Der neue Krieg

Der Kampf gegen die „bösen Islamisten“ hat wieder einmal begonnen. Dieses Mal konnten es die Franzosen einfach nicht lassen und mussten in Mali, einer ihrer ehemaligen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent, einmarschieren. Vor Kurzem wurden die letzten französischen Soldaten aus Afghanistan abgezogen, nun weiß man auch warum. Präsident Hollande spricht von einer „Notwendigkeit“ und spielt sich ganz à la Napoléon als europäischer Kriegsherr auf.

Quelle: AP

Mittlerweile ist es schon fast zur Normalität geworden. Während sogenannte Islamisten und anderweitige Bewaffnete in Syrien weiterhin von den westlichen Mächten unterstützt werden, hat man nun angefangen selbige in Mali zu bekämpfen. Seit vergangener Woche herrscht offiziell Krieg im westafrikanischen Staat. In den letzten Tagen wurden mehrere Ziele im Norden des Landes bombardiert. Allein am Samstag starben mehr als hundert Menschen durch einen französischen Luftangriff. Frankreichs Präsident Francois Hollande will den Angriffskrieg vehement weiterführen, denn die „Mission“ sei immer noch nicht erfüllt. Unter anderem soll die französische Truppenanzahl massiv erhöht werden. Europäische Politiker verteidigen den Angriff der Franzosen und sprechen von einer „gerechtfertigten Aktion“. So begrüßte zum Beispiel der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, den Kriegseinsatz und verlangte von führenden deutschen Politikern wie Außenminister Guido Westerwelle klare Stellungnahmen. Bundesverteidigungsminister de Mazière sprach von logistischer und medizinischer Unterstützung, steht aber einem deutschen Kampfeinsatz ablehnend gegenüber.

Obwohl die Angst besteht, sich erneut in eine mehrjährige Intervention zu stürzen, neigt die deutsche Bundesregierung dazu, zum Mitläufer zu werden. Deshalb wird auch geprüft, ob man den französischen Freunden mit Transall-Transportflugzeugen und einem Airbus aushelfen könne. Selbstverständlich nur zur „Unterstützung“ der dortigen Soldaten, vorerst.

Der Krieg in Mali erinnert an die Anfänge der Afghanistan-Intervention. Während die westliche Freiheit weiterhin am Hindukusch verteidigt wird, soll dies nun auch in der Sahelzone geschehen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich weitere Staaten, allen voran die USA, einschalten werden, um Frankreich zu „unterstützen“. Schon im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass die Franzosen in Mali intervenieren werden. Kein Wunder, denn sie hatten die Kontrolle über ihre Ex-Kolonie, sprich, über ihr Hintertor zu Westafrika verloren. Grund dafür waren jene bewaffneten Gruppen, die nun bekämpft werden. Diese Gruppierungen, von den Medien weitgehend schlicht und einfach als „Islamisten“ bezeichnet, hatten sich mit den „staatsuntreuen“ Tuareg-Rebellen verbündet und den Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht.

Diese Gelegenheit wurde schnell ausgenutzt. Da die Herrschaften im Élysée-Palast ungern dabei zusehen, wie ihre einstigen Kolonien den Weg der Unabhängigkeit beschreiten, wurde mit dem Vorwand der „Islamisten-Bekämpfung“ interveniert. Was jedoch oft nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass die bewaffneten Kämpfer in Mali einst von westlichen Staaten unterstützt wurden, unter anderem gab es kuriose Verbindungen mit dem Schweizer Außenamt. Zugegeben, mittlerweile ist eine solche Tatsache nicht mehr verwunderlich. Unter den Bewaffneten befinden sich wie in Syrien zahlreiche Fanatiker aus aller Herren Länder.

Währenddessen sind zahlreiche Menschen in Mali auf der Flucht. Laut UN-Flüchtlingswerk sind mehr als 150.000 Menschen bereits geflohen. Man kann davon ausgehen, dass der Mali-Einsatz viele zivile Opfer mit sich bringen wird. Vor dem Angriff der Franzosen war die humanitäre Lage schon schlimm genug, nun ist sie katastrophal. Nichtsdestotrotz stellt sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf die Seite Frankreichs und meint, dass die „Terroristen“ gestoppt werden müssen. Über die Anzahl von zivilen Opfern wird vorerst großteils geschwiegen. Stattdessen wurden französische Panzer aus der Elfenbeinküste, einer weiteren ehemaligen Kolonie Frankreichs, mobil gemacht. Fazit: Europäischer Kolonialismus 2.0, Frankreich macht es vor und die westliche Welt jubelt. Das „nächste Afghanistan“ ist schon in Sichtweite.

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8 Gedanken zu „Der neue Krieg

  1. Abgesehen von dem, was hier als „Kolonialismus“ bezeichnet wird, wäre eine andere Perspektive auf das Thema vielleicht auch noch Interessant: Die Umfragewerte.

    Zu Beginn der Irak-Invasion gab es einige Menschen, die die Auffassung vertraten, Bush würde vor allem aus Mangel an (für ihn positiven) Themen diesen Krieg beginnen, da er die Nation mit einem gemeinsamen Ziel eine. Vor dem Hintergrund des Umfragetiefs von Hollande klingt das auch im französischen Fall äußerst plausibel.

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  2. Pingback: Der neue Krieg | Schnanky

  3. Die Bodenschätze in Mali.
    Das Gold für die Amerikaner, die sich schon längst die Schürfrechte dafür gesichert haben.
    Das Uran für die 58 frz. Atommeiler.
    Ein profitables Geschäft!
    Wenn Profit gefährdet ist, wird Militär eingesetzt!

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    • Wenn Profit gefährdet ist, wird Militär eingesetzt!

      Oder wenn die Aussicht besteht, die Schätze bekommen zu können, ohne zu bezahlen, sprich, wenn es möglich ist, sie zu rauben! Das erhöht den Profit ungemein!
      Normale Menschen gehen dafür hinter Gitter. Die Kriegstreiber und -profiteure gehören da auch hin.

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  4. Dein Beitrag ist ziemlich oberflächlich. Im Fall von Mali hat dies nichts mit Anti-Islam zu tun.

    Zunächst ist zu unterscheiden was für Ziele die einzelnen Rebellenverbände verfolgen. Die Ziele von Ansar ad-Dine, Mujao und AQMI sind die Einführung der Scharia
    Zu betonen: Einführung nicht nur in ganz Mali sondern auf der ganzen Welt. Dies sagt der militärische Führer von Ansar ad Dine Oumar Amarah welcher bei AQMI den Kampf gelernt hat. „Nach Mali wollen diese Gruppen Frankreich und dann ganz Europa und Amerika erobern!“ Diese Pläne erzählt er in diesem Video(min.1:55): http://www.youtube.com/watch?v=jHMGxFolwjs

    Fakt: Die Bevölkerung Malis praktiziert einen gemäßigten Islam. Das Malische Volk lehnt die Scharia absolut ab. Selbst die Tuareg (MNLA) um die es im Malikonflikt grundsätzlich geht haben diese fanatischen Gruppen als Feinde eingestuft. In Tombouctou oder Gao werden Frauen ohne Kopftuch ausgepeitscht. Jungen Männern werden die Hände abgehackt wenn sie gegen die Scharia verstoßen. Im sonst so lebensfrohen Mali ist es verboten Musik zu hören.

    Am Konflikt beteiligt sind *1fanatische Islamisten, *2Touareg, *3Mali, und *3Frankreich. (nicht einbezogen sind Libyen, Quatar oder wie du schon erwähnt hast die Schweiz. Wer sich mit Politik ein wenig auskennt weiß welche Rolle diese Länder spielen )

    Ich als halber Malier weiß natürlich, dass Frankreich nicht selbstlos agiert. Jeder weiß warum Frankreich in Libyen interveniert ist. Nicht wegen den Menschenrechten! Jeder weiß auch warum die USA Saddam gestützt haben. Klar ist auch, dass Frankreich in Mali seine Interessen verfolgt. Das ist den Malier auch bewusst. Wir nutzten dies natürlich als Vorteil um unser eigenes Land von den Islamisten zurück zu erobern. Auch die Tuareg haben sich bereit erklärt Frankreich und Mali zu unterstützen

    Klar wird nach der Intervention der Konflikt zwischen Mali und den Tuareg noch bestehen. Dies sollte dann aber auf diplomatischen Wege geführt werden und nicht mit Waffen.

    FAZIT: Wir Malier sehen diese Intervention nicht als Kolonialismus 2.0

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  5. Pingback: Alle Jahre wieder und nichts daraus gelernt | Emran Feroz's Blog

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