Karzai-Vorwürfe gegen die USA: Zusammenarbeit von CIA und Taliban

Der afghanische Präsident Hamid Karzai fiel in der Vergangenheit immer wieder durch abwegige Äußerungen auf. Von den USA wurden diese meistens ignoriert, doch im jüngsten Fall ist es anders. Karzai erhob schwere Vorwürfe gegen die USA und sprach von einer Verbindung zwischen den Taliban und der CIA. Anstatt jedoch dezidiert auf diese Anschuldigung einzugehen, zogen es die meisten Medien vor, die Aussagen Karzais als „lächerlich“ oder gar als „Verschwörungstheorie“ zu bezeichnen.

Quelle: APA

Hamid Karzai, der „Bürgermeister von Kabul“, wie er spöttisch genannt wird, kam 2001 durch die USA an die Macht. Seitdem sorgte er vor allem dafür, dass sich seine Familienmitglieder, korrupte Kriegsverbrecher und Drogenbarone die Taschen füllen konnten. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Mann mit der Karakulmütze beim afghanischen Volk alles andere als beliebt, „amerikanische Puppe“ wird er genannt. Auch wenn vieles für diese Abhängigkeit spricht, erhärtet sich in letzter Zeit der Eindruck, dass die USA mehr und mehr die Kontrolle über ihre Puppe verlieren.

In den letzten Monaten hat Karzai des Öfteren während seiner Reden die USA und den Westen kritisiert. So hat er sie unter anderem für die massive Korruption am Hindukusch verantwortlich gemacht. Auch die Luftangriffe auf Zivilisten verurteilte Karzai immer wieder scharf. Damit will der afghanische Präsident womöglich dem Volk, das ihn verachtet, näher kommen und Sympathiepunkte sammeln. Obwohl das Verhältnis Karzais zu Barack Obama angespannt ist, reagierten die US-Amerikaner bislang relativ gelassen auf seine Bekundungen, ignorierten sie zumeist.

Doch seit dem vergangenen Sonntag sorgt Karzai international für Schlagzeilen. Der Hintergrund: Nur wenige Stunden nachdem US-Verteidigungsminister Chuck Hagel am Abend des 8. März zu einem nicht angekündigten Besuch in Kabul eingetroffen war, detonierte am nächsten Morgen vor dem Eingang des afghanischen Verteidigungsministeriums eine Bombe. Der Anschlag forderte zehn Todesopfer und 13 Verletzte. Ein Selbstmordattentäter hatte sich in die Luft gesprengt – und kurz darauf bekannten sich die Taliban zu dem Anschlag.

Am folgenden Tag (Sonntag, 10. März), behauptete Karzai, die Taliban würden viel mehr den fremden Besatzern dienen, als gegen sie zu kämpfen, denn damit wollen sie Afghanistan weiterhin instabil halten. Er fügte hinzu, dass die Taliban Zivilisten „zum Nutzen Amerikas“ töten würden. Damit soll die Präsenz der US-Soldaten am Hindukusch für weitere Jahre gesichert werden. Der Präsident brachte seine Thesen mit den aktuellen Anschlägen in Kabul und in der Provinz Khost, wo ebenfalls am Sonnabend bei der Explosion einer Autobombe acht Kinder und ein Polizist getötet worden waren, in Verbindung und meinte, dass diese nur als Rechtfertigung für einen viel späteren Abzug der US-Truppen dienen würden.

Dieses Mal hatten Karzais Aussagen Konsequenzen. Obamas neuer Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte eine Pressekonferenz mit Karzai ab, betonte jedoch zugleich dessen „schwierige Lage“ zu verstehen. Die US-Regierung bezeichnete Karzais Vorwürfe als „kategorisch falsch“. Die westlichen Medien, unter anderem auch deutsche, fielen über den Präsidenten regelrecht her. So stellte zum Beispiel Der Spiegel fest, dass Karzais Behauptungen „sonderbar“ seien und degradierte diese zu „Verschwörungstheorien“, ohne genauer darauf einzugehen.

Die Krönung war jedoch ein Artikel in dem US-Nachrichtenmagazin The Daily Beast mit dem Titel „To Hell with Karzai“. Der Autor Leslie H. Gelb, ehemaliger Korrespondent der New York Times, entfacht darin eine Kriegshetze, mit der er offensichtlich die zahlreichen Ethnien Afghanistans gegeneinander ausspielen will. Gelb schreibt: „Die Nicht-Paschtunen, die etwa sechzig Prozent der afghanischen Bevölkerung ausmachen, stellen sich mehrheitlich auf die Seite der Amerikaner. Am liebsten würden die Nicht-Paschtunen nur dabei zusehen, wie die Amerikaner für ihr Land und gegen ihre paschtunischen Feinde kämpfen, das ganze Jahrhundert über. Für die Afghanen im Norden sind wir die beste Garantie gegen eine paschtunische Machtübernahme, welche das letzte wäre, was sich die Nicht-Paschtunen wünschen.“  Zahlreiche Afghanen sind darüber empört und üben in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook scharfe Kritik.

Es stellt sich die Frage, was es mit Karzais Behauptungen auf sich hat. Wären sie so abwegig wie mitunter in der Vergangenheit, hätten die USA die Äußerungen in gewohnter Manier ignorieren können. Doch diesmal liegt der Fall offensichtlich anders: Für Kontakte zwischen CIA und Taliban gibt es eine Reihe Indizien.

Die Taliban wurden von Beginn an, nachdem sie in den 1990er Jahren während des Bürgerkrieges in der südlichen Stadt Kandahar erstmals in Erscheinung getreten waren, von US-amerikanischen und pakistanischen Geheimdienstkreisen unterstützt. Sowohl ideologisch, als auch finanziell. Dies spielte im afghanischen Bürgerkrieg eine bedeutende Rolle, denn die Taliban bekämpften jene Warlords, die dem Iran oder Russland nahestanden. Die USA hatten bereits damals ein großes Interesse, ihre Erzfeinde in der Region so weit wie möglich zu isolieren oder unschädlich zu machen. Unterstützt wurden die Taliban zum großen Teil von den Saudis. Der saudische Prinz Turki al-Faisal, Teilnehmer der letzten Münchner Sicherheitskonferenz, rüstete seinerzeit die Taliban ebenso militärisch auf wie er heute für die Bewaffnung der Aufständischen in Syrien sorgt.

Aber auch Pakistan spielt in Hinblick auf die Taliban eine wichtige Rolle. Der ehemalige Chef des afghanischen Geheimdienstes, Amrullah Saleh, hat vor Kurzem erneut betont, Pakistan betrachte Afghanistan als eine Art Hinterhof, in dem keine Stabilität erreicht werden darf. Währenddessen beherbergt die Regierung in Islamabad die komplette Führung der Taliban in ihrem Land. Man geht davon aus, dass sich Mullah Omar und seine Funktionäre mit Wissen und Duldung der pakistanischen Regierung in Quetta an der afghanisch-pakistanischen Grenze aufhalten. Auch die CIA unterhielt dort ein geheimes Büro. Der US-amerikanische Journalist Bob Woodward  spricht in seinem Buch Obamas Kriege  von Operationen einer im Wesentlichen aus Afghanen bestehenden 3 000 Mann-Privatarmee der CIA, die in Afghanistan und im pakistanischen Grenzgebiet operiert.

Was also wäre angesichts dieser Tatsachen näherliegend, als zwischen Taliban und CIA eine enge Verbindung zu vermuten?

Erstveröffentlichung im „Hintergrund“

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6 Gedanken zu „Karzai-Vorwürfe gegen die USA: Zusammenarbeit von CIA und Taliban

  1. Guter Artikel aber ich verstehe nicht, wem in Afghanistan das Verbleiben der US-Truppen nutzen würde. Dass die Taliban als Grund für eine Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes nützlich für die USA wären, ist nicht zu bestreiten, aber wieso sollten Afghanistan da mitmachen? Die mächtigen Männer wie der Präsident haben ganz sicher kein Interesse an der Bekämpfung von Korruption etc. durch die USA und die Taliban sowieso nicht. Das einzige, was theoretisch Sinn ergeben würde, wäre, dass die Taliban direkt von der CIA mit Geld oder Waffen unterstützt werden aber das halte ich für allzu unwahrscheinlich. Denn ich weiß nicht, wie du das siehst aber bei allen Intrigen und Täuschungen seitens der CIA habe ich trotzdem das Gefühl, dass die Sicherheit ihrer eigenen Truppen immernoch eine sehr hohe Priorität hat( hätte sie das nicht, würde die CIA ihrer Rückhalt in der Bevölkerung verlieren, was ihr Aus bedeutete). Und die Taliban sind nunmal eine enorme Bedrohung für US-Soldaten in Afghanistan.
    Außerdem: „Damit will der afghanische Präsident womöglich dem Volk, das ihn verachtet, näher kommen und Sympathiepunkte sammeln“. Bei allem Respekt, Emran aber manchmal habe ich das Gefühl, du bastelst dir die Stellen, die eigentlich wenig Sinn ergeben, zusammen. Ich will meinen Mund nicht zu weit aufreißen, weil du dich mit dem Thema wahrscheinlich mehr beschäftigt hast als ich, aber von einem korrupten Staatsoberhaupt, das sein Volk nach Strich und Faden betrügt um sich zu bereichern, und dann Sympathiepunkte sammeln will, habe ich noch nie gehört.

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    • Generell sollte man bei Themen von denen man keine Ahnung hat, einfach den Mund halten und sich erst informieren. Was willst du hier mit deinem Halbwissen? Eindruck schinden oder dich nur lächerlich machen? Erklär uns das mal bitte. Du willst dir nicht den Mund zerreißen, doch du tust es doch.

      Wem das Verbleiben der USA in Afghanistan nützt? Allem Anschein nach bist du nicht ein regelmäßiger Leser dieses Blogs. Die USA MÜSSEN in Afghanistan bleiben, wenn es zu einem Krieg mit dem Iran kommt. Wurde ja schon hier im Kommentarbereich erwähnt. Die USA werden auch bleiben, ihre Militärstationen lassen sich nicht so schnell abbauen, denn das war nie so geplant. Der Autor hat darüber schon mehrfach geschrieben. Wüsstest du das, würdest du nicht abstruse Sachen behaupten. Wenn dir Sachverhalte nicht klar sind, dann stell hier keine sinnlosen Fragen, sondern lies ein Buch.

      Im Text wird Bob Woodward erwähnt, ein toller Journalist. Du solltest dessen Bücher mal lesen, bevor du hier komische Thesen über die CIA aufstellst. Man gewinnt den Eindruck als ob das Wissen diesbezüglich aus einem billigen Agententhriller hast. Seit wann brauchen Geheimdienste einen Rückhalt der Bevölkerung? Würde der Bevölkerung wissen, was diese so anstellen, würde sie aufschreien. Aber deshalb heißt es ja auch GEHEIMdienst.

      „Die Taliban sind eine Bedrohung für die US-Soldaten.“ – Ein weiterer Buchtipp: „Taliban“ vom Pakistani Ahmad Rashid. Erst lesen, dann Senf dazu geben 😉

      das lächerlichste an deinem Kommentar: du wirfst dem Autor vor, etwas zusammenzubasteln. Zum Glück wurde hier im kommentarbereich schon darauf eingegangen. ALLE politischen Führer Afghanistans haben ihr Volk ausgebeutet, während sie „Nähe“ vorheuchelten. karzai ist das nicht anders. Du solltest mal seine Reden anschauen, doch ich nehme mal an, das du nichts verstehen wirst. Und dann behauptest du, von so jemandem „noch nie gehört zu haben“. Das ist aber nicht das Problem des Autors wovon du bist jetzt gehört hast oder nicht.

      Nimm mir meine harsche Reaktion nicht übel, aber es ist schon ziemlich nervig wenn hier und da besserwisserische Leute, die keinerlei Ahnung von diesem Land, den Leuten und den politischen Strukturen haben, so tun, als ob sie DAS Wissen gepachtet hätten.

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  2. Hallo johannesblum,

    ich verstehe zwar bestimmt noch viel weniger als du von den Geschehnissen in Afghanistan, kann aber Emrans Gedanken dennoch folgen: Das hier thematisierte evtl. us-amerikanische Interesse, Afghanistan instabil zu halten, wäre natürlich ein geostrategisches, um weiter die Kontrolle zu behalten. Natürlich auch hinsichtlich Pakistan. Und sogar Iran. Weiters scheint es demgemäß logisch, spielt man diesen Gedanken durch, dass allein die Taliban diese Instabilität via nicht abreißender Terrorakte rechtfertigten und damit das Verharren der US-Truppen vor der us-amerikanischen Öffentlichkeit begründen helfen würde. Was du ja auch feststellst. Warum also sollte eine Verbindung solcherart zwischen CIA und Taliban nicht existieren? Eine Zurückhaltung der CIA zum Schutze der eigenen „Boys“ kann ich übrigens nicht erkennen; man denke nur an Vietnam.
    Und schließlich: Wieso sollte ein korrupter „Bürgermeister von Kabul“, den das Volk verachtet nicht um Sympathie für sich werben? Selbstverständlich tut er das. Alle ihre jeweiligen Völker ausraubenden und sich bereichernden Staatsführer vom grausamsten Diktator bis hin zu von US-Gnaden oder (früher) Sowjet-Gnaden inthronisierte Marionetten waren zutiefst narzisstisch und auf des Volkes Liebe erpicht.

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  3. Die Taliban sind das Werkzeug der Amerikaner sprich der CIA!
    Wo weltweit Bombenanschläge statt finden stecken die Taliban dahinter.
    Auch in Israel ist der Mossad eng verflochten mit dem CIA, also der Taliban.
    Die USA und deren Marionetten besonders Israel brauchen diese Anschläge,
    um Friedensverhandungen im Keime zu ersticken.
    Der Drohnen König braucht seine Kriege!!!

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  4. Ich habe kein Problem damit, kritisiert oder korrigiert zu werden aber wenn die Kritik einfach darauf beruht, dass du nicht genau liest, dann ist das ziemich nervig, vorallem weil der Schwall von Beleidigungen nicht zu einer produktiven Diskussion beiträgt.
    Lies einfach mal meine ersten zwei Sätze: Natürlich profitieren die USA von den Handlungen der Taliban, ich stimme 100% mit dem überein, was auch Klaus Franke sagt aber in dem Artikel war von Zusammenarbeit die Rede und ich bestreite diese ja garnicht, ich habe mich nur gefragt, was es den Taliban bringt, wenn die US-Streitkräfte in Afghanistan bleiben, nicht, was es den USA bringt. Das war eine Frage, wenn du sie mir beantworten kannst, dann tu das bitte, vielleicht ergeben sich dann meine Schlussfolgerungen, die vielleicht falsch sind. Es ist unglaublich, wie du Paragraph um Paragraph herumschimpfst, nur, weil du dir nicht die Zeit nimmst, genau zu lesen!

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    • Ich habe deinen Kommentar sehr genau durchgelesen. Was ist denn eigentlich los?
      Erst austeilen, dann nicht einstecken können? Du kannst wohl nicht mit Kritik umgehen, mein Lieber. Warum schreibst du dieses Mal über komplett andere Sachen und lässt deinen Hauptvorwurf (warum sucht ein Präsident Sympathie etc…) links liegen? Etwa weil du kein Argument mehr hast?

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