Polit-Elite und Kriegstreiber treffen sich in München

In der bayrischen Landeshauptstadt findet gegenwärtig die jährliche Münchner-Sicherheitskonferenz statt. Allerdings braucht man nur einen Blick auf die Anwesenheitsliste zu werfen, um zu wissen, dass dieses Treffen nicht viel mit Frieden und Sicherheit zu tun hat.

Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz

Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz; Quelle: süddeutsche.de

US-Vizepräsident Joe Biden ist wohl die Hauptfigur der diesjährigen Sicherheitskonferenz. Die Presse schreibt, wie sich Biden für ein uneingeschränktes, transatlantisches Abkommen zwischen den USA und der EU einsetzt. Währenddessen sorgte Biden am Freitag für andere Schlagzeilen. So konnte man zum Beispiel in der Süddeutschen lesen, dass Obamas Vize wieder einmal den Iran mit Blick auf dessen Nuklearprogramm warnt. Biden will zwar immer noch mehr oder weniger auf Diplomatie setzen, allerdings wird „dieses Fenster nicht uneingeschränkt offen stehen“. „Eine potenzielle iranische Atombombe sei eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten“, so Biden.

Zum gleichen Zeitpunkt sind auch zahlreiche Gäste aus Israel in München anwesend. Unter ihnen ist zum Beispiel Verteidigungsminister Ehud Barak, Gesandte des Außenministeriums sowie der Chef des israelischen Sicherheitsrats. Man kann wohl ohne schlechtem Gewissen behaupten, dass diese Herrschaften für den ersten israelischen Luftangriff im Syrien-Krieg, der vergangene Woche stattfand, verantwortlich sind. Obwohl immer noch nicht klar ist, was das Ziel dieses Angriffs war, ist die Tatsache, dass er stattfand, unumstritten. Damit hat Israel die Souveränität des syrischen Luftraums verletzt und provokativ in den Konflikt im Nachbarland eingegriffen. Eine Stellungnahme der israelischen Regierung hat es, wie man es nach derartigen Aktionen eben gewohnt ist, bis jetzt noch nicht gegeben. Es wäre interessant zu wissen, ob Syrien denn nun auch das Selbstverteidigungsrecht hat, auf das sich Israel gerne beruft.

Ob über dieses Ereignis in München gesprochen wird, ist eine andere Frage. Stattdessen wird auf den Iran gezeigt. Dafür sorgen unter anderem auch Gäste wie der Saudi-Prinz Turki al-Faisal, der einst ehemaliger Geheimdienstchef seines Landes war und die Freischärler und Terroristen an der türkisch-syrischen Grenze mit Waffen versorgt. Des Weiteren ist der libysche Außenminister, Mohammad Abdul Aziz, anwesend, dessen Regierung man nach dem Sturz Gaddafis installiert hat. Eine Regierung, die auf die gleiche Art und Weise an die Macht kam wie es auch bald in Syrien der Fall sein wird. Damit sind keinesfalls demokratische Wahlen gemeint. Würde die libysche Regierung tatsächlich die Mehrheit des Volkes hinter sich haben, würde dort kein Chaos vorherrschen. Auch in Afghanistan und im Irak wurden kurz nach den westlichen Interventionen derartige Wahlen abgehalten. Das Chaos in Libyen, welches mit der NATO-Intervention begann, ist übrigens auch für die gegenwärtige Lage in Mali verantwortlich. Davor hat der narzisstische Muammar al-Gaddafi zu Lebzeiten gewarnt. Damals hat das jedoch niemanden interessiert.

Weitere Gäste sind unter anderem Fares Mohammad al-Masroui, ehemaliger General und Abgesandter der Vereinigten Arabischen Emirate, Khaled al-Attiyah, Katars Koordinationsminister, sowie zahlreiche weitere Vertreter arabisch-absolutistischer Monarchien, die tagtäglich ihre Bevölkerung unterdrücken und totalitär regieren. Da diese „guten“ Diktaturen jedoch weiterhin gehorsam sind und Öl liefern, wird ihre Anwesenheit ihrer Vertreter nicht in Frage gestellt.

Natürlich befinden sich auch zahlreiche „Würdenträger“ der deutschen Polit-Elite zurzeit in München. Zum Beispiel Jürgen Trittin, der sich in letzter Zeit immer mehr als Kriegsbefürworter entpuppt und ein härteres Einschreiten Deutschlands in Mali befürwortet. Natürlich ist auch Außenminister Westerwelle vor Ort. Dieser hat gerade erst noch einmal betont, dass man die sogenannte syrische Opposition mehr unterstützen solle, sprich, mehr Geld und Waffen müssen her. Der Chef dieser Opposition, Moaz al-Khattib, der ebenfalls in München anwesend ist, meinte, dass mehr Waffen her müssen, wenn Worte nichts mehr nützen.

Die westliche Doppelmoral hat damit wieder einmal ihren Zenit erreicht. Während in Mali sogenannte Islamisten bekämpft werden, erhalten die gleichen Gruppierungen deutsche Unterstützung und werden mit Waffen und Geld beliefert. Während man die Mali-Intervention für legitim erklärt hat, lädt man jene Leute, die die Brutstätten dieser Fanatiker betreiben nach München ein und gewährt ihnen nicht nur Unantastbarkeit, sondern sichert ihnen auch finanzielle Unterstützung zu.

Die Fakten werden meist unter den Tisch gekehrt. Auch in München wird dies der Fall sein. Man wird die Bewaffneten in Syrien weiterhin aufrüsten, bis der unliebsame Diktator aus dem Weg geschafft ist. Währenddessen bekriegt man in Mali jene, die man im Kampf gegen Gaddafi unterstützt hat. Den arabischen Absolutisten werden weiterhin die Hände geküsst, während ein Mohammad Morsi den Mahnfinger Merkels ertragen muss. Wohin diese Politik, die man nur als Heuchelei bezeichnen kann, führen wird, ist unabsehbar. Und wer sie dennoch befürwortet, hat einfach nichts verstanden.

*Vollständige Anwesenheitsliste hier

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8 Gedanken zu „Polit-Elite und Kriegstreiber treffen sich in München

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  2. „Wenn ein Deutscher, Amerikaner, Israeli und Iraner sich treffen …“
    Mein absoluter Favorit: Ruprecht Polenz. Der Ruprecht erinnert mich ein bisschen an den Nikolaus. Der Amerikaner, …, nunja, würde ihn einer kennen, wenn er nicht gerade der Vizepräsident eines Clubs ist, der ständig mit anderen Rockerbanden ins Unreine gerät? Und der Israeli, mein Gott, der hat sich sogar bei Merkels Freund Sarkozy als Lügner unbeliebt gemacht. Wäre ich nicht ein so großer Fan vom Nikolaus, so wäre der Iraner Salehi mein Favorit, weil er Afghanistan nicht buchstabieren kann. Er nämlich die Personifikation des iranisch-afghanischen Verhältnisses.

    So könnte ein Sparwitz anfangen, den jeder nach zehn Minuten wieder vergisst. Ginge es hierbei nicht um die Zukunft und Freiheit von Menschenleben, wäre es auch vielleicht amüsant, dem Theater in München mit Witz zu begegnen, weil ihre Akteure derart lächerlich sind. Ich wünschte, die Länder dieser Welt könnten Vertreter mit Ideen in die Welt schicken, statt Vertreter mit Interessen.

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    • Jede Atombombe ist eine Bedrohung für die Welt. Ich bin stolz darauf in einem Land zu leben, welches keine atomaren Sprengsätze sein Eigen nennt. Die USA, China, Frankreich, Pakistan, Indien und all die anderen Länder sollten auch versuchen diese Werkzeuge unschädlich zu machen. Fragen Sie mich bitte nicht wie, ich war in Physik immer eine Niete.

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      • ich betone besonders die israelische Atombombe,
        weil alle Welt sich über das angebliche Atomprogramm Irans aufregt,
        aber sich niemand für das Atomwaffenarsenal Israels interessiert!

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