Zum Tod eines Anti-Imperialisten

Hugo Chávez ist tot. Letztendlich hat der Krebs über den venezolanischen Präsident gesiegt. Chávez‘ Stellvertreter, Nicolas Maduro, hat dies am Dienstagabend bestätigt. Während Anhänger und Sympathisanten des Präsidenten weltweit trauern, kann man sich vorstellen, wer sich über dieses Ereignis heimlich freut.

Hugo Chavez und Muammar Gaddafi (Quelle: AP/ Ben Curtis)

Das Leben des Hugo Chávez war voller Höhen und Tiefen. Vom Putschisten zum Parteiführer. Vom Parteiführer zum Präsidenten. Begleitet wurde er auf diesem Weg stets von einer gehörigen Portion Marxismus. Dies änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass Chávez vom venezolanischen Volk hochgelebt wurde. 1998 feierte er seinen ersten Wahlsieg. In den Jahren darauf konnte er drei weitere Siege erleben.

Chávez war vor allem aufgrund seiner Sozialpolitik beim venezolanischen Volk hochangesehen. Unter anderem wurde eine Lebensmittelverteilungsaktion gestartet und in Slums die Gesundheitsversorgung vorangetrieben. Abgesehen davon legte er Wert auf die Alphabetisierung des Landes. So wurde es zum Beispiel Erwachsenen ermöglicht, ihre Schulabschlüsse kostenlos nachzuholen. Des Weiteren wurden innerhalb von zehn Jahren zweiundzwanzig öffentliche Universitäten errichtet. Die Zahl an Lehrern wuchs von 65.000 auf 350.000.

Im Laufe seiner Amtszeiten wurde Hugo Chávez zur Symbolfigur. Vor allem aufgrund seiner anti-imperialistischen Haltung gegenüber den USA. US-Präsident Bush wurde einst von von als „imperialistischer Teufel“ bezeichnet. Ansonsten pflegte er beste Beziehungen zu Kubas Fidel Castro und ließ sich mit Irans Ahmadinejad ablichten. Auch der ermordete Muammar Gaddafi zählte zu seinen besten Freunden. Kein Wunder, denn sie alle waren für ihn „Rebellen“, „Revolutionäre“ und „Kameraden im Geiste“. Mit diesen Personen verstand sich der „Soldat des Volkes“, wie Chávez gerne genannt wird, wahrhaftig prächtig.

Auch in Bezug auf Israel nahm Hugo Chávez immer wieder kritisch Stellung, während er seine Solidarität gegenüber den Palästinensern offen zur Schau trug. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, dass Chávez zahlreiche Sympathisanten in der islamischen Welt hat. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum, welches seit dem „Fall Augstein“ in aller Munde ist, hatte einst dem Präsidenten Antisemitismus vorgeworfen.

Aufgrund dieser Tatsachen war Chávez alles andere als unumstritten. Kritiker warfen ihm vor, die Medienfreiheit zu unterdrücken. Abgesehen davon soll er Venezuela gar nicht vorangebracht haben, denn Chávez‘ Politik profitierte hauptsächlich nur vom Ölreichtum des Landes. Vor allem den Amerikanern, die rund fünfzehn Prozent ihres Erdöls aus Venezuela beziehen, war ein solcher Präsident ein Dorn im Auge. Auch die Kontakte zu den „Erzfeinden“, sprich, Iran und Kuba, wurden im Weißen Haus mit Sorge beobachtet. Dementsprechend sind mittlerweile schon die ersten Verschwörungstheorien im Umlauf. So meinen einige, dass Chávez vergiftet wurde.

Nun ist der Mann, der von vielen heftig abgelehnt aber auch gefeiert wurde, tot. Die Zukunft Venezuelas ist ungewiss. Trotz aller Kritik hat Chávez Venezuela Unabhängigkeit gebracht. Er gab dem Land eine Stimme, die bis dahin weitgehend ignoriert wurde. Anstatt sich von den Amerikanern unter Druck setzen zu lassen, drohte er ihnen mit der Hand am Ölhahn. Er folgte nicht dem politischen Mainstream, indem er sich von Banken und Großkonzernen abhängig machte, sondern propagierte sich als Rebell, als Symbolfigur linker Ideen. Im ausgebeuteten und geschundenen Lateinamerika wurde er schnell als solche anerkannt. Die eine Seite ist nun traurig über den Verlust ihres „Soldaten“, während die andere Seite hämisch grinst und sich schon neue Pläne für Venezuela ausmalt.

Veröffentlicht im Hintergrund

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19 Gedanken zu „Zum Tod eines Anti-Imperialisten

  1. Ein großer Staatsmann ist von uns gegangen, der nicht nur für die Schwachen seiner Heimat Venezuela stand.. Ich spreche der venezolanischen Bevölkerung mein Beileid aus.
    Die Nachricht vom Tod Hugo Chávez hat in aller Welt Trauer ausgelöst. Trotz aller Kritik seitens der politischen Gegner ist diese Tatsache nicht zu leugnen.

    Chávez hat Mut bewiesen und den Befreiungsprozess Venezuelas angestrebt und auch wichtige Ziele erreicht.
    Südamerika ist schon immer Opfer hegemonialer Bestrebungen gewesen. Dabei sind es nicht nur Regierungen gewesen, die von der Instabilität der Region profitiert haben. Auch Konzerne mit großem Einfluss haben sich immer wieder eingemischt, immer wieder mit den gleichen vermeintlichen Zielen wie „Freiheit“ und „Verantwortung“. Dank Chávez ist Venezuela nicht nur eine weitere Bananenrepublik, nicht nur bekannt für Drogenanbau und mächtigen Männern in Uniformen unter den Fittichen von Konzernen und Geheimdiensten.

    Was soll daran verwerflich sein, durch den Profit der Ölreserven in das eigene Volk zu investieren, anstatt in westliche Rüstungsgüter? Die Doppelmoral der Kritiker Chávez wird am Beispiel Saudi-Arabien deutlich. Die ölreichen Sauds leben in Saus und Braus, ohne die verarmte Bevölkerung daran teilhaben zu lassen. Dabei investieren sie kräftig in den internationalen Terrorismus, in Selbstmordattentäter und deutsche Leos.

    Ich hoffe, dass der Tod von Chávez den Fortschritt in Venezuela nicht stoppt. Wer auch immer nach Chávez folgt, wenn er den frei gewählt wurde, sollte im Interesse dieser Nation handeln.

    Hut ab, Hugo!

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  2. Vielen Dank, Emran, dass du Hugo Chávez einen so fairen Nachruf gewidmet hast! Du hast sehr gut Chávez‘ Verdienste, aber auch ein paar problematische Dinge an dieser Figur herausgestellt.

    Auf La Bohémien schrieb ich vorhin dies:
    Auch das argentinische Volk inkl. seiner Regierung wie auch die meisten anderen süd- und mittelamerikanischen Länder trauern um einen für diesen Kontinent so unglaublich wichtigen politischen Führer.
    Gewarnt werden darf aus gutem Grund freilich vor der deutschsprachigen medialen Verarbeitung des Todes von Hugo Chávez, was ganz natürliche ideologische Gründe hat. Eine diesem Mann gerecht werdende, faire Beurteilung in deutscher Sprache wird von anderer Seite kommen müssen. Ich halte mich vorläufig an die spanischsprachigen Medien, die aus ein paar Zeitungen mehr als venezolanischen, kubanischen, bolivianischen und ecuadorianischen besteht! Und der Ton ist unisono derselbe: Mit Chávez ist ein ganz großer antiimperialistischer, sozialistischer Staatsführer von uns gegangen, der nicht nur in Venezuela eine riesige Lücke hinterlassen wird, sondern weit darüber hinaus!
    Ich habe Venezuela in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Male besucht und ich bin Zeugin dieser unglaublichen sozialen Veränderungen innerhalb der Armuts-, Gesundheits- und Bildungspolitik von Hugo Chávez und Zeugin einer ganz besonderen Atmosphäre in Venezuela, die es so nur noch auf Kuba gibt.
    Chávez Populismus, Chávez rigider Umgang mit Teilen einer (von den USA mitfinanzierten) Presse, Chávez echte politische Fehler (wenige!), Kriminalität und Korruption (beides gab es vor Chávez und nach Chávez) in Venezuela usw. – da wage ich ein gewagtes: Und? Pardòn, angesichts einer von einer Konzentration einiger Verlagshäuser in Deutschland stromlinienförmig gefönten Presse, angesichts einer besonders von Deutschland vertretenen neoliberalen Politik, die den Süden Europas in den Abgrund führt, soziale Schluchten aufreißt und am Kern der Demokratie sägt und angesichts einer wachsenden militaristisch ausgerichteten Politik zur Durchsetzung geostrategischer, wirtschaftlicher Interessen will mir dann nicht mehr zwingend viel wirklich Schlimmes an Hugo Chávez einfallen! Das Einzige, was ich als Pazifistin nie leiden konnte, war sein militaristischer Habitus. Und deshalb mag ich auch den Begriff “Comandante” nicht. Aber da geht es mir bei Ché Guevara und Fidel Castro nicht anders. Dass es aber auch anders in Südamerika geht, zeigt geradezu symbolisch Evo Morales mit dem Poncho, wenn auch die Revolutionen in den beiden bzw. drei Ländern nicht vergleichbar sind.
    Für Südamerika (und eigentlich global) gilt nach wie vor – und wenn es tausendfach mitleidig belächelt wird:
    ¡Hasta la victoria siempre! ¡Venceremos!
    ¡Qué duermas bien, Hugo Chávez, qué día más triste y desesperado!

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    • Die Revolution muss sich verteidigen können. Sonst ist sie innerhalb kürzester Zeit weggebombt!
      Siehe den Überfall der Entente und der USA auf von allen Seiten gleichzeitig auf Russland 1918
      Siehe Vietnam
      Siehe Chile
      Siehe Nicaragua
      Siehe Angola
      Siehe Libyen
      Siehe Syrien
      Pazifismus ist gut, aber untauglich, wenn immer die Unterdrückten aufgefordert werden, sich zu entwaffnen und auch die andere Wange hinzuhalten! und untauglich, wenn es um die Verteidigung der Revolution geht! Die Imperialisten lassen sich ihre Macht und ihren Reichentum nicht „einfach so“ wegnehmen, weil wir alle so lieb lächeln und so schön pazifistisch sind!
      Was Du „Militarismus“ nennst, war das deutliche Signal an die USA und ihre Vasallen: Versuch nicht, mich anzugreifen – wir sind bereit und fähig, uns zu verteidigen und Euch zu besiegen!
      Wie wir sehen, hat das bisher funktioniert: Die USA haben ihren Schwanz eingezogen und haben Venezuela machen lassen!
      Feiglinge greifen immer nur die an, die schwächer als sie selbst sind (oder sich so darstellen).

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      • Nachdem du meine Biografie nicht kennen kannst, sei dir diese Belehrung gegönnt, verehrte Solveigh. Ich war über 30 Jahre eine zutiefst überzeugte, glühende Verfechterin deiner Argumente. Und ich hatte – im Gegensatz zu dir – die Gründe für diese Haltung vor meiner unmittelbaren und mittelbaren Haustür. Darüber hinaus habe ich zwei Jahre auf Cuba gelebt und gearbeitet und war mithin ständig konfrontiert mit diesen Kernthesen, aus denen das freie Cuba überhaupt erst entstehen konnte und die tief in mir Spuren hinterlassen haben. Trotzdem.
        Pazifismus ist schwierig, oh ja. Pazifismus ist das Trotzdem! Ich kenne die ganze Litanei natürlich aus der rechten – und wie von dir natürlich auch aus der linken Ecke. Nichts Neues. Du magst mir aber bitte verzeihen, wenn ich dir gegenüber meine Argumente pro Pazifismus schenke.

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  3. Ich verneige mich, vor Hugo Chavez.
    Möge die Welt noch viele, wie ihm, hervor bringen.
    Er war ein Bollwerk gegen die mächtige, imperialistische USA
    Möge Dein Wirken für die Zukunft Lateinamerikas, als ewiges Beispiel, Nachahmer finden!

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  4. El Commandante,

    wieso werden Helden der Menschheitsgeschichte, und die Betonung liegt auf Menschheit, in einer Reihe mit denen des Tierreiches, sprich den Ziegen, genannt?

    Für alle Bergziegen Zentralasiens mag Massoud ein Held sein, aber in dieser illustren Runde werden nur menschliche Errungenschaft hochgehalten.

    Pfui daibel!

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    • el refutador

      Wie könnt ich nur….
      Ich bitte vielmals um Entschuldigung…

      Die Sowjets sind ihren afghanischen Brüdern nur zu Hilfe geeilt um den Sozialismus zu verteidigen.

      Die Revolution war ja schließlich vom Volke ausgegangen….

      Die Bauern wollten die Bodenreform…
      Die Arbeiter wurden ausgebeutet und lebten in miserablen Zuständen….

      Und schließlich kamen die Volksvertreter…
      ….Taraki…Amin…Karmal…

      Aber Aber…

      Wie kommt es dass sich die Bevölkerung gegen diese Leute stellt
      Ich vergaß…sind ja nur Dissidenten.
      Aber wieso so viele und auch noch außerhalb Kabuls.
      Achja die einfache Bevölkerung..traditionell islamisch…analphebeten…
      Warum haben die Kommunisten das nicht bemerkt…
      Waren vielleicht fremd gesteuert…

      Bevor du ihn als einen Ziegen bezeichnist solltest du mal seine Person genauer unter die Lupe nehmen..
      Er erkannte dass Afghanistan ein sehr traditionell islamisches Land ist und die Saur Revolution nicht den Weg der Menschen wieder spiegelt.
      Abgesehen davon dass die Revolution lange vorher von Moskau geplant war und keine bürgerliche Revolution war.
      Schau dir mal die Lage der Su in den 70ern an und du wirst feststellen das sie eingekreist waren durch Us Stützpunkte .
      Ihr einziger Weg nach draußen war eben Afghanistan weiter bis hin zu Pakistan zum lang ersehnten eisfreien Meer.
      Ihr Anliegen war also ein Hafen wohin sie ihre Kriegsschiffe ansteuern konnten.
      Hätten sie dies erreicht wäre Afghanistan womöglich zu einer Sowjetrepublik geworden.

      Es machte sich jedoch der Wieder stand breit.
      Das Disaster nahm schließlich Gestalt an. Es wurden diverse Gruppierungen und Bewegungen gegründet die jetzt im Namen Allahs ihr moslemisches Land verteidigen wollten und sie Mujaheedin nannten.
      Es begann der sowjetisch-afghanische welche nach zehn Jahren mit einer Niederlage für die Su endete.

      Die Sieger waren ganz klar die Mujaheedin und insbesondere der Feldherr Ahmad Schah Massoud.

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      • … und wer hat die so genannten Freiheitskämpfer finanziert, ausgerüstet und angeleitet?
        Es gibt einen Film darüber: Es war die CIA. Also handelt es sich bei diesen „Muhajeedin“ NICHT um einen Kampf des afghanischen Volkes, sondern um einen von außen gesteuerten Krieg der Unterdrücker gegen die Unterdrückten und diejenigen, die dieses zutiefst kriminelle Unrechtssystem, genannt Kapitalismus, abschaffen woll(t)en. Wie wir das auch gerade in Syrien erleben und dem auch Hugo Chavéz zum Opfer fiel!

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  5. Calderin

    Nur zu dumm das die Mehrheit der Afghanen, was in ihren Augen nicht das Volk war, am Kampf beteiligt war.
    Was ich Ihnen damit sagen will ist das dieses Volk zu stolz ist und nicht bevormundet werden will durch fremde Mächte bzw. Einflüsse.
    Es mag durchaus sein dass die Sowjets den Fortschritt brachten. Aber es stößte auf Wiederstand.
    Das zeigt die Geschichte dieses Landes immer wieder und deswegen ist auch der afghanische Kommunismus samt ihren selbsternannenten Führern gescheitert.

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    • Das bleibe noch zu analysieren. Mir fehlen die notwendigen Hintergrundinformationen, um das bis ins Letzte zu untersuchen.
      Ich weiß jedoch sicher, dass die so genannten „Rebellen“ in Afghanistan – wie seit dem ALLE so genannten „Rebellen“ und so genannte „Widerstandskämpfer“ – von der CIA bezahlt, angestachelt, ausgerüstet und angeleitet wurden. Und ich weiß mit Sicherheit, dass deren dahinter stehendes Ziel in Afghanistan „die Sowjetunion soll ihr Vietnam erleben“ war. Dazu kommt natürlich der Opiumanbau.
      WENN die Afghanen ein so stolzes Volk sind und jede Fremdherrschaft ablehnen, so frage ich mich doch, warum sie die Amerikaner und deren Bluthunde samt dem dreckigen Drogenhandel nicht einfach zum Teufel jagen?
      Aber die Dollars schmecken ja besser als dem eigenen Volk zu dienen, nicht wahr?

      Ich glaube, sie betrachten die ganze Anglegenheit ein wenig sehr einseitig, El Commandante (wessen Kommandant wollen sie denn sein?).

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