Der „neue“ Obama

Barack Hussein Obama ist für seine zweite Amtszeit vereidigt worden. Die Zeremonie wurde weltweit übertragen und war ein Spektakel in den USA. Später sah man den US-Präsidenten mit seiner First Lady tanzen. Die Obama-Sprösslinge machten fleißig Fotos und feierten ihren „Daddy“. Währenddessen töteten US-Drohnen wieder einmal Menschen im Jemen.

Quelle: http://i.telegraph.co.uk

SPIEGEL-Online schreibt über einen „neuen Obama“, dessen Rede kein „Blabla“ war, sondern eindeutige Worte beinhaltete. So sprach der Präsident unter anderem von „gleichen Rechten für alle“ und meinte, dass die Freiheit ein „Geschenk Gottes“ sei. Des Weiteren sagte Obama, dass „das Jahrzehnt des Krieges“ vorbei sei. All diese idealistischen Worte stehen jedoch im krassen Gegensatz zur Realität.

Vor allem die Sache mit der Freiheit und Gleichheit sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wenn tatsächlich gleiche Rechte für alle vorherrschen würden, würde ein Bradley Manning nicht in einem US-Gefängnis sitzen und Internetkriminelle würden nicht mit jahrzehntelangen Haftstrafen abgestraft werden, während man mordende US-Soldaten nur unehrenhaft aus der Armee entlässt. Desweiteren würde ein Julian Assange wohl nicht um den halben Globus gejagt werden, wenn diese Rechte vorhanden wären. Zugegeben, Assange ist kein amerikanischer Staatsbürger. Allerdings wurden im Oktober 2011 der Amerikaner Anwar Rahman al-Awlaki und dessen sechzehnjähriger Sohn von einer Drohne ermordet. Man fragt sich, warum die genannten Rechte für sie nicht galten.

Ebenso fragwürdig ist die tollkühne und in die Irre führende Behauptung, dass die Zeiten des Krieges vorbei seien. Diesbezüglich braucht man sich nur die Lage im Nahen Osten anzusehen. In allen Konfliktregionen, ob nun in Syrien, in Libyen, im Irak oder in Afghanistan, haben die Vereinigten Staaten ihre Finger im Spiel. Abgesehen davon darf man die gegenwärtige Eskalation in Mali, sprich, die Rekolonialisierung des afrikanischen Kontinents nicht vergessen. Vor allem die jüngsten Ereignisse in Westafrika stehen im Zusammenhang mit dem sogenannten „Arabischen Frühling“, der von den westlichen Großmächten ausgenutzt und propagiert wurde, um die eigenen Interessen umzusetzen.

Es ist verwunderlich, warum derartig viele Menschen und auch die Medien ein weiteres Mal nach 2009 auf Barack Obama hereinfallen. Damals wurde Obama wie ein Messias gefeiert, der der Welt den lang ersehnten Frieden bringen würde. Viele dachten sich, dass Martin Luther Kings Traum endlich wahr geworden sei. Allerdings wurden all diese Erwartungen schnell zunichte gemacht. Aus „I have a dream“ wurde „I have a drone“, der vermeintliche Krieg gegen den Terror ging weiter und Obamas wichtigstes Wahlversprechen, die Schließung des Folterlagers auf Guantánamo, wurde gebrochen.

All diese Tatsachen werden wieder einmal verdrängt. Stattdessen konzentriert man sich auf das Ballkleid der First Lady. Von einem „neuen“ Obama kann jedoch keine Rede sein. Der Mann an der Spitze der bewaffnetsten Nation der Welt wird weiterhin seiner Funktion als „Commander in Chief“ gerecht werden und Krieg führen. Innerhalb der Vereinigten Staaten wird der US-Präsident weiterhin den Forderungen der Lobbyisten und anderweitigen Interessengruppen nachgehen, so wie man es eben gewohnt ist. Abgesehen davon wird die Kluft zwischen arm und reich weiterwachsen, denn während „Bankster“ und andere Finanzkriminelle mit Samthandschuhen angefasst werden, wächst das Desinteresse an den unteren Schichten.

Fazit: Der neue Obama wird ganz der Alte sein. Das Problem ist jedoch, dass das „Obama-Syndrom“, wie es Tariq Ali genannt hat, wieder im Umlauf ist. Man kann nur hoffen, dass diese Epidemie schnell von der Bildfläche verschwindet.

2 Gedanken zu „Der „neue“ Obama

  1. Pingback: Wer war Tariq Aziz? | Emran Feroz's Blog

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