Der Friedensnobelpreis und die Europäische Union

Dieses Jahr geht der Friedensnobelpreis an die Europäische Union. Christian Rickens von SPIEGEL-ONLINE will den Lesern ernsthaft weismachen, dass es an dieser Entscheidung nichts zu kritisieren gäbe. „Außer ein paar schrägen Figuren vom rechten oder linken Rand wird sie niemand ernsthaft kritisieren können“, so Rickens. Nachdem man so etwas gelesen hat, fragt man sich ein immer mehr, wie lange man dieses Blatt noch ernst nehmen soll.

Es mag zwar sein, dass die Europäische Union dem europäischen Kontinent eine gewisse Stabilität und Sicherheit gebracht hat, doch es wird auch immer wieder gerne vergessen, dass dies auf Kosten anderer Völker und Nationen geschieht. Innerhalb Europas findet kein Krieg statt, wie man aber den Begriff „Frieden“ definiert, ist eine komplett andere Sache.

Der Wohlstand und die sichere Existenz Europas wird vor allem auf den Schultern des verarmten und ausgebeuteten afrikanischen Kontinents getragen. Allen voran ist hier die Einwanderungspolitik der EU zu kritisieren. Man unterstützte Diktatoren wie Gaddafi und Mubarak, um sie sich als geeignete Handlanger gefügig zu machen. So hielt man die zahlreichen Flüchtlingswellen fern und ließ junge Afrikaner, die ihren „European Dream“ verwirklichen wollten, im Meer ertrinken.

Als der Arabische Frühling ausbrach, ließ man jene Despoten, die sonst in Paris und Rom mit Jubel und Applaus empfangen wurden, fallen. Die Flüchtlinge gibt es jedoch bis heute. Kein Wunder, denn durch verschiedene Subventionen der EU zerstörte man die Existenz zahlreicher, afrikanischer Arbeiter. Darüber schrieb damals sogar SPIEGEL-ONLINE, doch am heutigen Tage will man darüber nicht sprechen.

Tagtäglich zerstört die europäische Politik das Leben von zahlreichen Menschen in der Dritten Welt. Gleichzeitig will die Europäische Union diese Menschen nicht auf dem europäischen Festland haben. Jenen Menschen, die den Kontinent erreicht haben, werden dann erneut zahlreiche Steine in den Weg gelegt. Vor allem rechtspopulistische und fremdenfeindliche Parteien finden in den Flüchtlingen geeignete Sündenböcke, um sie für jedes Übel verantwortlich zu machen. Man darf nicht vergessen, dass auch diese Parteien ein Teil Europas sind. Einige ihrer Vertreter sitzen im Europäischen Parlament wie zum Beispiel der Österreicher Andreas Mölzer, ein Mitglied der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Mölzers Partei warnt oft vor den „bösen Islamisten, Asylanten und Sozialschmarotzern“.

Auch solche Politiker repräsentieren die EU und sie haben sicherlich nicht einen derartigen Preis verdient. Rechtspopulistische Hetzer tragen nichts zu einem friedlichen Miteinander bei, sondern spalten die Bevölkerung. Trotzdem geht der Friedensnobelpreis an die „Organisation EU“. Eine Organisation, die viele Lücken und Schattenseiten hat. Gegenwärtig ist das europäische Volk alles andere als glücklich. Man braucht sich nur die finanzielle Lage Griechenlands, Spaniens und anderer EU-Mitgliedsstaaten anzuschauen. Von Tag zu Tag steigt die Arbeitslosigkeit, doch die Politiker in Brüssel pumpen das Geld weiterhin in skrupellose Banken, denen das Wohl der Menschen herzlich egal ist.

Währenddessen herrschen Kriege in der Arabischen Welt. Man darf nicht vergessen, dass Europa der wichtigste Verbündete der USA ist. Demnach unterstützt auch Europa den Stellvertreterkrieg in Syrien und die bewaffneten Konflikte in Libyen und in anderen Staaten. Europäische Soldaten sind in Afghanistan stationiert und sie waren auch im Irak. Bis heute herrscht in beiden Ländern alles andere Frieden.

Die Europäische Union genießt den Scheinfrieden auf dem Festland auf Kosten anderer. Deshalb hat sie den Friedensnobelpreis nicht verdient. 2009 erhielt Barack Obama den Friedensnobelpreis. Darum darf man sich auch über die diesjährige Entscheidung nicht wundern. Man braucht keine „schräge Figur vom rechten oder linken Rand sein“, um das zu kritisieren.

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10 Gedanken zu „Der Friedensnobelpreis und die Europäische Union

  1. „Die EU ist gleichzusetzen mit der NATO, denn es sind praktisch bis auf einige Ausnahmen die selben Länder Mitglieder in beiden kriminellen Vereinigungen, und die führt ständig Kriege, sogar gegen europäische Länder, wie wir mit dem Balkankrieg gesehen haben. Dann, was ist mit dem Krieg in Afghanistan, wo fast alle EU-Länder ihre Soldaten als NATO-Truppen dort haben? Oder den Angriffskrieg gegen Libyen, der auch hauptsächlich von EU-Ländern geführt wurde?

    Der Friedensnobelpreis ist in Wahrheit ein Kriegsnobelpreis. Sieht man an den Vorgängern, die diesen bekommen haben, wie Henry Kissinger, der Millionen Menschen aus Vietnam, Laos und Kambodscha auf dem Gewissen hat. Er war daran massgeblich beteiligt, das mehr Bomben auf diese Länder fielen als im gesamten II. Weltkrieg. Oder was ist mit Obama? Der hat ihn sogar im Voraus bekommen. Nach erhalt hat er die Kriege von Bush ausgeweitet und neue begonnen, einschliesslich den mit Killerdrohnen.“

    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2012/10/der-witz-des-jahres-eu-bekommt.html

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    • Ich möchte Ihrem Kommentar nicht zwingend widersprechen! Im Gegenteil!
      (OT: Und bei Kissinger fällt mir – naturgemäß – auch gleich immer Chile ein… Ich werde es aus all diesen Gründen auch nie vergessen, wie ein stockkonservativer und erzreaktionärer Schwiegermuttertraum namens Johannes Baptist Kerner – würg! – vor ein paar Jahren Herrn Kissinger in seine triefige Talkshow eingeladen hatte und mit diesem Massenmörder eine Stunde lang Smalltalk hielt. Wie geht das? Wieso bekommt sowas eine Einreisegenehmigung? Klar, rhetorische Fragezeichen, aber an einem solchen Ereignis kann man zumindest deutlichst ablesen, wie es um unseren Mainstream bestellt ist. )

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  2. lieber emran, da ist ist schon sachlich richtig was du schreibst, aber vergiss bitte nicht wer die eu ist, das sind wir alle, auch du und ich. und vielleicht sollten wir als nobelpreisträger:-) uns nun angespornt fühlen, uns noch mehr für globale gerechtigkeit und wirklichen frieden einzusetzen.

    das bild das du leider ausgewählt hast, finde ich schrecklich, denn es drückt nur hass aus.

    lg.

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    • aber vergiss bitte nicht wer die eu ist, das sind wir alle, auch du und ich. und vielleicht sollten wir als nobelpreisträger:-)

      Genau dieses Gefühl sollte bei den Menschen erzeugt werden! Dass Sie Ihren scheinheiligen Kommentar mit „lieber emran“ beginnen, um ihn anschließend zu beleidigen, zeigt mir, dass sie
      a) nichts begriffen haben oder
      b) eine der immer zahlreicher werdenden bezahlten Provokateure sind, die ausgeschickt und angewiesen werden, Blogger, die die ungeschminkte Wahrheit schreiben zu diffamieren.

      Sie verhalten sich widerlich und sind in Ihrer Propaganda und Manipulation leicht zu durchschauen!

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  3. Ich kann nicht erkennen, dass Emran Feroz hier ein Bild des Hasses gezeichnet hat. Ebenso wenig erkenne ich, dass er selbst der EU mit Hass gegenüberstünde. Im Gegenteil, in dem Artikel steht – wie ich finde, sogar mit noch vergleichsweise noch milden Worten – das, was es an einem solchen Feiertag zu sagen gibt zu diesem Europa der Gegenwart. Und was für ein verstörendes, wenngleich wohl psychologisch nachvollziehbares Bild als Beispiel auch: Die ärmsten und in den Abgrund gehetzten „Schweine“ der heutigen EU, die Griechen, sind gleichzeitig diejenigen, deren xenophobische Ausschreitungen immer wieder bis an die Schwelle zu Pogromen reichen!
    Nein, eine Romantisierung der Vergangenheit hilft keinen Schritt weiter. Ich selbst war und bin eine leidenschaftliche Europäerin (obwohl aus Argentinien stammend und „meinem“ Kontinent emotional tief verhaftet), doch dieses Europa ist nicht das Europa, das ich mir wünschte und wünsche. Jenseits der Fakten, auf die Emran Feroz dankenswerterweise an diesem Tag aufmerksam macht, ist dieses Europa eine zutiefst kapitalistisch-neoliberale Vereinigung, die vor allem an unser aller Demokratien sägt. Und dies nicht erst seit der Banken-rettungs-krise, das kann man schon im Lissabonner Vertrag nachlesen. Politik muss im Jetzt beurteilt werden! Wann bitte sonst? Und das hat dieser Artikel hervorragend geleistet.

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  4. 1. Warum bekommt eine politische Organisation einen Preis, der nur Menschen zusteht?
    2. Barack Obama hat den Friedensnobelpreis bekommen. Das Ergebnis waren grausame Kriege und im Innern der USA die Errichtung einer faschistoiden Diktatur.
    3. Was also ist jetzt von der EU zu erwarten?

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  5. Lieber Emran,

    nach einem ausgedehnten Streifzug heute durch alle (mir bekannten) alternativen Seiten und Blogs jenseits der Mainstreampresse kehre ich sehr ernüchtert und geradezu dankbar zu Ihrem Blog zurück und darf Ihnen sagen, dass Ihr Artikel der beste und notwendigste ist, den ich zu diesem Spektakel des Friedensnobelpreises an die EU finden konnte. Und das wiederum mit Abstand! Gratulation! Dieses kompromisslose Legen des oder der Finger(s) in die klaffenden, hässlichen Wunden der EU habe ich so – in natürlich kürzerer Version – nur noch auf der Seite der EU-Abgeordneten Sabine Wils (Die LINKE.) gefunden:

    http://www.dielinke-europa.eu/article/8258.erst-barack-obama-dann-die-europaeische-union.html

    Nochmals ein noch größeres Danke!

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  6. Fünf Personen, die durch den norwegischen Parlement ernannt werden, entscheiden darüber, wer den „Friedensnobelpreis“ erhält -.- Durch vorheucheln verblenden sie die Massen der europäischen Bevölkerung um ZUSAMMENZUWACHSEN. Europäische Medienlandschaft, Regierungschefs und auch die meisten Menschen auf diesem Kontinent durchschauen nicht, auf welchem Fundament unser Wohlstand erbaut wurde und weiterhin dazu verdammt ist.
    Ich danke dir Emran Feroz für deine Artikel. Seit dem ich dein Blog kenne, habe ich mir noch kein Beitrag deinerseits entgehen lassen 🙂

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  7. Der Friedensnobelpreis hatte für mich schon an Gehalt verloren, als er an einen Terroristen, wie Obama verliehen wurde. Der Umstand, dass dieses Jahr ein korrupten Staatenbund, wie die EU als Preisträger gekrönt wird, sollte nicht allzu sehr wundern, denn die Auszeichnung ist nicht mehr als ein Propagandamittel und Instrument der politischer Mobilisierung. Jetzt wissen die Steuerzahler wenigstens, dass es sich für den Erhalt des Friedensnobelpreisträgers -sprich die EU- lohnt Steuergelder nach Griechenland fließen zu lassen.

    @Emran Feroz, vollkommen korrekte und triftige Gründe, warum die EU keinen Preis verdient, der eigentlich Friedensstiftern gebührt wird.

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  8. Pingback: Albtraum Europa | Emran Feroz's Blog

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