Imran Khan und der „Heilige Krieg“

Der pakistanische Politiker Imran Khan will den Taliban-Terror in Afghanistan rechtfertigen, indem er ihn als „Heiligen Krieg“ bezeichnet. Khan ist der Meinung, dass es richtig sei, die fremden Besatzer im Nachbarland zu bekämpfen. Seine Aussagen fielen nicht nur zu einem falschen Zeitpunkt, sondern sind auch heuchlerisch und falsch. Von der afghanischen Regierung wurde Khan für seine Aussagen bereits auf das Schärfste kritisiert.

Mit dieser Aussage hat Khan, der sich oft als paschtunischer Patriot ausgibt, wieder einmal bewiesen, dass er nur eine pakistanische Marionette ist. Khan nennt die afghanischen Taliban „Mudschaheddin“, während die pakistanischen Taliban als „Terroristen“ abgestempelt werden. Abgesehen davon darf man nicht vergessen, dass alle Taliban, egal ob in Pakistan oder in Afghanistan, von der pakistanischen Regierung und dem Geheimdienst ISI in jeglicher Hinsicht gefördert wurden. Die Vergangenheit hat schon des Öfteren bewiesen, dass der ISI hauptsächlich im Interesse des CIA handelt und dass beide bis heute alles versuchen, um einen Frieden in Afghanistan zu verhindern.

Imran Khans Aussage kam zu einem unpassenden Zeitpunkt, denn vor kurzer Zeit sorgte der Fall des paschtunischen Schulmädchens Malala Yousafzai weltweit für Schlagzeilen. Yousafzai stammt aus dem Swat-Tal, das wie einige andere paschtunische Stammesgebiete teilweise unter Taliban-Kontrolle ist. Die Taliban hängten dort ein Schulbesuchsverbot für Mädchen aus. Yousafzai besuchte aus Protest weiterhin den Schulunterricht bis sie eines Tages von einem Talib in den Kopf und in den Nacken geschossen wurde. Sie überlebte den Anschlag und befindet sich gegenwärtig in einer Klinik in Birmingham. In den letzten Tagen wurde das junge Mädchen sehr berühmt. Die pakistanische Regierung wiederholte, den Kampf gegen die „Terroristen“ zu verschärfen. Dass allerdings die gleichen Fanatiker weiterhin in Afghanistan unterstützt werden, wird beiseite gedrängt.

Der „Fall Malala“ ist sehr traurig, doch er wurde sofort von der Politik missbraucht. Wenn die pakistanische Regierung über das Schicksal des paschtunischen Mädchens an spricht, muss sie auch über den Drohnen-Krieg von Barack Obama reden. Immerhin genehmigt Islamabad den Friedensnobelpreisträger, jeden Tag paschtunische Zivilisten an der afghanisch-pakistanischen Grenze zu ermorden. Aus einem neuen Bericht ging hervor, dass achtzig Prozent der Drohnen-Opfer Zivilisten seien. Laut Washington gilt jeder junge Mann, der das achtzehnte Lebensjahr beendet hat, als „bewaffneter Kämpfer“.

Außerdem sollte nicht permanent auf andere Terroristen gezeigt werden, während die pakistanische Armee selbst Terror verbreitet. Vor einigen Wochen wurde die afghanische Provinz Kunar mit pakistanischen Raketen befeuert. Auch hier kamen Zivilisten ums Leben. Abgesehen davon darf man nicht die Verbrechen des Militärs vergessen, die in Yousafzais Heimatprovinz Swat während der Kämpfe mit den Taliban begangen wurden. In all diesen Fällen macht sich die pakistanische Regierung als Mittäter verantwortlich.

Eine weitere Sache wären die zahlreichen ISI-Agenten, die sich gegenwärtig in Afghanistan aufhalten, um dort Unruhe zu stiften. Mit Unruhe meine ich unter anderem Selbstmordattentate auf Marktplätzen, Attentate auf Politiker, Autobombenanschläge in Schiiten-Vierteln oder in der Nähe von Sufi-Schreinen und andere Verbrechen, die gegen die afghanische Bevölkerung begangen werden. Ich würde von Herrn Khan gerne wissen, ob dies auch ein Teil seines erwähnten „Heiligen Kriegs“ sei.

Wie schon erwähnt, gibt sich Imran Khan oft als patriotischer Paschtune aus. Deshalb fragt man sich, warum er nicht über die Themen redet, die ich gerade angesprochen habe. Die Opfer der gegenwärtigen pakistanischen Politik sind hauptsächlich Paschtunen. Mit seiner Aussage unterstützt Khan eine Gruppierung, die nichts mit der paschtunischen Bevölkerung und deren Kultur zu tun hat, sondern nur für die Interessen anderer instrumentalisiert wird. Die Mächte, die hinter den Taliban stehen, haben nichts mit Religion am Hut. Für sie ist Religion nur ein Mittel zum Zweck und Imran Khan hilft ihnen indirekt, indem er derartige Aussagen von sich gibt.

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Ein Gedanke zu „Imran Khan und der „Heilige Krieg“

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