die USA, und zudem mit einer islamischen Moral und Politik, dann bräuchte diese Macht in einer Drohgebärde vielleicht nur ihre Flugzeugträger in den Golf von Bengalen zu entsenden, um der Verfolgung ein Ende zu setzen. So aber, weil die Rohingya selbst zu schwach sind und die anderen muslimischen Staaten und deren Regierungen auf der Erde so tun, als ginge sie das alles nichts an, geht die Verfolgung immer weiter. Friedliche Appelle an die Menschlichkeit und das Herz der Bevölkerung und Regierung von Myanmar bewirken nur, daß diese ihre Verfolgung der Minderheit, die in ihren Augen nur (angeblich) illegal eingewanderte „Kobolde“ sind, verstärken.

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  19. AliBarba und vorallem Lynx ist der lebende Beweis dass emran falsch liegt. Je mehr diese beiden schreiben, desto deutlicher wird es. Aber was so alles über Islam und besonders überzeugte Anhänger dieser Ideologie gesagt ung geschrieben wird sind natürlich nur Vorurteile. Jo klar, und die Erde ist eine Scheiben!

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    • Ich wünschte, Sie wären etwas präziser gewesen, inwiefern denn Herr Feroz falsch liegt und in welcher Weise meine Wenigkeit dafür als Beweis herhalten darf.

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  20. Ich bin der Meinung, dass „Islamkritik“ ebenso möglich und gar angebracht ist, wie die an jeder anderen Religion. Das aktuelle Problem ist, dass die verbreitete „Islamkritik“ „den“ Islam mit dem verwechselt, was angeblich „die“ Muslime oder in der Tat bestimmte Muslime tun und sagen. In Wirklichkeit gibt es natürlich eine Vielzahl von Anschauungen der Muslime über ihre Religion wie das auch bei den anderen „Hochreligionen“, zumindest den „mosaischen“ (Judentum, Christentum, Islam) der Fall ist und war. Das interessiert die o.a.“Islamkritiker“ jedoch nicht, denn ihnen geht es nicht um wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern um zutiefst reaktionäre politische Interessen – ebenso übrigens wie leider einer Vielzahl der von ihnen Kritisierten. So verstanden sollte man m.E. im Übrigen darauf bestehen, dass auch eine Kritik des Judentums als Religion nicht identisch ist mit einer Kritik „der“ Juden als „Volk“, „Volksklasse“ oder was auch immer (die Definition ist in der Tat sehr schwierig). „Juden“ und „jüdische Religion“ sind ebenso wenig identisch wie Juden und Zionisten, oder wie jüdische Religion und Zionismus. Eine Kritik an der „jüdischen Religion“ als Religion oder an einigen Aspekten jüdischer Religion ist deshalb ebensowenig antisemitisch wie eine radikale Kritik am Zionismus und dessen Staat Israel! Dass unberechtigte oder berechtigte Kritiken an Religion und/oder Zionismus/Israel auch von Antisemiten für ihre rassistischen Ziele instrumentalisiert werden, ist offensichtlich, aber durchaus kein Grund, auf solche Kritik zu verzichten, wohl aber, sich zu bemühen, in der Kritik eine deutliche Abgrenzung von allen rassistischen Ideen vorzunehmen.

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  21. Pingback: “Allahs Krieger” – Scheitern vor der Kamera | Emran Feroz's Blog

  22. Pingback: Anmerkungen zur Islamophobie | tiara013

  23. Kritische Bibelinterpretationen gab es seit ca. 1066, als nicht alle Bock hatten, die Wüste leer-zu-morden, nur weil da nen Religiöser was vom heiligen Land faselte. Und mal ehrlich, nicht jede Kritik basiert auf Hass und Angst. Ungefähr so, wie wir Blinden das Autofahren natürlich auch nur aus „Hass & Angst“ verbieten, Sicherheit & Schutz der Anderen haben damit nix zu tun? Rückkehr zur Weisheit: Bekämpft Ihr Eure Vorurteile und wir bekämpfen unsere.

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