Kirche, Aufklärung und Rassismus

Gelasius I

Gelasius I. – Der wahrscheinlich dritte afrikanische Papst

Der neue Papst wurde gewählt und schon wühlt man seine Vergangenheit durch. Papst Franziskus soll enge Kontakte zur einstigen Militärdiktatur Argentiniens gehabt haben. Des Weiteren wird ihm vorgeworfen, am Verschwinden von zwei Mitgliedern des Jesuitenordens beteiligt gewesen zu sein. Im Großen und Ganzen kann man an diesen Vorwürfen nichts schön reden. Sie werden den Papst sicher noch lange begleiten. Abgesehen von der ganzen Sache hat die katholische Kirche einige andere Probleme, die es zu bewältigen gibt. Allerdings darf man sich keine allzu großen Hoffnungen machen, dass sich dies unter einem Papst Franziskus ändern wird.

Auf der einen Seite lebt noch der „alte Papst“, Benedikt XVI. Dieser war schon zu Lebzeiten Karol Wojtylas die „graue Eminenz“ im Vatikan. Als einer der engsten Vertrauten des damaligen Nachfolger Petris sah man ihn oft an dessen Seite. Auch in den letzten Lebensjahren von Papst Johannes Paul II war es Joseph Ratzinger, der stets dessen Rollstuhl schob und ihm Sachen ins Ohr flüsterte. Nun ist Ratzinger wieder im Hintergrund. Nachdem er einige Jahre lang weiter eine sehr konservative Linie durchzog und unliebsame Kardinäle, sprich, jene, die nicht seiner Meinung waren, einfach ihres Amtes enthob.

In Sachen Aufklärung und Weltoffenheit ist Franziskus seinem Vorgänger nicht unähnlich. So sprach auch dieser sicher immer wieder gegen die Homo-Ehe aus und verteufelte Verhütungsmittel und Abtreibungen. Abgesehen davon warnte der Papst vor einer Verweltlichung der Kirche und meinte unter anderem folgendes:“Wenn wir uns nicht zu Jesu Christi bekennen, bekennen wir uns zur Diesseitigkeit des Teufels.“ Für manche Menschen, vielleicht für gar nicht so wenige, mag dieser Satz ein wenig besorgniserregend wirken. De facto ist das eine Beleidigung an alle Nicht-Christen.

Nichtsdestotrotz feiert die Welt ihren neuen Papst aus der „neuen Welt“. Franziskus ist der erste Papst aus Lateinamerika. Viele Menschen hofften sogar, dass es dieses Mal ein Afrikaner werden könnte, doch der „Obama-Effekt“ blieb aus. Wäre dies nicht der Fall gewesen, könnte man vielleicht behaupten, dass die katholische Kirche das 21. Jahrhundert erreicht hätte. Ein Afrikaner auf dem Stuhl Petris wäre jedoch nichts, was man der Neuzeit zurechnen müsse. Bis jetzt gab es drei afrikanische Päpste und sie alle lebten während der Antike. Eine Tatsache, die vielen unbekannt ist. Wäre dem nicht so, hätte man nicht in vielen Internetplattformen gelesen, dass dieses Mal vielleicht der „erste schwarze Papst“ gewählt werde.

Fakt ist, dass die Sache mit der Hautfarbe gerne von der Kirche verdrängt wird. Auch das Antlitz Jesu, welches überall auf der Welt gleich ausschaut, entspricht nicht der Realität. Jesus stammte aus dem heutigen Westjordanland. Er hat sicher nicht das weiße Gesicht eines Spaniers oder Italieners. Dieses Bildnis Jesus‘ wurde den Menschen erst im Mittelalter nach zahlreichen Glaubenskriegen und dem Export des abendländischen Christentums aufgezwungen. Damals machte man sich Jesus zu eigen, indem man ihn mit der „weißen Rasse“ in Verbindung brachte. Heute ist es nicht wirklich anders.

Konservative Kreise werden mit der Wahl des neuen Papstes zufrieden sein. Ein dunkelhäutiger Papst wäre für Nonnen wie Schwester Wilfriede* aus Innsbruck, Tirol, nicht in Frage gekommen: „An Schwarzen brauch‘ ma net“, meinte sie vor Kurzem noch zu ihrer Freundin Schwester Anne-Marie*. Diese nickte nur zustimmend und sagte kein Wort.

*Namen geändert.

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4 Gedanken zu „Kirche, Aufklärung und Rassismus

  1. Mich wiedert die ganze Papstmayerie an und was damit zusammenhängt.
    Die Kirche im Ganzen kann mir gestohlen bleiben, nach dem ich von Dieser, im christlichen Glauben erzogen wurde.
    seit dem, bin ich ein überzeugter ATHEIST !!!

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  2. Nachdem ich schon die Institution eines Papst-Amtes an sich für nicht nur anachronistisch, das wäre das Wenigste, sondern für geradezu grotesk und letztlich für unanständig halte, ist mir der alte wie der neue Papst natürlich soweit ein Dorn im Auge, soweit mir die ganze Kirche, Protestanten wie Katholiken letztlich völlig egal ist. Selbstverständlich aber ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es vor allem in Südamerika eine Dichte von Katholiken wie nirgends sonst auf der Welt gibt. Und vor allem, dass diese Kirche eine unfassbare manipulative Macht über diese Menschen hat. Auch ist natürlich Respekt vor jeder Religion und vor allem vor jedem Gläubigen geboten, seinen Glauben frei zu leben und auszuüben. Auch wenn’s, das gebe ich gern zu, manchmal richtig schwer fällt.

    Über Herrn Bergoglio weiß ich einfach zu wenig, um ihn einschätzen, natürlich auch, um ihn final verurteilen zu können. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, seine Rolle während der Militärjunta betreffend sind aber sehr, sehr ernst zu nehmen. Die Hinweise auf einen langen, schwarzen Schatten in der Biografie dieses Mannes verdichten sich ja zunehmend! Ich stamme aus einer recht kirchenfernen Familie, so dass ich ihre Rolle in Argentinien zu jenen Zeiten nicht detailliert überblicken kann. Man ging einfach wie selbstverständlich davon aus, dass die Kirche den Mächtigen zu Fuße kriecht – wie gewohnt in der Geschichte Südamerikas. Heute weiß man, dass die Kirche in Argentinien de fakto ein Kollaborateur des Regimes war.
    Das ändert aber natürlich nichts daran, dass ich Herrn Bergoglio, wenn er denn schon der neue Papst ist, eine gute Hand zum Segen seiner Schäfchen wünsche! Träte er hörbar gegen die Armut inkl. deren Ursachenbenennung ein, so würde mich dies natürlich sehr freuen!

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  3. Die Reaktion der katholischen Kirche auf die Vorwürfe bzgl. der Vergangenheit des neuen Papstes zur Zeit der Militärdiktatur (einer der blutigsten ihrer Art!) deutet darauf hin, dass die Vorwürfe im Kern berechtigt sind. Aber das scheint mir nicht das eigentliche Problem zu sein. Wie bereits im Fall des US-Präsidenten, Obama, dessen inzwischen kleinlaut gewordenen Fans auf seine früheren Aktivitäten im Bereich sozialer Projekte hinzuweisen beliebten, muss man sich die Tatsache vergegenwärtigen, dass diese Leute (Papst oder Präsident) nicht in ihre Ämter gewählt bzw. von ihren Parteien zur Wahl aufgestellt würden, wenn sie nicht den Interessen der Mächtigen und Nutznießer der jeweiligen Systeme und Organisationen entsprächen. In den USA hatte Präsident Eisenhower – wohlbemerkt nach Ende seiner Amtszeit! – bereits vor dem wachsenden Einfluss des militär-industriellen Komplexes gewarnt. Wer in den USA und den anderen „Demokratien“ nicht mit den Interessen der führenden Fraktionen des herrschenden kapitalistischen Wirtschaftsystems zusammenpasst, hat keine Chance, Präsident zu werden. Und das Gleiche gilt für jeden Papst der katholischen Kirche, einer Institution, die mindestens 1700 Jahre lang (Taufe des römischen Kaisers Konstantin d. Großen) steht eng mit der jeweils herrschenden Klasse – seien es Sklavenhalter, Feudalherren oder Bourgeois – verbandelt war soweit diese ihre Privilegien (d.h. insbesondere die Privilegien ihres hohen Klerus) achtete und verteidigte. Die Frage, ob und wieweit ein Papst oder Kardinal etc. in seinem tiefsten Inneren an die Lehre Jesus Christus (oder, da dessen Historizität nicht gesichert ist, an das, was die frühen Christen geglaubt haben) glaubt, ist relativ irrelevant. Er ist in erster Linie Oberhaupt einer Institution, die materiell und ideologisch der jeweils herrschenden Klasse (an)gehört.

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  4. „Fakt ist, dass die Sache mit der Hautfarbe gerne von der Kirche verdrängt wird. Auch das Antlitz Jesu, welches überall auf der Welt gleich ausschaut, entspricht nicht der Realität. Jesus stammte aus dem heutigen Westjordanland.“
    Wie sahen denn die Leute im Westjordanland im Jahre 0 aus?
    Sieht Jesus überhaupz überall gleich aus?
    Ansonsten ist Ihr Artikel einfach wiederliches Gelaber..

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