KONY 2012 – Die Fortsetzung

Die meisten Menschen können sich sicherlich daran erinnern, wie im März dieses Jahres der Kurzfilm „KONY 2012“ im Internet seine Runde machte und innerhalb kurzer Zeit zu den meistgesehenen Videos aller Zeiten wurde. Das Echo der Mainstream-Medien und auch vieler Blogger war eindeutig: Der Kurzfilm der in den USA ansässigen NGO „Invisible Children“ ist eine gute Sache und trägt dazu bei, dass der ugandische Kriegsverbrecher endlich gefasst wird. Ziel der Kampagne war es, Joseph Kony bis 2012 zu fassen. Abgesehen davon unterstütze man einen US-Einsatz im ostafrikanischen Land und setzte auf einfache Schwarz-Weiß-Malerei.

Es steht außer Frage, dass Joseph Kony ein grausamer Kriegsverbrecher ist, der für den Tod von unzähligen ugandischen Zivilisten verantwortlich ist. Mit seiner Lord’s Resistance Army (LRA) terrorisierte Kony jahrelang den Norden Ugandas, die Zentralafrikanische Republik, den Kongo und den Südsudan. Vor allem für die Rekrutierung von Kindersoldaten wurde der Mann bekannt. Schätzungsweise hat die LRA 66.000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht. Jungen wurden manipuliert und zu Kindersoldaten rekrutiert, während Mädchen missbraucht, verkauft und zwangsverheiratet wurden. 2005 wurde gegen Kony ein Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag erlassen. Wo sich der Kriegsverbrecher gegenwärtig befindet und ob er überhaupt noch am Leben ist, ist unklar.

Der Kurzfilm von „Invisible Children“ wurde extrem schnell auf sozialen Plattformen verbreitet und auch von den Massenmedien aufgegriffen. Diese berichteten plötzlich über den Kriegsverbrecher Kony und die Zustände in Uganda. Diese Zustände wurden im Kurzfilm ziemlich fragwürdig dargestellt. So wurde dem Zuschauer der Eindruck gemacht, dass nur Joseph Kony für die schlechte Lage in Uganda verantwortlich sei. Dass dieser gegenwärtig im Land keine große Rolle spielt, wurde außer Acht gelassen. Es wurde auch nicht erwähnt, dass es die einstigen Kindersoldaten sind, die nun innerhalb der LRA die Macht übernommen haben und den Terror verbreiten. Außerdem unterstützte die Kampagne mehr oder weniger die Regierung und das Militär in Uganda. Der dortige Präsident Yoweri Museweni ist seit über 25 Jahren an der Macht. Von demokratischen Verhältnissen fehlt jede Spur. Tagtäglich werden Menschenrechte gebrochen. Der Terror der Regierung überschattet den einstigen Terror der LRA. Um Kony, der sich schon lange nicht mehr in Uganda befindet, kümmert sich kein Mensch mehr. Das gleiche gilt für die Kampagne von „Invisible Children“, denn diese ist schon längst in Vergessenheit geraten. So schnell wie sie aufkam, so schnell ging sie auch wieder unter.

Nun kamen jedoch neue Tatsachen ans Licht, die mit Joseph Kony und den Kindersoldaten ein Verbindung gebracht werden können. Es ist schon seit einiger Zeit bekannt, dass die US-Regierung Sicherheitsfirmen wie „Blackwater“ (Anm.: Blackwater ist auch auch unter die Namen Xe Services oder Academi bekannt) für ihre Kriege beauftragen. Diese sollen nach dem regulären Truppenabzug die Kriegsgebiete weiterhin im Dienst der USA kontrollieren. Demnach befinden sich gegenwärtig tausende von Söldner, die für diese Firmen tätig sind, im Irak und in Afghanistan. Vergangene Woche zeigte der „Weltspiegel“ einen Beitrag, in dem unter anderem zu sehen war, wie US-Sicherheitsfirmen ehemalige ugandische Kindersoldaten anwerben, um sie in den Irak und in andere Kriegsgebiete zu schicken. Die Soldaten, die einst unter Konys Gewalt standen, werden zuerst von ugandischen Sicherheitsfirmen angeheuert. Diese vermitteln sie dann weiter an ihre amerikanischen „Kollegen“.

De facto betrachten die USA die ugandischen Söldner als billiges Kanonenfutter. Diese stammen aus ärmlichen Verhältnissen und haben ihr ganzes Leben lang nur Leid erfahren. Sie wurden von Konys LRA misshandelt und benutzt, vom Krieg traumatisiert und konnten sich danach nicht mehr in die Gesellschaft einfügen. Um ihren Familien ein wenig Geld bieten zu können, riskieren sie ihr Leben im Irak oder in Afghanistan. In Afghanistan sterben zur Zeit mehr Angehörige von Sicherheitsfirmen als US-Soldaten.

Das amerikanische Verteidigungs- und Außenministerium will von all dem nichts wissen. Jenes Land, das sich für die Festnahme von Joseph Kony einsetzte wie kein anderes und den Missbrauch von Kindersoldaten verurteilte, schlägt nun selbst den gleichen, unmenschlichen Weg ein, um daraus zu profitieren. Die amerikanische Doppelmoral scheint keine Grenzen zu kennen.

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3 Gedanken zu „KONY 2012 – Die Fortsetzung

  1. Schön, dass Sie auch hier wieder Ihren Finger in eine Wunde legen, die öffentlich so gut wie nicht diskutiert wird und dazu kaum jemanden interessiert! Ich hatte diese widerliche Geschichte – wie sicher viele andere – auch nicht auf dem Zettel stehen.

    Ja, ich denke, man kann durchaus ohne größere Fehlerquote prinzipiell ALLES, für was sich die USA engagieren als mindestens sehr verdächtig und in der Regel sogar als klaren Hinweis darauf werten, dass irgendeine eigene Schweinerei dahinter steht. Wie auch im Umkehrschluss ALLES, was die USA ablehnen und als Teufelszeug abtun fast blind als etwas Positives, Konstruktives, Gerechtes und generell Gutes betrachtet werden kann.

    Vielen Dank!

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  2. Danke für den Hinweis auf den Weltspiegel-Link.

    Das Uganda und Ruanda den Teil des Kongos, wo Coltan abgebaut wird, mittels Proxy-Milizen besetzt halten, empört „USA&Co.“ nicht – sie fördern dies sogar logistisch und politisch. In diesem Teil des Kongo sind sechs Millionen Menschen für die Handys und sonstige Elektronik von „USA&Co.“ ermordet worden. Billige Handys und politische Winkelzüge sind Obama – der in der ghanaischen Hauptstadt Accra stolz verkündet hat, er habe afrikanisches Blut – wichtiger als afrikanisches Blut und andauernde Völkermorde, die Konys LRA u.ä. erst den vergifteten Nährboden bereiten.

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  3. Pingback: Machtverhältnisse am Hindukusch | Emran Feroz's Blog

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