Déjà-vu

Allem Anschein nach will der Westen bald in Syrien intervenieren. Die Stimmungsmache begann, als Barack Obama öffentlich Baschar al-Assad vor den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen die Zivilbevölkerung warnte. Dabei wurden alte Erinnerungen wach.

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Im Jahr 2002 hat George W. Bush behauptet, Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen und bedrohe damit die eigene Bevölkerung. Die ganze Welt war der Meinung, dass der irakische Diktator deshalb entmachtet werden müsse. Damit wurde ein Krieg befürwortet, der fast ein Jahrzehnt gedauert hat. Ein Krieg, der zahlreiche Opfer auf beiden Seiten forderte und dessen Folgen immer noch unabsehbar sind. Im Grunde genommen wurde die Welt vor fast zehn Jahren für dumm verkauft, denn der Irak-Krieg begann mit einer Lüge, wie jeder weiß.

Der „böse Diktator“ hatte in der Tat einst Massenvernichtungswaffen, die er gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt hat. Prägend hierfür war der Giftgasangriff auf Halabdscha, dem 1988 hauptsächlich Kurden zum Opfer fielen. In diesem Jahr hat sich allerdings die US-Regierung herzlich wenig dafür interessiert, denn damals galt der Irak noch als Verbündeter gegen den Iran. Des Weiteren wird gerne darüber hinweg gesehen, dass die USA damals Saddam Husseins Waffenprogramm maßgeblich unterstützte. So belieferten verschiedene US-Firmen das Regime in Bagdad mit Substanzen, die für den Bau von chemischen und biologischen Waffen geeignet waren. Deutsche Firmen waren ebenfalls daran beteiligt.

Nun soll das Spiel erneut gespielt werden. Syrien wird dem Iran vorgezogen und man bezichtigt Baschar al-Assad besagte Waffen zu haben. Medien und Politik haben schon längst mit ihrer Kriegstreiberei begonnen. So schreibt zum Beispiel Lenz Jacobsen von der „Zeit“, dass eine Syrien-Intervention kein Tabu sein darf. Es ist sehr verwunderlich, hier immer noch von möglichen Tabubrüchen zu sprechen. Das Tabu wurde nämlich schon längst gebrochen, indem sich der Westen auf die Seite der sogenannten „Freien Syrischen Armee“ geschlagen hat und diese mehr oder weniger bei ihren Menschenrechtsverletzungen unterstützt.

Währenddessen wird schon spekuliert, dass die „Rebellen“ chemische Waffen einsetzen werden, um es dann al-Assad in die Schuhe schieben zu können. Dies bezüglich sind auch einige fragwürdige Videos im Internet aufgetaucht. In einem davon sieht man unter anderem Chemiebehälter und vermummte Personen im Hintergrund. Auf den Behältern ist die Aufschrift „Tekkim“ zu lesen. „Tekkim“ ist eine türkische Firma, die chemische Substanzen herstellt. Wo das Video aufgenommen wurde und wer die Personen sind, ist unklar. Egal ob derartige Videos echt sind oder nicht, besorgniserregend sind sie auf jeden Fall. Wer sind diese Männer und wie sind sie an die Substanzen einer türkischen Firma gekommen? Es wäre interessant zu hören, was die NATO oder die türkische Regierung dazu sagen würde.

Man braucht kein Anhänger des Assad-Regimes zu sein, um gewisse Fakten bei ihren Namen zu nennen. Bis jetzt wurde in keinster Weise bewiesen, dass der syrische Machthaber im Besitz von Massenvernichtungswaffen ist. Es wäre lächerlich, sich auf Pentagon- oder Geheimdienstinformationen zu verlassen, denn diese Quellen sind nicht glaubwürdig und handeln so gut wie immer nach ihren eigenen Interessen. Warum sollte man ihnen nach der Irak-Lüge und zahlreichen anderen Lügen überhaupt noch irgendetwas glauben?

In Syrien wurden bis dato noch nie chemische Waffen eingesetzt. Sogar Baschar al-Assads Vater, Hafez al-Assad, dessen Regierung für mehrere Massaker an der syrischen Zivilbevölkerung verantwortlich war, hatte zu Lebzeiten noch nie von derartigen Mitteln Gebrauch gemacht. Und nun wollen die gleichen „Experten“, die die Anschläge des 11. Septembers nicht vorher gesehen haben, jedoch darauf beharrten, dass Saddam Hussein im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei, behaupten, dass Baschar al-Assad seine eigene Bevölkerung bald vergiften oder vergasen wird.

Offensichtlich wird nach folgendem Prinzip vorgegangen: „Je größer die Lüge, desto mehr Menschen folgen ihr.“ Jeder weiß, von wem dieses Zitat stammt. Umso trauriger ist es, dass man damit immer noch erfolgreich sein kann.

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6 Gedanken zu „Déjà-vu

  1. Oh ja, Emran, ganz genauso wird es wieder funktionieren, ganz nach Adolf H.! Ich vermute das, was auch in deinem Kalkül ist: Es wird möglicherweise zeitnah einen Giftgasanschlag seitens der „Rebellen“ geben, der dann Assad in die Schuhe geschoben werden wird. Jedenfalls stehen die US-Boys in den Startlöchern! Was ich gar nicht verstehe ist, warum es keinen Deal zwischen Obama und Netanjahu gegeben hat à la „Du nix Siedlung weiterbaue, ich in Syrien Krach mache!“? Na ja, beide Seiten wussten wahrscheinlich schon zu lange von den gegenseitigen Absichten.

    Du schreibst, den Irakkrieg ab 2003 meinend: „Ein Krieg, der zahlreiche Opfer auf beiden Seiten forderte…“. Das kann man, glaube ich, in dieser eine gewisse „Gleichheit“ der Verluste suggerierenden Formulierung so natürlich nicht hinnehmen, lieber Emran. Ich schrieb an anderer Stelle neulich schon einmal, dass man Tote nicht gegen Tote aufrechnen sollte. Aber ab einem gewissen Missverhältnis gilt das für mich nicht mehr! Denn die Waagschale zieht es so dermaßen drastisch einseitig auf der irakischen Seite herab, dass dieser Link etwas Korrektur leisten muss:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg#Verluste

    Mir ist natürlich völlig klar, dass dir dieser die Fakten verharmlosende Satz einfach unbedacht herausgerutscht sein muss. Es gibt da übrigens noch ganz andere Zählungen, aber ich will der Gefahr entgehen, als Propagandistin verstanden zu werden (nicht von dir natürlich). Wikipedia hat zumindest immer noch einen halbwegs seriösen Ruf.

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    • Liebe Reyes,

      natürlich waren auf der irakischen Seite eindeutig mehr Opfer. Ich wollte dies in keinster Weise verharmlosen.
      Allerdings sollte man bedenken, dass auch die Soldaten nur Bauernopfer der Mächtigen sind. In der Haut der zahlreichen Irak-Veteranen, die mit Schlaflosigkeit und Depressionen zu kämpfen haben, von der Regierung fallen gelassen wurden und sich nicht mehr in die Gesellschaft integrieren können, will ich auch nicht stecken.

      Prägend ist hierbei auch folgendes:

      [..] In den vergangenen drei Jahren sind mehr Soldaten durch die eigene Hand gestorben als bei Kämpfen in Afghanistan. Besonders gefährdet sind Soldaten mit mehreren Kampfeinsätzen.[…]

      http://www.welt.de/politik/ausland/article106442971/Mehr-Tote-durch-Suizid-als-bei-Kaempfen-in-US-Armee.html

      Bitte nimm mir die Quelle nicht übel. Aber ich denke, in diesem Fall kann man sogar der Springer-Presse vertrauen.

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      • Das ist alles richtig, lieber Emran! Aber ich hatte weniger Soldaten im Sinne, deren Geschäft immer der Tod ist, der eigene oder der anderer. Mein Mitleid hält sich hier auch in Grenzen, obwohl es sich ja in der Mehrheit eigentlich um Kinder handelt (zumindest aus meiner Wahrnehmung heraus). Ich meinte daher eher die sog. Kollateralschäden (brrr!). Wenn wir den Opferbegriff ausdehnen, so wie du es hier mit den traumatisierten Veteranen-Suizidenten tust, dürfen wir freilich auch nicht Abu Ghraib vergessen und vor allem nicht die bewusste Demütigung einer ganzen Kultur. Aber wem sage ich das?

        Deshalb ist für diejenigen deiner Leser, die vielleicht nicht alle Fakten mal so im Kopf haben so ein Satz “Ein Krieg, der zahlreiche Opfer auf beiden Seiten forderte…” in seiner Suggestion schlicht und einfach zu harmlos und damit zur Erkennung der krass unterschiedlichen Dimensionen irreführend. Auch wenn du das freilich nicht so meintest.

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      • Es geht nicht nur darum, dass Soldaten gefallen sind. Viel mehr ist doch wichtig wieviele Zivilisten zumOpfer gefallen sind. 600.000 nur in Afghanistan! Das ist Genozid auf Raten.
        So die USA gehen raus und nur noch ein paar Bündnispartner der national authorized terror organization (NATO) sind da, bis der IWF schließlich jeden letzten Rohstoff unter Kontrolle und das Geld der Afghanen in der Tasche hat.

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  2. Pingback: Wochenrückblick (4.12 – 9.12.2012) | Emran Feroz's Blog

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