Währenddessen in Israel und anderswo

Der Angriff auf den Gaza-Streifen ist immer noch in vollem Gange. Von israelischer Seite kann man weiterhin auf keine Deeskalation hoffen, wie der israelische Innenminister heute bewiesen hat. Zum gleichen Zeitpunkt werden andere Ereignisse vom Nahost-Konflikt überschattet.

Israels Innenminister Eli Yishai war der Mann, der über Günter Grass ein Einreiseverbot verhängte und ihn heftig attackierte aufgrund dessen Gedichts „Was gesagt werden muss“. Nun hat sich Yishai zum Angriff auf Gaza geäußert. Der Innenminister ist der Meinung, dass es das Ziel der Operation sei, den Gazastreifen „zurück ins Mittelalter“ zu bombardieren. Die orthodox-jüdische Nachrichtenseite „Yeshiva World News“ zitierte Yishai folgendermaßen: „Wir müssen Gaza zurück ins Mittelalter bombardieren und die komplette Infrastruktur zerstören, inklusive Straßen und Wasserversorgung.“

Damit ist es mehr oder weniger offensichtlich, dass der israelische Innenminister keinen Wert auf zivile Opfer legt. Andernfalls hätte er so etwas nicht gesagt. Yishai fiel in der Vergangenheit schon des Öfteren wegen rassistischer Aussagen auf. Günter Grass bezeichnete er nach der Veröffentlichung seines Gedichts als „Nazi“ und „Antisemiten“. Über Yishais Aussage zeigt sich nun komischerweise niemand empört. Währenddessen bombardierte Israel heute morgen unter anderem Fernsehstationen der Hamas, dabei wurde auch Büro des arabischen Nachrichtensenders „Al Arabiya“ getroffen.

Zum gleichen Zeitpunkt werden andere Ereignisse vom Gaza-Konflikt überdeckt. So wurde zum Beispiel unter anderem beschlossen, dass deutsche Bundeswehrsoldaten in die Türkei stationiert werden sollen, um mehr oder weniger am Stellvertreterkrieg in Syrien teilzunehmen. Damit verstrickt sich die Bundeswehr erneut in einen sehr fragwürdigen Einsatz. Immerhin soll es ja auch noch nach Mali gehen. In Syrien tobt weiter Krieg und Terror. Autobombenanschläge, Massaker an die Zivilbevölkerung und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit stehen auf der Tagesordnung. Für das vollständige Chaos im Nahen Osten fehlt nur noch ein Angriff auf den Iran.

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6 Gedanken zu „Währenddessen in Israel und anderswo

  1. Ausgerechnet im islamischen Monat Muharram schlägt Israel wieder einmal zu. Es wird in den meisten Medien propagiert, es handele sich bei derartigen Konflikten um und in Nahost um Religions- oder Konfessionskriege. Doch in Wahrheit ist es ein Konflikt zwischen Recht und Unrecht, zwischen Moral und Barbarei.

    Was ist Muharram? Der Monat Muharram ist der erste Monat im islamischen Kalender, heute ist der 3. Muharram. Warum nicht zum Neujahr gefeiert wird? 50 Jahre nach dem Tod des Propheten wurde dessen einzig verbliebenen Nachkommen am 10. Muharram n.d.H. brutal ermordet. Sie lehnten es ab, die Schreckensherrschaft der Umayyaden-Dynastie zu dulden und somit ihnen Legitimation zu verschaffen. 10 Tage lang (1. – 10. Muharram) schnitt man sie von jeglicher Wasserversorgung ab. Frauen und Kinder waren ebenfalls betroffen. Nach 10 Tagen folgte ein erbitterter Kampf zwischen der übermächtigen Armee der Tyrannen und der Prophetenfamilie und einigen Unterstützern, darunter auch Christen und Juden. Der Prophetenenkel Hussain rief bis zuletzt, auch wenn man keiner Religion angehöre, so solle man stets für Gerechtigkeit kämpfen. Niemand sollte unterdrücken und niemand sollte Unterdrückung dulden.

    Er wurde kaltblütig ermordet. Seit jeher steht Muharram und die Ereignisse um diesen Monat für ewigen Gerechtigkeitskampf.

    Der Monat Muharram hat nicht nur in der muslimischen Gemeinschaft eine besondere Bedeutung. Sogar Gandhi, ein Hindu, hat sich während der indischen Unabhängigkeitsbewegung immer wieder auf die Ereignisse des Monats Muharram bezogen.

    Es ist nicht unbedingt die israelische Bevölkerung, die für jene Gewalt in Gaza verantwortlich ist, wohl aber die Regierung. Wofür haben wir einen UN und ihre Organe, wenn sich die Regierungen mancher Länder nicht an das Völkerrecht halten? Ist Den Haag wohl etwa nur für ein paar afrikanische und ex-jugoslawische Verbrecher gut?

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  2. In den deutschen Medien zumindest wurde die Lieferung der „Patriot“-Raketen an die Türkei (inkl. Soldaten zur Bedienung derselben) eigentlich – auf den ersten Blick – erstaunlicherweise breit in jeder Nachrichtensendung gemeldet zzgl. unterschiedlicher Bewertungen der Regierungsseite/Opposition. Außer der Linken freilich. Klar.

    Ich denke deshalb, dass gerade die Gaza-Ereignisse zum Anlass genommen wurden, dem Volk dieses Vorhaben schmackhaft zu machen und zu suggerieren, dass auf diese Weise diese gefährliche Region – ob Syrien oder Gaza ist dem Normalo ziemlich egal – mit deutscher Unterstützung besser unter Kontrolle zu halten ist. Das war klassische Trittbrettfahrerei.

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  3. Pingback: Wochenrückblick (13.11. – 18.11.2012) | Emran Feroz's Blog

  4. Natürlich sind die Kräfteverhältnisse ganz klar zu Gunsten der Israelis und sie repräsentieren selbst bei objektivster Betrachtung die Besetzer- Ich empfinde auch oft, dass in vielen Medien die israelische Sichtweise stark übernommen wird und , wie man hier so sagt, „der Bock zum Gärtner gemacht werden soll“ – a b e r … . Es ist natürlich genauso richtig, dass die Israelis im Süden des Landes seit langer Zeit schon unter dem andauernden Beschuss mit Raketen leiden und die Regierung in Jerusalem schon 2008/09 eine Reaktion gezeigt hat und es offenbar jetzt wieder eine Ähnliche gibt. Ich bekomme es aber, selbst bei viel Verständnis für die Hamas in Gaza, nicht in den Kopf WARUM aus Gaza immer wieder mit solchen Waffen gefeuert wird. Sie richten anscheinend gar keinen militärischen Schaden an. Das sind offensichtlich keine Top modernen Geschosse, sondern OHNE eine intelligente Zielsteuerung. Die schlagen irgendwo wahllos im Süden von Israel ein, oft in der Einöde. Der einzige „Erfolg“ ist doch offenbar, dass die israelische Bevölkerung und die Politik sich noch mehr radikalisieren. Und das führt dann, wie selbstverständlich, zur stärkeren Radikalisierung auf arabischer Seite. Wenn die Raketenangriffe das bezwecken wollten, haben sie es und diese Entwicklung beschleunigt. Wie schon anfangs erwähnt, ich bin gegen die Besatzungspolitik und denke dabei immer an Desmond Tutu, der bei einem Besuch Palästinas eindrucksvoll vom Eindruck der „israelischen Apartheit“ gesprochen hat! Aber, die, fast ungezielten Raketenangriffe auf Israel von Gaza aus, sind absolut kontraproduktiv und können gar nicht den Interessen der beiden Völker dienen!

    im Süden absiolutSelbst vor

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    • Leider hast du Recht. Diejenigen, die dieses Kleinarsenal ohne jeden militärischen Nutzen nach Israel abfeuern lenken gleichzeitig barbarische Vergeltung auf ihr eigenes Volk. Und wissen das natürlich. Würde ich in Gaza leben und Mutter kleiner Kinder sein – in meinem Namen würden diese Raketen mitnichten abgefeuert werden!
      Die andere Seite ist die zutiefst verständliche ohnmächtige Wut, die in der Hamas und wohl jedem Palästinenser gärt, das Wissen, dass die Weltöffentlichkeit nur dann den Scheinwerfer über dem Konzentrationslager Gaza einschaltet, wenn geschossen wird. Oder Schiffe mit Hilfsgütern vom israelischen Militär gekapert werden. Und nicht, wenn mal im Vorübergehen ein geistiger behinderter Mann der israelischen Grenze zu nahe kam und sofort erschossen wurde. Und nicht, jenseits des Pulverdampfs, dass mal ein Blick auf die groteske Situation dieser Stadt geworfen würde.

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  5. Pingback: Jeder Tag ist Ashura und überall ist Kerbela: Wasser als Waffe « Meryems Welt

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