Malala Yousafzai – der politische Missbrauch eines Kindes

Der tragische Fall des paschtunischen Schulmädchens Malala Yousafzai sorgt immer noch weltweit für Schlagzeilen. Das junge Mädchen aus Pakistan wurde auf dem Schulweg von einem angeblichen Mitglied der Taliban in den Kopf und in den Nacken geschossen. Schwer verletzt überlebte sie den Anschlag und befindet sich gegenwärtig in Birmingham. Malala stammt aus dem Swat-Tal, einer Provinz, die einst ein Teil Afghanistans war und gegenwärtig zu den gefährlichsten Gegenden der Welt gehört. Dies ist nicht ohne Grund der Fall, denn Swat steht großteils unter „Taliban-Kontrolle“, wie es die meisten Medien ausdrücken wurden. Den Mädchen wird dort der Schulbesuch untersagt. Die fünfzehnjährige Malala besuchte allerdings aus Protest weiterhin den Unterricht, bis es zu jenem schicksalhaften Tag kam. 

Zum Begriff „Taliban“ sollte man immer wieder ausdrücklich sagen, dass es innerhalb Afghanistans und Pakistans mehrere Taliban-Gruppierungen gibt, die unterschiedliche Ziele verfolgen und für verschiedenste Zwecke missbraucht werden. Die westlichen Medien ziehen es vor, alle möglichen Mörder und Verbrecher in Zentralasien als „Taliban“ zu bezeichnen. Deshalb haben vor allem in Europa und in den USA viele Menschen ein falsches Bild von der Lage am Hindukusch. Dies ist auch beim Anschlag auf Malala der Fall.

Dieser wurde nicht nur sofort von der pakistanischen Regierung aufgenommen, sondern auch vom Westen. Die Regierung in Islamabad verurteilte den Mordversuch und wiederholte ein weiteres Mal, die „Taliban-Terroristen“ bekämpfen zu wollen. Was sie allerdings nicht erwähnt hat, ist das Faktum, dass sie die gleiche Gruppierung weiterhin im Nachbarland Afghanistan unterstützen wird, so wie es die vergangenen Jahre der Fall war.

Wenn die pakistanische Regierung schon über das Schicksal von Malala und anderen paschtunischen Mädchen an der afghanisch-pakistanischen Grenze spricht, muss sie auch über den dort stattfindenden Drohnen-Krieg Barack Obamas sprechen. Durch den täglichen Drohnen-Beschuss sterben zahlreiche Paschtunen, vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen sind davon betroffen. Die überlebenden Männer schwören auf Rache. Sie schließen sich Widerstandsbewegungen an oder lassen sich von Extremisten für deren politische Ziele missbrauchen. In den Medien werden uns dann all diese Gruppierungen als „Taliban“ verkauft. Aus einem neuen Bericht ging hervor, dass achtzig Prozent der Drohnen-Opfer Zivilisten sind. Des Weiteren stufen die Anzug- und Ordensträger in Washington jede männliche Person, die über achtzehn Jahre alt ist, als „bewaffneten Kämpfer“ ein. Demnach tötet Obama per Unterschrift jeden Tag Unschuldige.

Das ist aber nicht die einzige Tatsache, die von der pakistanischen Regierung gerne verschwiegen wird. Man darf nicht vergessen, dass Pakistan von Anfang an auf der Seite von George W. Bush stand, sprich, gegen die „Achse des Bösen“. Pakistan ebnete den USA und ihren Verbündeten den Weg nach Afghanistan, damit diese dort die „westliche Freiheit“ verteidigen. Des Weiteren ist es heuchlerisch von Pakistan, die Verbrechen der Taliban in Swat an den Pranger zu stellen, während das pakistanische Militär ebenfalls für zahlreiche Verbrechen in Malalas Heimatort verantwortlich ist. Diese Verbrechen an die Zivilbevölkerung fanden hauptsächlich während der Intervention gegen die Taliban statt.

Eine weitere Sache über die Zardari und seine Kollegen schweigen, ist der pakistanische Raketen-Beschuss auf die afghanische Provinz Kunar, der sich vor einigen Wochen ereignete. Auch dort kamen Zivilisten ums Leben. Pakistan verbreitet und fördert den Terrorismus in Afghanistan und in der Grenzregion, trotzdem spricht es immer wieder von einem „Kampf gegen den Terror“.

In dieser Hinsicht verhält sich der Westen ähnlich wie Pakistan. Der „Fall Malala“ wurde sehr schnell von Politik und Medien aufgegriffen. Das Schicksal des Mädchens ist in aller Munde, gleichzeitig werden junge, unschuldige Mädchen in Afghanistan und Pakistan von US-Drohnen getötet oder nachts aus dem Schlaf gerissen, von US-Soldaten missbraucht und getötet. Über all diese Fälle spricht niemand. Stattdessen zeigt man permanent auf einen Feind, den man sich selbst erschaffen hat.

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6 Gedanken zu „Malala Yousafzai – der politische Missbrauch eines Kindes

  1. So ist es. Es gibt die zivilen Opfer, die Anonymen, also unbeabsichtigte Kollateralschäden, übrigens Unwort des Jahres 1999 (Jugoslawien), und Opfer von radikalen Islamisten, vorzugsweise Mädchen oder junge Frauen.

    Zum Thema „Vorzeigeopfer„ schreibt Margaret Kimberley: Malala the Worthy Victim
    http://www.blackagendareport.com/content/freedom-rider-malala-worthy-victim

    Auch interessant:
    http://www.fair.org/blog/2012/10/16/sympathy-for-afghan-girl-shows-limit
    The Corporate media isn’t too fond of Malalai’s hero, Malalai Joya, the Afghan women’s rights activist as well as firm opponent of the NATO
    war in Afghanistan.

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  2. Pingback: Malala Yusufzai - Der politische Missbrauch eines Kindes

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