Bushido und der Nahost-Konflikt

Im Nahen Osten massakrieren sich die Menschen gegenseitig, der afrikanische Kontinent hungert und wird ausgebeutet und auch in Europa sieht die Lage mit Blick auf Griechenland oder Spanien ziemlich miserabel aus. Währenddessen hat die deutsche Politik- und Medienlandschaft andere Probleme. Rapper Bushido soll gegen eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten sein. Ein Hinweis darauf ist angeblich sein Twitter-Profilbild. Politiker sprechen von einem „Skandal“.

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Vorzeigemigrant Bushido ist bekannt für das Klauen fremder Töne, für seine Homophobie und für seinen Sexismus. Obwohl er für seine Taten mit einem „Bambi“ geehrt wurde und sich sogar CDU-Politiker mit ihm ablichten ließen, herrscht nun wieder Aufregung um den Deutsch-Tunesier. Der Grund: Bushidos Twitter-Profilbild zeigt eine Landkarte Palästinas, die ganz Israel für sich beansprucht. Demnach leugnet der Rapper nicht nur die Existenzberechtigung des jüdischen Staates, sondern stellt sich auch gegen die Zwei-Staaten-Lösung. Das schreiben zumindest einige Medien wie die „Süddeutsche“ über ihn.

Nun stellt sich die Frage, wie sehr man diesen Herrn, sein Twitter-Profil und seine Aussagen im Allgemeinen überhaupt ernst nehmen darf. Abgesehen davon ist es meiner Meinung nach völlig unverständlich, warum dieses Thema derartig aufgebauscht und hochstilisiert wird. Wer von einem dritt- bis viertklassigen, post-pubertären Rapper ein politisches Verständnis bezüglich des Nahost-Konflikts verlangt, legt die Latte eindeutig zu hoch. Es ist höchst zweifelhaft, dass Anis Ferchichi alias Bushido besondere Kenntnisse über den Nahost-Konflikt und dessen Geschichte besitzt. Mich würde es nicht wundern, wenn sich der Rapper nicht einmal über den Inhalt der Karte bewusst ist. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Großteil seiner Fans.

Das Bild mit der Aufschrift „Free Palestine“ und der Farbe der palästinensischen Flagge ist sehr verbreitet im Internet. Jene deutschen Politiker die meinen, es handele sich hier um ein Symbol von „extremistischen Gruppierungen“, die der Hamas nahe stehen, sollten lieber einmal einen Blick in soziale Netzwerke werfen. Genauso wenig wie man der „Bushido-Karte“ zustimmen kann, kann man auch dieser hier zustimmen. Die Karte zeigt „Eretz-Israel“ (Großisrael), welches nicht nur das gesamte palästinensische Gebiet mit einschließt, sondern auch Teile Ägyptens, Jordaniens, Syriens und des Libanons.

Bushido vertritt niemanden. Seine politische Meinung ist uninteressant. Die Ideologie um „Eretz-Israel“ hat jedoch seit jeher Anhänger, die man ernst nehmen sollte. Unter ihnen war auch der erste Premierminister Israels, David Ben Gurion. Auch gegenwärtig wird „Eretz-Israel“ von politischen Hardlinern inner- und außerhalb Israels unterstützt. Über diese Tatsachen wird jedoch selten berichtet. Seit der Augstein-Debatte ist das Thema Antisemitismus ohnehin schon fast ausgeschöpft. Ehrlich gesagt, nervt es langsam. Doch nein, stattdessen wird weitergemacht. Diesmal hat man sich den rüpelhaften Rapper ausgesucht, der sich ohnehin nicht mit Worten zu verteidigen weiß, denn dazu fehlt ihm schlicht und einfach das Hintergrundwissen zum Thema. Man kann nur hoffen, dass es zu keiner „tiefgründigen Diskussion“ kommen wird. Die Antisemitismus-Debatte in Deutschland hat schon längst ihren Ernst verloren, ein Bushido würde demnach nur einer Kirsche auf dem Sahnehäubchen gleichkommen.

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5 Gedanken zu „Bushido und der Nahost-Konflikt

  1. Aber ganz ehrlich, wer kennt sich wirklich aus! Wir sehen in den Medien, halt nur, auf der einen Seite Selbstmordattentäter und auf der anderen Bauwütige, die keine Grenze respektieren. Ich will mir wegen fehlendem Hintergrundwissen keine weiterführende Meinung bilden aber ehrlich gesagt, stören mich die immer wieder aufretenden Bilder von Frauen und Männern aus Israel in Uniform. Gibt es denn nicht andere Bilder Filme, die man in die Welt schicken kann und dass empfinde ich für beide Seiten so!

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  2. Endlich habe ich hier in dem Blog gelesen, was ich auch direkt dachte.. Dieser Berliner Junge hat doch wahrscheinlich keine grosse Mengen an Allgemeinwissen in seinem Leben erworben.Also können seine historischen und geographischen Kenntnisse doch nur unzureichend sein. Einem Toastbrot, das so eine Karte des heiligen Landes zeichnen würde, könnte man doch auch keine Böswilligkeit unterstellen. Da würde man sich doch nicht aufregen über angebliche politische Einatellungen sondern einfach sagen, das ist eben ein Toastbrot und darum auch doof, wie ein solches Brot!

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  3. Ja, Emram, diese Antisemitismus-Debatte mit ihren unglaublichen Auswüchsen hat in diesem unserem Land nun wirklich jeden Ernst verloren. Das haben wir „international anerkannten Experten“, äh, pathologischen Hetzern und vor allem einer Medienlandschaft zu verdanken, die auf Gleichstrom geschaltet ist und sich auf Nobelpreisträger gleichsam wie auch preisgeehrte ausgewiesene Dumpfbacken stürzt und ansonsten kuschend das Maul hält, wenn es um die Verbrechen und fortlaufenden Rechtsverletzungen ausgehend von der Politik Israels geht.

    Und was Bushido betrifft: Wirklich zu viel Ehr‘ für dieses in der Tat völlig unwichtige Großmaul. Wie der an sich ja vergleichsweise integre Peter Maffay (aber auch Testimonial für „Bild“) diesem geschäftstüchtigen, aber sonst gähnend hohlen Provokations-Kalkül-Millionär Bushido den Integrations(!)-Bambi überreichte, gehört mit zu den peinlichsten Fernsehausreißern des Deutschen Fernsehens mit 100%iger Fremdschämquote! Ok, man konnte noch froh sein, es war nur der Bambi von Drücker-Chef Burda. Aber diese Sau (Bushido) jetzt durchs Dorf zu treiben (plötzlich bekommt diese Redensart ein Gesicht!) und das Schweigen zu den wirklich relevanten Themen in dieser Zeit ist nunmal der völlig normale Alltag in den deutschen Redaktionsstuben der veröffentlichten Meinung.

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  4. Ob Bushido oder sonstwer was sagt, sollte uninteressanter sein als die Frage, welche Kenntnisse ihn den zu irgendwelchen Aussagen besonders legitimieren und dann, ob seine Aussage stimmt oder nicht. Was die Zweistaatenlösung für Palästina/Israel anbelangt, so ist dazu m.E. Folgendes zu sagen: wenn die betroffenen Palästinenser sich aus welchen Gründen auch immer mit (knapp) der Hälfte des ihnen 1948 und 1967 von den Zionisten (nicht „den Juden“!!!!) geraubten Landes zufriedengeben, dann ist das ihre Entscheidung. Das Problem allerdings – und das spricht sich zunehmend auch bei Fachleuten international rum – ist, dass die israelische Regierung ganz offensichtlich nie beabsichtigte, den Palästinensern irgendetwas zurückzugeben. Das ist nicht nur eine Machtfrage, sondern es ist in der Tat nämlich so: Die zionistische Idee und die Vorstellung von der Existenz eines palästinensischen Volkes, das ungeachtet seiner jahrhunderte- wenn nicht 2000 Jahre-langen Anwesenheit auf dem Boden des heutigen Israels und der Westbank irgendein Recht auf seine Heimat hätte, sind unvereinbar . Wenn Israel zu Gunsten eines palästinensischen Staates auf die Westbank verzichten würde, würde es seine zionistische Rechtferttigung untergraben. Dass diese zionistische Basis, so verständlich sie wegen der jahrhundetealten Unterdrückung der Juden insbesondere im christlichen Abendland auch sein mag, mit der geschichtlichen Realität dieses Landes wenig bis nichts zu tun hat, ist eine andere Sache (s. dazu z.B. Finkelstein,I., Silberman,N.A.: Keine Posaunen vor Jericho – Die archäologische Wahrheit über die Bibel. München 2002)

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