Türkei bombardiert Syrien

Nach einem fragwürdigen Angriff auf türkischem Boden hat Erdogans Militär Ziele in Syrien bombardiert. Damit hat der türkische Präsident endgültig bewiesen, dass er jenen in die Hände spielt, gegen die er sonst wettert.

Als israelische Soldaten jenes türkische Schiff stürmten, welches auf den Weg nach Palästina mit Friedensaktivisten beladen war, kamen acht türkische Staatsbürger ums Leben. Damals wetterte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gegen die israelische Regierung und zeigte seine angebliche Solidarität dem palästinensischen Volk gegenüber. Er wurde als ein Mann gefeiert, der sich gegen die Zionisten, ja gegen Israel stellt.

Dann begann der Syrien-Krieg. Ein Krieg, der unter fragwürdigen Umständen begann. Ein Krieg, der mit dem sogenannten Arabischen Frühling nichts zu tun hat. In diesem Krieg stellte sich Erdogan auf die Seite der sogenannten „Freien Syrischen Armee“, einer Gruppe von Kämpfern, die hauptsächlich von den USA, Israel, Saudi-Arabien und Qatar unterstützt werden. An der türkisch-syrischen Grenze wurden diese Kämpfer ausgebildet und in den Kampf geschickt. Der angebliche Kampf gegen den Diktator al-Assad richtete sich schon bald gegen die zivile Bevölkerung. Immer wieder fanden Massaker statt, deren Umstände bis heute nicht geklärt sind. Hauptsache, man konnte sie Baschar al-Assad in die Schuhe schieben.

Ende Juni wurde ein türkischer Kampfjet vom syrischen Militär abgeschossen. Die Piloten überlebt haben oder nicht, ist bis heute unklar. Erdogan war empört und kritisierte al-Assads Regime. Theoretisch hatten die Türken die syrische Lufthoheit verletzt und mit einem Abschuss rechnen müssen. Die Syrer entschuldigten sich.

Nun kam es erneut zu einem fragwürdigen Vorfall. Ein türkisches Dorf wurde mit Artilleriegranaten angegriffen, die angeblich aus Syrien abgeschossen wurden. Eine Frau und ihre vier Kinder wurden dabei getötet. Dass die Granaten tatsächlich aus Syrien kamen, ist bis jetzt immer noch nicht bewiesen, geschweige denn, wer sie abgeschossen hat. Es war aber sehr wohl vorprogrammiert, dass ein solcher Vorfall die türkisch-syrischen Verhältnisse endgültig zerstören würde.

Umso weniger darf man sich wundern, dass die türkische Artillerie als Antwort auf den Granaten-Angriff syrische Ziele bombardiert hat. Medienberichten zufolge zeigt sich die NATO sehr besorgt über die Ausschreitung des Konflikts. Jedoch liegt es auf der Hand, dass genau diese Reaktion seitens der NATO erwünscht war. Damit unterstützt die türkische Regierung das Morden in Syrien und hat sich als geeigneter Handlanger der westlichen Imperialisten erwiesen.

Als acht Türken durch israelisches Feuer starben, hat Erdogan keine israelischen Ziele bombardiert, sondern nur große Töne von sich hören lassen. Taten jedoch folgten keine. Nun spielt er jedoch das Alpha-Tier, weil es im Interesse der Fadenzieher liegt. Er hat gezeigt, dass er eine gehorsame Marionette ist und sich leicht instrumentalisieren lässt.

Der Syrien-Krieg ist ein imperialistisches Machtspiel der Großmächte dieser Erde. Er wird auf Kosten muslimischer Zivilisten ausgetragen. Es interessiert den Russen, Chinesen, Amerikanern und Israelis herzlich wenig, wie viele Syrer in der letzten Woche in Aleppo und Damaskus starben. Es interessiert sie auch nicht, ob Kulturgüter und Kunstschätze zerstört werden. Hauptsache, die Muslime schlachten sich gegenseitig ab, damit man am Ende ein leichtes Spiel hat. Umso trauriger ist es, dass solch ein Krieg von Politikern wie Erdogan unterstützt wird.

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12 Gedanken zu „Türkei bombardiert Syrien

  1. Ich kann Ihre Anspielungen und Deutungen nicht nachvollziehen. Wenn einer versucht, die Lage im nahen Osten zu beruhigen und seit jeher eine Rolle der Vermittlung und der Kommunikation einnimmt, dann die türkische Regierung. Dieser feige Angriff soll ja wohl kaum unbeantwortet bleiben, oder? Was meinen Sie, welches Land der Welt würde hier einfach zum Tagesgeschäft übergehen. Sie scheinen überdies zu vergessen, dass die Türkei erstens auch Israel damals mit Krieg gedroht hat nach dem Mavi Marmara – Vorfall und zweitens die Assads schon seit Jahrzehnten die PKK unterstützen. Irgendwann ist die Geduld aufgebracht. Ich bin wirklich enttäuscht wie Sie hier ein ums andere Mal eine Lanze für einen Diktator wie Assad brechen. Sehr beunruhigend, dass Sie, nur weil er sich mit dem Westen konfrontiert sieht, seine Partei ergreifen. Die Proteste waren friedlich, sie wurden unterdrückt, Demonstranten verfolgt und getötet und dann eskalierte alles.Schuld ist allein Assad.

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    • Es war fast schon vorher zusehen, dass sich nationalistische Türken mit gewissen Fakten nicht abgeben können.

      Die Türkei mag damals Israel mit Krieg gedroht haben, doch bellende Hunde beißen nicht und das hat sich damals gezeigt, wie ich schon im Artikel geschrieben habe.

      Es ist lächerlich mich als Pro-Assad darzustellen. Das war nicht beim von Ihnen erwähnten Artikel der Fall und das ist es auch nicht bei diesem. Dass die al-Assads mitsamt ihren Diktator genug Dreck am Stecken haben, ist eine Tatsache.

      Genauso ist es eine Tatsache, dass dieser Stellvertreterkrieg für grausame imperialistische Machtspiele ausgetragen wird und das auf Kosten der Muslime. Wenn Sie dies immer noch nicht durchschaut haben, wäre es besser, wenn Sie sich gar nicht mehr damit beschäftigen würden.

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      • Genau das ist ihr Problem. Sie verlieren den Überblick. Sie sehen zuviel schwarzweiß. Die türkische Regierung besteht aus Polit-Profis. Leute, die wissen, wie Politik gemacht wird. Diese Männer und Frauen wissen um die Vormachtstellung des Westens (UND ISRAELS) und deswegen wird sicherlich in diesem Fall (Israel betreffend) nicht zu harsch reagiert. Ebenso wissen sie um die Ermächtigung des Assad-Clans durch die West-Mächte. Diese Leute wissen auch um die prekäre Lage, in der sie sich innenpolitisch befinden, denn die PKK wurde jahrzehnte vom Assad-Clan gefördert und wird auch heute wieder begünstigt, dadurch, dass die PYD dort in Gnaden Assads an die Macht gelangte und die PKK gewähren lässt, nationalistische Tendenzen innerhalb der kurdischen Fraktionen bestärkt. Die Regierung der Türkei ist mitnichten ein Lakai des Westens, ebenso auch kein Freund eben jener Diktaturen im arabischen Raum, die vom Westen ermächtigt wurden. Genauso wie die Türkei unter DIESER Regierung nicht bedingungslos und naiv pro-westlich ist, ist sie bedingungslos pro-iranisch oder pro-anti-westlich. Sie sucht ihren eigenen Weg. Sie macht ihre eigene Politik und versucht dabei eben so gut wie möglich das politische Ränkespiel zu Gunsten der eigenen Maßstäbe und Vorstellungen auszunutzen. Dies gelingt mal mehr und mal weniger, was nicht weiter verwunderlich erscheinen sollte. Was ich mir wirklich (WIRKLICH) von Ihnen wünschen würde, wäre eine weniger indifferente, weniger schwarzweiße Sicht auf die Geschehennisse. Sie beweisen dies allzu oft, beweisen Sie es wieder. Mich gleich in die Ecke der türkischen Nationalisten zu stellen, ist ebenso falsch. Die Regierung ist weit von nationalistischen Tendenzen entfernt. Ebenso bin ich mitnichten ein türkischer Nationalist. Mir liegt die Frieden und der Fortschritt in der Region am Herzen.

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    • Lieber Herr Ali Barbar,

      es freut mich, dass Sie immer wieder meine Artikel lesen und dazu immer bzw. sehr oft derartig ausführliche Kommentare hinterlassen.

      Ich will kurz auf Ihre Anspielungen bzw. Argumente eingehen:

      1. Denken Sie nicht, dass Sie derjenige sind, der einseitig, sprich, schwarz-weiß denkt, indem Sie Erdogan als etwas „gutes“ sehen und al-Assad als etwas „böses“? Ich habe niemals den Diktator al-Assad verteidigt, doch Sie sollten wissen, dass man den Teufel nicht mit dem Beelzebub bekämpfen kann.

      2.“Die türkische Regierung besteht aus Polit-Profis“ – Das tut de facto jede Regierung der Welt, deshalb verstehe ich nicht, worauf Sie hinaus wollen bzw. was Sie unter einem „Polit-Profi“ verstehen.

      3. Wie schon gesagt: Schwarz-weiß ist dieses Blog sicherlich nicht. Hier wird nicht Partei für den Iran ergriffen. Das können Sie in anderen Artikeln leicht erkennen. Hier werden nur Fakten behandelt und diese können Sie leider nicht leugnen. Sie ergreifen Partei für Erdogan, weil Sie Sympathie für diesen bzw. für die AKP hegen und laufen genau jenen Kräften in die Arme, die das bezwecken.

      Man nennt das auch Instrumentalisierung.

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      • Zu 1.:
        Erdogan ist mit Sicherheit weit davon entfernt auch nur ansatzweise mit einem Diktator vergleichbar zu sein.
        Überdies geh ich stark davon aus, dass die Regierung kein Interesse daran hat, dass Syrien ein salafistischer Staat wird. Es sind vielmehr die realpolitischen Gegebenheiten der Region, mit denen sich die Türkei eben auch auseinandersetzen muss. Zu diesen gehört eine weltpolitisch problematische Regionalmacht Iran, ein Russland, das verzweifelt zu alter Stärke und Bedeutung gelangen will, zwei hofierte Verbündete der Weltmacht USA (einer wahhabitisch, einer zionistisch) und diverse bürgerkriegsnahe Länder, den Irak nicht zu vergessen. Außerdem die an sich in sich zersplitterten, jedoch durch die jüngsten Entwicklungen in eine dynamisch aufgeladene „Schlüsselposition“ gelangten Kurden. In der Türkei verfolgt man eine ausgewogene Politik von einer Stärkung und einer Zusammenarbeit in der Region einerseits und der taktischen Fügung an die geopolitischen und machtpolitischen Realitäten. Natürlich muss die Regierung hierbei abwägen, wie sie wann handelt. Dies nicht zuletzt, weil ihr Handeln eben eine gewisse Tragweite hat. Hier wird deutlich, warum sie eben auch nicht Verräter an der Sache des kleinen Mannes oder nahöstlicher Interessen sind, sondern Polit-Profis, womit ich zu Punkt 2 reagiert hätte. Denn die Korruption ist in der AKP wohl kaum ausgeprägt.
        zu 3.:
        Ich sehe keinerlei Fakten, was die Zusammenarbeit der türkischen Regierung mit salafistischen Terroristen angeht, von denen sicherlich auch genug in Syrien unterwegs sind. Diese sind jedoch nicht gleichzusetzen mit der FSA! Und den Fehler dürfen sie nicht machen, selbst wenn die Westmächte diese oppositionelle Armee offiziell unterstützen, muss man eben sehen, wo deren letztendlichen Ambitionen liegen. (Destabilisierung durch die Terroristen) Und die Ambitionen liegen bei der Regierung Erdogan sicherlich nicht in einer weiteren Destabilisierung der Region, wozu die salafistischen Umtriebe beitrügen. Es steht fest, dass die Türkei die FSA unterstützt, alles andere ist reine Spekulation. Das müssen Sie sich vorhalten lassen leider.

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  2. Ich verstehe einfach nicht, wieso Assad die Türkei bzw. ein türkisches Dorf angreifen sollte ?
    Die syrische Regierung hat ja schon genug mit den Rebellen zu tun, wie dumm ist es dann die Türkei anzugreifen, die meiner Meinung nach dem syrischen Militär überlegen ist.

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  3. Ich sehe es genau so wie Emran Feroz: Erdogan ist vor allem ein testosterongesteuerter Maulheld, der damals (Israel/Gaza-Hilfe) die Pobacken zusammen gekniffen hatte und jetzt den ganz starken Mann markiert. Und ebenso ist es richtig, dass er nichts weiter als eine ziemlich dumme Marionette im grossen Spiel der eigentlichen Geostrategen ist. Wer das nicht sieht, der schwingt dann freilich auch die nun wirklich niveauloseste aller Keulen: Wer die Wahrheit verkuendet ist – wie stets – ein Freund des allgemein auserkorenen boesen Buben. Gaehn!
    Ganz abgesehen noch von der wohl berechtigten Frage, die @Mmmm stellt.

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  4. Das glaube ich so nicht, da ich – egal welche – tuerkische Regierung nie unterschaetzen wuerde. „Dumm“ meint ja in diesen Faellen nie, dass ein Politiker sozusagen qua kognitiver Faehigkeiten nicht mitbekommen wuerde, was er tut, vor allem warum er es tut, im Gegenteil. Erdogan weiss selbstverstaendlich haargenau, von wem er fuer was instrumentalisiert werden soll bzw. wird. Die Bewertung „dumm“ bezieht sich also darauf, dass er sich wie ein unabhaengig Handelnder waehnt und meint, diese Instrumentalisierung autonom steuern zu koennen. Die Faeden, an denen er wirklich haengt, sieht er jedoch nicht. Der Trick der Marionettenfuehrer in diesem Spiel ist doch immer der, dass der Marionette ein paar Faeden gezeigt werden, so dass sie sich autonom und das Spiel durchschauend fuehlen darf – aber es sind „tote“ Faeden. Die tatsaechlich lenkenden Faeden jedoch sind selbstverstaendlich unsichtbar.

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  5. Erdogan wird ebenso wie Saddam Hussein, Bin Laden, Gaddafi und Mubarak enden. Irgendwann braucht ihn der Westen nicht mehr. Alleine die Tatsache, das er diese Rebellen und Terroristen in seinem Land ausbildet, die dann unschuldige Menschen massakrieren zeigt was für ein Mensch der ist. Und dann gibt es auch noch Türken, die sich hinter Erdogan stellen. Sehen diese denn nicht die ganzen Videos im Internet? Die Hinrichtungen von Postbeamten, das Erhängen von kleinen Kindern, das Foltern von anders gläubigen? Oder sind das genauso Fakes, wie es der Erdogan selbst ist. Jeder, der solch einen Mörder wie ihn Erdogan verteidigt, hat selber Blut an den Händen kleben.

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  6. Pingback: Das Puppentheater geht weiter | Emran Feroz's Blog

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