Christenhass in Israel

Viele westliche Politiker beschweren sich immer wieder über die Lage von Christen in islamischen Ländern. Oftmals dient als Vorzeigebeispiel das absolutistische Saudi-Arabien, denn dort werden die Bibeln schon am Flughafen abgenommen. Die Massenmedien machen bei diesem Spiel mit, indem sie über die Situation in Nigeria, Pakistan und einigen anderen Ländern berichten. Dass radikale Zionisten jedoch nicht nur gegen Muslime hetzen, sondern es in Israel und im Westjordanland auch auf Christen abgesehen haben, wird meistens völlig aus den Augen gelassen. 

Erst im vergangenen Monat wurde das Kloster Latrun bei Jerusalem von Unbekannten geschändet. Netanjahu, Lieberman und andere Politiker verurteilten die Tat, in den westlichen Medien konnte man jedoch nicht viel darüber finden. Zumindest „Die Welt“ widmete sich dem Thema. Auf den Mauern des Klosters konnte man unter anderem Beleidigungen gegen Jesus lesen. Jüdische Siedler wurden für die Tat verantwortlich gemacht. Eine Seltenheit sind solche Aktionen nicht.

Meistens fokussieren sich radikale Zionisten, zu denen auch die zahlreichen illegalen Siedler im Westjordanland gehören, auf Muslime und politisch linke Aktivisten. In letzter Zeit schossen die Übergriffe auf Christen und christliche Einrichtungen drastisch in die Höhe. Das Kloster Latrun ist kein Einzelfall. Christenfeindliche Sprüche oder Beschimpfungen gegen Jesus und Maria häufen sich. Anders als im Islam hat Jesus im Judentum keinerlei Bedeutung. Deshalb schrecken religiöse Fanatiker vor derartigen Beleidigungen nicht zurück. Zu einigen Schändungen hat sich auch die Jewish Defense League (JDL), eine radikal-jüdische Gruppierung, bekannt. Seit einiger Zeit ist es auch eine Angewohnheit geworden, in gewissen Vierteln Jerusalems christliche Würdenträger zu bespucken.

Während vor allem in den USA rechts-konservative Christen sich als Anhänger des Zionismus erweisen, indem sie anti-islamische Propaganda verbreiten und die Politik der israelischen Regierung in keinster Weise in Frage stellen, sind ihre Glaubensbrüder Opfer von rechtsradikalen Zionisten. Bis zum heutigen Tage ist Israel viel zu unentschlossen gegen derartige Strömungen vorgegangen. Vor einigen Monaten kam es schon zu Ausschreitungen gegen Afrikaner und tagtäglich werden in den besetzten Gebieten im Westjordanland unschuldige Menschen, die seit Jahrhunderten dort leben, von Siedlern attackiert, beleidigt und auch getötet.

Nun wurde auch noch bekannt gegeben, dass Benjamin Netanjahu die illegalen Siedlungen legalisieren möchte. So einfach will sich das „Bibi“ nun machen. Vor einigem Jahrhundert lebten noch Christen, Juden und Muslime friedlich in Palästina. Zu diesen Zeiten gab es keinen Gaza-Streifen, der gegenwärtig als das größte Gefängnis der Welt ist und die Ideologie des Zionismus hatte noch nicht Fuß gesetzt. Obwohl es den Zionismus gab, hatte er noch lange nicht derartige Dimensionen erreicht, wie es heute der Fall ist.

Anstatt jede Kritik an Israel als Antisemitismus abzustempeln, sollten vor allem europäische Politiker ihre Doppelmoral beiseite legen und sich endlich zu den Fakten bekennen, denn man kann nicht permanent hinter einem Staat stehen, der Apartheid und Rassismus fördert und kriegsgeil ist.

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4 Gedanken zu „Christenhass in Israel

  1. Interessant! Von diesen Vorgängen wusste ich in der Tat so gut wie nichts. Doch wundern, nein, wundern kann mich dies natürlich nicht. Die Linie bleibt ja schließlich gewahrt. Danke für diesen Einblick!

    Und was unseren gemeinsamen Freund „Bibi“ betrifft, wundert schon gleich gar nichts mehr. Dieses vom Westen, von Europa seit jeher mit Glaceehandschuhen angefasste Israel ist eine Schande angesichts der in Teilen tragischen bis unbeschreiblich katastrophalen Geschichte der Juden. Unbegreiflich. Beziehungsweise sehr wohl begreiflich, wenn man sich auf die psychologisch-figurative Ebene schwerer neurotischer Störungen begibt. Israel in der Art seiner Entstehung und Verteidigung ist das Gebilde einer solchen schweren neurotischen Störung und solche Figuren wie Netanjahu die Personalisierung und damit die leibhaftigen Vollstrecker derselben.

    Mit Wehmut denke ich noch an den österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, der als wohl einziger europäischer Politiker Israel gerade unter Menachem Begin des Öfteren die Leviten gelesen hatte und die PLO durch die Erlaubnis, in Wien ein Büro zu eröffnen quasi semioffiziell „hoffähig“ machte. Da er ja selbst Jude war, nutzte er diesen Umstand – vergleichsweise – segensreich aus. Ein beachtenswerter Sozialdemokrat allemal, damals, als es noch Sozialdemokraten gab, die diesen Namen verdienten. Als Sozialistin war ich natürlich nie eine allzu intime Freundin Kreiskys, aber Ehre da, wem Ehre dort gebührt. Im Falle Israels jedenfalls eine in jeder Form erquickende Erinnerung.

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