Terror zum Opferfest

Der Terror und die Unterdrückung sucht die muslimische Bevölkerung dieser Welt auch während des islamischen Opferfestes heim. Im Norden Afghanistans explodierte ein Sprengsatz nach dem Gebet. Im Irak gingen mehrere Sprengsätze auf Märkten und belebten Plätzen hoch. In Syrien herrscht kein Waffenstillstand und es wird weiter gemordet, während in Burma weiterhin die muslimische Minderheit massakriert und vertrieben wird.

In der Provinz Faryab im Norden Afghanistans betrat kurz nach dem Gebet zum Opferfest ein Selbstmordattentäter die Moschee. Er zündete seinen Sprengsatz und riss vierzig Menschen in den Tod, über fünfzig Menschen wurden teils schwer verletzt. Über die Identität des Attentäters ist so gut wie nichts bekannt. Bis jetzt hat sich keine Gruppierung zu dem Anschlag bekannt. Das ist auch bei den Taliban der Fall. Ohne die afghanischen Taliban in Schutz nehmen zu wollen, muss gesagt werden, dass es sehr untypisch für sie wäre, während der islamischen Feiertage einen solchen Anschlag zu begehen. In der Moschee befanden sich laut offiziellen Angaben viele Polizisten. Einige Augenzeugen wollen gesehen haben, dass auch der Attentäter eine Polizeiuniform trug.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dieser Anschlag darauf abzielt, in Afghanistan ethnische Spannungen auszulösen. Es liegt im Interesse einiger Gruppierungen, solch ein Attentat auf die Schnelle den Taliban unter zuschieben. Da die Taliban überwiegend paschtunischer Abstammung sind und im Norden des Landes viele Tadschiken und Usbeken leben, wurde hier wohl nicht ohne Grund Faryab ausgesucht. In der ebenfalls nördlichen Provinz Baghlan wurde am ersten Tag des Opferfests ein Attentäter dingfest gemacht, bevor er seinen Sprengsatz zünden konnte. Die USA und ihr Freund, der saudische König Abdullah, verurteilten den Anschlag.

Im Irak starben am zweiten Tag des Opferfestes über fünfunddreißig Menschen. In Baghdad ging eine Bombe auf einem belebten Marktplatz hoch. Eine andere explodierte in der Nähe eines Busses, in dem iranische Pilger saßen. Im Schiiten-Viertel der Stadt starben mindestens dreiundzwanzig Menschen durch Autobomben. Ich hatte schon vor geraumer Zeit geschrieben, warum man sich über die Autobomben und ominösen Anschläge auf Märkten oder belebten Plätzen Gedanken machen sollte. Auch in einer Moschee detonierte eine Bombe und riss Unschuldige in den Tod. Wie man sieht, herrscht im Irak nach dem US-Truppenabzug alles andere als Ruhe.

In Syrien beschlossen das Assad-Regime sowie die sogenannten Rebellen um die „Freie Syrische Armee“ einen Waffenstillstand. Auf das Recht, Angriffe zu verteidigen, wollten jedoch beide Konfliktparteien nicht verzichten. Demzufolge war nichts mehr von diesem Waffenstillstand übrig geblieben, als in Damaskus wieder Explosionen zu hören waren. Es war klar, dass ein Waffenstillstand nicht im Interesse jener liegt, die diesen Stellvertreterkrieg in und außerhalb Syriens austragen. Demnach wurde gegen die Waffenruhe bis jetzt über zweihundert Mal verstoßen. Der Krieg in Syrien forderte während der ersten zwei Tage des Opferfestes mehrere Dutzend Todesopfer. Es war naiv zu glauben, dass man den Syrern während des Opferfestes eine Kriegspause gönnt, denn die Fadenzieher im Hintergrund legen weder Wert auf religiöse Gefühle, noch auf unschuldiges Blutvergießen.

Währenddessen haben sich einige Medien beschlossen, nach langer Zeit wieder einmal etwas über Burma zu berichten. Dort werden weiterhin Muslime, die der Minderheit der Rohingya angehören, ermordet, misshandelt und vertrieben. Ich hatte darüber schon im Juli geschrieben. Auch damals war das Medienecho eher nüchtern. Nun kam es wieder zu erheblichen Ausschreitungen, die allein in den letzten Tagen über sechzig Opfer forderten. Die muslimischen Rohingya sind laut UNO gegenwärtig die am stärksten verfolgte Minderheit der Welt. Seit Monaten gehören ethnische Säuberungen in Burma zum Alltag. Die mehrheitlich buddhistische Bevölkerung beteiligt sich an den Verbrechen gegen die Minderheit. Diese haben einen neuen, grausamen Höhepunkt erreicht: Ein muslimisches Viertel im Westen des Landes wurde nahezu komplett niedergebrannt, über 800 Häuser wurden zerstört. Bis heute haben weder Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi, noch der Dalai Lama ein Wort über diese Verbrechen verloren. Auch westliche Politiker ziehen es vor, lieber mit dem Finger auf Islamisten in Mali oder anderswo zu zeigen, anstatt gegen den Massenmord etwas zu unternehmen. Einige Medien wie SPIEGEL-ONLINE haben es nun „über ihr Herz gebracht“, über diese Verbrechen zu berichten. Leider kommt das einige Monate zu spät.

Es gibt heute wohl keinen einzigen Tag, an dem solche Sachen nicht passieren. Opfer sind wie immer Unschuldige, egal ob in Afghanistan, in Syrien, im Irak oder in Burma. Prägend ist das Bild des afghanischen Jungen, der den Anschlag in Faryab überlebt hat. Zum Opferfest zieht man traditionell seine schönsten und neuesten Kleider an, um an diesem Tag mit seiner Familie zu feiern. Das weiße, schöne Gewand dieses kleinen Kindes ist mit unschuldigem Blut beschmiert. Anstatt einen Tag voller Freude zu erleben, wurde er wahrscheinlich für sein ganzes Leben lang traumatisiert und hat seine Verwandten und Freunde verloren. Nach solch einem Anblick sieht man keine Hoffnung mehr für diese verdorbene Welt.

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Ein Gedanke zu „Terror zum Opferfest

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