Hoodbhoys lächerliche Aussagen

SPIEGEL-Korrespondent Hasnain Kazim führte ein Interview mit dem pakistanischen Atomphysiker Pervez Hoodbhoy. In diesem Gespräch gab der Wissenschaftler so einige krude Theorien von sich, die der Interviewer komischerweise meistens einfach so stehen ließ, ohne groß nachzuhaken. Hoodbhoys Meinung ist ziemlich eindeutig: Der Islam ist an allem Schuld und 1,5 Milliarden Muslime haben innerhalb der letzten ein Tausend Jahre nichts auf die Reihe gebracht. Ich will kurz deutlich machen, warum der Mann mit dem Großteil seiner Aussagen falsch liegt.

Quelle: thefridaytimes.com

Wir erleben gerade eine große kulturelle Revolution in der islamischen Welt. Nicht nur Pakistan ist betroffen, sondern mehr oder weniger jedes muslimische Land. Pakistan verändert sich, Afghanistan hat sich radikalisiert, Iran, der Irak, viele Länder in Afrika und in der arabischen Welt, Ägypten, Algerien, jetzt Mali. Früher oder später wird man auch in Syrien nur noch verhüllte Frauen sehen.“

So einfach und schwarz-weiß wie es Herr Hoodbhoy darstellt, ist es dann doch nicht. Man muss vor allem genau unter die Lupe nehmen, wer sich denn in den besagten Ländern radikalisiert hat und warum dies der Fall ist. Die Radikalisierung in Pakistan hat hauptsächlich mit den Kontakten zum wahhabitischen Saudi-Arabien zu tun, einem der wichtigsten Partner des Westens. Dieser Sektenextremismus wurde dann während des Kalten Krieges nach Afghanistan exportiert und wird bis heute vom Großteil der Bevölkerung strikt abgelehnt. Das Problem damals jedoch war, dass die Ideologie des Wahhabismus gezielt von den westlichen Unterstützern der Mudschaheddin gefördert wurde, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

Das Gleiche ist übrigens gegenwärtig in Syrien der Fall, in Libyen und im Irak wurde nicht anders gehandhabt. Selbst im Balkan und im Tschetschenien-Konflikt griff man auf diese Methode zurück. Deshalb braucht man hier auch nicht so tun, als ob das Ganze von selbst zustande gekommen sei.

Es gibt rund 1,5 Milliarden Muslime in der ganzen Welt – aber sie können in keinem Bereich eine substantielle Errungenschaft vorweisen. Nicht im politischen Bereich, nicht in gesellschaftlicher Hinsicht, weder in den Naturwissenschaften noch in der Kunst oder in der Literatur. Alles, was sie mit großer Hingabe tun, ist beten und fasten. Aber es gibt keine Bemühungen, die Lebensbedingungen innerhalb islamischer Gesellschaften zu verbessern. Unbewusst spüren die Menschen natürlich, dass das ein kollektives Versagen ist.“

Einen derart pauschalisierenden Satz habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Da will ein pakistanischer Wissenschaftler allen Muslimen weltweit kollektives Versagen vorwerfen. Ob er sich selbst als Muslim betrachtet, ist eine andere Frage. Dennoch wird hier so getan, als ob kein einziger Muslim es zu auch nur irgendetwas gebracht hat. Obendrein gibt es dann auch noch niemanden, der die Situation innerhalb der islamischen Gesellschaften verbessern will.

Ein kleiner Rückblick: Im Großteil der arabischen Staaten waren bis vor Kurzem noch vom Westen gestützte Diktatoren an die Macht, die jeden Kritiker ins Gefängnis warfen. In Ländern wie Saudi-Arabien, Qatar und Bahrain ist das immer noch der Fall. Da die Despoten jedoch alles tun, was die westlich-imperialistischen Ölabnehmer wollen, soll dort die Situation bleiben wie sie ist. Falls in Riad ein Demonstrant die Stimme erhebt und nach Veränderungen lechzt, wird er demnächst womöglich von deutschen Panzern überrollt. Abgesehen davon gibt es genug Muslime, die sich für Veränderungen und für den Fortschritt einsetzen. Friedensnobelpreisträger wie Mohammad Yunus und Tawakkul Karman wären zum Beispiel derartige Persönlichkeiten, nur um einige genannt zu haben. Diese Tatsachen sind Menschen wie Hoodbhoy egal. Der betende und fastende Muslim ist schuld. Punkt.

Der Arabische Frühling war lediglich eine Antwort auf autokratische Systeme und Despotismus, also auf die Gründe, die die arabische Welt in Dunkelheit haben versinken lassen. Die Proteste waren aber kein Verlangen einer kulturellen oder wissenschaftlichen Renaissance. Daher kann man keine großen Veränderungen erwarten. Eine wirkliche Befreiung wird es nur geben, wenn auf politische Veränderungen ein kultureller Wandel und eine Veränderung von Einstellungen folgt. Die arabischen Muslime müssen ihren falschen, aber weit verbreiteten Glauben ablegen, dass Wissenschaft in irgendeiner Weise Elemente von Religion enthält. Diese Inschallah-Mentalität, die für alles Gott verantwortlich macht, ist der Gegensatz zu wissenschaftlichem Denken. Ganz abgesehen davon ist die arabische Arbeitsmoral schlecht. Es gibt ständig Unterbrechungen, um religiöse Pflichten zu erfüllen. Um wettbewerbsfähig in der modernen Welt zu werden, müssen Dinge wie Pünktlichkeit und das Einhalten von Regeln, die Menschen aufstellen, nicht Gott, dramatisch verbessert werden.“

Natürlich, Hoodbhoy spricht von autokratischen Systemen und Despoten, erklärt aber nicht, wie diese in der besagten Region überhaupt erst zustande gekommen sind. Was der Atomphysiker mit dem „falschen Glauben der arabischen Muslime“ meint, ist ebenfalls fragwürdig. An dieser Stelle hätte man genauer nachfragen sollen. Und ja, die arabische Arbeitsmoral ist natürlich schlecht, denn die faulen Araber beten nur und sind demnach faul. Bei diesen Worten kann einem nur schlecht werden. Woher der SPIEGEL diese pauschalisierenden Gestalten immer wieder auftreibt, ist mir ein Rätsel.

Welche bedeutende Erfindung oder Entdeckung haben Muslime in den vergangenen tausend Jahren gemacht? Strom? Elektromagnetische Wellen? Antibiotika? Den Verbrennungsmotor? Computer? Nein, nichts, jedenfalls nichts, was eine moderne Zivilisation ausmacht. So ist es nun einmal. Und wenn es nach den religiösen Fanatikern geht, macht das auch nichts. Die stecken gedanklich immer noch im zwölften Jahrhundert.“

Der Wissenschaftler Hoodbhoy hat anscheinend starke Bildungslücken. Da will doch tatsächlich einer behaupten, die muslimische Gesellschaft habe in den vergangenen ein Tausend (!) Jahren nichts geleistet. Allem Anschein nach hat der Mann noch nie etwas von Avicenna ( Ibn Sina; 980-1037) gehört. Avicenna gehörte zu den größten Genies des Orients, war ein Universalgelehrter, der mehrere Sprachen perfekt beherrschte und hauptsächlich Pionierarbeit im medizinischen Bereich leistete. Dies alles zu einem Zeitpunkt, in dem sich Europa noch im dunklen Mittelalter befand. Schon zu Lebzeiten war er im Abendland als „Fürst der Ärzte“ bekannt, heutzutage werden Vorlesungen in Oxford über ihn gehalten. Abgesehen davon hat er noch zahlreiche philosophische und historische Werke geschrieben.

Ibn Sina war jedoch nicht der Einzige dieses Kalibers. Al-Biruni, Al-Razi und zahlreiche andere waren ebenfalls orientalische Wissenschaftler, unter anderem auch Araber, die in wissenschaftlichen Bereichen der Grundlagen schufen, ohne die wir heute nicht so leben könnten, wie wir es tun. Hoodbhoy hätte bedenken sollen, dass er die Zahlen der „faulen Araber“ benutzt und nicht jene eines anderen Volkes.

In Pakistan töten radikale Sunniten inzwischen täglich Schiiten, nur weil die für Ungläubige gehalten werden.“

Wieder einmal lässt Hoodbhoy die Tatsache links liegen, dass seine eigene Regierung diese Radikalen regelrecht gezüchtet hat. Die „radikalen Sunniten“ können keineswegs mit den „normalen“ Muslimen, die die Mehrheit einer jeden islamischen Gesellschaft ausmachen, verglichen werden.

Diejenigen, die nicht bereit sind zu reden, sondern an Gewalt festhalten, müssen wir töten. Nehmen wir die pakistanischen Taliban: Sie haben zwei Forderungen, nämlich dass Pakistan seine Bindungen zu den USA kappt und dass wir die Scharia einführen als einzig gültiges Recht.“

Wer zur Ermordung anderer aufruft, ist selbst ein Fanatiker. Hoodbhoy hat mit dieser Aussage bewiesen, dass er selbst radikal ist. Und ein weiteres Mal will uns der alles wissende Wissenschaftler nicht erklären, dass die Wurzel der Taliban in seinem Heimatland liegt, dass sie jahrelang dort unterstützt wurden und gegenwärtig immer noch Teil der Machtspiele des ISI sind. Die Sache mit den USA ist ohnehin ein ganz anderes Thema, denn viele einfache Menschen schließen sich diesen Radikalen erst an, nachdem ihre Häuser von Drohnen in die Luft gejagt wurden.

Fazit: Pervez Hoodbhoys Weltanschauung ist mehr als nur einseitig. Es ist nicht nur die Tatsache, dass er permanent pauschalisiert und falsche Informationen verbreitet, am Ende wird dann sogar indirekt zum Mord aufgerufen. Die Radikalen, die die freie Gesellschaft angeblich so sehr stören, sollen einfach getötet werden, damit dann Personen wie Hoodbhoy das Sagen haben. Engstirnige Menschen, die selbst von ihrer ganz persönlichen Ideologie besessen sind und sich genau deshalb gar nicht so sehr von den Taliban oder anderweitigen Fanatikern unterscheiden. Einen Mann, der permanent gegen ein ganzes Volk und gegen eine ganze Volksgruppe hetzt, kann und will ich nicht ernst nehmen. Umso trauriger ist es, dass SPIEGEL-Online einem solchen Mann überhaupt eine derartige Bühne bietet.

Es liegt auf der Hand, dass zur Zeit und schon seit einigen Jahrzehnten, von mir aus auch seit einigen Jahrhunderten, gewisse Probleme in islamischen Ländern vorherrschen. Diese Probleme sind allerdings nicht auf die islamische Gesellschaft an sich und schon gar nicht auf den Islam zurückzuführen. Jahrelang wurden islamische Länder in Afrika und Asien von fremden Besatzern unterdrückt und ausgebeutet. Diese Besatzer befinden sich auch heute wieder in diesen Ländern und wollen dort ein weiteres Mal ihre eigenen Interessen durchsetzen. Gezielt wurden und werden Völkergruppen und Konfessionen gegeneinander ausgespielt. Blut wird vergossen, Marionettenregime werden installiert. Den Rest der Geschichte kennt man ja. Und am Ende soll dann der Islam schuld sein.

Schaffen es dann Länder wie der Iran oder Libyen unter Gaddafi in gewisser Weise selbstständig zu werden, fängt die Kriegshetze in Berlin, Paris, London, Washington und anderswo an. Dann heißt es plötzlich, dieses und jenes Atomprogramm bedrohe den Weltfrieden und diese und jene Waffen bedrohen die USA und Europa. Diese Tatsachen sind der Grund dafür, warum gegenwärtig in vielen islamischen Ländern kein Fortschritt stattfinden kann.

Es gibt viele Fragen, die jeden von uns mehr oder weniger beschäftigen. Mit Pauschalisierungen und Diffamierungen, wie jene Hoodbhoys, die nichts mit Gesellschafts- und Religionskritik zu tun haben, können sie jedoch nicht beantwortet werden.

 

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16 Gedanken zu „Hoodbhoys lächerliche Aussagen

  1. schade, dass der Autor seine Meinung über das tatsächliche Interview setzt und somit bewusst nur einige Zitate aus dem Kontext kopiert. Damit ist meiner Ansicht nach der Thema des Interviews und die tatsächliche Ansicht Hoodbhoys – undzwar die Kritik an der Gesellschaft nicht an der Religion verfehlt.

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    • „Welche bedeutende Erfindung oder Entdeckung haben Muslime in den vergangenen tausend Jahren gemacht? Strom? Elektromagnetische Wellen? Antibiotika? Den Verbrennungsmotor? Computer? Nein, nichts, jedenfalls nichts, was eine moderne Zivilisation ausmacht. So ist es nun einmal. Und wenn es nach den religiösen Fanatikern geht, macht das auch nichts. Die stecken gedanklich immer noch im zwölften Jahrhundert.” Die ganze zeit greift er die Muslime an und Sie behaupten, das hat mit Religion nichts zutun …wachen Sie auf bitte 🙂

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      • Hoodbhoys unterstellt Muslimen Rückschritt. Muslime gehören der islamischen Religion an. Folglich ist der Islam rückschrittlich.

        Haben Sie noch nie etwas von Syllogismen gehört?

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  2. „, der mehrere Sprachen perfekt beherrschte und hauptsächlich Pionierarbeit im medizinischen Bereich leistete.“ Das mit dem perfekt ist so nicht nachvollziehbar, (sein Altgriechisch und Latein dürften beachtlich gewesen sein, so genau wissen wir das nicht) und die echte Pionierarbeit kann man ihm auch nicht nachsagen, er hat uns vor allem Hippokrates überliefert und ausführlich kommentiert. Neue eigene medizinische Kenntnisse sind dabei kaum herum gekommen. Der gute Avicenna taugt als Sprachengelehrter und universal gebildeter Mann seiner Zeit, aber kaum als inovativer Forscher (jedenfalls nicht mehr als andere muslimische Gelehrte seiner Zeit, wenn man die Riesen auf denen er Stand „abzieht“), was seinen Stand als Autorität keinen Abbruch tut. Da gibt es aber bessere Beispiele. Die „neuere“ Form des Kompaßes, die entwickelten Linsensysteme wie im Fernrohr, die höhere Algebra.
    An diesen Beispielen merkt man aber schon, dass es eigentlich keinen Sinn ergibt davon zu reden welches Volk/ Religion / Kultur welche Erfindungen gemacht hat, da kaum je eine Erfindung nicht auf Vorläufer zurück geht. Die Tatsache, dass die Muslimische Welt die wissenschaftlichen Traditionen aus Indien und dem antiken Europa aufgegriffen hat und weiterentwickelt hat, damit Europa überhaupt in der Renaissance den nächsten Schritt machen konnte, ist an sich mehr als genug herausragende Leistung. Es würde mich persönlich nicht wundern, wenn die Muslimische Welt viele Antworten findet, auf Fragen, die uns Europäer heute kaum lösbar erscheinen. Das war seit jeher der Werdegang des größten Kulturraumes der Welt dem zwischen Morgen- und Abendland. Denn diese Beziehung bestand schon zwischen den Hochkulturen des nahen Ostens und den führen griechischen, als von Christentum und Islam noch niemand etwas wusste.

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  3. Avicenna wirkte vor etwa 1000 Jahren, was die Aussagen dieses Wissenschaftlers eher belegt als in Frage stellt. Daher ist es etwas ungeschickt, sich ausgerechnet darauf zu beziehen. Muss wohl daran liegen, dass in den 1000 Jahren nach Avicenna nichts Neues dazukam, womit dieser Punkt vollends an Hoodbhoy geht. Das pakistanische Atomprogramm IST eine der wenigen wissenschaftlichen Leistungen des Orients, auch wenn dabei wenig Originelles herumgekommen sein dürfte. Pakistan wird durch das Programm im Gegensatz zu anderen Staaten von kriegslüsternen Kräften in Israel und den USA verschont bleiben. Der Iran sollte sich damit beeilen, bevor er der nächste Schauplatz amerikanischer Hegemonialpolitik wird. Daher: Alles richtig gemacht.

    Übrigens hat Religion auch im Westen schlimmste Verwüstungen angerichtet, in Form der Inquisition, dem 30 Jährigen Krieg und Jahrhunderten geistiger Dunkelheit. Wenn wir in Richtung Orient schauen, können wir uns den Zeigefinger also gerade….

    Leider steht zu befürchten, dass infolge der Zeitverzögerung aufgrund des Altersunterschiedes der 30Jährige Krieg dem Orient erst noch bevor steht. Und daran ist nur und ausschließlich die Religion schuld, bzw. der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, wie Hoodbhoy richtig sagt.

    Infolge dessen lesen wir hier den ersten rein ideologiegetriebenen und in Anbetracht der sonstigen hohen Qualität doch eher enttäuschenden Blog-Eintrag von Emran Feroz.

    Man hätte auf andere Dinge abzielen können, um zu versuchen Hoodbhoy zu widerlegen – was in etwa dem Versuch gleichkommt, zu zeigen dass es Tags dunkel ist.
    Zum Beipsiel die undogmatische, humanistische und tolerante Linie gewisser islamischer Strömungen, wie z.B. den Sufismus, der auch in Pakistan in etwa 25 % der Bevölkerung lebendig ist. Und der auch den Löwenteil zum islamischen Kulturschaffen beigetragen hat. Wer waren denn Rumi, Hafez, Saadi, oder der paschtunische Dichter Rahman Baba ?
    Avicenna steht quasi auch in dieser Tradition, mit den meisten der anderen großen islamischen Denker. Und seine Denkweise ist, obwohl er 1000 Jahre alt ist, heutigen Muslimen teilweise um 1500 Jahre voraus – was allerdings wiederum ein Argument für Hoodbhoy darstellt.

    Man hätte darauf abzielen können, dass 60 % der studierenden im Iran weiblich sind. Dass dort, wie auch in Tunesien, etliche Universitäten stehen. Nur bei der Frage nach dem Warum kommt man wiederum am Westen nicht vorbei.

    Nur Eines hilft, und das ist der zentrale Punkt: Der Islam und das Christentum werden kulturhistorisch beide den westlichen Traditionen zugerechnet. Der inhaltliche Unterschied geht nämlich gegen NULL.

    Und ihr Beitrag zur Entwicklung war in beiden Fällen und Regionen einfach nur hundsmiserabel, mit Ausnahme von Rumi, Hafez und Bach. Avicenna war, wie Hoodbhoy, übrigens nicht in erster Linie Muslim, sondern Wissenschaftler.

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    • ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum über diesen mann so viel diskutiert wird. da aber schon ein blogeintrag verfasst wurde, gebe ich mal auch meinen senf dazu, vor allem bei manchen kommentaren hier wird mir schlecht. dass so viele leute, die anscheinend auch ein intellektuelles niveau haben, soviel BS von sich geben, ist schon ’ne harte sache.

      hier sollte mal einiges klar gestellt werden, denn ich denke, dass ist auch der sinn des beitrags. dieser mann, hoodb(h)oy, bezeichnet ein ganzes volk als kollektiv faul. dann sagt er noch, dass dieses volk bzw. die muslime im allgemeinen nix auf die reihe gebracht haben in den letzten 1000 jahren. obendrein, und das finde ich ist so ziemlich das heftigste, sagt er, dass man irgendwelche radikalen, die sich gewissermaßen dem fortschritt in den weg stellen, einfach töten soll.

      alle aussagen bis auf die letzte sind falsch. dazu reicht ein blick in die historie. seien wir mal kleinlich: avicenne starb 1037, d.h. das mit den 1000 jahren ist falsch. natürlich sagen dann leute wie norman r., der hier auch kommentiert hat, dass es trotzdem irgendwie 1000 jahre sind. aber nach avicenna kamen noch andere. al biruni starb 1048, und all die bekannten dichter wie hafez etc. kamen erst später.

      warum man ein ganzes volk nicht einfach als „faul“ bezeichnen muss, brauch ich wohl nicht erklären. und wer zum mord aufruft, der ist nicht besser als die anderen radikalen, die überall ihr umwesen treiben. da macht einer auf aufgeklärt und fortgeschritten und will dann gewisse andere leute einfach töten? und dann wird dieser typ irgendwie von einigen immer noch unterstützt? ergibt wenig sinn.

      auch wenn dieser kerl in einigen punkten recht hat, jene aussagen von ihm die hier zitiert wurden (und da wurde auch keine aus dem kontext gerissen) sprechen für sich und sagen genug über diesen mann aus, dass man ihn eben nicht ernst nimmt.

      das wars von meiner seite.

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    • Wunderbar: Dem Autor werfen Sie Ideologiegetriebenheit vor, segnen aber gleichzeitig die Ansichten des Interviewten ab – und laufen dabei voll in die vor allem zutiefst neoliberale und – selbstverständlich – vor Ideologie triefende Falle Herrn Hoodbhoys. Bemerkenswert finde ich auch, wie vor allem Hoodbhoys öffentlicher Aufruf zum Mord so kommentarlos bei Ihnen durchgeht! Bei Obama lernt man ja, wie vergleichsweise geräuschlos das denn auch funktionieren kann. Und belehren Sie mich bitte nicht, dass auch die Taliban zum Mord aufrufen. Das alles muss natürlich nicht wundern, da dem Neoliberalismus dieses ökonomisch-geostrategische Weltbild (Mord inklusive) immanent ist, wie es Hoodbhoy in Hinsicht auf den Islam vorexerziert. Der dürre Verweis darauf, dass auch der Westen…, ja, wegen des Öls… kann nicht verhehlen, dass Hoodbhoy ganz auf der Linie dieses Westens argumentiert. Ich finde Herrn Feroz‘ Kritik jedenfalls völlig gerechtfertigt.
      Es steht aber natürlich auch viel Richtiges in Ihrem Kommentar und auch Hoodbhoys Analyse stimmt in einigen Passagen. Andere dagegen sind allerdings geradezu lächerlich. Doch leider sind seine Intentionen vor allem zwischen den Zeilen in meiner Wahrnehmung weit ideologischer als es Feroz je sein könnte. Einig bin ich mit Ihnen aber sofort in Bezug auf den Sufismus und Ihre angeführten Beispiele wie Rumi und Hafez.

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  4. Alleine wenn man sich die verschiedenen Zeitrechnungen genau anschaut, kann man es schon erkennen. Im islamischen Kalender schreibt man das Jahr 1434. In der christlichen Welt brodelte es zu der vergleichbaren Zeit ungemein! Die Reformation klopfte an die Türe und alte Vorstellungen und Autoritäten wurden kritisch hinterfragt. Man kann der islamischen Welt nur einen aufgeklärten Reform Islam wünschen, um nicht in diese wahabitische Sackgasse zu fahren. Vor allem die saudischen Machteliten verbreiten mit Ihren Ölmilliarden diese rückständige Version des Islam, die im 19 Jhrd. den Beduinen der arabischen Halbinsel durch Wahab, einen scheinheiligen Pseudo-Propheten offenbart wurde. Aber wie schrieb schon ein deutscher Dichter vor über 80 Jahren : Nur die dümmsten Kälber, wählen Ihre Metzger selber.
    Das gilt offenbar für alle Ideologien/Religionen in allen Regionen dieses Planeten – Schade !

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  5. Unfug, wenn hier behauptet wird, „Der Westen“ sei (ausschließlich) schuld daran, dass sich Muslime gegenseitig umbringen. Außer dem Konflikt Muslime- Nichtmuslime gibt es in Pakistan noch Strenge Muslime gegen weniger strenge, Extremfundamentalisten gegen alle, Sunniten gegen Schiiten, gegen Ismaeliten und schon seit der Staatsgründung die nie überwundene Spaltung zwischen „Einheimischen“ und „Flüchtlingen“ (aus Indien).
    Was das Land u.a. dringend bräuchte, wäre sowas wie der „Augsburger Religionsfrieden“. Und ein wirklicher Krieg zwischen den Religionen bzw den Fraktionen innerhalb ist undenkbar in einem Land, das Atomwaffen besitzt.

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    • „Unfug, wenn hier behauptet wird, “Der Westen” sei (ausschließlich) schuld daran, dass sich Muslime gegenseitig umbringen.“

      Wie bitte?!? Wer behauptet hier sowas?

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  6. „Ob er sich selbst als Muslim betrachtet, ist eine andere Frage.“

    Nein. Er ist Atheist (http://www.youtube.com/watch?v=NyKTr7KQ_VA) und setzt sich dem entsprechend auch religionsfeindlich ein. Deswegen ist der Artikel nicht am Thema vorbei, denn Leute wie Hoodbhoy verpacken ihre Missionierungsversuche in solche „Gesellschaftskritiken“. Das sieht man an den eindeutigen Bezügen zu islamischer Ethik im Interview.

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  7. Muslime, bekennt euch schuldig zu eurer selbstverschuldeten Unmündigkeit!

    Hoodbhoys Thesen sind nur Tropfen, die auf dem Herddeckel verdampfen. Mit bedauern muss ich zu verstehen geben, dass manche dieser Tropfen so manche Wahrheit enthalten, auch wenn ihre Intention eine ganz andere ist.

    Wie kommt es, dass die Muslime unserer Zeit und einige mehrere Generationen davor sich mit dem Wirken muslimischer Denker der Vergangenheit nicht messen können. Wie kommt es, dass muslimisch-dominierte Regionen dieser Welt kaum Fortschritte vorweisen können, während es auf anderen Ecken der Welt nur so von Entwicklungen wimmelt.

    Einer der Gründe ist unsere Faulheit, unser falsches Vertrauen auf Gott. „Inshaallah“ ist eines der meistgebrauchten Wörter unter Muslimen, „so Gott will“. Wir vertrauen nur auf Gott, ohne selbst tätig zu werden. Manch muslimische Fluggesellschaft trägt im Volksmund den Zusatz „Inshaallah Airlines“. Fluggäste dieser Airlines brauchen sich nicht zu wundern, wenn Mal ein Flieger einfach nicht startet. Inshaallah bis morgen.

    Liegt das Problem jetzt bei Gott, „Allah“, oder bei dem, der nur auf eine höhere Macht vertraut, die doch dem Menschen laut Offenbarung einen freien Willen gegeben hat. Der freie Wille erlaubt uns zu denken. So denkt. Uns kann einer der größten Denker der Menschheit ein Vorbild sein, ein Christ, Kant, der die islamische Basmala auf seiner Doktorurkunde niedergeschrieben hat. Das erste was im Koran offenbart wurde war „Lies!“. Jetzt ist es auch an der Zeit zu denken, was man nach und während dem lesen tun sollte. „Sagt die Basmala auf und beginnt zu denken. Im diesem Sinne: Sapere Aude!

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