Das Puppentheater geht weiter

Ein türkisches Dorf an der syrisch-türkischen Grenze wurde abermals von Granaten, die aus Syrien kamen, getroffen. Daraufhin erwiderte das türkische Militär den Angriff erneut. Einfach gesagt: Die Marionetten werden immer noch geschickt gesteuert.

Schon am Mittwoch habe ich über den fragwürdigen Granaten-Beschuss und über die Rolle Erdogans in diesem Stellvertreterkrieg geschrieben. In den Medien konnte man immer wieder hören und lesen, dass die NATO „sehr besorgt“ um die gegenwärtige Lage in Syrien sei, doch im Grunde genommen war das komplette Szenario vorprogrammiert. Mittlerweile hat sich nämlich herausgestellt, dass die sogenannten Rebellen für den Granaten-Beschuss verantwortlich waren und dies auch zugegeben haben. Demnach war es eine gezielte Provokation, um die Lage eskalieren zu lassen.

Es würde absolut keinen Sinn ergeben, wenn das syrische Regime plötzlich die Türkei angreifen würde. Warum auch? Das türkische Militär ist dem syrischen um einiges überlegen. Abgesehen davon haben die Syrer im eigenen Land schon einen Bürgerkrieg am Laufen. Es ist in keinster Weise ersichtlich, warum man nun einen Krieg mit dem Nachbarland anfangen will.

Nichtsdestotrotz hat die Provokation der „Freien Syrischen Armee“ sofort gewirkt. Die vom Westen ausgerüsteten Kämpfer, die in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich nur als „Al-Qaida-Terroristen“ Schlagzeilen machen werden, sind nämlich gerade dabei, eine Niederlage in Syrien zu erleben. Da würde türkischer Rückhalt sehr gelegen kommen.

Der Ablauf eines Stellvertreterkrieges ist kein Geheimnis. Trotzdem gibt es immer noch zahlreiche Menschen, die den Medien Glauben schenken und sehr einseitig und schwarz-weiß denken. Erdogan hat vor allem viele Türken hinter sich. Diese denken doch tatsächlich, dass ihr Präsident nur das beste für die türkische Nation und für die muslimische Welt wolle. Es kommt jedoch nicht auf das an, was Erdogan sagt. Es kommt einzig und allein darauf an, was er tut.

Seinen Taten nach zu beurteilen, ist Erdogan auf jeden Fall nicht an Frieden interessiert. Immerhin erlaubt er es der NATO fremde Kämpfer in der Türkei auszubilden, damit diese dann über die Grenze in den Krieg geschickt werden. Als dieser heimtückische Krieg begann, schlug sich Erdogan sofort auf die Seite des Westens und machte sich leicht gefügig. Die NATO müsste nicht einmal in Syrien einmarschieren, denn wenn es so weitergeht, wird das die Türkei erledigen. Einfach gesagt: Die USA und andere imperialistische Kräfte brauchen sich dann nicht die Finger schmutzig zu machen.

Nun flogen also wieder Granaten. Man kann nicht ernsthaft das syrische Regime noch einmal für eine solche Tat verantwortlich machen. Einige meinen, dass man sich aufgrund solcher Aussagen auf der Seite des syrischen Diktators al-Assad schlägt. Derartige Anschuldigungen sind lächerlich, denn es geht schon lange nicht mehr um einen Diktator und um dessen Clan. Niemand leugnet die Verbrechen dieses Regimes, doch wer denkt, dass man den Teufel mit dem Beelzebub bekämpfen kann, sollte seine Weltanschauung noch einmal überdenken.

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7 Gedanken zu „Das Puppentheater geht weiter

  1. Jetzt versuchen sie es mit einer „humanitären Katastrophe verhindern“, um ihren offenen Krieg gegen Syrien zu bekommen, worauf auch die Ankündigung der so genannten „Rebellen“, die nun gar zu „Revolutionären“ mutiert sind, dass sie 49 Zivilisten (Geiseln) umbringen würden, wenn Syrien nicht ihre Forderungen erfüllt.

    Dieses Spiel kann ich nur noch als grotesk bezeichnen.
    Und es widert mich an.

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  2. Sorry, aber ich kann die Argumentationslinie hier nicht mehr nachvollziehen. Wie hier dem türkischen Ministerpräsidenten nicht alles unterstellt wird (ohne wirklich Beweise zu liefern), finde ich echt ungehörig, aber gut, man muss ja nicht immer einer Meinung sein, was?

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  3. Pingback: Das Puppentheater geht weiter | Schnanky

  4. Die Frage lautet, was erhofft sich die Türkei durch einen etwaigen salafistischen Nachbarstaat?
    War es Bedingung des Westens, die Opposition in Syrien zu unterstützen, um der EU beitreten zu können? Für die Türkei interessant, angesichts der wirtschaftlichen Lage in Europa jedoch missmutig. Die europäische Bevölkerung ist im Gegensatz zu Ihren Regierungen größtenteils gegen einen Wandel in Syrien, wie er derzeit von statten gehen soll. Auch die Türkei ist aus einigen, wenn auch nicht immer berechtigten Gründen unerwünscht.
    Oder ist das Engagement der Türkei bezüglich Syrienfrage historisch bedingt. Das Osmanische Reich hat schließlich zu seiner Zeit immer wieder gerne ethnisch-religiöse Säuberungen vorgenommen, auch wenn viele Türken (außer die betroffene alevitische Minderheit) ein Problem mit dem Umgang ihrer Geschichte haben.
    Beide Gründe wären für das Interesse der Türkei fatal, gar dumm.
    Ich persönlich sehe den Grund für den Aufschrei der Türkei als Versuch, sich als die islamisch-geprägte Macht in der Region und sogar Weltweit zu profilieren. Ein zumindest in Ansätzen sunnitisch geprägter Staat als Nachbar, dem man zur Hilfe geeilt war, wäre auf dem ersten Blick hilfreich. Schließlich ist ohne Frage Ägypten mit ihrer legitimierten Regierung groß im Kommen.

    Die gesamte Welt, nicht nur die Türkei, sollte aus der Geschichte lernen. Wenn der Unmut wächst, aufgrund von Lügen, leeren Versprechungen und Propaganda, wird die Rache groß. Afghanistan, als Schlachtfeld der Welt, ist nur ein Beispiel aus der Geschichte der Menschheit. Lasst die Menschen ohne Einflussnahme entscheiden, ohne Lügen, ohne Versprechungen, ohne Propaganda. Man sieht sich schließlich immer zwei Mal im Leben – oder in der Geschichte.

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  5. Habe soeben einen interessanten Artikel der faz gefunden, der ein grelles Licht auf die tatsächlichen die Vorgänge um Syrien wirft:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/syrien-und-ihr-denkt-es-geht-um-einen-diktator-11830492.html

    Beim Lesen dieses Artikel fiel mir ein, dass ein russischer General schon im vorigen Jahr warnte, die Situation sei die selbe wie während der Kuba-Krise – nur schlimmer und gefährlicher.

    Sie – die USA und ihre NATO Vasallen – spielen mit dem Feuer, weil sie „es wissen wollen“. Sie werden letztendlich die Verlierer sein.
    Das Imperium bröckelt schon an allen Ecken und Enden. Die imperiale „Groß-“ Macht hat nicht mehr die Möglichkeit und Kraft, das selbst in die Hand zu nehmen und muss seine Bluthunde losschicken…

    Das geht nach hinten los und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass von Syrien und von uns hinterher noch was übrig geblieben ist.
    Ich habe eine große Hoffnung: Selbst diese irren NATO Strategen sind nicht lebensmüde. Aber sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie sind zum Untergang verurteilt – auf jeden Fall! Das macht sie so gefährlich!

    Meine Solidarität, meine besten Wünsche und Gedanken gelten dem syrischen Volk.

    Die Frage der Religion(en) ist nur vorgeschoben, um die wahren Ursachen und Machtgelüste dahinter zu vertuschen!

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  6. Pingback: Schachfigur Libanon | Emran Feroz's Blog

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