Auf nach Mali

Die deutsche Regierung plant schon die nächste Militärintervention, sprich, den nächsten Krieg in einem fremden Land. Ich hatte schon vor einiger Zeit erwähnt, dass dieses Mal die westliche Freiheit im fern gelegenen Mali verteidigt werden soll. Nun machte sich Bundesaußenminister Westerwelle vor Ort ein Bild der Lage, während sich Kanzlerin Merkel schon vergangene Woche offen für ein militärisches Eingreifen zeigte. Immerhin müssen auch in Mali die „bösen Islamisten“ so schnell wie möglich dingfest gemacht werden.

Da Mali einst eine französische Kolonie war, war es nicht verwunderlich, dass die Kriegspläne hauptsächlich in Frankreich geschmiedet wurden. Seit einiger Zeit haben die Anzugträger im Élysée-Palast nämlich die Kontrolle über ihren „verlängerten Arm“ in Westafrika verloren. Grund dafür sind verschiedene, radikale Gruppierungen, die von den Medien wieder einmal schlicht und einfach als „Islamisten“ bezeichnet werden. Diese haben gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden des Landes unter ihrer Kontrolle gebracht.

Die westlichen Imperialisten ergriffen sofort die Initiative, um möglichst schnell in Mali einzumarschieren. Es ist nichts Neues, dass es vor allem im Interesse der Franzosen liegt, die Kontrolle in nordwestafrikanischen Staat zu behalten. Obwohl die Zeiten der Kolonialisierung offiziell schon längst vorbei sind, will man sich nicht mit der Unabhängigkeit dieser Staaten abfinden. Deshalb wird bis zum heutigen Tage geschickt manipuliert und Unruhe gestiftet, damit Länder wie Nigeria, Mali oder Algerien weiterhin ausgebeutet und kontrolliert werden können. Frankreich betrachtet all diese Staaten als eine Art Hinterhof.

Ironischerweise wurden jene Gruppierungen in Mali, die nun verteufelt und als „Al-Qaida“ bezeichnet werden, einst von westlichen Staaten unterstützt. So gab es unter anderem kuriose Verbindungen mit dem Schweizer Außenamt. Abgesehen davon sind dort, wie schon in Afghanistan und in anderen islamischen Ländern, Kämpfer aus aller Welt angereist, um den Islam auf irgendeine Art und Weise zu „verteidigen“. So wurden in den vergangenen Monaten schon mehrere historische Monumente von diesen Barbaren zerstört. Einfach gesagt: Die westlichen Geheimdienste haben wieder einmal die Kontrolle über ihre „verrückten Bartträger“ verloren.

Die gleichen „Bartträger“ werden gegenwärtig weiterhin in Syrien unterstützt und mit Waffen beliefert. Das tut aber nichts zur Sache, denn die Intervention in Mali ist schon längst beschlossene Sache. Der UN-Sicherheitsrat hat schon seinen Segen erteilt und auch deutsche Politiker zeigen sich mehr als nur offen für den geplanten Krieg. Obwohl Guido Westerwelle während seines Besuchs in Mali alles versucht hat, um einen deutschen Einsatz nicht mit dem katastrophalen Afghanistan-Szenario zu vergleichen, hat er dem Land die Unterstützung seiner Regierung zugesichert. Angela Merkel wurde vergangene Woche deutlicher, als sie von sich gab, dass Mali kein Rückzugsort für den internationalen Terrorismus werden dürfe.

Nur die deutsche Bundeswehr zeigt sich skeptisch, denn sie befürchtet ein „zweites Afghanistan“. Allerdings geht in der Diskussion völlig unter, dass die Armeen Deutschlands und Malis schon seit Jahren eng zusammen arbeiten. Die Bundeswehr war in der Vergangenheit schon als Ausbilder in Mali tätig. Außerdem versorgt sie die malische Armee mit Fahrzeugen bis hin zu logistischem Material.

Mali ist ohnehin schon seit dem Militärputsch, der Anfang des Jahres stattfand, ein gespaltenes Land. Die Spannungen im Norden haben die Lage verschärft. Eine Militärintervention seitens des Westens würde das Land wohl ins völlige Chaos stürzen. Das Szenario ist immer dasselbe. Man sucht sich ein Feindbild, was man sich selbst erschaffen hat. Dann gibt man vor, Menschenrechte und Demokratie ins Land bringen zu wollen, während man die zivile Bevölkerung bombardiert und ausbeutet. Am Ende installiert man ein neues Marionetten-Regime, während der sogenannte Feind stärker geworden ist als je zuvor. Von Menschenrechten oder irgendwelchen anderen Rechten fehlt wie immer jede Spur. Das ist gegenwärtig in Afghanistan zu beobachten. Es ist traurig, dass sich Deutschland erneut an solch einem Krieg beteiligen will. Nachdem die deutsche Freiheit am Hindukusch nicht erfolgreich verteidigt werden konnte, versucht man es dieses Mal zwischen der Sahara und der Sahel-Zone.

 

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3 Gedanken zu „Auf nach Mali

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