Brüchiger Waffenstillstand

Nach einer Woche des Mordens kam es im gegenwärtigen Gaza-Konflikt zu einer Waffenruhe. Diese wurde letzte Nacht auf den Straßen Gazas von den Palästinensern gefeiert. Demnach hat die israelische Regierung letztendlich nachgegeben. Ägyptens Präsident Morsi galt von Anfang an als Vermittler und erhält nun Applaus von allen Seiten. Dass es zum Waffenstillstand kommen würde, war im Vorhinein klar. Einige Gründe dafür werden immer noch ausgeblendet.

Operation „Säule der Verteidigung“ hat mehr als 150 Palästinensern das Leben gekostet. Auf israelischer Seite sind fünf Tote zu beklagen. Nun wurde gestern eine Waffenruhe verkündet, die von beiden Seiten akzeptiert wurde. Ägypten setzte sich hierbei als Hauptvermittler ein. Es war vorauszusehen, dass die israelischen Aggressionen schon bald ihr Ende finden würden. Obwohl der ägyptische Präsident Mohammad Morsi Israels Angriffe heftig kritisierte, lag es auf der Hand, dass dessen Land nicht die Kapazitäten aufweisen konnte, um eine palästinensische Flüchtlingswelle standzuhalten.

Ein weiterer Mann, der hierbei eine entscheidende Rolle spielte, ist der türkische Ministerpräsident Erdogan. Erdogan hat sich in der Vergangenheit des Öfteren mit Lippenbekenntnissen auf die Seite der Palästinenser geschlagen. Mit dieser pro-palästinensischen Einstellung zielte er vor allem darauf ab, seine eigene Popularität zu steigern. Dies war auch dieses Mal der Fall, indem Erdogan Israel als „Terrorstaat“ bezeichnete. Zum gleichen Zeitpunkt unterstützt Türkei die imperialistische Politik des Westens im gegenwärtigen Syrien-Krieg. Da Erdogan an der syrisch-türkischen Grenze die Drecksarbeit für die USA macht, hatte er noch etwas gut bei den Anzugträgern in Washington.

Demnach ist es offensichtlich, dass Morsi und Erdogan die Telefone im Weißen Haus klingeln ließen und sich bei US-Präsident Obama über die neuesten Aggressionen des paranoiden Benjamin Netanjahu beschwerten.

Obwohl Netanjahu und andere Kriegstreiber wie Yishai oder Lieberman gerne die Bombardements gegen das palästinensische Volk fortführen würden, war diese sogenannte Waffenruhe für Israel zwangsläufig. Dies hat vor allem mit der Benutzung des israelischen Abfangsystems, des Iron-Domes, zu tun. Jede Qassam-Rakete, die dieser Schild abfängt, kostet den Israelis 50.000 US-Dollar. In den letzten Tagen feuerten die Hamas und ihre Splittergruppen täglich circa hundert solcher Raketen auf Israel. Demnach hat dieser Schild in der vergangenen Woche mehr als dreißig Millionen US-Dollar verschlungen.

Obwohl der israelische Staat von allen Seiten mit Geld vollgepumpt wird und die amerikanischen Steuerzahler mehr in Israel investieren als in ganz Afrika, ist eine solche Summe auf Dauer nicht leicht zu verschmerzen. Das war wohl auch einer Gründe dafür, warum der israelische Finanzminister Juwal Steinitz von einer „militärischen Endlösung der Palästinenserfrage“ sprach.

Nichtsdestotrotz herrscht vorerst „Ruhe“. Allerdings bedeutet dies kein Ende der israelischen Aggressionen und Provokationen. Es bedeutet nicht, dass die Blockade des Gaza-Streifens aufgehoben wird, obwohl dies nun auch die Arabische Liga fordert. Es bedeutet auch nicht, dass die Splittergruppen der Hamas, wie der „Islamische Dschihad“, nun kontrollierbar geworden sind. Falls eine dieser Gruppierungen wieder auf eine Provokation eingeht und eine Rakete in Richtung Tel Aviv oder Jerusalem abfeuert, würde es erneut zu einer israelischen Militäraktion kommen.

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2 Gedanken zu „Brüchiger Waffenstillstand

  1. Gute Analyse, Emran!

    Mich würde interessieren, wie du die Entwicklung in Ägypten einschätzt und ob die Sicht des Westens auf Morsi und Ägypten (islamistische Diktatur) Unfug ist oder…? Ich gebe zu, etwas schadenfroh zu sein, denn Morsi ist nunmal aus demokratischen Wahlen hervorgegangen – und das war ja etwas, was dem Westen so gar nicht passte. Blöd gelaufen.

    Vielleicht hast du ja diese Entwicklung auf deiner Agenda…

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  2. Deine Analyse in Ehren, aber kannst du mir mal erklären, wie du darauf kommst, dass Erdogan in Syrien die imperialistische Politik des Westens unterstüzt? Es ist Tatsache, dass die Türkei der einzige Staat ist der sich um das volk der Syrier sorgt, genauso auch wie um das Volk der Palästinenser sorgt. Weiterhin war es auch Erdogan der Mursi in den Vordergrund gespielt hat, damit dieser seine Macht schneller in Ägypten festigen kann, denn er hat im Moment keinen leichten Stand. auch Ägypten

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