Selbstmordanschlag auf Taliban-Führer

Normalerweise versucht man, Taliban-Kämpfer, die sich an der afghanisch-pakistanischen Grenze aufhalten, mit Drohnen umzubringen. Da dies nicht so gut funktioniert und meistens hauptsächlich Zivilisten getötet werden, hat man nun auf den „guten, alten Selbstmordanschlag“ zurückgegriffen.

Quelle: khaama.com

Durch einen Anschlag in Süd-Waziristan kamen vier Menschen ums Leben. Die Explosion ereignete sich nahe des Autos, indem sich der pakistanische Taliban-Führer Mullah Nazir befand. Dieser wurde dabei verletzt.

Wie bei den meisten dieser Fälle ist es nicht einmal hundertprozentig klar, ob es sich um ein Selbstmordattentat gehandelt hat oder nicht. Falls ja, wem könnte es man dieses Mal in die Schuhe schieben? Normalerweise machen es sich Medien und Politik einfach, indem solche Anschläge einfach „Extremisten“ in die Schuhe geschoben werden. Im Falle von Afghanistan und Pakistan wären das die Taliban. Nun stellt man sich allerdings die Frage, wer ein derartiges Attentat auf einen Taliban-Führer ausgeübt haben könnte.

Der pakistanische Geheimdienst stufte Nazir als „guten Taliban“ ein, da sich dieser oftmals verhandlungswillig gezeigt hat und den pakistanischen Staat nicht direkt bekämpft hat. Gerüchten zufolge soll er sich außerdem in der Vergangenheit Feinde gemacht haben, die Mitglieder der usbekischen IMU (Islamic Movement of Uzbekistan) sind. Die militanten Kämpfer der IMU handeln ebenfalls im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Eine Tatsache, die oft außer Acht gelassen wird.

Man kann nur schwer abschätzen, wer für den Anschlag auf Nazir verantwortlich ist. Fakt ist, dass man dieses Mal nicht die Taliban beschuldigen kann. Einerseits kann es im Interesse der usbekischen Fanatiker liegen, andererseits könnten auch jene Kräfte dafür verantwortlich sein, die immer wieder mit voller Absicht friedenswillige und gemäßigte Taliban-Führer töteten.

Ein Frieden mit den Taliban ist sehr wohl möglich, obwohl das vor allem viele Menschen im Westen anders sehen. Das Problem ist jedoch, dass dieser Frieden immer wieder von Akteuren, die im Hintergrund agieren, verhindert wird. Die Mitglieder des afghanischen Friedensrates geraten ebenfalls immer wieder in das Schussfeld dieser Akteure. Als gutes Beispiel hierfür wäre Arsala Rahmani zu nennen. Rahmani wurde im Mai dieses Jahres von Unbekannten ermordet. Bis zu seinem Tod bemühte er sich um Frieden. Unter der Taliban-Regierung war Rahmani Bildungsminister und hatte demnach bis zu seinem Tod beste Kontakte zu den ihnen. Die Ermordung Rahmanis lag keineswegs im Interesse der Taliban um Mullah Omar.

Das Gleiche liegt beim neuesten Fall vor. Die Taliban werden für jeden Gewaltakt in Afghanistan verantwortlich gemacht, doch dieses Mal sind sie als Sündenbock unbrauchbar. Deshalb muss man sich fragen, in wessen Interesse derartige Anschläge liegen könnten.

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3 Gedanken zu „Selbstmordanschlag auf Taliban-Führer

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