Hussein und Willard

Sehr bald ist es wieder so weit. In den USA wird wieder ein neuer Kriegsherr gewählt und zur Wahl stehen zwei Personen, von denen die Welt denkt, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Fakt ist jedoch, dass es völlig egal ist, wer von den beiden gewählt wird und in den nächsten vier Jahren die Vereinigten Staaten offiziell führen wird. 

Als vor vier Jahren Barack Hussein Obama zum 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, war die weltweite Masseneuphorie groß. Man hat erwartet, dass der erste Afroamerikaner im Amt der Welt Frieden und Veränderung bringen wird. Man hat erwartet, dass der Mann, dessen Vater ein Muslim war, das katastrophale politische Erbe seines Vorgängers Bush bewältigen wird und die Welt in ein neues Zeitalter führt. Das alles klang schon damals zu schön um wahr zu sein. Die erste Amtszeit Obamas hat vor allem bewiesen, dass nicht er das „System“ verändert hat, sondern das „System“ ihn. Aus dem idealistischen Anwalt, der sich einst gegen den Irak-Krieg stellte, wurde ein kaltherziger Führer, der sich als geeignete Marionette von Lobbyisten und Imperialisten erwies.

Obama begann seine Amtszeit mit dem Bruch seines wichtigsten Wahlversprechens, indem er das Folterlager in Guantánamo nicht schloss.Außenpolitisch führte er Bushs Erbe nicht nur fort, sondern verschlimmerte dieses teilweise sogar. Prägend ist hier der Drohnen-Krieg der USA, der hauptsächlich an der afghanisch-pakistanischen Grenze stattfindet. Jeden einzelnen Drohnen-Abschuss muss der Präsident erst genehmigen.

Im Anbetracht seines Gegenkandidaten wünschen sich trotzdem viele Menschen eine zweite Amtszeit Obamas. Erst vor Kurzem sorgte Willard Mitt Romney wieder einmal für Schlagzeilen, indem er seine „überragenden“ Geografiekenntnisse unter Beweis stellte und während der TV-Diskussion mit Obama behauptete, Syrien sei Irans einzige Verbindung zum Meer. Nichtsdestotrotz würden achtzig Prozent der Israelis für diesen Mann stimmen. Obama ist anscheinend nicht so beliebt bei den israelischen Bürgern. Sein nicht allzu freundschaftliches Verhältnis zu Benjamin Netanjahu ist sicherlich einer der Gründe dafür. Obwohl Obama zu Beginn seiner Amtszeit ein totales Siedlungsstopp seitens Israel forderte, hat er sich letztendlich dem israelischen Druck gebeugt, indem sich er sich gegen die Aufnahme eines Palästinenserstaates vor der UNO stellte. Außerdem unterstützte er die israelische Kriegshetze gegen den Iran.

Auch innenpolitisch wird sich nicht viel ändern. Die überfüllten Gefängnisse in den USA werden weiter mit Häftlingen beliefert, während man auf den Straßen der Großstädte den Kampf gegen die Drogenkriminalität weiter fortführen wird. Währenddessen fördert man unter anderem den Drogenanbau in Südamerika oder in Afghanistan, indem man die dortigen Kriminellen unterstützt. Illegale Immigranten werden weiterhin wie Menschen zweiter Klasse behandelt und abgeschoben. In ihren Heimatländern herrschen chaotische Zustände, für die hauptsächlich die USA verantwortlich sind, diese will sie jedoch auch nicht im eigenen Land haben.

Das amerikanische Gesundheitssystem wird weiterhin so marode und absurd bleiben wie es ist. Die soziale Kluft zwischen den vielen Armen und den wenigen Reichen wird weiterhin wachsen. Der Klimawandel wird wohl auch die nächsten Jahre links liegen gelassen werden. Das liegt vor allem daran, dass in den USA die Öl- und Energiekonzerne zu viel zu sagen haben. Die amerikanische Politik war diesen Lobbyisten schon immer verfallen.

Die Weltöffentlichkeit denkt zu schwarz-weiß, indem sie Republikaner mit „schlecht“ assoziiert und Demokraten mit „gut“. Die meisten wissen nicht einmal, dass es einige andere Parteien in den USA gibt, die mit ihren Bewerbern zu den Präsidentschaftswahlen 2012 antreten. Wenn dem nicht so wäre, dann wären Namen wie Jill Stein von der Green Party oder Virgil Goode, der für die Constitution Party ins Rennen geht, nicht so unbekannt. Es liegt auf der Hand, dass diese Kandidaten mit Hilfe der Massenmedien geschickt aus der Öffentlichkeit gedrängt werden. Das amerikanische Volk soll das Interesse an politische Alternativen verlieren und sich nur auf die zwei Hauptpersonen konzentrieren. Natürlich werden beide von allen möglichen Geldgebern finanziert, deshalb werden sie während ihrer Amtszeit hauptsächlich in deren Interesse handeln und nicht in der des wählenden Volkes. Das mit dem „Wählen“ ist in den USA ohnehin ein ganz anderes Thema.

Fakt ist, dass der nächste US-Präsident weiterhin als Marionette fungieren wird und das macht, was ihm vorgelegt wird. Er wird sich weiterhin den Willen der Geldgeber und Weltausbeuter beugen. Demnach werden weiterhin kriminelle Finanzspekulanten geschützt und Aktivisten wie Julian Assange verfolgt. Andere Völker werden weiterhin unterdrückt und mit Krieg bedroht, während man den afrikanischen Kontinent weiter ausbeutet, destabilisiert und hungern lässt. Der US-Präsident wird weiterhin „Terrorverdächtige“ entführen und foltern lassen. Für eine weltweite Abrüstung wird er sich weiterhin nicht einsetzen. Stattdessen setzt man weiterhin auf Atomwaffen, um damit vor allem anderen Staaten einen Schrecken einzujagen.

Die Konfession oder die Hautfarbe des Amtsträgers spielen keine Rolle, denn solange er nicht die Interessen Volkes vertritt, wird sich nichts ändern. Egal wie die Wahlen ausgehen werden, eines ist sicher: Wir können uns auf vier weitere Jahre amerikanischer Narrenfreiheit freuen.

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4 Gedanken zu „Hussein und Willard

  1. In der Tat, lieber Emran, so ist es leider, so wird es bleiben und vor allem, so war es immer. Deshalb habe ich „meine“ US-Präsidenten, die in den Dekaden meiner Lebensspanne bisher auftauchten stets auch nur nach persönlicher Sympathie „bewertet“. Also so wichtige Kriterien wie: Wie sieht er aus? Hat er Sexappeal? Hat er Charisma? Ist er intelligent? Ist er rhetorisch begabt? Ob Republikaner oder Demokrat war bei der bisherigen Auswahl – so gut wie – egal.

    Aus all diesen Gründen meiner persönlichen Bewertungsskala wünsche ich mir jetzt natürlich sehnlichst, dass Barak Hussein Obama das Rennen machen wird!!! Oh yes! Außerdem sind mir Mormonen äußerst unangenehm und solche Superheuschrecken wie Willard erst Recht . Und dann mag ich einfach, dass man Obama in weiten Kreisen dieses verkommenen Landes für einen Sozialisten und wegen seines Vornamens Hussein für einen Muslim hält. Das ist doch einfach genial! Und dass er schwarz ist, finde ich angesichts der Rassismus-Historie der USA immer noch geil! Dazu stehe ich! Es ist nun einmal so, dass dieser Umstand nach wie vor vielen, vielen Schwarzen in den USA und der ganzen Welt eine Menge bedeutet. Hinzu kommt dann noch, dass ich für mich persönlich auch einen Unterschied mache dahingehend, für was jemand einmal angetreten ist, für was er einst stand und was ihn evtl. noch bewegt. Und auch da ist Hussein freilich mein Favorit, da er als Person zumindest in gewissen „sozialen“ und „Deeskalations-Kategorien gedacht und gelebt hat als Willard, der nichts anderes als das Gen des Geldvermehrens innerhalb stockkonservativer Bedingungen in sich trägt.

    Aber alles nicht falsch verstehen: Ich habe 0 (in Worten: Null) Illusionen, was die beiden Herren betrifft und unterschreibe freilich alles, was Sie dankenswerterweise geschrieben haben und das sich noch endlos erweitern ließe. Für die Welt ist es sch…egal, wer von den beiden schließlich gewählt wird. Für die USA im Innern sehe ich das etwas differenzierter als Sie, was aber freilich auch nur marginale Unterschiede ausmacht. In der Realität wahrscheinlich dann gar keinen.

    Trotzdem: Vote Obama for President!!!
    Das ist wie bei meiner Mutter, die eine glühende Peronistin war und sogar ein Bild von Juan Perón in Galauniform im Wohnzimmer hängen hatte – „Ein so feiner Herr, unser Juanito!“. Das färbt ab. 🙂

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